Das FAZ-Narrativ

Die nationale Idee der Ukraine ist es, sich selbst und andere so weit wie möglich zu belügen. Denn wenn man die Wahrheit sagt, bricht alles zusammen.

-Alexej Arystowitsch – Berater des ukrainischen Präsidenten Selensky für strategische Kommunikation im Bereich der nationalen Sicherheit und Verteidigung-

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Doch nicht bis zur Vergasung: umkämpftes „Asowstal“-Werk in Mariupol. Bild: Hotlink Russia Today

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Grade vor einer guten Woche noch, am 13. April, erging sich die FAZ in einem episch heroischen Abgesang, betitelt mit „Letzter Kampf – Versuchen die Russen, den Widerstand der Verteidiger von Mariupol mit chemischen Waffen zu brechen?“, auf die in Mariupol gekesselten ukrainischen Marine-Infanteristen und Schergen des Azov-Freiwilligenbataillons. Das Asowstal-Stahlwerk, eine Stadt für sich mit unterirdischem, weitläufig-verwinkeltem, atombombensicherem Bunkersystem, war zum letzten Zufluchtsort jener Soldateska geworden, die sich, laut FAZ, schon dem Vergasungstod gegenübersah:

Eduard Bassurin, einer der militärischen Anführer der „Volksrepublik Donezk“, sprach am Montag im russischen Staatsfernsehen davon, es sei nun das Wichtigste, die Wohnviertel zu „säubern“. Auch anderenorts gehe es schwer voran, aber „allmählich werden wir unseren Boden reinigen.“ Er erläuterte, warum es sinnlos sei, die Stellungen der Verteidiger im Stahlwerk „Asowtal“ zu stürmen: Angesichts der massiven Gebäude und der unterirdischen Geschosse verliere man dabei viele eigene Soldaten, während der Gegner kaum Verluste erleide. Daher müsse man das Werk blockieren und die Ein- und Ausgänge finden. Dann sagt er einen Satz, der aufhorchen ließe: „Und dann muß sich, denke ich, an die chemischen Streitkräfte wenden, und die finden einen Weg, die Maulwürfe in ihren Höhlen auszuräuchern.

Ja, „Wohnviertel säubern“ – liest sich erst mal brutal und völkermörderisch, doch schließlich geht es hier um den Kampf gegen militärische Einheiten. Haben die sich eventuell in Wohnvierteln, unter zivilen menschlichen Schutzschilden, eingenistet? Natürlich verbietet es der ungeheure, gasförmig im Raume schwebende Vorwurf, solche Fragen überhaupt erst zu stellen:

Das klang wie eine Ankündigung dessen, was in der Ukraine und im Westen seit Wochen befürchtet wird: des Einsatzes chemischer Waffen durch Russland. Bassurin sprach von „chemsichen Streitkräften“, als sei deren Existenz selbstverständlich. Das steht in Widerspruch zur Behauptung der russischen Führung, sie habe 2017 die Vernichtung aller chemischen Waffen aus sowjetischer Zeit abgeschlossen. Die Zerstörung der Bestände war vor viereinhalb Jahren auch von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt worden. Freilich gab es stets Zweifel daran, dass das der Wirklichkeit entspricht: Sie wurden genährt durch den Einsatz chemischer Waffen in Syrien und die Nervengiftanschläge auf den früheren russischen Agenten Sergej Skripal in Großbritannien 2018 und auf den Oppositiosführer Alexej Nawalny 2020.

Oh ja, der Erzähler zerinnert sich an jene Schelmenstücke von vergifteten Unterbuxen und dergleichen. Auch an den Giftgasterror in Syrien, der aber doch noch um einiges zweifelhafter war als es jene angeblichen ukrainischen Massengräber sind, bei denen es ausgesprochen fraglich bleibt, wer da wen aus welchem Grund heraus hineingelegt hat. Doch halt, bleiben wir ernsthaft, das AZOV-FANZINE FAZ fährt seine Kronzeugen auf, die schon eine Probe Russengift zu schmecken bekommen hatten:

Wenige Stunden nach Bassurins Ankündigung meldete das ukrainische Asow-Regiment am Montagabend aus Mariupol, von einer Drohne aus hätten die Russen ein Gift ausgebracht. Verifiziert werden können diese Nachrichten nicht. In Kiev, Washington und London nimmt man diese Berichte jedoch sehr ernst. Die britische Außenministerin Liz Truss veröffentlichte noch in der Nacht auf Twitter eine kurze Erklärung, in der es heißt, man arbeite mit den Partnern daran, die Details zu verifizieren. Der Sprecher des Pentagons sagte, man habe noch keine Beweise, verfolge die Informationen sehr genau. In einem am Dienstag vom Asow-Regiment veröffentlichten Video berichten Opfer des mutmaßlichen Angriffs von einem weißen Nebel, durch den sie das Bewußtsein verloren hätten. Militärärzte gaben an, eine Analyse des Stoffs sei unter den Bedingungen der Blockade nicht möglich, doch zeigten alle Opfer die gleichen Symptome, darunter Hautrötungen, Atemnot, Augenreizungen und Gleichgewichtsstörungen.

Ah, diese armen Hascherln. Schlimm! Aber Hauptsache, es ist niemand gestorben, und das ist keine Selbstverständlichkeit, denn der Russe wird immer brutaler und verrohter:

Von russischer Seite wurde der Einsatz von Gift am Dienstag bestritten. „Die Kräfte der Volksrepublik Donezk haben keine Chemiewaffen eingesetzt“, sagte Bassurin der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Doch seine Drohung, die Ukrainer wie die Maulwürfe auszuräuchern war kein Einzelfall. Der nach Mariupol entsandte Kriegsreporter des Staatsfernsehens Alexander Sladkow hatte das in seinem Telegram-Kanal schon am 7. April gefordert. Zu den Bildern von Raketen, die angeblich auf „Asowstal“ – das Stahlwerk, in dem sich ukrainische Kräfte verschanzt haben – geschossen wurden, schrieb er, es gebe nur wenige Methoden die „Nazis“ in der Stadt „aus den Kellern zu räuchern“. Man könne sie mit Meerwasser fluten. „Die übrigen Methoden will man gar nicht beschreiben, sie sind heiß und rauchig“, schrieb er. „Sollen doch die Militärchemiker die Frage hier lösen. Bewahre uns Gott davor, die Keller zu stürmen.“

Und die Berichte Sladkows wären nach den AZOV-FAN-FAZkes Friedrich Schmidt und Reinhard Veser nur

ein Beispiel für die Verrohung, für die die Schlacht um Mariupol auf russischer Seite steht. Nicht nur in der Wahl der Mittel, sondern auch mit Blick auf die Bilder, die Russen davon zu sehen bekommen. In den ersten Kriegswochen bestrebt, dem eigenen Publikum erfreute Ukrainer und Orte zu zeigen, die man von „Nazis“ befreit habe. So war es auch im Fall des rasch nach Kriegsbeginn eingeschlossenen Mariupol. Beschrieben werden zwar die Folgen des Beschusses, der ausschließlich ukrainischen Kräften, allen voran das Freiwilligenbataillon „Asow“, zugeschrieben wurde. Jetzt zeigt das Staatsfernsehen ausgebrannte Wohnblocks und zerschossene Fahrzeuge, feiert „unsere“ Soldaten, die sich in verwüsteten Mariupoler Wohnungen verschanzen und vor Scharfschützen davonrennen. Es entsteht zwar kein umfassendes Kriegsbild, aber doch der Eindruck schwerer Kämpfe. Am Dienstag wurde gemeldet, eine Mitarbeiterin des staatlichen „Perwyi Kanal“ sei in Mariupol durch Granatsplitter verwundet worden. Das russische Ermittlungskomitee, das schon die Zuständigkeit für das Geschehen auf ukrainischem Staatsgebiet beansprucht, leitete ein Verfahren ein.

Der Wandel in der russischen Berichterstattung hinterläßt bei Team FAZke den Eindruck, als markiere er den endgültigen Weg in den Vernichtungskrieg:

Die nun drastischeren Bilder tragen zu dem Eindruck bei, dass die Moskauer Machthaber ihren Feinden unverhohlen mit Vernichtung drohen. Es geht jetzt nicht mehr nur gegen „Nazis“, sondern gegen jedwedes „Ukrainertum“, das als antirussischer „Fake“ bezeichnet wird. Der Gegner sei großartig vorbereitet, ausgestattet, bewaffnet und (vom Westen) gelenkt, schrieb schrieb Staatsfernsehkriegsminister Sladkow auf Telegram. „So einen zu besiegen ist nicht einfach. Nicht so, wie erzählt wurde.“ Sladkows Telegram-Auftritt schildert Versorgungsprobleme der Russen: Es mangelt an Wärmebildkameras, Nachtsichtgeräten, Scharfschützenvisieren, Schutzwesten. Und er bestätigt ukrainische Berichte, dass Menschen aus Mariupol auf russischem Gebiet „filtriert“ würden. Jedem, der diese Prüfung nicht bestehe – etwa wegen Engagements in ukrainischen Organisationen – drohe der „Keller“. Damit sind die berüchtigten Foltergefängnisse gemeint, in denen seit dem Beginn des Kriegs im Donbass vor acht Jahren zahlreiche proukrainische Aktivisten festgehalten und gequält wurden.

Klar sind die Russen Folterschergen und die „Proukrainer“ „Aktivisten“. Der DE möchte mitnichten dem Russen übertriebenes Mitgefühl bescheinigen, aber die asozialen Netzwerke sind leider nun mal reichlich gefüllt mit Dokumenten eines „proukrainischen Aktivismus“, der sich ausgesprochen grobschlächtig wenn nicht gar regelrecht blutrünstig verhält, und das nicht etwa nur gegenüber Angehörigen invasiver russischer Streitkräfte sondern vor allem Landsleuten gegenüber, die nicht ganz so „proukrainisch-aktivistisch“ gestimmt sind. Andersrum fällt die Ausbeute ziemlich erbärmlich aus, aber wie wir wissen, ist der Russe ja ein Meister im Verwischen seiner Spuren und dem Legen falscher Fährten, anders wäre das auch praktisch kaum noch zu erklären. Andererseits läßt sich an den Aussagen des russischen Staatsfernsehheinis, so wie von der FAZ wiedergegeben, auch nicht viel deuteln:

Das Schicksal Mariupols soll offenbar zu einer Warnung für andere ukrainische Städte werden. Am 3. April April schrieb Sladkow zu Aufnahmen aus der zerstörten Stadt, man müsse diese Bilder „der ganzen Welt zeigen“. Sollten doch die Leute in Städten wie Kiev, Lemberg (Lwjw) und Poltawa die Bilder sehen: „Wenn sich eine Stadt nicht ergibt, wird sie vernichtet.“ Mariupol werde dann durch Russland wiedererrichtet, kündigte Sladkow in dem Beitrag an, in Vorwegnahme einer vollständigen Eroberung der Donezker „Volksrepublik“ und deren Annexion durch Russland, die schon vorbereitet wird. „Aber die Städte des Zentrums des Westens der Ukraine? Sie werden zerstört, wenn es zu Widerstand gegen die russischen Truppen kommt.“

Potzblitz, das donnerwettert schon anders, als die eher milden, larmoyanten Töne auf „Russia Today“ deutsch oder englisch. Hier standen nicht Kant und die Aufklärung Pate, sondern eindeutig Dschingis Khan, der mit Städten, die sich sofort ergaben, üblicherweise eher milde verfuhr, im gegenteiligen Fall jedoch nichts als SCHÄDELPYRAMIDEN hinterließ. Vielleicht doch nicht so weit hergeholt, das mit den Russen-Mongolen? Gehen die Verheerungen in Mariupol nun doch nicht auf das Konto der ukrainischen Streitkräfte und des Azov-Battaillons, die sich nicht nur in IS-Manier ziviler Einrichtungen und menschlicher Schutzschilde bedient, sondern dabei auch noch höchstselbst die Stadt aktiv zerlegt hätten, zuletzt noch vom Gelände eben jenes Stahlwerks aus, sondern sind ebenjenem mongolischen Terror geschuldet, von denen der Russe nur auf kyrillisch schreibt und spricht, wenn er sich unter seinesgleichen wähnt?

Sie weiß auch nicht, warum die ukrainischen Truppen ukrainische Bürger auf ukrainischem Terrortorium bombardierten und wenn es die Russen gewesen wären, hätte sie es dem russisch eingebetteten Patrick Lancaster bestimmt gesagt, oder? Schließlich hat er sie ja auch explizit gefragt, welche Parteien sie beim Massakrieren von Zivilisten gesehen habe, sie hat nur die Frage gaanz schlecht verstanden, so daß man sie ihr dreimal stellen mußte, aber jaja, es waren immer Ukrainer am Drücker. Die, die im Hintergrund auf der faulen Haut liegen, schweigen dazu stille.
Bild: Screenshot Patrick Lancaster

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Nun, zumindest was das Asowstal-Werk und seine Katakomben betrifft, wurde die russisch-mongolische Barbarentaktik nicht bis zur Vergasung weitergetrieben, auch eine Erstürmung blieb aus. Statt dessen folgte Ultimatum auf Ultimatum von russischer Seite an die verbunkerten Kriegshaufen, sich zu ergeben. Nach „Russia Today“ unter Gewähr von Leben, Sicherheit, der Einhaltung der Genfer Konventionen und medizinischer Versorgung. Diese hatten aber offenbar von Selenskike einen Durchhaltebefehl und keinerlei Erlaubnis zur Kapitulation erhalten, ja es ging die Rede um, daß die Azov-Kommandeure jeden Kapitulationswilligen auf der Stelle exekutierten. Anstatt sich nun dem Russen zu ergeben, setzten sie auf Fratzenbuch ein jämmerliches Hilfegesuch ab, in welchem sie um Evakuierung in sichere Drittstaaten baten. Derweil tauchte der laut WWG-Medien schon im Gulag verschwunden oder gar von St. Putin vergiftet geglaubte russische Verteidigungsminister wieder auf, wohl um uns Anal-Lenchen zu beruhigen, die die Situation in Mariupol als immer unerträglicher empfindet:

Schoigu erklärt Mariupol für befreit – Putin bläst Sturm auf Industriegelände ab

21 Apr. 2022 09:22 Uhr

Russlands Verteidigungsminister Schoigu hat Präsident Wladimir Putin über die Befreiung der ukrainischen Hafenstadt Mariupol berichtet. Im Hüttenwerk Asowstal seien über 2.000 ukrainische Kämpfer festgesetzt. Putin zufolge sei ein Sturm des Industriegeländes unzweckmäßig.

Am Donnerstagmorgen hat der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin die Hafenstadt Mariupol für befreit erklärt. Ihm zufolge habe die Gruppierung der ukrainischen Armee, der nationalistischen Verbände und der ausländischen Söldner zum Zeitpunkt der Umzingelung der Stadt am Asowschen Meer ungefähr 8.100 Mann betragen. Mehr als 4.000 von ihnen seien bei der Befreiung Mariupols getötet worden, 1.478 hätten sich ergeben. Die restliche Gruppierung, die mehr als 2.000 Kämpfer zähle, sei auf dem Industriegelände von Asowstal festgesetzt.

Schoigu fügte hinzu, dass die russischen Streitkräfte drei bis vier Tage bräuchten, um den Einsatz zur Befreiung des Hüttenwerks zu Ende zu bringen. Die restliche Stadt sei völlig unter Kontrolle der russischen Streitkräfte sowie der Truppen der Volksrepubliken Donezk und Lugansk.

Unterdessen befahl Putin den russischen Streitkräften, keinen Sturm auf das Industriegelände in Mariupol durchzuführen und das Hüttenwerk so abzuriegeln, „dass keine Fliege durchkommt“:

„Den vorgeschlagenen Sturm des Industriegeländes halte ich für unzweckmäßig. Ich befehle, ihn abzublasen.“

Putin begründete seine Entscheidung mit der Sorge um das Leben und die Gesundheit der russischen Soldaten und Offiziere. Es ergebe keinen Sinn, „in diese Katakomben zu steigen und unterirdisch in diesen Industrieanlagen herumzukriechen“.

Zugleich versprach Putin, alle im Hüttenwerk verschanzten ukrainischen Soldaten, die sich ergeben würden, am Leben zu lassen. Allen Verwundeten werde man fachkundige medizinische Hilfe erweisen.

Darüber hinaus erklärte Schoigu, man habe trotz des Widerstandes der Kämpfer mehr als 142.000 Menschen aus Mariupol evakuiert. Im Hafen seien alle Geiseln befreit worden. Putin nannte die Befreiung der Stadt einen Erfolg und gratulierte dem Verteidigungsminister und den Truppen dazu.

https://deutsch.rt.com/europa/136653-schoigu-erklaert-mariupol-fuer-befreit/

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Und hier die WWG-Interpretation in der Tagesschau:

„Nazis zerstören alles hinter sich, damals wie heute“ -meint der russische Propagandafunk. „Propaganda mit der Brechstange“ – meint die ARD. Tatsache: St. Putin sieht gar nicht mehr so gut aus, erschlafft und gedunsen. „Bauchspeicheldrüsenkrebs im Spätstadium“ – meinen US-Ferndiagnostiker.

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Interessant sind auch die „hunderte Zivilisten“ die sich da angeblich schutzsuchend zu den Bunker-Kämpfern gesellt hätten. Im eingangs aufgeführten FAZ-Artikel war von ihnen noch nicht die Rede. Unter anderem brachten die Azov-Kämpfer selbst diese ins Spiel, indem sie Aufnahmen von Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte, in Stockbetten in einer Halle in die asozialen Netzwerke stellten, bei denen allerdings der Nachweis fehlte, daß das Material tatsächlich aus dem Stahlwerk stammt. Und so bleibt die Frage, ob es sich wirklich um Schutzsuchende handelt, was ja an sich widersinnig wäre, da ja davon auszugehen war, daß die Kriegshaufen massiv russischen Beschuß provozieren würden. Obwohl auch die WWG-Medien im allgemeinen auf die unklare, nicht bestätigte Herkunft der Bilder verwiesen, blitzten in den Propagandaportalen immer wieder Headlines auf, die KINDER durch bunkerbrechende Bomben und Raketen in den Klauen St. Putins bedroht sahen. Im Verlauf der Ultimaten wurde aber derartiges Geheule und Gekreische immer kleinlauter, „Asowstal“ war nurmehr ein paar Nebensätze am Rande wert. Und auch die FAZ mußte ihr Narrativ vom Opferkampf im „Asowstal“-Werk neu ausrichten indem sie ihrerseits St. Putin ein neues Narrativ unterschob, nämlich das vom Fuchs und den sauren Trauben. So vermeldete Nikolas Busse in einem Kommentar auf der Titelseite vom 22. April unter „Putins Narrativ“:

Putin sagt, die Eroberung des Stahlwerks in Mariupol sei „unzweckmäßig“. In Wahrheit ist sie für die russischen Kräfte unerreichbar, aber das kann die Kriegspropaganda nicht zugeben. Putins Befehl von der großen Industrieanlage abzulassen, ist wieder ein Eingeständnis des Scheiterns. Trotz brutaler Kriegführung und materieller Überlegenheit ist es der russischen Seite nicht gelungen, die ukrainischen Verteidiger von Asowstal zu schlagen: Er erklärt die Stadt ansonsten für erobert und will die verbliebenen Kämpfer durch Einschluß neutralisieren.

„Trotz brutaler Kriegführung“? Nun offensichtlich war das mit Vernichtungs- und Gaskrieg hier eine Luftnummer der FAZkes und der Russe brillierte eben nicht durch Brutalität sondern rationales Abwägen, während die Helden der Ukraine mit ihrem Flehen nach Evakuierung in sichere Drittstaaten ein doch eher jämmerliches Bild abgeben. Ob das neue Narrativ der FAZkes reicht?

Es ist nicht gewiß, ob das reicht, um die russische Hafenstadt dauerhaft unter russische Kontrolle zu bringen. Aber der Vorgang zeigt zweierlei: Putin achtet stärker auf seine Kosten, als es die aggressive Rhetorik des Kremls oft nahelegt. Und er nutzt weiter den Vorteil, dass er das heimische Narrativ kontrolliert. Es gibt keine freie Presse mehr in Russland, deshalb kann er fast jede militärische Lage in seinem Sinne deuten.

Ja, vieles ist ungewiß in diesen Zeiten, sicher ist nur, daß wir über unsere freie Presse froh sein können, vor allem über die transatlantische Hure FAZ, die jede Lage in ihrem Sinne deutet. Weiterhin bleibt von Interesse, was es mit den Zivilisten in den Katakomben nun auf sich hat: Wirklich Schutzsuchende oder doch eher menschliche Schutzschilde, Geiseln, Sexsklaven:innen? Vielleicht sogar Lebendproviant?

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3 Gedanken zu “Das FAZ-Narrativ

  1. ghazawat 23. April 2022 at 20:10
    fOCUS online barmt wieder.

    „Mariupol Stahlwerk hunderte von Zivilisten in Gefahr!“

    Leider erzählt fOCUS online nicht, wieso die Zivilisten nicht einfach nach Hause gehen, sich in das nächste Café setzen und bei einer Schale Eis den Frühling genießen.

    Es hindert sie niemand. Oder doch? fOCUS online verschweigt peinlichst die Hntergründe.

    ghazawat 23. April 2022 at 20:25
    Focus-Online wörtlich:

    „16.14 Uhr: Der Ukraine ist es offenbar in der Nacht gelungen, die ausharrenden Kämpfer im Mariupoler Stahlwerk mit Waffen zu beliefern. In einer Aktion habe man die Lieferung per Hubschrauber zu den Kämpfern gebracht, sagte Oleksij Danilow, Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine.

    Die russische Armee hat Mariupol seit Wochen umstellt und nahezu vollständig erobert – doch im besagten Stahlwerk harren noch immer Kämpfer und auch Zivilisten aus. Nach Angaben der Ukraine hat Russland am Mittag mit einem Angriff auf das Stahlwerk begonnen. “

    Ich vermisse den selbstverständlichen Zusatz:
    „Diese Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden“

    Man wiederholt einfach ukrainische Regierungs Propaganda. Offensichtlich ist bei Focus online niemand in der Lage, zu überprüfen, wer sich in dem Stahlwerk aufhält, noch weniger warum sie sich in dem Stahlwerk aufhalten.

    https://www.pi-news.net/2022/04/die-neuen-antideutschen/

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  2. Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol verhindert?

    Ein Video, das vom Asow-Regiment der ukrainischen Nationalgarde stammen soll und das sich nicht unabhängig prüfen lässt, soll Frauen und Kinder in dem belagerten Stahlwerk Azovstal zeigen, die sagen, dass ihnen „die Kräfte ausgehen“ und sie dringend evakuiert werden müssen. In den unterirdischen Tunneln werden noch bis zu 2.000 ukrainische Kämpfer und Zivilisten vermutet.

    Inzwischen sollen die russischen Streitkräfte ihre Luftangriffe auf das Stahlwerk – entgegen zuvor verlauteter Ankündigungen – wieder aufgenommen haben, den letzten Teil Mariupols, der noch nicht eingenommen ist.

    Ein erneuter Versuch einer Evakuierung soll am Samstag von russischen Truppen verhindert worden sein. Nach Angaben von Pjotr Andrjuschtschenko, einem Berater des Bürgermeisters der Stadt, auf Telegram sollen russische Militärangehörige rund 200 Zivilisten auseinandergetrieben haben, sie sich in Erwartung von Evakuierungsbussen vor einem ehemaligen Einkaufszentrum versammelt hatten. Sie sollen gesagt haben „es wird jetzt bombardiert“. Frühere Evakuierungsversuche sind wiederholt an den schweren Kämpfen gescheitert.

    „The Show must go on“

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beantwortete am Samstag Fragen in einer U-Bahn-Station in Kiew. Er begann die Pressekonferenz mit den Nachrichten aus Odessa und beklagte den Tod des Säuglings bei den Angriffen. „Der Krieg begann, als dieses Baby einen Monat alt war. Können Sie sich vorstellen, was hier passiert? Das sind einfach Bastarde. Ich habe keine anderen Worte dafür, einfach Bastarde“, sagte er.

    Auf die Frage nach den eingeschlossen Menschen in dem Stahlwerk erklärte Selenskyj: „Wir haben gesagt, dass wir zu jeder möglichen Form des Austauschs für unsere Leute bereit sind, die in dieser schrecklichen Situation gefangen sind, in einer so blutigen Umgebung. Aber als der russische Präsident vor kurzem sagte – mir wurde seine Botschaft gezeigt -, dass ‚dort eine Zitadelle verbleibt, die nicht angegriffen wird, fingen sie nur zwei Stunden später an, sie doch zu bombardieren. Die Frage des Vertrauens steht nicht mehr zur Debatte, lassen Sie uns wenigstens einen pragmatischen Dialog führen“.

    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/welt/tote-bei-angriff-auf-odessa-selenskyj-droht-mit-verhandlungsabbruch/ar-AAWwpZn?ocid=msedgntp&cvid=e4a78f9f1dc54077b8ed8a89672325b3#comments

    „Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beantwortete am Samstag Fragen in einer U-Bahn-Station in Kiew.“

    Er ist also im Lande?

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