Von Wölfen und Menschen XIV

Das verlernte Miteinander

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„Wir müssen den Umgang mit dem Wolf wieder lernen“? Hier eine „Wolfsangel“, ein Instrument aus jenen vorgeblich guten alten Tagen, in denen es noch geklappt haben soll mit dem Nachbarn Isegrim. Bild

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Der Berliner Kurier vermeldet:

Die Forderung nach der Tötung von 80 Wölfen in Brandenburg hält die Deutsche Wildtier Stiftung für zu früh gestellt. Am Donnerstag hatte das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN), ein Bündnis aus Jägern, Landwirten und Waldbesitzern, sich dafür ausgesprochen, in Brandenburg in diesem Jahr 80 Wölfe zum Abschuss freizugeben.

Forderung: 80 Wölfe noch in diesem Jahr abschießen- Deutsche Wildtier Stiftung widerspricht

Wir erinnern uns: Brandenburg hat mit 47 nachgewiesenen Rudeln und geschätzt über 700 Exemplaren eine höhere Wolfsdichte als Schweden, Norwegen und Finnland zusammen. Die Wölfe laufen durch Ortschaften, nähern sich Menschen ohne Scheu, dringen in Gärten ein, reißen Vieh und Hunde. Die „Deutsche Wildtier Stiftung“ hält jedoch ein solches Vorgehen für verfrüht. Immerhin sei der Wolf eine streng geschützte, seltene Art, und das, obwohl die Wölfe in Brandenburg zum westlichen Teil einer eurasischen Population gehören, die über Polen und Rußland bis nach Wladiwostok reicht, hunderttausende Individuen umfaßt und sich stetig genetisch durchmischt.

Ein Wolf sollte aktuell nur dann getötet werden, wenn er sich zu einem sogenannten Problemwolf entwickle, sagte Klaus Hackländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung, auf Anfrage zu der Debatte um die Tötung der laut Roter Liste gefährdeten Tiere. Das Umweltministerium in Potsdam sieht keine rechtliche Grundlage für den Abschuss von 80 Wölfen.

Bevor ein streng geschützter Wolf geschossen werde,  müsse alles probiert werden, den Konflikt zu entschärfen. Ein erster Weg wäre, die betroffenen Herden ordentlich zu schützen, so Hackländer. „Wir haben verlernt, mit dem Wolf umzugehen“, sagte Hackländer, der als Professor für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft für die Wildtierstiftung das Konzept des Aktionsbündnisses als Diskussionsgrundlage wissenschaftlich begleitet hatte.

Neben dem üblichen Sermon von wegen „ordentlichem Herdenschutz“, welcher schon x-fach ad absurdum geführt wurde, kommt hier wieder die abgekaute Floskel, „wir haben verlernt, mit dem Wolf umzugehen“. Aber wie sah denn der gelernte Umgang mit dem Wolf in jener guten alten Zeit vor der flächendeckenden Ausrottung des Spitzenraubtieres in Mitteleuropa, also vor 200 Jahren, so aus? Lebten da der von der Obrigkeit geschützte und gepäppelte Wolf, Hirten und Bauern demnach friedlich in gegenseitigem Respekt neben- und miteinander, auf der Grundlage eines funktionierenden „ordentlichen“ Herdenschutzes mit „wolfssicheren“, elektrisch geladenen Krötenzäunen und abschreckenden Herdenschutzhunden, -eseln und -lamas?

Oder war das Verhältnis nicht schon immer prekär, ein vollständiger Schutz nie möglich, der Wolf eine beständige Gefahr für die Existenz und das Leben, wovon alte Chroniken beredtes Zeugnis ablegen, in denen die ökonomischen Schäden (man bedenke alleine die Bedeutung von Zugtieren damals) ebenso sorgfältig notiert wurden wie die Verluste an Menschenleben durch Angriffe tollwütiger aber auch gesunder Wölfe, die Menschen, insbesondere Kinder, als Beute ausgemacht hatten? Daß Wölfe mitunter eine regelrechte Landplage darstellten und das insbesondere in Zeiten der Krisen, Kriege und Hungersnöte, wo die Menschen ihnen hilflos gegenüberstanden? Weshalb man Wölfe ja auch stets verfolgte und tötete, so man ihrer ansichtig wurde und die Zeit, Bewaffnung und Energie dafür reichte. Genauso wie noch heute in den Ländern, über die von seiten der Wolfslobby gerne behauptet wird, daß es da „klappt“, weil man den Umgang mit dem Wolf noch drauf habe, so etwa in Rumänien oder Italien. Wobei es tatsächlich so ist, daß dort jeder Wolf, der sich zeigt und dem Landvolke zu dicht auf die Pelle rückt, ohne viel Federlesens das Fell gesengt bekommt, ob nun voll geschützt oder nicht.

Hier nur ein Beispiel für den „gelernten Umgang mit dem Wolf“, wie er Jahrhunderte lang praktiziert wurde:

Die Wolfsangel ist ein Jagd-/Fanggerät für Wölfe, das als heraldische Figur häufig in Wappen dargestellt wird (siehe: →Wolfsangel (Heraldik). Die Wolfsangel besteht aus drei Teilen:

  • Dem Wolfsanker, das ist ein halbmond- bzw. bogenförmiges Eisen, das unten eine Öse besitzt. Der Wolfsanker hat die Aufgabe, das Jagdgerät in etwas Stabilen wie zum Beispiel einen Baum zu verankern. Hierbei wurde der obere Haken an einem Baum befestigt (eingeschlagen oder in eine Astgabelung eingehängt),
  • Einem Doppelhaken mit Öse, an dem der Köder (Kadaver) in etwa 2 m Höhe für den Wolf befestigt wird. Der Doppelhaken spießt sich nach dem Anhieb (Schnappen oder Verschlingen des Köders durch den Wolf) durch Zugbewegungen/-kräfte in den Wolfsrachen und verhindert dessen Flucht.
  • Der Wolfskette, die Wolfsanker und Doppelhaken miteinander verbindet.
  • Die aus Eisen geschmiedeten Wolfsangeln wurde über Jahrhunderte zum Fang von Wölfen verwendet. Die mit Widerhaken versehenen Enden wurden mit Ködern (zum Beispiel mit den Eingeweiden erlegter Jagdtiere) bestückt und an einem Baum so hoch aufgehängt, dass der Wolf danach springen musste, um zuschnappen zu können. Der Wolf blieb mit dem Maul hängen und verendete. Den ersten schriftlichen Nachweis findet man im Capitulare de villis[1] aus dem späten 8. Jahrhundert. 1617 wurde die Funktion der Wolfsangel so beschrieben: „Ein Wolffs Angel, die man hängt und ein Aas daran thuet, wenn das Thier danach springt, so bleibt es mit dem Maul davon hängen.“Der Kunsthistoriker R. König-Warthausen hat 1889 in den „Württembergischen Vierteljahresheften für Landesgeschichte“ die Wolfsangel folgendermaßen beschrieben: „Es handelt sich um ein zehn Zentimeter langes, beiderseits zugespitztes Flacheisen, das auf jeder Seite einen spitzwinklig eingeschnittenen, je nach dem anderen gegenüberstehenden Widerhaken hat. In der Mitte ist das Eisen durchbohrt und hängt an einer 40 Zentimeter langen Kette. Am oberen Teil der Kette befindet sich ein halbmondförmiger, in einen Dorn auslaufender Anker.“ Mit dem halbmondförmigen Anker wurde die Kette an einem Baum befestigt. Teile des Fanggeräts finden sich häufig in Wappen, laut Peter Kötz der Anker (oft ebenfalls als „Angel“ bezeichnet) vorwiegend im süddeutschen, die Angel vorwiegend im nord- und westdeutschen Raum. Andere Wolfsangeln waren mit einem Federmechanismus versehen, der sich beim Zuschnappen auslöste und die Widerhaken in den Rachen trieb. Diese Fallenart konnte auch am Boden ausgelegt werden. Erste Erwähnungen zu Wolfsangeln finden sich in den Capitulare de villis, einer detaillierten Vorschrift über die Verwaltung der Krongüter Karls des Großen, die vermutlich 812 n. Chr. geschrieben wurde; noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese tierquälerische Fangart weitergeführt.[2] .

Das Wolfseisen stellt wohl die ursprüngliche Ausgangsform der Wolfsangel dar: Ein massives Flach- oder Rundeisen, an den beiden Enden umgeschmiedet und mit Spitzen versehen, wobei eine der Spitzen als Baumhaken und die andere als „Fanghaken“ für den Wolf diente. Dieser wurde leicht nach oben gebogen, um beim Zubiss des Wolfes in das Luderfleisch dessen oberen Rachenbereich zu durchbohren. Durch das Eigengewicht des Tieres bliebt es so hilflos am „Wolfseisen“ hängen, verblutete bzw. erstickte oder wurde von den Bauern mit einem Knüppel erschlagen. Das „Wolfseisen“ bezeichnete man auch als „Doppel-haken“.

Diese historischen Jagdmethoden wurden in unserer Region vor allem von den Bauern praktiziert, da der Wolf das einzige Tier war, das sie mit Erlaubnis der Herrschaft jagen dürften – verbunden mit einer gern gesehenen Belohnung. Fischfang (mit Ausnahme für das Fischen im Stadtgraben) und die Jagd war einzig und allein das Privileg der Herrschaft. Das Jagdrecht auf Hochwild blieb so auch bis 1848 dem Hochadel vorbehalten, dem niederen Adel blieb das Niederwild – was sich heute noch in der übernommenen Einteilung der bejagbaren Tiere widerspiegelt. Jagdfrevel, also Wilderei, zählte als Kapitalverbrechen und wurde auch so bestraft.

Eine weitere Form war die“kleine Wolfsangel“ oder der „Wolfshaken“: Neben dem Einsatz der typischen „Wolfsangel“ – mit „Anker“ und Kette und mit dem freihängendem Luderfleisch – kam die „kleine Wolfsangel“ oder der „kleine Wolfshaken“ vor allem mit sehr bodennah ausgelegtem Luderköder zum Einsatz: Der hungrige Wolf verschlang das mit einer „Wolfsangel“ gespickte Luder, wobei sich der Haken beim Zubeißen entweder in den Gaumen oder Zungenbereich bohrte und im Rachen des Wolfsfanges stecken blieb – was beides einen qualvollen Erstickungstod bzw. ein Verbluten zur Folge hatte. Da die Spitzen der „kleinen Wolfsangel“ bzw. des „Wolfshakens“ an den jeweiligen Enden geschärft waren, bohrten sich gleichzeitig beide Seiten bei ersten Zubeißen in den oberen wie unteren Rachenbereich, wobei die gebogenen Hakenschenkel als zusätzliche Widerhaken dienten. 

Wolfsgrube, Wolfsangel, Wolfsanker & Wolfskette

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Die Wolfsangel mit ihren Varianten und Verwandten stellte dabei nur ein Werkzeug von vielen dar. Um den Wolf zu beseitigen, war jedes Mittel recht. Die bizarr-schöne, aber auch für Menschen hochgiftige Staude „Eisenhut“ (Aconitum) wurde nicht umsonst „Wolfswurz“ und im Englischen „Wolfbane“ genannt. Der Wolf verendete an der Wolfsangel, fiel in die Wolfsgrube, wurde vergiftet, erschlagen, gespießt, erschossen, von Hunden zerrissen.

Ja, derart gestaltete sich der Umgang mit dem Wolf über viele Jahrhunderte. Höchstwahrscheinlich ging das schon so, seit der Mensch sich zum Hirten und Weidetierhalter entwickelte. Wobei Lewis und Clark, die auf ihrer berühmten Expedition 1804-1806 als erste Bleichgesichter den nordamerikanischen Teilkontinent von Ost nach West durchquerten, feststellten, daß sich die Wölfe auch dorten im Regelfall nicht näher als knapp über Pfeilschußweite an die Ureinwohner heranwagten, welche heute unter den Wolfsenthusiasten gerne als große Wolfsversteher und proto-grüne Umweltengelchen verherrlicht werden. In jüngster Zeit wurde unser geliebter DONALD lustigerweise von den üblichen Verstrahlten schwerstens gescholten, weil er „unethische“ Jagdmethoden wieder erlaubte, wozu auch das Töten von Wolfs- und Bärenjungen in den Bauen gehörte. Der Großteil der empörten „Liberals“ dürfte jedoch geflissentlich übersehen haben, daß er damit die Wünsche der Ureinwohner Alaskas berücksichtigte und diese wohl mit solchen Methoden von alters her die Zahl gefährlicher Großraubtiere auf ihrem Territorium zu begrenzen trachteten.

Ist dies also ebenjener Umgang, den „wir“ laut dem Herrn Hackländer von der Wildtier Stiftung erst wieder lernen müssen? Wohl kaum. Vielmehr wird ein Vorgang, den es so in der Geschichte noch nie gegeben hat, als historische Norm verkauft: Die bedingungslose Einwanderung, Vermehrung, Ausbreitung des Spitzenraubtiers Wolf in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft unter totalem Schutz. Dabei wird ein ebenso nie gewesenes, geradezu idyllisches Bild der Vergangenheit in rosigen Farben gezeichnet. Neben dem Herdenschutzhund gab es auch immer die Wolfsangel, niemand sah in der Anwesenheit von Wölfen etwas gutes. Daß der Adel den Bauern freie Hand mit den Wölfen ließ, dies förderte und Prämien auszahlte, sagt schon einiges. Auch der immense Aufwand an Menschen und Material bei den großangelegten Wolfsjagden spricht für begründetes, bedachtes Handeln und nicht für hysterische Mutterkorn-Phantasien gegenüber harmlosen Tieren.

Wobei es lange schlichtweg nicht möglich war, die Wölfe flächendeckend auszurotten. Die technischen Möglichkeiten und der Organisationsgrad reichten einfach nicht aus. Dazu die ständigen kriegerischen Unruhen in Europa. Waren die Wölfe in einer Region dezimiert, bot spätestens der nächste Krieg, die nächste Hungersnot den Überlebenden die Gelegenheit zu explosiver Vermehrung oder Neuzugänge füllten die Lücke. So begünstigte speziell die sogenannte „Kleine Eiszeit“ mit widrigen Witterungsbedingungen und Mißernten die Ausbreitung der Wölfe in Mitteleuropa, die als weitere Geißel Gottes die Landbevölkerung heimsuchten. In solchen Zeiten machte sich eine defaitistische Stimmung breit, man sah die Wolfsschäden als gottgewollt, weshalb man sie, neben vielen anderen Heimsuchungen, eben hinzunehmen habe. Diese resignative Mentalität aber als gesundes Verhältnis zu Wolf und Natur zu deuten wäre schon allzu abwegig.

Die entscheidende Dezimierung und flächendeckende Ausrottung des Wolfes in Deutschland und Mitteleuropa kann anstatt als Frevel durchaus als eine zivilisatorische Kulturleistung betrachtet werden, wie sie lange nicht möglich gewesen war. Man könnte sie gleichrangig neben die Ausrottung der Malaria, die Bändigung der großen Flüsse und der Küste stellen. Alles eine Frage der Perspektive. Jedenfalls ist es überaus zweifelhaft, ob sich dies heute wiederholen ließe. Es kamen damals einige begünstigende Einflüsse zusammen, so etwa die weitgehende Entwaldung der Mittelgebirge. Wenn man sich nur betrachtet, wie es momentan mit der Eindämmung der Bestände an Wildschweinen und Schalenwild aussieht, sind Zweifel daran überaus berechtigt, ob sich ausgerechnet die Wölfe mit ihrer Intelligenz, Populationsdynamik und Wanderfreudigkeit durch Jagd und Jäger entscheidend dezimieren lassen.

Nein, der Wolf ist wohl gekommen um zu bleiben und man darf gespannt sein, wie es weitergeht. In den letzten zwanzig Jahren seit der Wiederbesiedlung Täuschlands ist ja „nichts“ passiert außer Viehrissen und Nahkontakten – einem Jogger soll ein Jungwolf schon mal sanft in die Hand gezwickt haben, aber das war so ziemlich das Äußerste. Bleibt abzuwarten, ob die nächsten zwanzig Jahre weiter „nichts“ passiert oder sich doch noch ein Tierhorror ganz nach Valerius Geists Eskalationsmodell entspinnt.

Wie gesagt, hats ja noch nie gegeben, sowas.

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Von Wölfen und Menschen XIII

Lena, Papa, Wolf – Begegnung in der Stadt

Kinder sind Wölfen zu laut und zappelig und Menschen. Im übrigen Aufsichtspflicht.

-Christian Berge, „Wolfsanwalt“, hat alle Wolfsbücher und -studien gelesen-

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-Wolf in Stadt Lohne-
„Das ist ein Wolf!“ „Cool!“ „Ne, das ist nicht cool!“ „Nimmst du das auf?“ „Ja!“ „Neh du mußt ihm helfen, Papa!“

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-BILD: Wolf rennt durch Innenstadt und schockt Passanten | Niedersachsen-
BILD-Leser Jörg Sandvoß bummelt mit seiner Tochter gerade nach Hause. Und reibt sich verdutzt die Augen, denn vor ihnen läuft ein Wolf! Ein Wolf, der durch Lohnes Straßen läuft: Diese Szenen haben Passanten in einem Video festgehalten. Dass es sich wirklich um einen Wolf handelt, hält ein Wolfsberater für unstrittig. Auch die Polizei wurde eingeschaltet.

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Nur gut, daß der zuständige WOLFSBERATER konstatiert, daß hier zu keinem Zeitpunkt irgendeine Gefahr bestanden hat. Dennoch wird mittlerweile auch schon der eine oder andere Youtube-Wolfsfreund ganz fickerig und liefert passable Analysen ab:

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-EinMannimWald: Wolf in Lohne – Bens Meinung-

Ich könnte mich dann schon fragen: Will der meine Tochter abchecken?!

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Aber werter MannImWald, was soll das heißen: „extrem verhaltensauffällig“ und „DAS ist NICHT normal!“? Dir müßte doch eigentlich klar sein, daß so ein Verhalten eine logische Konsequenz daraus ist, Wölfe bedingungslos einwandern und sich ausbreiten zu lassen und dabei nicht nur das Töten, sondern schon das Stören und Vergrämen und jede Belästigung der edlen Grauröcke mit 5000 (Rheinland Pfalz) bis 65 000 (Brandenburg) Euro Geldstrafe und bis zu fünf Jahren Haft zu bewehren?

Dieser Wolf ist stinknormal. Eines der keckeren Exemplare eben, das sich dran macht, Ortschaften und Städte tagsüber zu erkunden und dabei keine Energie damit verschwendet, sonderlich große Bögen um die Zweibeiner ohne Federkleid zu schlagen, sondern vielmehr aktiv einen Vater mit seiner kleinen Tochter geradezu in der Kurve anschneidet. Für das Mädchen in seiner kindlichen Unbedarftheit wirkte der Wolf „lost“ und Papa solle ihm helfen, während es Ben, der MannImWald, nicht ausschließen möchte, daß Isegrim die Kleine im betont nahen Vorbeilauf schon als möglichen Snack gemustert haben könnte.

„Nicht normal“, „verhaltensauffällig“, „Problemwolf“ – man könnte zu dem Schluß kommen, der „Problemwolf“ wäre nichts als eine Konstruktion, die dazu dient, einzelne Exemplare zu opfern um das große und ganze, „das Projekt“, nicht zu gefährden. Als klassischer Sündenbock soll der „Problemwolf“ suggerieren, daß er die Ausnahme von der Regel ist, die besagt, daß der Wolf als solcher eben kein Problem darstellt.

Wobei der zuständige „Wolfsberater“ ja hier weder ein Problem noch einen Problemwolf auszumachen vermochte sondern nur eine neue Normalität in ebenjenem einmaligen, noch nie dagewesenen historischen Experiment, die Wiederansiedlung und unbegrenzte Ausbreitung des Wolfes in einer dichtbesiedelten Kulturlandschaft und unter totalem Schutz gutzuheißen und zu fördern. Daß bei dieser Begegnung keinerlei Gefahr bestanden habe, dem würde allerdings auch der Erzähler entschieden widersprechen.

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Von Wölfen und Menschen XII

Impf- und Opferschafe

„Schäferin Wiebke Schmidt-Kochan hatte die Aktion vorbereitet und mit ihren Tieren mehrere Tage dafür geübt“. Mh. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich habe mir gerade meine dritte Impfung abgeholt. Aber – hat die Frau eigentlich nichts anderes zu tun?“

„Vielleicht kommt heute Nacht der Wolf vorbei. Dann hat sie was anderes zu tun.“

(Leserkommentare in Die Welt)

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Durch ausgestreute Leckerli propagandistisch in Formation gebrachte Schafherde. Bild

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4.1.22

700 Schafe werben als riesige Spritze für Impfungen

Wie passend: Mit rund 700 Schafen und Ziegen haben Schäfer im niedersächsischen Schneverdingen eine rund 100 Meter große Spritze dargestellt, um für Corona-Impfungen zu werben. „Schafe sind so sympathische Tiere, vielleicht können sie die Botschaft so besser überbringen.“ Weiterlesen auf welt.de

https://www.politikversagen.net/

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Liebe Schäfer*innen, wir sind bislang ja davon ausgegangen, daß es sich mittlerweile auch zu euch rumgesprochen hat, daß die Sympathie der Rotkäppchen von heute ganz anderen flauschigen Sympathieträgern gilt:

Zeitgenössischer Wolfskitsch. Bild

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Der Wolf ist für die kleinen sozialsodomitischen Bitches eben immer sexier als ein Schaf, weil er halt Qual und Tod bringt aber dabei so herrlich fluffig und wunderschön ist. Selbst wenn es sich ja eigentlich nur um einen mörderischen, kinderfressenden, zähnestarrenden KOTSACK voller Würmer handelt. Imagination und so. Vergleiche auch das rein weibliche Phänomen der Mördergroupies.

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„Schäferstündchen“ mit der Bestie? Geht „es“ noch deutlicher?!!

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Und dann schaut mal auf die Parallelen zwischen Wolfs-, Impf- und sonstiger Propaganda:

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-Niedersächsische Landesregierung: Der Wolf in Niedersachsen – Vielleicht wäre Rotkäppchen heute eine gute Wolfsberaterin?-

Nach der natürlichen Rückkehr des Wolfes breitet sich das artenschutzrechtlich streng geschützte Wildtier in Niedersachsen aus. Kaum ein anderes Tier polarisiert so stark. Das Land Niedersachsen setzt sich im Wolfsmanagement für den Ausgleich der Interessen zwischen Naturschutz und Nutztierhaltung ein. Dabei steht die Sicherheit des Menschen an erster Stelle. Mehr Informationen unter http://www.umwelt.niedersachsen.de/wolf/

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Oder war das mit der Schafsspritze dann doch eine ganz ganz hinterfotzige Art von SaTIERe? Bei Gott, fast könnte man es glauben.

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Kleines Schmankerl zum Abschluß:

-Wolfinfo Aktuell 12 ( Trotz Tierschutz gegen Wölfe )-

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Eine Pferdehalterin und engagierte Tierschützerin aus Hessen, die privat eine Art „Gnadenhof“ für alte und ausgemusterte Pferde betreibt, ist ganz verzweifelt: Die Wölfe kommen zurück ins Erwartungsland Hessen und sie bekommt keinerlei Unterstützung zum Schutz ihrer Tiere. Als Privatfrau ohne landwirtschaftliches Gewerbe hat sie keinen Anspruch auf staatliche Erstattung der Kosten für Zäune, Schutzhunde und dergleichen. Aus demselben Grunde hat auch der Bauernverband keinerlei Interesse an ihrem Fall. Das beste aber waren wieder einmal die „Tips“ der „Wolfsberater“. Unter anderem solle sie sich, so wörtlich, „OPFERSCHAFE“ zulegen, denen die Wölfe dann bei einem Angriff den Vorzug gegenüber den Pferden geben würden. OPFERSCHAFE.

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Von Wölfen und Menschen X

Das Lehmännchen auf Erdmission

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-Meeresbiologe Robert Marc Lehmann über Zoos // 3nach9-
„Der Klimawandel, Plastikmüll und Überfischung bedrohen nicht nur die Meere, sondern uns alle“, sagt der Meeresbiologe, Fotograf und Forschungstaucher Robert Marc Lehmann. Seit zehn Jahren reist der Naturschützer, der 2015 als „National Geographic Fotograf des Jahres“ ausgezeichnet wurde, auf Forschungs- und Rettungsmissionen um die Welt. Sein Ziel: ohne erhobenen Zeigefinger* auf die Folgen des Konsumverhaltens aufmerksam machen und Tipps geben, wie alle die Welt besser schützen können. Bei 3nach9 berichtet er von seinen wichtigsten und gefährlichsten Reisen.

*Ahahaha

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Als der Youtube-Algorithmus den Erzähler vor einiger Zeit mit dem Lehmännchen bekannt machte, rief dies bei eurem demütigen Erzählsklaven durchaus gemischte Gefühle hervor. Beim jenem ersten Zusammentreffen saß das Lehmännchen in einer Aufzeichnung der Sendung „3 nach 9“ inmitten einer Talgrunde. Es präsentierte sich als Meeresbiologe und so passionierter wie professioneller Naturfilmer und -fotograf. Vor allem aber als Natur- und Tierschutzaktivist mit Saulus-Paulus Geschichte im Hintergrund. Dies, so könnte man meinen, qualifiziere ihn natürlich ganz außerordentlich für sein Hauptanliegen, den Zoos, Delphinarien, Meeresaquarien die Existenzberechtigung abzusprechen. Die übrige Talkrunde war jedenfalls schnell in den Bann des Lehmännchens geschlagen, denn dieses schien zumindest jemand zu sein, der wußte, von was er sprach.

Und in der Tat traf es mit seiner schonungslosen Kritik an Tiergärten, Delphinarien und Aquarien auch beim Erzähler zumindest auf offene Türen, denn daß diese in mancherlei Hinsicht eine nicht selten tierquälerische Mogelpackung darstellen, deren Bedeutung für den Artenschutz bei weitem überschätzt wird, war dem Erzähler längst bekannt und die Auseinandersetzung darüber läuft auch nicht erst seit gestern und dem Erscheinen des Lehmännchens.

Der Erzähler war jedenfalls, als einstiger „Zoo-Enthusiast“, nachdem er in den 90ern die ARD-Doku „Schlachthof der Kuscheltiere“ gesehen hatte, nur mehr sehr zurückhaltend, was Zoobesuche betraf. Insbesondere der Verkauf von Menschenaffen aus den sogenannten „Erhaltungszuchtprogrammen“ renommierter Einrichtungen an Versuchslabore war ihm arg übel aufgestoßen. Und das jämmerliche Ende zweier „überflüssiger“ Königstiger, die über die Grenze zu einem Händler nach Belgien verfrachtet wurden um dort ihr ihre Bestimmung als Bettvorleger zu finden. Das erledigte man durch Erschießen der Tiere in ihren Käfigen, und zwar auf fellschonende Weise durch Schüsse in die Augen mittels eines Kleinkalibergewehrs, was sich entsprechend hinzog: Es dauerte zwanzig Minuten bis zum Tod der Tiger. Dazu das ganze verborgene Netzwerk zwischen Zoos und diversen Feinschmeckerrestaurants und Trophäenläden, über das ein reger Handel auch mit streng geschützten Arten bzw. ihren Körperteilen läuft – eckelhaft und widderlich.

Allerdings soll hier das mit den Zoos, den Haltungsbedingungen und der Sache mit den „überflüssigen“ Tieren nicht großartig vertieft werden. Es geht ja um das Lehmännchen. Der Erzähler wollte damit nur darauf hinaus, daß das Lehmännchen mit seinem Anliegen erstmal bei ihm punkten konnte. Kann ja nicht ganz schlecht sein, wenn ein junger Biologe und Infuenzer das Thema aufgreift und nicht in Vergessenheit geraten läßt. Zumal Lehmännchen als Saulus-Paulus aus dem Nähkästchen plauschen konnte: Er habe ja für Meeresaquarien gearbeitet, für diese Haie mit bloßen Händen gefangen. Oder auch mal einen Mondfisch, der dann in seinem Tänkchen lebendig vor sich hin faulen durfte, die zerfallenden Flossen dabei auf Geheiß der Direktorin zum „Schutz“ in Socken gestopft. Daß eine Haltung von Delphinen, Orcas, Kleinwalen nicht „artgerecht“ sein kann, braucht ebenfalls nicht zu verwundern, also auch hier d’accord mit Lehmännchen.

Andererseits: Irgendwie konnte der Erzähler mit Lehmännchen nicht ganz warm werden. Alles an ihm irgendwie so glatt und gefällig und irgendwie kalkuliert. Wie es so selbstgefällig da saß mit dem trendy Bärtchen und der Knielochhose. Und natürlich so zeitungeistig hofschranzig. Ja, die Orcas, die wären genau so wie wir: intelligent, sozial und kommunikativ. Und bemerkenswerter Weise hätten die Weibchen bei ihnen das Sagen. Voll Matriarchat und so. Ein Orca-Verband würde immer von einer alten, erfahrenen Leitkuh angeführt, und wie man sehe, wäre das auch bei Menschen nicht das schlechteste, wenn man so an die jüngere Geschichte denke. Ja, da wußten dann alle Bescheid und es schmunzelte und nickte alles um Lehmännchen herum. Lehmännchen weiß offensichtlich, welche Akzente und Duftmarken zu setzen sind. Die generationenübegreifenden und einvernehmlichen sexuellen Aktivitäten der Orcas, von denen anzunehmen ist, daß sie auch dem sozialen Lernen dienen, als Beispiel für Ähnlichkeiten mit Primaten und Hominiden zu anzuführen, wäre ihm dagegen sicher nicht im Traum eigefallen.

Nach Sichtung dieses TV-Auftritts trudelten dann beim Erzähler in loser Folge Empfehlungen für Lehmännchens Youtube-Kanal ein, der wohl gerade erst so Mitte 2021 an den Start gegangen war und betreffs Aufrufen und Abonnenten sofort steil nach oben rauschte. Von letzteren sind es momentan immerhin 233 000. Und das ist auch gut so, denn Lehmännchen hat sich dem zeitgeistig sehr populären Ziel der Erdrettung verschrieben. MISSION ERDE prangt auf seinem Banner, denn „DIE WELT IST ES WERT, UM SIE ZU KÄMPFEN!“ Und so ist Youtube auch nur eins von Lehmännchens Standbeinen und Sprachrohren. Es gibt natürlich längst ein MISSION-ERDE-Buch und Streaming und und und. Seine schicke Heimseite kündet jedenfalls von PROJEKTEN und FORSCHUNG aber auch von FREIHEIT und ABENTEUER, wobei Rauchen allerdings verpönt ist:

-10.000.000 Liter WASSER durch Zigaretten verseucht! – Das Experiment | Robert Marc Lehmann-
Käppie, Hoodie, Abenteuererbart und Abenteurerzähneblecken -paßt.

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Allerdings hat die Eigenwerbung des Lehmännchens mit der Zigarettenwerbung von einst gemeinsam, daß sie vorwiegend auf eine sehr junge Zielgruppe, Jugendliche und Kinder zugeschnitten erscheint, die offensichtlich mit Superlativen emotional überwältigt werden sollen:

Robert Marc Lehmanns Projekte führten den Meeresbiologen, Forschungstaucher und (Unterwasser-) Kameramann bereits in 100 Länder. Immer dabei: seine Kamera. Bei wissenschaftlichen Tauchaufträgen, Umweltschutzprojekten, Tierrettungsaktionen und Forschungsexpeditionen rund um die Welt entstehen immer wieder spektakuläre Bilder.

robertmarclehmann.com

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Boah, ey, Mann. Spektakulär. Allerdings verdichtet sich immer mehr der Eindruck, daß sich hier einer vor allem selbst vermarktet. Lehmännchen hat sicher seine Fertigkeiten als Taucher und Fotograf, aber er liefert Auftragsarbeit für andere ab. Daran ist erstmal überhaupt nichts anstößig, aber er ist eben nicht der große Zampano, der im Mittelpunkt steht und alles regelt, er ist Laufbursche wie viele andere. Nur vermarket der „MEERESBIOLOGE, FOTOGRAF und ABENTEURER“ sein, für die Forschung sicher notwendiges, Laufburschentum nicht ganz ungeschickt als das ganz große Ding und sich selbst als Regenbogenkrieger 3.0 auf Erdrettungs-Mission. Man kann ihn dabei aber auch für Vorträge im Kindergarten oder Streichelzoo anmieten, wo der legere bärtige Alleswisser mit Cap, Hoodie und Knielochhose sicher sein Publikum zu fesseln weiß, wenn er, obwohl auch schon 38 Lenze, in Jungendsprache „krasse“ und „geile“ Dinge bequatscht und dabei mit den tätowierten Ärmchen gestikuliert.

Lehmännchen vermag dabei stets eine Lektion in moderner Sprachverarmung mitzuliefern. Die Dinge sind entweder „geil“ (bzw. „sehr geil“, „ziemlich geil“) oder „so mittel“ oder „scheiße“. Lehmännchen könnte sich also mit dem sagenhaften Baer-Bock „auf Augenhöhe“ unterhalten. „Geil“ ist jedoch bei ihm inflationär und wird in Zusammenhängen gebraucht, angesichts derer es selbst dem DE als sprachlich verlottertem „Sexy-Lecker-Geil-Menschen“ (Max Goldt) zu viel wird.

So möchte Lehmännchen zwar die Zoos wegen ihrer fragwürdigen Praktiken abschaffen, fand aber die Tötung, Zersägung und schließlich Verfütterung des „überflüssigen“ Giraffenbullen „Marius“ an die Löwen im Zoo von Kopenhagen „sehr geil“. Auch und gerade weil das vor Publikum, Kinder inklusive, stattfand. Das wäre korrekt, das wäre ein bißchen wie Natur, Nahrungskette und so, und die Kinder könnten da jede Menge lernen bei, wo sie doch ansonsten aus Zoos eher dümmer herauskämen als sie hineingegangen seien. Daß aber „Marius“ Geburt gefeiert wurde, daß es einen Wettbewerb um die Namensgebung gab, bei der speziell die jungen Zoobesucher angesprochen wurden, daß infolge dessen das Tier auf „Marius“ getauft wurde, und daß dann ein paar Jährchen später eben jenes Tier als überflüssig vor Publikum und Taufpaten getötet, zerlegt und verfüttert wird und daß man das alles mit einiger Berechtigung als PERVERS bezeichnen könnte, kommt Lehmännchen nicht in den Sinn. Einfach nur „sehr geil“.

Und er sann zudem kurz darüber nach, ob man die Naturnähe durch LEBENDFÜTTERUNG noch steigern könne, das wär ja dann Natur pur, von der Gehegeumzäunung mal abgesehen. Ja neh, das Lehmännchen ist kein Veganerseelchen. Fleisch geht ihn für ihn schon in Ordnung. So ein- zweimal im Monat und aus ethisch korrekter Quelle. Also z.B. vom Jäger. So ein Tier, professionell geschossen, das hört den Schuß ja nicht mal, das weiß ja nicht mal, daß es tot ist. Ja, so sind die Anforderungen von Chef-Ethiker Lehmännchen an den Homo-Sapiens, auch wenn es in der Natur sonst so ein bißchen anders aussieht und auch bei der Jagd nicht jeder Schuß gleich mit chirurgischer Präzision dem Bambi die Lichter ausbläst.

Andererseits ist Lehmännchen dann wieder ganz emotional, schließlich kommt das beim Zielpublikum immer gut an, vor allem bei einem harten, bärtigen Abenteurertypen, der quatscht wie Mamas frauenverstehendes Schoßhündchen. Bei einem Bericht über eine Rekordabschlachtung von Delphinen auf den für solche Freizeitspäße berühmt-berüchtigten Färöer-Inseln stiegen ihm mächtig die Tränen in die Augen: „Da werden Delphinbabies getötet und die Mütter müssen das alles mit ansehen bis sie selber drankommen… *schluchz* *buuuhuhuhuhu*“. Der Erzähler fragte sich angesichts der Show, ob Lehmännchen da, so wie der Volksleerling Nikolai, mittels Zwiebeltrick nachgeholfen haben könnte oder sich tatsächlich einfach derart reingesteigert hat, also zumindest „ein Stück weit“ authentisch war und entschied sich dafür, es gar nicht so genau wissen zu wollen. Es reicht ja, daß Chef-Ethiker Lehmännchen alles weiß.

Ach ja, obwohl kein Veganer, so ist Lehmännchen doch ironiefrei der Überzeugung, daß „die Veganer und die Vegetarier die Welt retten werden“ und er sagte das genau so, seinem Publikum kumpelhaft zunickend. Das war dann der Punkt, an dem der DE Lehmännchen endgültig in die Tonne kloppte, mag es auch ab und an vernünftiges äußern oder interessante Informationen vermitteln. Das eigentliche große Projekt Lehmännchens ist seine Selbstvermarktung nach allen Kriterien des gegenwärtigen fadenscheinigen Öko-Hypes, und dabei ist er alles andere als was richtiges im falschen. Was er über Tiere und Natur erzählt, ist selten exzeptionell und findet sich auch wo anders, wobei selbst Wikipedia oft fundierter ist. Und nicht nur das, Lehmännchen verbreitet tatsächlich Fehlinformationen, die in ihrer Realitätsverzerrung schon klassischer Propaganda entsprechen. Und es ist der Wolf, der dies in aller Drastik offenbart.

Es braucht hierzu nur zwei Videos.

Video eins:

-Umweltschützer über Wölfe & schadet Social-Media der Umwelt? | Robert Lehmann Talk | Fritz Meinecke-

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In der Umweltabenteurer-Szene spielen sich bestimmte Protagonisten die Bälle zu. Hier ist das Lehmännchen auf dem Kanal des „Bushcrafters“ Fritz Meinecke zu Gast. Es geht um das heikle Thema Wolf. Für den DE mittlerweile eine wahre Zumutung, dem Lehmännchen, ob allein oder mit Artverwandten, beim Plauschen, sich gutfühlen, Schluck trinken, Nüßschen knabbern, Kopfschütteln und Gestikulieren zuzusehen, aber was musz das musz. Das Wichtigste so ziemlich am Anfang. Nachdem sich Lehmännchen als jemand eingeführt hat, der die Rückkehr des Wolfes befürwortet aber eben auch „Verständnis für den Schäfer“ hat, dem „DER WOLF schon fünfmal durch die Herde getappert ist und dabei im „Blutrausch“ alle Schafe plattgemacht hat“, wobei Herdenschutzhunde die Lösung seien, entgegnet sein Gegenüber Fritz, daß er da mal auf Youtube ein Video gesehen habe, wo da so ein Hund an der Kette ist, als Wachund oder so, und „da kommen dann drei Wölfe und machen den platt, laufen um den rum und beißen den einfach tot.“

Noch während Fritz spricht schüttelt Lehmännchen ganz entschieden das Köpfchen und fällt Fritz ins Wort: Nene, an der Kette, da hätte der Hund erst gar keine Chance, das wär ja klar. Und wenn er kein Herdenschutzhund ist, dann hat der auch keine Chance.

Denn:

EIN Wolf schätzt ab. Der Wolf wiegt, ummm, 40 Kilo.

„Greif ich jetzt nen Hund an, der 20 Kilo wiegt? Klar, den mach ich platt.“

Bei nem Hund von 40 Kilo, so wie ne Herdenschutzhündin, ist DER WOLF schon vorsichtiger, denkt: „da könnte ich verletzt werden, ich wäge da Nutzen und Einsatz ab.“

Wiegt son Hund 60 Kilo, wien Herdenschutzhund-Rüde, sagt DER WOLF „sorry, Leute, bin raus, ist mir zu krass.“

Also man sieht hier ganz offen den Betrug. Fritze spricht von mehreren Wölfen in dem Video, das er gesehen hatte. Also einem Rudel. Ganz typisch für den Wolf als Rudeltier. Lehmännchen geht darüber hinweg und macht mit DEM WOLF als Einzeltier eine Milchmädchenrechnung auf. Natürlich mit viel Auskenner-Gehabe, Köpfchenschütteln und Gestikulieren. Die Rechnung ist pseudologisch und schon bei einer 1:1 Konfrontation fraglich. Schließlich haben wir es mit wilden Tieren zu tun, die nie zu 100% berechenbar sind. Der Wolf ist agiler als ein Herdenschutzhund, hat mehr Beißkraft und muß regelmäßig töten, um zu überleben. Ein Rudel kann selbst Bären gefährlich werden und Lehmännchen kann sich hier seine Rechnung sonstwohin schieben. Deshalb weicht es gleich auf DEN EINEN Wolf und dessen vermeintliche Risikoabwägung aus. Also auf das, was Lehmännchen tun würde, wenn es EIN Wolf wäre.

Video zwei:

-wolf vs dog real fight best video 2021-
wolf vs dog real fight best video 2021 wolf vs german shepherd real fight A surveillance video camera, which is located at the sawmill site, took pictures of wolves sneaking up on a German shepherd on a chain. First one, slowly coming up, then the other, and the two of them cling to the dog. Immediately, 4 more wolves appear in the frame. The poor animal had no chance. They killed the dog. Interestingly, there was another dog on a chain on the territory, but they did not touch it.

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Es könnte sich hier durchaus um das Video handeln, von dem der Bushcraft-Fritze sprach. Allerdings sind es hier mehr als drei Wölfe, nämlich genau doppelt so viele. Wobei es reichlich Aufzeichnungen von Wolfsattacken auf Hunde auf Youtube gibt. Auf jeden Fall ist es schon ziemlich überzogen, hier von einem „real fight“ zu sprechen. Der Hund, ein Deutscher Schäferhund, hatte von Anfang an keine Chance und hätte auch ohne Kette keine gehabt. Die Kette ist zudem relativ lang und gewährt daher einige Bewegungsfreiheit. Trotzdem gab es keinen Kampf. Die Wölfe, die anfangs durchaus etwas zögern, einige sogar für einen Moment zurückschrecken, aber das wohl eher aus allgemeiner Anspannung wegen der Nähe zu Menschen heraus und nicht aus Furcht vor dem Schäferhund, überwältigen diesen mit Leichtigkeit. Der Hund ist im Handumdrehen niedergebissen und alle sechs Wölfe reißen und beißen an ihm herum bis schließlich die Kette reißt und die Wölfe ihre Beute einfach davontragen. Wenn’s nach dem Erzähler ginge, könnten sie mit alleswissenden Naturschutz-Abenteurern gerne genau so verfahren.

Ach ja, Schafe und irgendwelche Herden sind nicht auszumachen. Es handelte sich wohl um Hof- und Wachhunde, wobei so ein Schäferhund um die 40kg wiegen mag. Hier konnte man an Lehmännchen die übliche Wolfslobby-Rhetorik studieren: Problem durch Weglassen reduzieren, also immer von EINEM Wolf sprechen und die Eigenschaft als Rudeltier untern Tisch kehren. Es des weiteren so erscheinen zu lassen, als sei der Konflikt mit den Schäfern der einzige heikle Punkt und Wölfe in der Kulturlandschaft nicht generell eine ständige potentielle Gefahr. Für die Schäfer sollen dann die Herdenschutzhunde das Mittel der Wahl und letztendlich die Lösung sein, wobei verschwiegen wird, daß diese selbst problematisch sind und aufgrund ihrer Größe und ihres Aggressionspotentials eine Gefahr für Menschen darstellen können. Es ist gut belegt, daß Herdenschutzhunde in unübersichtlichem Gelände wenig auszurichten vermögen und überhaupt nicht selten selbst zur Beute werden. Andererseits hat der Wildbiologe Valerius Geist beschrieben, wie sich Herdenschutzhunde auch mit den Wölfen „verbrüdern“ können und diesen dann freien Lauf lassen. Man werde sich noch wundern, so Geist, zu was Wölfe in der Lage seien.

Ja, es bleibt spannend, das findet auch der Erzähler. In den zentralen Regionen der Wolfsbesiedlung innerhalb der BRD, wie etwa Brandenburg, streifen die Wölfe schon mal tagsüber durch die Gärten, in die man die Kinder nicht mehr ohne Aufsicht läßt. Aber glücklicherweise haben wir ja Lehmännchen, das genau weiß, daß immer DU schuld bist, wenn DICH ein Raubtier angreift. Hat es genau so gesagt in einem Video, in dem es um die Angst vor Tieren im allgemeinen geht. Kein Raubtier greift DICH nämlich einfach so an. „Bis es soweit kommt, da hast DU bereits tausend Fehler gemacht“. Es, der Abenteurerforscher, habe nämlich schon wilde Tiger und Bären aus zwei-drei Metern Distanz gefilmt, null Problemo. Was ist der Umkehrschluß? Zwei Armlängen Abstand und Koexistenz mit dem Freßfeind ist möglich!

Derweil gehen die Bewohner der bengalischen Sunderban-Mangrovensümpfe immer mit Maske am Hinterkopf zum Holzsammeln oder Honigsuchen. Der Tiger jagt nun mal auch gerne größere Primaten und Hominide sind da keine Ausnahme. In der Regel kommt er unbemerkt, lautlos und von hinten. Deshalb die Maske, die ein menschliches Gesicht abbildet. Es heißt, die Großkatze scheue den Frontalangriff und wisse so praktisch nicht mehr, wo vorne und hinten sei, was sie irritiere und vom Angriff abhalte. Die Taktik scheint zu funktionieren, aber nicht immer. Wilde Tiere sind unberechenbar. Da kann das Lehmännchen lange mit dem Köpfchen nicken.

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Von Wölfen und Menschen IX

Herdenschutzesel – Bullshit und Wahrheit

Bullshit, wie er gerne von hochoffiziellen Stellen verbreitet und von grünen Urbaniden nachgeplappert wird:

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-Darum Haben Hyänen und Wölfe Angst Vor Eseln-
Gibt es wirklich einen Herdenschutzesel Trend? Und wenn ja, wieso fürchten sich gefährliche Raubtiere wie Hyänen oder Wölfe eigentlich vor Eseln. Wie kann es sein, dass diese süßen Huftiere riesige Herden von Schafen und Ziegen verteidigen können?

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Dazu:

Esel als Herdenschutztiere

Die Bedrohung von Schaf-, Ziegen- und Rinderherden durch Wölfe wird mit wachsender Population immer größer. Umso verständlicher ist es, dass Halter von Weidetieren nach Möglichkeiten suchen, ihre Herden vor Wolfsübergriffen zu schützen.

Neben geeigneten Zäunen und dem Einsatz von Herdenschutzhunden werden dazu auch immer wieder Lamas und Esel in Betracht gezogen, zum Teil von Wolfsbeauftragen und Umweltministerien sogar empfohlen.

Jedoch ist die Haltung von Eseln in solchen Herden nicht so einfach, wie es publiziert wird. Der Esel ist kein Weide-, sondern ein Wüstentier. Die Fähigkeit von Eseln, andere Tierarten vor Angriffen durch Wölfe zu schützen, ist in keiner Weise nachgewiesen. Durch ihr lautes Schreien und ihre Wachsamkeit können Esel möglicherweise auf eine Bedrohung aufmerksam machen. Sie können aber durch ihr Abwehrverhalten keine Wölfe vertreiben und sich auch nicht selbst als Beutetiere schützen. Zudem widersprechen die Haltungsansprüche der zu schützenden Weidetiere elementaren Haltungsbedingungen für Esel (z. B. Nährstoffangebot, Witterungsschutz).

Die Haltung eines Esels aus dem Motiv Herdenschutz ist abzulehnen.

Gern beraten wir Weidetierhalter, Behörden, Naturschutzverbände und alle anderen Interessierten.

Schutz vorm Wolf? Esel als Herdenschutztiere – Noteselhilfe e.V.

Der Wolf ist nun mal ein Apex-Predator, dessen bevorzugte Beute mittelgroße bis große Huftiere sind. Was ist ein Esel?

Ein probates Beispiel dafür, wie sich Ökomythen hartnäckig halten und verbreiten. So wie auch die Mär, Wölfe hätten Yellowstone gerettet und ähnliches. Läßt sich natürlich auf vieles andere übertragen, schließlich ist der Wolf ein allegorisches Tier.

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Eine Ode an FRANKSTEIN, den Drachentöter!

Was für ein Heldensang tönte dem Erzähler neulich entgegen, als er die Pforte zum befreundeten Eliteblog durchschritt:

Tante Lisa sagt:

Werter Frankstein,

Du hättest Pathologe werden sollen – sehr gut erklärt die schwärende Wunde!

Dank Dir gibt es kein Tier mehr hier – das unsägliche Tyron. Dank Dir ist der furchtbare hotspot entfleucht. Dank Dir bleibt Alp in seinem fernöstlichen Bann.

Gut, dasz wir Dich an unserer Seite wissen, denn wir würden Dich sonst sehr vermissen.

Fürwahr, DAS nenne ich ELITE! Nicht nur entgeht kein Geldköfferchen, das die fiesen „40“ (man lese ABOUT oder mache irgendwas mit Bananen) zur endgültigen Vernächtong Deutschlands auf die Reise schicken, wie hier zum beSCHEUERten Andreas, den wachsamen Hühneraugen vom Schwimmeister und seinen getreuen vier Sichtbaren, nein, hier werden auch die Semitenbibel und das Gilgamesch-Epos täglich neu ausgehandelt!

KriegerpoetIN Lisa hat jedenfalls dem gewaltigen FRANKSTEIN ein dichterisches Denkmal gesetzt, das mit den epischen Zeilen, die Richard H. Thompson in „Wolf-Hunting In France in the Reign of Louis XV – The Beast of the Gévaudan“ dem zu Lebzeiten wie posthum (etwa in kitschig- verlogenen Machwerken wie „Pakt der Wölfe“/“Brotherhood Of Wolves“) übel beleumdeten Aussenseiter und Sonderling Jean Castel widmete, welcher aber tatsächlich als Erleger „der Bestie des Gévaudan“ (nach sorgfältiger Quellenanalyse mindestens zwei menschenfressende Wölfe) das Urbild des Drachentöters verkörperte, durchaus mithalten kann. Thompson schildert in klimaktischer Zuspitzung und epischer Überhöhung das Aufeinandertreffen von Jean Chastel und dem letzten überlebenden Exemplar des bestialischen Wolfspaares, nach dessen Erlegung der Spuk ein abruptes Ende gefunden hatte:

Old Jean Chastel – he was then at least sixty-five years of age – was quietly reading the litanies of the Holy Virgin when, above the din made by d‘ Apcher’s men and dogs, he heard a large animal crashing through the heavy undergrowth of the Tenazeyre woods. The formidable patriarch, the man whose grey head was the seat of so many mysteries and secrets, was still engaged in the uncharacteristic act of reading a devotional book, when he glanced up from his page and saw the Beast itself, in all its terrible splendor, at a distance of only twenty yards. The creature stopped, as if surprised by the sudden apparition of the human, the ancestral enemy, the only being in his world more dangerous than the Beast himself. The Beast glared at his nemesis with his deep yellow eyes, his tongue lolled from his great red mouth, his fangs reflected the morning light. Chastel closed his prayer book, folded his steel-rimmed spectacles and put them into his jacket pocket, and raised his musket to his shoulder. The beast remained immobile, with only his great, bushy tail trashing from side to side, as if transfixed by the overpowering realization that his career of slaughtering the weak, the unprepared, and the isolated was at least drawing to its close.

Chastel fired and the Beast fell, wounded to death. The animal twitched convulsively a few times and perished miserably when the dogs of M. le Marquis d’Apcher came up. Jean Chastel put down his musket and walked forward, silent amidst the rustling of the dark green leaves of the trees, the barking of the dogs, and the breathless congratulations of the beaters. He looked at the torn carcass at his feet for a time and then said softly, as if talking to someone or something very far away, „Beast, thou wilt kill no more.“

In one glorious instant, Jean recapitulated a hundred thousand or more years of the human struggle against evil in its most palpaple form. He became Har slaying Sutekh in the marshes of the Delta, unnumbered years ago. He was Perseus killing the dragon on those same shores to rescue Andromeda. He was akin to the weirdly transformed Horus of the last days of the old religion, falcon-headed Roman centurion on horseback, driving his lance into the lumpish crocodile Set-Typhon. He was Saint George, the Farmer and Roman commander, piercing the flank of the Dragon. He was a reincarnation of Bishop Hilaire, who comes to the aid of that pious lady, Saint Enimie, and caused the mountain to fall on the fearsome Coulobre, who was devastating the countryside and annoying the saint. He was every hero of the Old World and the New who has confronted the Evil that threatened to destroy the fields, flocks, and families, those frail but enduring bearers of our civilization. He was ourselves as we struggle against the trials that are sent by an insensitive nature and the evil that is willed by man.

https://chaosfragment.wordpress.com/2019/02/03/von-woelfen-und-menschen-i/

Awww, der Erzähler meint demütig, das ist so großes, episches und durchaus emotional berührendes Text-Kino, dazu von einem erklärten „Skeptiker“, dass er es erst gar nicht übersetzungstechnisch begrabbeln möchte. Nur ist Tantchens „das Tier hier, das unsägliche Tyron“ nicht in realiter so jemand wie „old Jean Chastel“? Nun, sicherlich auch eine Standpunkt- und Verständnisfrage. Nuff said.

Von Wölfen und Menschen VIII

Eine kleine Textcollage: Vom Wolf zur Schnecke

Aus „TUMULT-Vierteljahresschrift für Konsensstörung“, Winter 2018/19:

JOHANN FELIX BALDIG

Harz Wolfserwartungsland

Wer wo überleben wird

(…)

Abwurfstangen deutschen Stolzes

(…)

Was bezogen auf die ganze Körperschaft das Absehen von guter Polizey im Sinne öffentlicher Ordnung ist, erscheint künftig in Deutschlands Wäldern als Einsetzung des Wolfes an die Spitze der Nahrungskette. Der Wolf residiert, ganz metaphorischer Flüchtling, jenseits des Jagdrechts. Eine Waid gegen ihn findet nicht statt. Als geschützte Art, nach jeder nur denkbaren Jurisdiktion, kann sich der Deutsche, ob Spaziergänger, ob Pilzsammler, ob Förster, ob Jäger, dem Wolf gegenüber nur ins Unrecht setzen. Ist der Wolf noch nicht da, noch nicht niedergekommen nach langer Wanderung, wird er erwartet, herbeigesehnt, wohl auch herbeigeholt. Ein staatliches Wolfserwartungswesen wird installiert. Hat der Wolf neue Räume besiedelt, führt er gar Welpen, gehen von ihm unwiderleglich keine Gefahren aus, die nicht im Aushandelungswege zu bändigen wären, kann er denknotwendig kein Stifter eines letzten Schadens sein, der nicht von vielbeschworener Diversitätsrente abgegolten, ja verzinst würde.

Der Wolf stellt uns vielmehr Aufgaben. Kompetenz ist mithin gefragt, Kompetenz in der Aufgabenlösung. Wolfskompetenzzentren werden errichtet, die sich im Wolfsmanagement üben. Das Wolfsmanagement gibt den Wolfsunterworfenen auf: „Dulde und liquidiere!“ Weil das Wolfsmanagement primär auf die Begleitung, Förderung wölfischer Landnahme zielt, versteht es Rissbegutachtung und Leistung von Schadensersatz den Nutztierhaltern gegenüber als Kernaufgabe. Das moderne Zudecken und Abmildern der unschönen Weiterungen der großen Verwilderung! Überdies gibt das Wolfsmanagement den Wolfsunterworfenen auf: „Errichte Mikrogrenzen um deine Herde, wo das Wolfsmanagement die Wege der Wölfe bereitet!“ Derweil der Wolf, gehätschelt von Wolfsbeauftragten, unbehelligt von der Jägerschaft, sein mörderisches Geschäft verrichten darf, werden den Schäfern von einer umständlichen Bürokratie die Herdenschutzmaßnahmen ersetzt. Die Zäune müssen tief im Erdreich gegründet sein, um nicht untergraben zu werden. Im Wolfsniederkunftsland wird der Schäfer zum Erdarbeiter. Endlich gibt das Wolfsmanagement den Wolfsunterworfenen auf: „Ertrage den staatlich genährten Zweifel am Wolf als Schadensstifter!“ Staatlichen Wolfsrissgutachtern sind die Zeugnisse und Spuren eines Risses umständlich zu übermitteln, auf dass diese der Frage nachgehen mögen, ob nicht ein Schäferhund, gar eine Hündin namens Blondie, für den Überfall verantwortlich zeichnet.

FAZ vom Dienstag, 26. Februar 2019, Seite 4, Rubrik „Politik“:

Im Gespräch: Schleswig Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) über die Jagd

„Der Wolf gehört jetzt dazu“

Herr Minister, Sie haben den Wolf in Schleswig-Holstein mit der Kennung GW 924m zum Abschuss freigegeben. Wie läuft die Jagd?

Es wird mit allen Mitteln und vollem Einsatz daran gearbeitet, um das Gelingen der Entnahme sicherzustellen…

…also der gezielten Tötung…

…ja genau. Grundsätzlich ist der Wolf nicht das einzige Tier, das wir jagen. Er ist aber eine große Ausnahme, da er unter strengem Schutz steht. Das macht es nicht einfach, und es ist eine große Herausforderung, das Tier zu finden.

In den vergangenen Jahren ist so ein gezielter Abschuss doch überhaupt nur zwei Mal gelungen in Deutschland.

Das ist nichts, was man auf Knopfdruck erledigen kann. Aber wir sind dem Wolf auf der Spur und hoffen, dass es gelingt. Trotzdem muss klar sein: eine Entnahme ist ein Ausnahmefall. Die Regel muss sein, dass wir mit den Wölfen, die wir haben und die noch kommen werden in Koexistenz leben. Sie werden dann auch willkommen geheißen. Und die Wölfe müssen wissen, dass sie nicht die Nutztiere angreifen sollen, sondern Wildtiere. Dafür brauchen wir die wolfssicheren Zäune als wichtigstes Präventionsmittel.

Gerade der Gedanke an diese Koexistenz scheint viele Menschen zu verunsichern. Auch ein Abschuss wird das nicht ändern, und Zäune haben auch Nachteile. Müsste nicht also viel grundsätzlicher mal geklärt werden, wie wir zu dem Wolf stehen?

Wir haben als Gesellschaft die Entscheidung getroffen, dass der Wolf unter Schutz gestellt wird, weil wir nicht wollen, dass die Liste der ausgestorbenen Tiere immer länger wird. Das war eine richtige Entscheidung. Wir tun gut daran, den Artenschutz nicht daran festzumachen, wie anstrengend ein Tier ist . Und weil wir diese Entscheidung getroffen haben, müssen wir einen Weg finden, um die Interessen der Weidetierhaltung und der Menschen, die verängstigt sind, in Einklang zu bringen mit dem Schutz des Tieres.

Hätten Sie mit alle diesen Ängsten und auch der Gereiztheit gerechnet, die sich zeigt? Selbst bei ihnen im Land, wo es grade mal eine Handvoll Wölfe gibt?

Die Rückkehr des Wolfes finden viele Menschen nicht gut und ich kann das zum Teil auch verstehen. Es kann eine enorme Belastung sein, wenn man als Nutztierhalter jeden Morgen die Sorge haben muss, wieder tote Tiere zu finden, oder wenn Eltern auf dem Land sich fragen, ob sie ihre Kinder noch zur Schule gehen lassen können. Das muss ernst genommen werden. Genauso muss aber ernst genommen werden, dass wir nur Schritte gehen können, die geeignet sind, eine Koexistenz zu ermöglichen. Das will eine große Mehrheit der Gesellschaft. Und es gibt ja auch Menschen, die mit der gleichen Emotionalität ihre Meinung vertreten, dass es völlig falsch ist, auch nur einen einzigen problematischen Wolf abzuschießen. Auch von denen kommt viel Unverständnis.

Sie hatten deshalb in Schleswig-Holstein Probleme, überhaupt Jäger für die Wolfsjagd zu finden.

Die Belastungen für die Jäger sind hoch. Die Befürchtung, dass man an den Pranger gestellt wird, von der einen wie der anderen Seite, sind bei allen, die mit dem Thema befasst sind, groß. Wir haben Anonymität zugesichert, es ist ein professionelles Verfahren, wir machen daraus keine Live-Hetzjagd. Wir erlegen im Jahr etwa 25 000 Wildschweine, das interessiert keinen Menschen. Wenn ein Wolf entnommen wird, sollten wir nicht über reagieren. Als Politik müssen wir die Emotionen zwar ernst nehmen, aber können uns nicht von ihnen leiten lassen. Es ist nicht nötig in Panik auszubrechen.

(…)

Das bezieht sich auf Ihre Partei – werden es die Grünen verkraften, wenn es bald ein Bild eines erschossenen Wolfes gibt?

Das müssen wir dann. Und alle anderen müssen ertragen, dass der Wolf jetzt zu unserer Kulturlandschaft dazugehört.

Jägerportal „jagderleben“, 03.05.2017:

Wolfs-Veranstaltung eskaliert

Sobald es um Isegrim geht, kochen die Emotionen hoch. Das Brandenburger Wolfsplenum wäre daher fast vorzeitig beendet worden.

Wie die „Lausitzer Rundschau“ berichtet, endete die Veranstaltung in Vorwürfen und Chaos. Mehrfach stand der Abbruch kurz bevor. Und das, obwohl Umweltsekretärin Carolin Schilde offenbar um Schadensbegrenzung bemüht war. Sie verkündete nämlich, dass Problemwölfe nach Einzelfallentscheidungen geschossen werden sollen. Doch eine Obergrenze für die Wolfspopulation könne man nach wie vor nicht festlegen.

Insgesamt wurde dem Ministerium eine schlechte Vorbereitung für das Treffen attestiert. Zum einen wurde den Teilnehmern erst zwei Tage zuvor die Tagesordnung zugesandt. Des Weiteren sei die Ministeriums-Präsentation nicht wertfrei gewesen. Argumente, wie der erteilte Förderbescheid in Höhe von knapp einer Million Euro für das Wolfs- und Herdenschutzzentrum oder Ausgaben für Präventionsmaßnahmen von mehr als 800.000 Euro, brachten auch keine Ruhe mehr in die Runde. Befürworter wie Kritiker waren längst bei gegenseitigen Beleidigungen angelangt.

„Das ist, als ob sie uns für doof verkaufen“, wird der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Dirk-Henner Wellersdorf, von der Zeitung zitiert. Der Landesbauernverband legte nach. „Wenn eine Fachveranstaltung quasi abgebrochen werden muss, weil sie dank mangelnder Vorbereitung nicht durchführbar war, spricht das schon eine deutliche Sprache“, so Präsident Henrik Wendorff. Das Ministerium habe sich ein Armutszeugnis geleistet.

Jägerportal „jagderleben“, 08.03.2019:

Niedersachsen: Lies beklagt Störungen bei Suche nach Problemwolf

Immer wieder rufen Wolfsbefürworter zu Nachtwanderungen im Gebiet des Rodewalder Rudels auf. Der Minister Olaf Lies beklagt dies.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat Störungen bei der Suche nach dem Problemwolf im Landkreis Nienburg beklagt. «Es gibt Leute, die laufen mit Kameras durch den Wald, fotografieren und stellen das gnadenlos ins Internet», sagte der SPD-Politiker der «Nordwest-Zeitung» (Freitag). Es sei ein Unding, wenn Institutionen in der Ausübung ihres rechtsstaatlichen Handelns und die Ausführenden vor Ort so angegangen würden, sagte Lies.

Wolfsschützer hatten vergeblich versucht, die Genehmigung zum Abschuss des Rodewalder Leitwolfes gerichtlich zu stoppen. Das Rudel nördlich von Hannover soll mehr als 40 Nutztiere gerissen haben, darunter auch Rinder und Ponys. Allerdings waren die meisten Weiden nicht mit wolfssicheren Zäunen gesichert. Die behördliche Genehmigung zum Abschuss des Rüden ist bis zum 31. März verlängert worden. «Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn bis zum Ende der Frist haben», sagte Lies.

In der Nacht zum Donnerstag wurden nach Angaben des Umweltministeriums auf einer Weide bei Burgwedel in der Region Hannover 15 Schafe gerissen und weitere verletzt. Zwei Mitarbeiter des Wolfsbüros hätten DNA-Proben genommen, sagte eine Sprecherin, nachdem die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» über den Fall berichtet hatte. Dass das Rodewalder Rudel die Schafe gerissen habe, sei eher unwahrscheinlich, weil dessen Territorium nicht so weit reiche. dpa

Aus dem „Bericht zu wolfsverursachte Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2017″ der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW):

FAZ vom Samstag, 13. April 2019, Seite 19, Rubrik „Die Lounge“:

Wolfsblut

Die Zahl der Wölfe im Deutschland steigt. Was Naturschützer freut, ärgert die Landwirte, deren Kälber sich der Wolf holt. Besonders in Ostdeutschland wird das streng geschützte Tier zunehmend zu einem Politikum.

Von Julia Löhr

„Die Angst fährt immer mit.“ Ralf Högemann schwingt sich in seinen Geländewagen, Zeit für die morgendliche Kontrollrunde. Der Wagen ruckelt über die Felder, gelegentlich drehen die Reifen im Matsch durch, es hat die vergangen Tage viel geregnet in Treuenbrietzen, einem kleinen Ort im Süden Brandenburgs. Seit rund dreißig Jahren ist Högemann hier Landwirt. 500 Rinder auf 600 Hektar Land, die männlichen Kälber verkauft er an Mäster, die weiblichen behält er für die Zucht. Doch immer häufiger fragt sich Högemann, wie lange er sich das noch antun soll: Tiere aufziehen, die sich dann der Wolf holt. Er stoppt den Wagen, setzt das Fernglas an, der sonst so redselige Mann wird plötzlich ganz still. Högemann zählt seine Kälber. Dann atmet er auf. Glück gehabt, alle sind noch da.

Das war nicht immer so. 35 tote Tiere durch Wolfsrisse hat Högemann in den vergangenen zwölf Monaten gezählt. Zuletzt hat es ihn Anfang April erwischt, das Kalb war erst einen Tag alt. Die Mutter hat noch versucht, es zu verteidigen, Bissspuren an ihren Ohren künden vom nächtlichen Kampf. Högemann hat eine Excel-Datei angelegt., sie ist ausgedruckt zwei Seiten lang. „Kalb, Kalb, Kuh, Kalb, Kalb, Fohlen“ so geht das immer weiter , mit Datum und den Nummern der Tiere. Mal war der Rissgutachter des Landesumweltamtes da, mal hat Högemann ihm Fotos geschickt. Die Bildergalerie auf seinem Handy gleicht einem Schlachtfeld: lauter tote Tiere. Von einem Kalb, das ein geschientes Bein hatte, hat Högemann nur noch den Verband in einem nahegelegenen Waldstück gefunden. Auf rund 1000 Euro beziffert er den Schaden je Kalb. Der Bauer ist es leid: „meine Tiere waren vor den Wölfen hier. Der Wolf gehört gejagt.“

(…)

Lange Zeit waren solche Fragen kein Thema, seit Mitte des 19. Jahrhunderts galt der Wolf hierzulande als ausgerottet. Das änderte sich erst im Jahr 2000, als in Sachsen wieder ein Wolfspaar gesichtet wurde, Zuwanderer aus Polen. Naturschützer waren entzückt, vor allem als weitere Wölfe folgten. In Deutschland gibt es mittlerweile73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare und etliche Einzelwölfe, zeigen Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf. Der deutsche Jagdverband schätzt, dass insgesamt wieder mehr als 1000 Wölfe in Deutschland leben. Die große Frage ist: Reicht das?

Geht es nach den Naturschützern, lautet die Antwort: auf gar keinen Fall. Eine sichere Bestandsgröße sei noch nicht erreicht, argumentieren sie. Nach Meinung der Landwirte gibt es dagegen schon jetzt mehr als genug Wölfe. Der Deutsche Bauernverband fordert ein „aktives Wofsmanagement“, um die Landwirte vor noch größeren Schäden zu schützen. Nach den Zahlen des Bundeslandwirtschaftsministeriums gab es in Deutschland im Jahr 2006 erst 40 durch den Wolf verwundete oder getötete Weidetiere. 2014 seien es schon 377 gewesen, 2017 sogar 1667 Tiere. Wir verzeichnen also mehr als eine Vervierfachung in drei Jahren“, sagt eine Sprecherin.

Für das vergangene Jahr verzeichnet allein das Landesumweltamt in Brandenburg mehr als 400 durch Wölfe getötete Nutztiere. Der Bauernbund Brandenburg organisiert regelmäßig Mahnwachen mit großen Feuern, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Neben Ralf Högemann trifft es auch seinen Kollegen Andreas Eckert einen Ort weiter. 14 tote Kälber hat er in diesem Jahr schon auf seiner Weide gefunden. Und er ist überzeugt, dass sich der Wolf noch mehr Tiere geholt hat, weil einige der Kühe zwar gekalbt haben, aber am nächsten Morgen weit und breit kein Kalb zu sehen war. Auch Eckart hat es sich angewöhnt, alle paar Stunden Patrouille zu fahren, in der Hoffnung, dass der Lärm des Autos die Wölfe vertreibt. Kein Tag vergeht, ohne dass er mit einem mulmigen Gefühl auf die Weide fährt. „Sehen sie das Kalb dort drüben? Was hinten so schwarz ist? Dem hat der Wolf den halben Arsch weggefressen.“

(…)

Das Landwirtschaftsministerium (…) will einzelne Wölfe eines Rudels auch dann „entnehmen“ , wie das Töten in der Fachsprache heißt, wenn von ihnen keine konkrete Gefahr ausgeht. Ähnliches fordern auch die Umweltpolitiker von CDU und CSU. Sie wollen wie in Frankreich eine Wolfsobergrenze von 500 Wölfen festlegen, steht in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier. Doch ob der im vergangenen Jahr von Frankreich verabschiedete „Managementplan Wolf“ mit dem EU-Recht vereinbar ist, muss erst noch geklärt werden. Auch die Schweden und die Finnen, die in besonders betroffenen Gebieten immer wieder einzelne Wölfe jagen, liegen im Clinch mit den Artenschützern in Brüssel. Dass es dort ein Umdenken gibt, ist unwahrscheinlich. Die zuständigen Kommissare Phil Hogan und Karmenu Vella haben Mitte Februar in einem Schreiben an die Mitgliedsstaaten deutlich gemacht, dass der Schutzstatus des Wolfs bleiben soll, wie er ist.

(…)

Wer in Deutschland Nutztiere durch einen Wolfsriss verliert, dem steht eine Entschädigung zu. Vorrausetzung ist, dass ein staatlicher Rissgutachter bestätigt, dass der Angriff tatsächlich von einem Wolf ausging und nicht etwa von einem Fuchs oder einem Hund. Doch auf diesen Rissgutachter sind die Landwirte ähnlich schlecht zu sprechen wie auf die Politik. Immerzu suche er nach Gründen, warum es doch kein Wolf gewesen sein könnte, heißt es. Auch von einer Verschwörung zwischen Politik und Naturschützern ist die Rede. Tatsächlich ist es so, dass sich der vom Land Brandenburg bestellte Rissgutachter zuvor als Wolfsbotschafter des Naturschutzbundes Nabu einen Namen gemacht hat. Das Landesumweltamt argumentiert, es gebe nun mal wenige Fachleute auf diesem Gebiet. Ein Interessenskonflikt sei nicht zu erkennen.

Umweltpolitiker drängen die Landwirte dazu, ihre Weiden wolfssicher zu machen, mit Elektrozäunen die mehr als einen Meter hoch sind und sich auch so tief in die Erde bohren, dass der Wolf sich nicht darunter hindurch graben kann. Ralf Högemann kann über solche Vorschläge nur müde lächeln. Wie viele Kilometer Zaun sich um seine Weiden spannen, wie hoch die Kosten wären, diesen technisch aufzurüsten, vermag er nicht zu schätzen. Klar ist für ihn nur: Mit den staatlichen Fördermitteln käme er nicht weit. Mit dem Auto dauert es gut eine halben Stunde, um das weitläufige Gelände abzufahren, auf dem seine Kühe stehen. Alle seien doch immer gegen Massentierhaltung in Ställen und für möglichst viel Auslauf, brummelt der Landwirt. „Bitte schön“, sagt er und macht eine ausladende Handbewegung.

Aus „TUMULT-Vierteljahresschrift für Konsensstörung“, Winter 2018/19:

JOHANN FELIX BALDIG

Harz Wolfserwartungsland

Wer wo überleben wird

(…)

Im Gefilde

Wölfe gehen übers Land. Die Vorahnung ihres Siedlungsdranges widmet unsere Gründe, sind sie noch wolfsfrei, zum Wolfserwartungsland. Schwanger geht das Land mit dunkler Wolfserwartung. Zugleich erzählt sich die verschwiegene Geschichte eines Stammes, sagen wir: der Weinbergschnecke. Im Gesträuch am Fuße einer Kopfweide, irgendwo nah beim Acker. Über das Menschenland geht Krieg um Krieg, eine Währung folgt auf die andere, Gebietsreform überholt Gebietsreform. Die Verwaltung treibt Raumordnung, nach Recht und Gesetz – gleichmäßige Lebensverhältnisse im Bundesgebiet. Derweil sich die Räume auseinanderordnen zum Verschiedenen hin, wo Wolfserwartung dräut. Bald ruft in größter Not das Jagdrecht nach der Inkorporierung des Wolfes. Ungehört! Derweil jene Sippe der Weinbergschnecke siedelte, von Geschlecht zu Geschlechte, in beschirmendem Bezirk der Kopfweide, irgendwo nah bei einem Acker. Ihr genügte die Wegmarke zur Befestigung eines ganzen Königreiches. Wo die Zeit im Flüstern der Grashalme rastet. Wir wollen leben wie die Weinbergschnecken! Im Gefilde wollen wir uns halten, wollen dort residieren! Ist das Gefilde doch unauflösbar, unentwirrbar, hält sich verklärt, beharrt romantisch.

Von Wölfen und Menschen VII

Wieder einmal stolperte der demütige Erzähler über zwei Pressemeldungen, die sich ergänzten wie Teile eines Puzzles. Also zunächst war da diese:


Mehr als jede Zweite hat Vorbehalte gegen Asylsuchende
dpa


Obwohl die Zahl der Asylbewerber sinkt, wachsen bei den Deutschen die Vorbehalte gegen Asylsuchende. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen «Mitte-Studie».


Die repräsentative Reihenuntersuchung, mit der alle zwei Jahre rechtsextreme Einstellungen und «gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit» gemessen werden, wurde von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen.


Hatten sich 2014 noch rund 44 Prozent der Befragten negativ über Asylsuchende geäußert, so stieg dieser Wert während der sogenannten Flüchtlingskrise von 2016 auf 49,5 Prozent. Als die Forscher im Februar 2019 ihr jüngste Befragung abschlossen, stellten sie fest: die Zahl derjenigen, die sich abwertend über asylsuchende Menschen äußern, war mit 54,1 Prozent so hoch wie nie seit Beginn der Untersuchungsreihe im Jahr 2002.


Dies als Zeichen einer immer stärker um sich greifenden allgemeinen Intoleranz zu interpretieren, greift aber zu kurz. Denn die Autoren der Studie fanden auch heraus: die Vorbehalte gegen Obdachlose haben seit 2014 kontinuierlich abgenommen. Hatten sich im Jahr 2016 noch 18 Prozent der Befragten negativ über wohnungslose Menschen geäußert, so waren es zuletzt nur noch knapp elf Prozent.
Abgenommen haben laut Studie auch die Vorbehalte gegen Homosexuelle. Entsprechende Einstellungen fanden die Forscher zuletzt noch bei rund acht Prozent aller Deutschen. Zwei Jahre hatte noch fast jeder Zehnte Vorbehalte gegen Lesben und Schwule.

Ja, vielleicht hat es sich mittlerweile rumgesprochen, dass es ziemlich fluppe ist, ob momentan die „Zahl der Asylsuchenden“ steigt oder sinkt, weil ohnehin bedingungslose Massenimmigration, jetzt auch unter dem „nicht bindenden“ UN-Diktat, herrscht, und wer erstmal drin ist, auch drin bleibt, so dass die Zahl der Kulturfremden, aller Schwankungen zum Trotz, beständig ansteigt, aber gehen wir weiter zum nächsten Stolperstein:


„New York Times“ zynisch: Deutsche diskutieren über Wölfe wie über Flüchtlinge

berliner-zeitung


Die Überschrift mutet bereits leicht zynisch an: „Die großen bösen Wölfe von Deutschland“, heißt es im Newsletter der „New York Times“. Die Zeitung beleuchtet das Problem, oder aus ihrer Sicht Nicht-Problem der nach Deutschland zurückkehrenden Wölfe.


„Ein paar hundert Wölfe lassen sich allmählich in den ländlichen Gebieten Deutschlands in der Nähe der polnischen Grenze nieder“, so die Zeitung. „Aber, wenn man Politiker darüber sprechen hört, steht dem Land eine Invasion bevor.“


Die Art und Weise sei auffallend ähnlich zu der, wie Politiker über Migranten sprechen. Der Wolf werde zu einem „Objekt des Schreckens“ stilisiert. Und die Diskussion stehe sinnbildlich für die „nationalen Kulturkämpfe“.


Die wahre Gefahr, die vom Wolf ausgeht
Der Wolf sei sogar ein zentraler Bestandteil von einigen Kampagnen zu Regionalwahlen in der ehemaligen DDR, wo die Zahl der Wölfe am höchsten sei und politisch rechte Parteien stark seien, befindet das amerikanische Blatt weiter.


„Wölfe sind gefährlich und vermehren sich explosiv“, zitiert die „New York Times“ Silke Grimm, die bei der AfD in Sachsen für das Thema Wolf zuständig ist. Offiziell würde es heißen, alles sei unter Kontrolle. Die Formulierung würde man jedoch schon aus der Flüchtlingskrise kennen. „Niemand glaubt ein Wort davon.“


Als Einordnung der Aussagen schreibt die Zeitung weiter, es habe im letzten Jahrhundert laut der zuständigen Behörde keinen erfassten Fall gegeben, in dem ein Wolf einen Menschen getötet hätte.


FDP fordert grenzüberschreitende Betrachtung der Raubtiere
Unterdessen geht die Debatte um den Wolf in Deutschland weiter. Die FDP-Fraktion im Bundestag forderte ein europaweit einheitliches Monitoring von Wölfen. „Wölfe kennen keine Ländergrenzen“, sagte der umweltpolitische Sprecher Karlheinz Busen in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es gebe eine gemeinsame deutsch-westpolnische Wolfspopulation, die auch bei der Feststellung des Erhaltungszustandes gemeinsam betrachtet werden müsse.


Busen griff damit ein Argument der Befürworter einer Wolfsjagd auf: Bei grenzüberschreitender Betrachtung sei der Bestand der Raubtiere nicht mehr gefährdet. Eine gezielte Bejagung wäre damit rechtlich möglich.


Unterschiedliche Monitoringstandards
Dagegen teilte die Bundesregierung Busen nach Angaben der Zeitung auf Anfrage mit, dass es für diese Einschätzung keine Datengrundlage gebe. Deutschland und Polen arbeiteten derzeit mit unterschiedlichen
Monetoringstandards, schrieb Umwelt-Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Zudem sei keine fundiert wissenschaftliche Aussage darüber möglich, wie viele Wölfe derzeit in Deutschland lebten.
Kritiker fordern eine Begrenzung auf 1.000 Tiere. Laut Bundesumweltministerium ist nur klar, dass „die Reproduktion der deutschen Wolfspopulation“ als positiv einzuschätzen sei. 2017 haben Wölfe nach den Zahlen der Bundesregierung in Deutschland 1.636 Nutztiere gerissen – vorrangig Schafe, aber auch zwei Alpakas und zwei Hunde. Zahlen für 2018 würden derzeit noch ausgewertet. (RND)

Auch hier wäre es schon fast müßig, nochmals zu erwähnen, dass Deutschland momentan eine Wolfsdichte aufweist, die mit rund 1000 Tieren höher ist als die von Norwegen, Schweden und Finnland zusammengenommen, deren Bevölkerungsdichte dagegen im Vergleich mit Deutschland schon fast verschwindend gering ausfällt. Norwegen hat noch nicht einmal hundert Wölfe und will diese noch reduzieren, Schweden fährt mittlerweile gnadenlose Nulltoleranz bei ca. 300 Tieren, in Finnland werden bei ca. 200-300 Tieren ganze Rudel im Zuge des „Managements“ gekeult, von der Wolfsdiskussion in den USA ganz zu schweigen:

Eigentlich herrscht nahezu überall, wo der Wolf auftritt, und insbesondere dort, wo er sich inmitten dichtbevölkerter und weidewirtschaftlich genutzter Landstriche wieder ansiedeln soll, die gleiche Debatte, mal mehr, mal weniger militant geführt. Aber nein, nicht Italien, wo erboste Hirten und Bauern schonmal Kadaver illegal zur Strecke gebrachter Wölfe öffentlich aufhängen, sondern das böse Nazischland bekommt von der „New York Times“ den schwarzen Wolf- und „Flüchtlings“peter angehängt, wo doch beide Spezies hierzulande nahezu den Status unantastbarer Heiligkeit und grenzenlosen Schutzes einnehmen und unbeschränkt einwandern dürfen! In der Tat also eine eigenartige Synchronizität bei den beiden Artikeln, die den demütigen Leser nachdenklich zu stimmen vermag.

Ach ja, da war noch was:

Zu sexistisch: Schule verbietet Rotkäppchen


Eine Schule in Barcelona verbannt „Rotkäppchen“, „Dornröschen“ und rund 200 andere Kinderbücher aus den Regalen. Begründung: Sexismus.

https://www.heute.at/welt/news/story/Zu-sexistisch–Schule-verbietet-Rotkaeppchen-54444521

Nicht dass uns das noch wundern würde:

https://chaosfragment.wordpress.com/2019/02/19/von-woelfen-und-menschen-v/

Zu Dornröschen ein wirklich exzellenter Artikel:

https://morgenwacht.wordpress.com/2017/12/01/dornroeschen-und-der-ewige-schlaf-des-feminismus/

Von Wölfen und Menschen VI

„Lex Wolf“ vs. grüne „Artgerechtigkeit“

Der Erzähler merkte vor kurzem im Kommentarbereich dieser Reihe an, dass er es für durchaus möglich halte, dass die Sache mit dem Wolf recht schnell kippen könnte, vom Status der totalgeschützten heiligen Kuh hin zu einer Nulltoleranzpolitik wie in Schweden, wo man Wölfe, die sich Vieh, Menschen oder Siedlungen auch nur nähern, ohne Sentimentalitäten niederstreckt. Und das bei einer Wolfspopulation, die, mit ca. 300 Exemplaren, nicht mal ein Drittel der deutschen ausmacht, während der Bestand von Zweibeinern ohne Federkleid mit 10 Millionen gerade mal einem Achtel des bundesdeutschen entspricht!

Hier im Schon-Länger-Hier-Lebenden-Land hingegen tummeln sich bei 80 Millionen Einwohnern ca. 1000 Exemplare von Canis lupus. Schwerpunktmäßig konzentriert sich die Population zwar immer noch auf die eher dünn besiedelten Regionen im Osten, die Populationsdynamik im Verein mit der raumgreifenden Wanderungstendenz der Jungtiere

– es gibt außer einem trainierten Menschen kaum ein Landtier, das von den Fähigkeiten als Ausdauerläufer überhaupt in die Nähe eines Wolfes kommt, auch so eine Gemeinsamkeit! Die ganzen Huftiere, die als Synonym für Schnelligkeit und Ausdauer gelten, wie Pferd, Hirsch, Antilope, sind, was die reine Ausdauer betrifft, Wolf wie Mensch unterlegen, das gilt insbesondere für die zwei letztgenannten, da Wiederkäuer! –

sorgt jedoch dafür, dass sich der Apex-Predator und größte der Caniden zügig über das Land ausbreitet, nicht ohne eine blutige Schneise unter dem Weidevieh zu hinterlassen, genauso wie es die alten Legenden und Vorurteile künden. Dass diese also eher auf Tatsachen denn auf einer infamen Verleumdungskampagne der Gebrüder Grimm beruhen, hat sich allerdings mittlerweile bis auf die Regierungsebene herumgesprochen. Nunja, da wir hier ein Elite- und Influenzerblog sind, ist eh davon auszugehen, dass die Chargen bei uns mitlesen, aber sei´s drum, Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte nun unter dem Eindruck der permanenten Beißer- und Reißerei der gar nicht mehr so schüchternen Grauen eine „Lex Wolf“: Isegrimm solle ihr zu Folge artenschutzrechtlich herabgestuft werden, so dass die „letale Entnahme“ schon bei „ernsten“ und nicht erst „erheblichen“ Schäden möglich wäre. „Ernst“ wäre demnach das Reißen von Schafen an sich und nicht erst wenn dieses, wie bei aktueller Rechtslage, „erhebliche“ im Sinne „existenzbedrohender“ Ausmaße angenommen habe. Der Wolf hat also bislang noch, frei nach dem deutschen Dichter und Denker „Bushido“, mehr als „einen Mord frei“ und das solle sich ändern.

Natürlich ließ der profilneurotische grüne Konter nicht lange auf sich warten. Die Vorschläge von Svenja Schulze, so wurde verlautbart, brächten kaum etwas. „Wir sind eigentlich schon viel weiter“, vermeldete Parteichef Robert Habeck laut dpa vom 5. März des laufenden Jahres. Bund und Länder seien sich bereits einig, dass Wölfe geschossen werden dürften, die sich nicht artgerecht verhalten und zweimal(!) einen Herdenzaun überwunden haben.

Der Erzähler erspart es sich in seiner Demut, weiter auszuführen, wie unsäglich diese grüne Schiene ist und was sie weit über die Wolfsdebatte hinaus aussagt, da dies ohnehin nur allzu offensichtlich ist. Er merkt nur an, dass nach dieser Logik eben gerade die genannten Beispielswölfe NICHT geschossen werden dürften, denn eben diese verhalten sich völlig „artgerecht“! Aus der Art geschlagen wäre ein Wolf, der sich tatsächlich auf Dauer von Krötenzäunen und Flatterband davon abhalten ließe, unter der wehrlosen Beute auf dem Silbertablett ein Blutbad zu veranstalten. Vor allem, wenn er schon einmal Blut geleckt und dabei gemerkt hat, wie einfach es ist. Ganz davon abgesehen, dass schon ein einmaliger Einbruch von Wölfen in eine Schafherde leicht ein verheerendes Aftermath zeitigen kann, das den Rahmen der staatlichen Entschädigungen bei weitem übersteigt, soweit es sich überhaupt finanziell erfassen und beziffern lässt.

Der WOLF ist nun mal der WOLF, nicht mehr und nicht weniger. Nicht gut. Nicht böse. Der WOLF eben, ihr Narren!

http://extraordinarybeasts.blogspot.com/2015/08/marie-jeanne-valet-maid-of-gevaudan.html

Von Wölfen und Menschen V

Wolfie didn´t do nothing

Entgegen seiner ursprünglichen Intention wird der demütige Erzähler nun doch die Reihe „Von Wölfen und Menschen“ in lockerer Folge fortsetzen. Dies ist der Vielschichtigkeit des Themas geschuldet und dem Umstand, dass es sich immer mehr herauskristallisiert, dass die Zusammenhänge zwischen diesem und bestimmten administrativen Praktiken in unserer postfaktischen Postdemokratie von mehr als nur allegorischer Natur sind. Vielmehr scheint das eine ins andere direkt hineinzuspielen. Der Umgang mit dem Wolfsthema von Seiten der politischen Administration ist, insbesondere was die Vermittlung desselben gegenüber dem Volk betrifft, nahezu deckungsgleich mit den im Zusammenhang mit dem Migrationsthema zu beobachtenden Vorgehensweisen. Dasselbe gilt für die Polarisierung in der Bevölkerung. Die Wolfsdebatte hat, insbesondere auf Seiten der Pro-Wolf-Fraktion, weitestgehend jegliche wissenschaftliche, auf hierfür relevanten biologischen und historischen Grundlagen basierende Ebene verlassen und schwebt in rosig getönten, ideologisch-gefühligen Nebeln. Grauenhaft!

Haben wir also in den vorausgehenden vier Teilen kurz beleuchtet, was alles in diese Debatte hineinspielt, so werden wir uns vor diesem Hintergrund nun besonders signifikante Beispiele für die ideologische Verblendung (wie auch für Vernunft und Ratio) ansehen, sollte der demütige Erzähler bei seinen Waldgängen über solche stolpern, wie etwa über diese DPA-Meldung vom 16. Februar des laufenden Jahres:

Das Böse im Wolf

Eine Videowand zeigt eine Szene aus dem Märchen „Rotkäppchen“. Vor rund zwölf Jahren kam der Wolf zurück nach Deutschland. Seitdem vermehrt sich das streng geschützte Raubtier prächtig, so dass sich Probleme häufen und Vorurteile wachsen. Das Brandenburger Wolfs- und Herdenschutzinformationszentrum, in dem die Videoleinwand aufgebaut ist, will aufklären und die Konflikte darstellen. Nun beschäftigt sich auch eine Ausstellung im Kölner Wallraff-Richartz-Museum mit dem Wolf. Bis Ende April sind in der Schau „zwischen Mythos und Märchen“ etwa 30 Wolf-Darstellungen seit dem 16. Jahrhundert zu sehen. Im deutschen Märchen und im Volksglauben überwiegt das Bild vom blutrünstigen Monster – warum, dazu hat der Kurator eine Theorie entwickelt: Thomas Ketelsen verweist auf die antike Legende von König Lykaon, der Menschenopfer darbringt. Die Götter verwandeln ihn darauf zur Strafe in einen Wolf. Die Geschichte fand große Verbreitung. Der Wolf stünde demnach für die Überschreitung zivilisatorischer Grenzen, für das Tier im Menschen schlechthin. Im bekanntesten Wolfmärchen „Rotkäppchen“ wiederum symbolisiert er die sexuelle Gier des Mannes. Eigentlich ist es also nie das Tier, das böse ist, sondern der darin versteckte Mensch.

Wir halten fest:

„Seitdem vermehrt sich das streng geschützte Raubtier prächtig, so dass sich Probleme häufen und Vorurteile wachsen.“

Vielleicht stellt sich aber auch nur heraus, dass die alten „Vorurteile“ eine allzu reale Grundlage haben, wieso sollten denn auch sonst die „Probleme“ mit der Zahl der Wölfe wachsen? Und sind gegenwärtig nicht überhaupt „Vorurteile“ an sich allzu übel beleumdet? Hätte es der Homo sapiens ohne die Fähigkeit, zu verallgemeinern, je aus der Savanne heraus geschafft? Schließlich sind ja auch nicht alle Löwen Menschenfresser oder gerade hungrig!

Und laut der steilen Hypothese des Kurators Thomas Ketelsen gehen die ganzen „Vorurteile“ über den lieben Wolf letztlich auf die antike Legende von König Lykaon zurück, der von den Göttern zur Strafe für seine Menschenopfer in einen Wolf verwandelt worden war, weshalb der Wolf, eigentlich ein Unschuldslamm, „für die Überschreitung zivilisatorischer Grenzen“ stehen würde, „für das Tier im Menschen schlechthin.“

Nun, warum haben denn die Götter den grausamen König dann ausgerechnet in einen Wolf verwandelt? War die Auswahl einem Zufallsverfahren unterworfen? Oder entspricht vielmehr der Beißer und Reißer Wolf, der Kinderfresser und Vernichter der Herden, nicht par excellence dem „Tier im Menschen“, das zivilisatorische Grenzen überschreitet?

„Im bekanntesten Wolfsmärchen „Rotkäppchen“ wiederum symbolisiert er die sexuelle Gier des Mannes. Eigentlich ist es also nie das Tier, das böse ist, sondern der darin versteckte Mensch.“

Mutmaßungen über im Märchen vom Rotkäppchen versteckte Sexualsymboliken sind wirklich nicht das allerneuste. Allerdings passt das Bild vom sexuell gierigen Mann bestens in die Zeit von „#metoo“ und sonstigen Sexual- und Moralpaniken und Hexenjagden, die sich aber bei aller Hysterie stets sehr selektiv gegen den WEISSEN Mann richten, während man die bei anderen teilweise deutlich ausgeprägtere „Rape-Culture“ und ähnliches nicht sieht und nicht sehen will, unangenehme Kunde davon gleich dem Mann im allgemeinen und dem WEISSEN Mann im besonderen anhängt, der nun auch der eigentlich Schuldige für den bösen Leumund von Canis lupus sein soll. Nun, das mit der Sexualsymbolik bei Rotkäppchen erscheint indes nicht völlig aus der Luft gegriffen, was aber nicht heißt, dass dies die einzige Botschaft des Märchens ist und dieses nicht etwa doch auf der Grundlage einer sehr realen Bedrohung durch das sehr reale Tier Wolf, insbesondere für Kinder, durch die Historie hindurch beruht. Aber so ist das heute nun mal, wo eine körperlich wie geistig zurückgebliebene vorgebliche Autistin, die tatsächlich eher das Down-Syndrom hat, zur Ikone von mitläuferischen, pseudorebellisch-indoktrinierten Jugendlichen erhoben wird, die das Schwarz-Weiß-Denken zur Tugend und Handlungsmaxime erklärt, da ist ein „sowohl als auch“ schnell mal outdated:

„Für mich sind die meisten Sachen schwarz oder weiß“, hat Greta Thunberg kürzlich in einem Gastbeitrag für den britischen „Guardian“ geschrieben. „Ich schaue auf die Mächtigen und frage mich, warum sie alles so kompliziert machen. Wenn der Klimawandel gestoppt werden muss, müssen wir ihn stoppen. Das ist schwarz oder weiß. Es gibt keine Grauzone, wenn es um das Überleben geht.“

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/greta-thunberg-das-gesicht-der-globalen-klimabewegung-a-1241185.html

Wobei es kennzeichnend für die laufenden politischen Diskurse und die Propaganda der herrschenden Machtstruktur ist, dass je nach Bedarf verkompliziert oder versimpelt wird. Einmal war Angst noch nie ein guter Ratgeber, dann sollen wieder alle die Panik spüren.

Natürlich ist der Wolf nicht „böse“. Er ist wie er ist. Und wie der demütige Erzähler schon eingangs betonte, sagen Aussagen über Tiere oft mehr über die jeweiligen Menschen und den jeweiligen Zeitgeist als über das Tier selbst. Das gilt aber insbesondere auch für die Wolfsfans und Wolfsapologeten, und zwar mehr, als es diesen recht sein dürfte. Der Erzähler stellt hier zum Abschluss dem ausgesprochen zeitgeistig-wellenreitenden Kurator der Wolfsaustellung noch eine ausführliche Erörterung über die realen Hintergründe des Rotkäppchens von Dr. Valerius Geist gegenüber und überlässt es dem Leser, sich ein Urteil darüber zu bilden, wer sich näher an einer Realität befindet. Wenn es nach ihm selbst ginge, wäre es eh so langsam Zeit, den Fenriswolf loszulassen.

Das Rotkäppchen-Märchen basiert auf Realität

Hans Friedrich von Flemming widmete 1719 sein enzyklopädisches Werk „Der Vollkommene Teutsche Jäger“ seinem höchsten Souverän und Meister Friedrich Augusto, König von Polen, gefolgt von einem zweiten Band 1724. Dieses massive zweibändige Werk über Wildlife und sein Management wurde in Leipzig, Sachsen, Deutschland, veröffentlicht. Ich besitze die Ausgabe von 1749 dieser zwei Bände. Es war einer der zwei erfolgreichen Versuche, einen verständlichen Bericht von allen Angelegenheiten zu schaffen, die einhergehen mit Wildlife und Natur im nördlichen Zentraleuropa, organisiert in einer höchst enzyklopädischen Art und Weise (LXXIX). Diese Arbeit mit eng geschriebenen Buchstaben umfasst über 1 000 Seiten und ist in enzyklopädischer Art und Weise illustriert. Sogar nach modernen Standards sind die Berichte über die Arten in einer sachlichen, bemerkenswert genauen Art geschrieben, und ich habe Flemming in meinem Buch von 1998 „Deer of the World“ (LXXX) zitiert betreffs Ansichten, die mit der Biologie von Hirschen zusammenhängen. Flemming war ein bereister Adliger und Manager von Gütern. Er lebte kurz nach dem verheerenden 30-jährigen Krieg und war so nur allzu bekannt mit den Problemen, die durch Wölfe verursacht in jene Zeit verursacht wurden. (siehe Zitat von Grzimek’s Enzyklopädie unten).

Flemmings Bericht über den Wolf ist sachlich und auf den Punkt gebracht. Er betrachtet Wölfe als von Gott gesendete Strafe. Wie er das für die Hirschart tut, gibt er einen guten Rückblick auf die Wolfsbiologie und fährt fort, kurz die ernsthaften Probleme zu beschreiben, die Wölfe verursachen, die Tatsache, dass in Kriegszeiten, wenn die Wölfe wenig verfolgt werden, sie besonders gefährlich sind, dass Wölfe Armeen folgen, dass die Zähmung und Haltung von Wölfen zu solchen Viehverlusten durch sie führt, dass Wölfe gefährlich für Kinder sind, dass Menschen fressende Wölfe oft alt sind, dass ein starker Mann effektiven Widerstand gegenüber einem Wolf leisten kann, dass Wölfe scheu sind und dass sie eingeschüchtert werden können durch einen tapferen Mann, aber auch dass einige Menschen starben einige Zeit, nachdem sie von Wölfen gebissen worden waren. Außer der Biologie illustriert er so den Wolf im Detail als ein gefährliches Tier. Als Folge davon räumte er den Mitteln und Wegen über die Kontrolle des Wolfsbestandes viel Platz ein.

Ist von Flemming zu trauen?

Was für eine Motivation könnte er gehabt haben, seinen Souverän so genau über die Lebensgeschichte aller Arten von Wildlife und ihre Beziehung zum Menschen zu informieren, und ihn dann über Wölfe falsch zu informieren?
Wie könnte er es wagen, seinen umfassenden Bericht über die sehr teuren und Zeit konsumierenden Mittel der Wolfskontrolle auf einer Lüge aufzubauen?

Die Kontrolle von Wölfen in Flemmings Tagen war eine riesige, intensive Operation, die viel Geld und Menschenkraft erforderte, die Meilen von Netze legen erforderte, besondere Transportmittel dafür, große Trockenscheunen für die Aufbewahrung und das Trocknen der Netze. Es erforderte ganze Dörfer, die unter Androhung von Strafe verpflichtet wurden, den Transport durchzuführen, um die Wölfe zu fangen. Das zerschlug ökonomische Tätigkeiten und reduzierte Steuern. Wie könnte man sich solches leisten, indem man es auf eine Lüge über Wölfe basiert?

Wie könnte Flemming mit einer Lüge von solcher Bedeutung davon gekommen sein? Wären Wölfe harmlos gewesen, würde es bekannt gewesen sein, und auch der Kaiser hätte gut Bescheid gewusst, der über seine Schätze wachte und der von Informanten umgeben war.

Der Adel war damals sehr angetan vom Widlife, und seine professionellen Förster waren damals exzellente Wildlife-Manager, wie wir auch erfahren von den damaligen Rotwildgeweihen, die immer noch von den Schlosswänden hängen, und den detailierten Berichten, die in Jagdberichten erhalten sind. Flemmings Enzyklopädie enthüllt ein erstaunlich verständliches Grundlagenwissen von sehr praktischer Art über das ganze Wildlife. Diese Leute wussten nur all zu gut, warum der Wolf für die dörflichen Leibeigenen die Verkörperung von Terror war, Grzimeks Enzyklopädie sagt es so: „Da ein Einbruch durch Wölfe in einen Viehstall eine ökonomische Katastrophe für die Besitzer bedeuten könnte, die dann nicht mehr ihren Zehnten bezahlen könnten oder ihre notwendigen Wintervorräte (von Fleisch) für das Salzen. Nach dem 30-jährigen Krieg haben sich die Wölfe stark vermehrt und oft neue Ansiedlungen verhindert“ (LXXXI). Wir finden fast die gleichen Bedingungen, wenn wir die Wölfe in Russland überblicken (LXXXII).

Flemmings Erfahrungen waren das Herzstück der Märchen der Gebrüder Grimm, einschließlich des Rotkäppchens. Das berühmte Märchen basierte so auf sehr realen Begebenheiten und war kein Fall von ignorantem Aberglauben. Es diente als eine lebhafte Warnung für Eltern und Kinder, nicht Wälder zu betreten, da es dort Wölfe gab, und sich vor solchen in acht zu nehmen. Menschen tötende Wölfe waren eine reale Gefahr, und die damalige Gesellschaft tat, was sie konnte, um die Gefahr klein zu halten, obwohl die Wolfskontrolle sehr kostspielig war und oft nur weinig Erfolg hatte. Sogar damals war es bekannt, dass Wölfe in der Wildnis gedeihen, und als Folge davon man durch die Zerstörung der Wildnis, indem man sie in Wiesen, kultivierte Felder, Obstgärten, Städte und Dörfer umwandelte, den Wolf seines Lebensraumes beraubte. Wölfe und Wildnis wurden beide in jenem Gebiet und jener Zeitspanne als Feinde der Menschheit behandelt.

Strychnin wurde kurz nach Flemming entwickelt und führte zu einem starken Fall der Wolfsbestände bis zur Zeit der französischen Revolution. Napoleons besiegte Armee, die von Moskau zurück marschierte, hatte Wölfe im Gefolge, was die Wolfsplage wiederum bis 1850 aufkommen ließ. Wölfe waren in West- und Zentraleuropa bis ungefähr zum Ersten Weltkrieg zum großen Teil ausgestorben. Jedoch als Wölfe im 19. Jahrhundert in Deutschland weit verbreitet waren, setzten sie das Töten von Menschen fort. So berichtete 1820 der Großherzog von Posen in Preußen, dass 19 Erwachsene und Kinder von Wölfen getötet worden waren (LXXXIII). Wenn man versucht, alles als die Attacken von tollwütigen Wölfen zu erklären (LXXXIC), bedeutet das immer noch, dass die Präsenz von Wölfen sehr gefährlich ist, falls die Tollwut einheimisch ist. Falls nur tollwütige Wölfe gefährlich gewesen wären, hätte Flemming nicht wissen können, dass Wölfe besonders gefährlich werden, wenn sie erst einmal menschliches Fleisch geschmeckt hätten, oder dass ein attackierender Wolf eingeschüchtert werden könnte oder dass Wölfe Kinder auswählten. Tollwütige Wölfe beißen willkürlich, fressen ihre Opfer nicht und können nicht eingeschüchtert werden.

Flemmings enzyklopädische Abhandlung von Wölfen tut viel mehr, als die Gültigkeit des Rotkäppchen-Märchens zu bewahrheiten. Es setzt ein Muster von Erwartungen, wenn man andere Autoren betrachtet, die über Wölfe schreiben. Brehms Tierleben, eine populäre enzyklopädische Abhandlung von Tieren, zeichnet fast 200 Jahre später ein Bild, das dem Flemmings ähnlich ist, und zitiert Statistiken über Menschen, die von Wölfen getötet worden sind. Die englische Version von Grzimeks Enzyklopädie von 1975 anerkennt die europäische historische Vergangenheit, aber hebt hervor, dass „in Nordamerika Wolfsforscher, Wanderer und Camper haben nichts zu fürchten vor Wölfen“. Die Autoren benutzen hier ebenso als ihre Grundlage den gründlichen Überblick von Dr. Doug Clarke, ehemaliger Chief oft he Fish and Wildlife Branch, Ontario Department of Lands and Forests, welcher auch von Pimlott benutzt wurde. Clark stand Berichten von Wolfsattacken skeptisch gegenüber, weil seine Erfahrungen genau wie meine in der kanadischen kontinentalen Wildnis waren, nämlich die von sehr scheuen Wölfen.

Jedoch lange vor dem Rotkäppchen-Märchen hatten die Wölfe furchteinflößende Rollen in der nordischen Mythologie (LXXXV). In vorchristlichen germanischen Konzeptionen über Götter und deren Schicksal war Fenrir, ein gigantischer Wolf, vorherbestimmt, den mächtigsten der Götter, Odin, während des Kataklysmus Ragnarök zu töten. Es spielte keine Rolle, dass die Wölfe Fenrir und Geri von Odin erschaffen und genährt wurden, und seine engen Gefährten durch und durch waren. Der Schwindler Loki wurde durch die Götter bestraft für den Mord an einem von ihnen, Balder, indem er eines von Lokis Kindern, Vali, in einen Wolf verwandelte, der dann seinen Bruder Nafi tötete, dessen Eingeweide wiederum benutzt wurden, um Loki an einen Felsen zu binden und ihn zu bestrafen bis Ragnarök (LXXXVI). Es scheint, dass sogar die Menschen der Antike wussten, dass sich die Wölfe gegen ihre Eltern und Geschwister wenden und sie töten konnten. Dies jedoch kann in Gegensatz gestellt werden zu dem antiken Image von wilden Kindern, die von Wölfen aufgezogen wurden, wie Romulus und Remus in der römischen Sage, oder Rudyard Kiplings Mowgli in moderner Fiktion. Jedoch sogar hier handeln die „Wolfskinder“ ihrem Rang entsprechend vernünftig, wie Wölfe, da Romulus über seinen Bruder Remus dominiert und ihn tötet.

https://wolfeducationinternational.com/wann-werden-wolfe-gefahrlich-fur-die-menschen/