Das Ende des „Deutschen Katechismus“?

Selbstverständlich bringen Einwanderer:innen Erfahrungen und Perspektiven auf Geschichte und Politik mit, die den von Europäern so oft rezitierten, selbstgefälligen Geschichten über die Verbreitung der Zivilisation durch die Jahrhunderte hindurch nicht anhängen. Viele von ihnen dürften die Rede vom Zivilisationsbruch als schal empfinden, selbst wenn sie die unbestreitbar spezifischen Eigenschaften des Holocaust anerkennen. Wurden im Namen der westlichen Zivilisation nicht weite Teile der Welt von Europäern und US-Amerikanern erobert und Millionen von Menschen getötet, auch von Angestellten der deutschen Kolonialverwaltungen?

-„A. Dirk Moses“-

*

Oder doch eher dessen Ausweitung?

Zufällig stieß der Erzähler auf einen ausgesprochen interessanten Artikel eines A. Dirk Moses bezüglich des schon länger schwelenden Streits um die Singularität des Holocaust und seine Funktion als „Zivilreligion“ und „Gründungsmythos“ der BRD. Der Autor zeigt dabei recht deutlich die Richtung, in die die Reise gehen soll. Sehr zu danken ist ihm für den Rückblick auf die Etablierung des Holocaust-Narrativs als „Deutscher Katechismus“ und insbesondere den Historikerstreit in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts über Hitlers „asiatische Tat“ als Präventivschlag, dem ein Denken zugrunde gelegen hätte, wie es auch für den europäischen Kolonialismus charakteristisch gewesen wäre:

In meinem neuen Buch The Problems of Genocide argumentiere ich, dass diese vertrauten Einwände auf einem falschen Geschichtsverständnis beruhen. Sie ignorieren die Tatsache, dass alle Genozide durch Sicherheits-Paranoia betrieben werden. Das Nazi-Reich war ein kompensatorisches Unternehmen, das permanente Sicherheit für das deutsche Volk anstrebte: nie wieder sollte das Volk z.B. einer Hungersnot erleiden müssen, wie es sie in der Blockade der Alliierten während des Ersten Weltkriegs erlebt hatte. Es ging also um den utopischen Ehrgeiz der Kontrolle über ein autarkes Territorium und seine Ressourcen und der damit verbundenen Ausschaltung innerer Gefahren für die eigene Sicherheit. Viele Deutsche gaben den Juden und der Linken die Schuld an der Niederlage von 1918. Die Nationalsozialisten betrachteten Juden von Anfang an als Volksfeinde, die das kommende Reich durch ihre angebliche Verbindung mit den internationalen Ideologien des Liberalismus und Kommunismus gefährdeten. Historiker:innen wissen, dass eine solche Eliminierung ganzer Gruppen in paranoiden und rachsüchtigen Kämpfen gegen „Erbfeinde“ keineswegs einzigartig und in der Weltgeschichte ein verbreitetes Muster ist. Hitler und andere führende Nationalsozialisten haben derartige Muster in den Imperien der Antike wie der Moderne studiert und eine rücksichtslos moderne Version davon entworfen, um nach der Erniedrigung durch die militärische Niederlage einem wiedergeborenen deutschen Volk eine Heimat zu geben.

Der Katechismus der Deutschen

Und weiter:

Wie Rom und die alten Germanen würde auch das neue Deutsche Reich die europäische Zivilisation vor der „asiatischen Barbarei“ bewahren: „dem drohenden Ansturm des innerasiatischen Ostens, dieser ewig latenten Gefahr für Europa.“ Das war in der Tat eine historische deutsche Mission, wie Hitler noch im November 1944 versicherte: „Jahrhundertelang mußte das alte Reich seinen Kampf gegen Mongolen und später Türken mit eigenen und wenigen verbündeten Kräften führen, um Europa vor einem Schicksal zu bewahren, das in seinen Ergebnissen genauso unausdenkbar gewesen wäre, wie es heute der Vollzug einer Bolschewisierung sein würde.“ Dieser Orientalismus gehörte untrennbar zu einer dauerhaften Tradition des deutschen Okzidentalismus.

a.a.O.

Dies und weiteres ist keineswegs komplett falsch. Was an diesen und anderen Stellen im Artikel weggelassen wird und wie falsch etwa das benannte Geschichtsverständnis tatsächlich ist, mag jeder angesichts der aktuellen Einschläge der Migrationswaffe und der langfristigen Folgen des Beschusses für die europäischen Völker für sich selbst bedenken. Gerade auch im Zusammenhang mit „Paranoia“ und „Rachsucht“. Selbiges gilt für die Frage, was denn hinsichtlich der Bedrohungen durch kriegerische Völker aus dem Osten tatsächlich nur xenophober Paranoia geschuldet war. Festzuhalten ist, daß das Ansinnen eines A. Dirk Moses und Artverwandter, die Singularität des Holocaust und seine zivilreligiöse Stellung in Frage zu stellen, tatsächlich eine Verknüpfung dieses Narrativs mit der Schuld aller Weißen Völker und damit faktisch seine Ausweitung bedeutet. Von anti-deutsch zu anti-weiß. In aller Deutlichkeit. Weiße Schuld als neue, globale Zivilreligion, und zwar sowohl für Whitey wie auch für die in die weißen Länder geschleusten kulturfremden Massen, vor denen Whitey das Knie zu beugen hat und denen er Buße schuldig ist. Daß der genozidale Imperialismus der Mongolen, Türken oder Zulu wie auch der Sklavenhandel der Moslems, etwa der diesbezüglich über Jahrhunderte bis in die Gegenwart hinein dominierenden Araber mit gleichem Maße gemessen wird, ist nicht zu erwarten. Von anderen „Orientalen“ erst gar nicht zu reden.

Natürlich ist unter NAZISCHWEINEN schon lange die Rede davon, daß die Rolle, die speziell für Deutschland der Holocaust innehat, in anderen weißen Ländern von Kolonialismus und Imperialismus eingenommen wird. Hier wird aber deutlich, wie dies unter Verschmelzung aller scheinbaren Widersprüche ganz unverblümt in eine Art offizieller Doktrin umgemünzt wird, weshalb sich die Lektüre des GANZEN ELENDS wirklich empfiehlt.

Gut, eigentlich war es ja überfällig: Zivilisationsbruch? Welche Zivilisation soll denn singulär gebrochen worden sein? Etwa die weiße? Also die, die momentan als für alle Übel dieser Welt verantwortlich gezeichnet wird? Das muß dringend neu ausgehandelt werden, auch wenn es fast den Anschein macht, als ginge es am Ende doch wieder nur um Deutschland:

Es ist an der Zeit, diesen Katechismus zu verabschieden und die Forderungen nach historischer Gerechtigkeit auf eine Weise neu zu verhandeln, die alle Opfer des deutschen Staats und alle Deutschen – auch BPoC, inkl. Juden und Jüdinnen und Muslime und Muslimas, Einwander:innen und ihre Nachfahren – respektiert.

a.a.O.

Also ein neuer Schlauch für den alten Wein: Reschpeckt! Da hast du’s Leonie – Ostmärker:innen sind schließlich auch irgendwie deutsch und weiß sowieso. Überhaupt geht es letztlich darum, die Dressur der Weißdeutschen schlichtweg der zunehmenden Diversity anzupassen, bei der ein Gutteil von Juden- und Israelhassern mit von der Partie ist, die sich mit dem Holocaust kaum beeindrucken lassen, es sei denn auf eine, ähhhm, eher nicht gewünschte Art und Weise. Und was böte sich da besser an als die in anderen weißen Ländern längst erprobten Methoden? Daher also auch der zunehmende Fokus auf die deutschen Kolonien.

Der Holocaust war demnach also letztlich kein Bruch mit der weißen Zivilisation, sondern deren logische Konsequenz und ist deshalb nicht mehr ganz so singulär. Zudem sind hier „Israelkritik“ und sogar „Antizionismus“ erlaubt, ist das nicht nett?

Mennöh, dabei hat der Erzähler ja in Fratzbuch nur wegen dem Bild von der geilen Tussi in Kolonialuniform mit quer über die Schultern gelegtem Karabiner draufgeklickt!

Btw.:

A. Dirk Moses ist Frank Porter Graham Distinguished Professor of Global Human Rights History an der Universität North Carolina in Chapel Hill. Er ist Herausgeber des Journal of Genocide Research; sein letztes Buch ist “The Problems of Genocide: Permanent Security and the Language of Transgression”, Cambridge 2021.

a.a.O.

***

11 Gedanken zu “Das Ende des „Deutschen Katechismus“?

  1. Soviel noch zu DANISCH und seiner These, die „Linken“ arbeiteten gerade an einer Shoa 2.0 weil es der Mufti von Jerusalem so wollte.

    Für Bewohner bestimmter brauner Schlammpfützen ist der ausgesprochen aussagekräftige Text eh aufgrund fehlender Mittel kaum verständlich. Sollen sich eben weiter in ihrer Kinderwelt zwischen Volkslehrer und Phantasien von den „Zwei von Vierzig“ tummeln, die dann AUSGERECHNET bei der Lektüre von „ABOUT“ anerkennend die Augenbraue hochziehen, LOL.

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  2. Good news?

    Brinkhaus 30.06.2021, 14:55 Uhr
    Die relative Offenheit und Differenzierheit des Autors ist erfreulich.

    Macht er es sich nicht zu einfach mit der Interpretation Delgados‘ Gründungstext der ‚Critical Race Theory‘?

    Dort ist die Rede einer Bewegung von Aktivisten und Lehrer, die die ‚Grundlagen der liberalen Ordnung‘ ‚in Frage stellen‘ – aber es ist in einem Atemzug auch die Rede davon, daß dies anders als auf die Weise der liberalen ‚civil rights‘ geschehen soll, die ‚Inkrementalismus‘ und ‚Schritt-für-Schritt-Fortschritt‘ betont hat.

    Wie ist also die Politik einer ‚Bewegung‘ zu verstehen, die nicht auf sukzessiven, ‚Schritt-für-Schritt-Fortschritt‘ setzt?

    Der Autor legitimiert den besonderen, ’nicht-farbenblinden‘ (wie der liberale) Antirassismus‘ der Critical Race Theory mit der ’nur sehr bedingten Verbesserung‘ der Lage der Schwarzen, gemessen an ‚Armutsrate, Gefängnisbevölkerung etc.‘ – und daß deshalb ‚grundlegendere‘ Ursachen in Betracht gezogen werden müssen.

    Einige Zahlen:
    – 60 Jahre ‚affirmative action‘ haben zur Entstehung einer schwarzen Mittelschicht beigetragen.
    – die Armutsrate der Schwarzen ist seit 1959 von 40 % auf 18 % gefallen. [1]
    – Die Inhaftierungsrate der schwarzen Männer ist seit 2001 um ein Drittel gefallen, die der Frauen um 57 %. [2]
    – In den Jails ist der Anteil der Weißen seit 2000 um 41 % gestiegen, der Anteil der African Americans um 22% gefallen – die Gefängnisse werden weißer. [3]
    – 7 der 8 reichsten ethischen Gruppen sind ‚populations of color‘
    – 7 der Top-Ten der amerikanischen ethnischen Gruppen – gemessen am Einkommen – sind im weiten Sinne ‚PoC‘.
    – Inder verdienen durchschnittlich etwa doppelt so viel wie Weiße, Chinesen und Japaner sind nicht weit hinter den Indern – selbst Nigerianer – die äußerlich nicht von African Americans zu unterscheiden sind – sind noch über dem Einkommen der Weißen. [4]

    M.E. sind bestehende Verwerfungen – soweit überhaupt auf Rassismus – eher auf vergangenen Rassismus zurückzuführen, als auf gegenwärtigen.

    [1] Poverty Rates of Blacks

    [2] Imprisonment rate

    [3]Prisons are getting whiter

    [4] Race in America – Good News

    https://www.tagesspiegel.de/kultur/buergerliche-angst-vor-rassismuskritik-die-aufklaerung-muss-gegen-ihre-verfechter-verteidigt-werden/27371688.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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    1. Spiegel-Leser wixen bekanntermaßen mehr. Aber ob sich einer der Primaten fragt, wo denn das „White Privilege“ geblieben ist?

      Hier sind jedenfalls EBONY AND IVORY im pösen Rassismus gegen die Gooks vereint:

      „Hässliche Gesichter“: Rassismus-Eklat: Frankreich-Stars verhöhnen Hotel-Mitarbeiter

      Mit diesem Video haben sich die Frankreich-Stars ihr EM-Aus so richtig verdient. Rassismus-Eklat um Ousmane Dembélé (24) und Antoine Griezmann (30)! Ein im Internet kursierender Clip der beiden Barcelona-Stürmer sorgt weltweit für Entsetzen.

      https://www.msn.com/de-de/lifestyle/other/h%C3%A4ssliche-gesichter-rassismus-eklat-frankreich-stars-verh%C3%B6hnen-hotel-mitarbeiter/ar-AALJMqS?ocid=msedgntp

      Wie paßt das nur wieder in die „JWO“? Ah ja, verstehe, „Wirtswechsel“ nach Asien und so. Da kann dann schon mal auch das Negerle als Rassist geprangert werden. Davon abgesehen haben es die Babbfranzose, deren Nationalfrucht die „Klabusterbeere“ ist (auch FRANKSTEIN weiß hierzu aufschlußreiches zu berichten) , gerade nötig. Und Stauchballer sind eh der Abschaum der Menschheit, unabhängig von der „Hautfarbe“.

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      1. Frankstein sagt:

        5. JULI 2021 UM 10:17
        Vitz, 1966 war ich in Paris, in einem 3-Sternehotel am Monmatre. Die hatten noch die typischen Stehklos. Allerdings auf den Etagen schon Duschkabinen. Dort gingen die Franzosen dann lieber scheißen , weil die neu waren. Die neue Generation der Französinnen trug kurze Röcke, weil sie drinnen wie draußen nicht auf den Rocksaum scheißen wollten. Die älteren breiteten ihre bodenlangen
        Kleider kreisläufig. Vorwiegend in den Grünanlagen, wo sich die Franzosen im Sommer gerne aufhielten. Wenn mir einer was von Zivilisation und Kultur erzählt, in Europa und der Welt, geht automatisch das Kopfkino an.

        *
        Jaja, „Kopfkino“.^^ Der Föhrer soll ja übrigens nicht nur nur ein einziges Ei sein Eigen genannt haben, sondern zudem gemäßigt koprophil gewesen sein. Na, wir wissen ja, (((woher))) „sowas“ kommt!

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  3. Überhaupt: MONMATRE? Immer noch MONTMARTRE! Also „BERG DER MARTERN“ und nicht etwa „MEINE MAMI“ auf PIDGIN-LATEIN!

    Tja, Universalgenie und Sprachenexperte FRANKSTEIN mal wieder – KEINE AHNUNG von TUTEN und, ääh, FRANZÖSISCH! Aber genau wissen wollen, daß „Gypsie“ von „Travestie“ kommt, was für ein wunderbarer Clown!

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  4. Über inner- und außerjüdische Diskussionen:

    Mendel: Richtig, und am liebsten hätte ich heute gar nicht über ihn gesprochen. Wir haben ein ganz massives Problem in den Gemeinden, genauer gesagt: beim Nachwuchs. Etwa die Hälfte der Nachkommen dort sind Kinder jüdischer Väter, die Quote ist in Deutschland ja besonders hoch, weil in der Sowjetunion die ethnische Zuordnung nach dem Vater bestimmt wurde. Damit wurde das Judentum dort patrilinear, was es übrigens auch in der Bibelzeit war. Mit den Zuwanderern aus der ehemaligen UdSSR, deren Familien heute die große Mehrheit der Juden in Deutschland ausmachen, ist diese Tradition nach Deutschland gekommen. Für diese Menschen ist es ein Riesenproblem, wenn sie keine gleichwertigen Mitglieder der Gemeinde sind. Und das, obwohl es inzwischen so viele Rabbiner – auch hier in Deutschland – und Beschlüsse weltweit gibt, die patrilineare Jüdinnen und Juden in der einen oder anderen Form anerkennen.

    Schuster: Also Juden sind ja das Volk der Propheten. Aber hier wage ich keine Prophetie. Zeiten ändern sich – soziale Medien, Corona-Pandemie, das stellt auch jüdisches Leben vor Herausforderungen. Ich sehe aber nicht, dass sich die religiöse Definition von Judentum dahin wandelt, dass jeder das für sich selbst bestimmt.

    https://www.zeit.de/kultur/2021-09/judentum-vaterjuden-identitaet-josef-schuster-meron-mendel-streitgespraech/seite-2

    „Volk“ und/oder „Religion“? Hauptsache immer schön geschmeidig bleiben.

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