Reinraus: Diverses Geschlecht vs. Migränehintergrund

Things are going to slide, slide in all directions, there will be nothing, you can meassure any more!

-L. Cohen, „The Future“-

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Ein Freud von einer Freundin des DE, der irgendwas mit Jugendorboid in KALERGI CITY, einer provinziellen, von Minderwertigkeitskomplexen geplagten kleineren Großstadt mit großer Inzuchttradition (gegen die allerdings verzweifelt mit allen Mitteln der Immigrations- und Integrationspolitik angekämpft wird), zu tun hat, konnte von einer Sitzung einer Arbeitsgemeinschaft aus städtischer Jugendförderung und den Vertretern diverser Verbände und Einrichtungen der öffentlichen Jugendhilfe wieder mal von einem zeitgeistigen Kuriosum berichten.

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So wurde unter anderem über die aktualisierte Version des Erhebungsbogens für die statistischen Daten der Einrichtungen, etwa Jugendhäuser und -treffs, beraten, also ob die geplanten Neuerungen auch allen gelegen kämen oder etwaige Anregungen, Critique, Verbesserungsvorschläge zu berücksichtigen wären.

Dieser Erhebungsbogen enthält verschiedene Sparten für sämtliche Daten, die man von Seiten der Jogendförderung als aussagekräftig betrachtet, um die Entwicklungstendendenzen im Blick zu behalten und eventuell im Rahmen der Jugendhilfeplanung angemessen reagieren zu können. So wird etwa die Art der Angebote in den jeweiligen Einrichtungen erfaßt und wie diese von verschiedenen Besuchergruppen, aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, in Anspruch genommen werden.

In ebenjener Konferenz ging es nun allen Ernstes darum, bei „Geschlecht“ das Divers-Nichtbinäre hinzuzunehmen, während anderweitig die Kategorie „Migrationshintergrund“ entfallen solle. Wobei hier in Anbetracht dessen, wie sich „divers“ schon allgemein durchgesetzt hat, die Jogendarbeit mit der Statisitikfrage geradezu als Nachzügler erscheint. Eine Grund dafür dürfte sein, daß es sich bei diesem „Geschlecht“ tatsächlich in einem solchen Ausmaß um eine ideologische Konstruktion handelt, daß es, was die Praxis betrifft, zu vernachlässigen und statistisch irrelevant ist. Zwar kostet es wenig Mühe, etwa bei Stellenausschreibugen, Einladungen und sonstigen öffentlichen Verlautbarungen immer auch noch „divers“ mit hinzu zu nehmen, dieses aber bei der Erhebung der Daten für die Jahresstatistik zu berücksichtigen und ihm Raum zu gewähren, erfordert schon ein kleines bißchen Aufwand, kostet Platz und das für NIX?

So habe einer der teilnehmenden Blahblah-Heinis darauf verwiesen, daß BUNDESWEIT die Zahl der standesamtlichen Einträge für „divers“ im Vorjahr bei 500 gelegen habe und dies eine statistisch zu vernachlässigende Anzahl sei. Selbiger Herr habe aber auch die Ansicht vertreten, daß sich die Erfassung des Migrationshintergrundes mittlerweile erübrige, denn wenn bei 50, 60, 70 Prozent ein Migrationshintergrund zu verzeichnen wäre, dann sei das nun mal keine kleine, sensible Minderheit mehr, die irgendwie besonders berücksichtigt bzw. gesondert erfaßt werden müsste, sondern eine Form von neuer Normalität oder so. Zudem ja mehrere Definitionen für „Migrationshintergrund“ existierten, was für unnötige Verwirrung sorge.

Nun ja, Geschlecht ist doch auch „normal“. Jungs normal, Mädels normal, beides so ca. fifty/fifty – wieso muß man das dann erfassen? Ach so, es gibt kein Geschlecht, alles nur ein soziales Konstrukt? Ja, dann müßte das doch erst recht gelten, daß man sich die Erfassung sparen kann oder etwa nicht? Oder gibt es kein Geschlecht, davon dann aber 180, die eigentlich ja auch alle ein Möhnntschenrecht auf statistische Erafassung hätten? – Things are going to slide, slide in all directions, there will be nothing, you can meassure any more!

Nun hätte eine Teilnehmerin eingewandt, daß die Stadt ja auch einen QUEEREN JUGENDTREFF plane, warum also nicht „divers“ unter „Geschlecht“ in die Statistik aufnehmen?

Na, die Dame war wohl noch nicht ganz in der Welt von heute und übermorgen angekommen und so hätte es ihr auch mit einiger Berechtigung von der grauhaarig-männlichen Boomer-Fraktion entgegengedröhnt, daß es eben ein QEERER JUGENDTREFF sei und KEIN diverser Jugendtreff! Und „divers“ hätte ja auch schon mal GAR NIX mit der sexuellen Orientierung zu tun! DER FIK DU DEN!

Ja, das stimmt. Jemand nicht binäres, also ein „div“, kann ja genauso zu „m“ wie „w“ tendieren, denn „Geschlecht“ ist nicht gleich „sexuelle Orientierung“, allenfalls der Tendenz nach, aber da wären wir ja dann schon wieder im Reich der pööösen Heteronormativität, weshalb hier weitere Ausführungen unterbleiben, sonst landet man noch beim Genöle des Nazipöbels, wonach „divers“ ja überhaupt kein Geschlecht, sondern allenfalls eine Mißbildung sei, pfui!

Identitätspolitisch scheint man in diesem Kaff jedenfalls noch ganz am Anfang zu stehen und dabei dem Zeitgeist hinterherzuhinken.

Der DE fragte seinen Freundinnenfreund nur, auf was sich das Plenum in der Gemaechtfrage denn letztlich geeinigt habe. Dieser konnte das auch nicht sagen, irgendwann habe das Thema einfach gewechselt und er warte da überhaupt noch auf die Protokolle. Beim Migränehintergrund dagegen habe man sich ganz klar auf ein schmerzliches „drinnelosse“ geeinigt. Zwar wäre bei einer solchen Kategorisierung immer die Gefahr immanent, daß man seine Klientel einer RASSIFIZIERTEN Betrachtung unterwerfe, und sei es unterbewußt, andererseits wäre die Situation von Menschen mit Migrationshintergrund eben häufig durch ganz bestimmte Problemlagen (Sprache, Ausgrenzung, Diffamierung usw.) geprägt, was ja unter den Tisch zu fallen drohe, wenn man diese Kategorie aus der Statistik nehme. Neben der Gefahr der Rassifizierung seien natürlich die unterschiedlichen Definitionen von Migrationshintergrund ein Ärgernis, die Situation zudem ja nach Gruppe eine ausgesprochen differenzierte, da wenn man die Abkömmlinge derjenigen, die in den 50er und 60er Jahren nach Deutschland kamen, mit jenen Vergleiche, die etwa im letzten halben Jahr gekommen seien, es mit ganz unterschiedlichen Welten zu tun habe. Gelungene Integration und kaum Herausforderungen hier, massive Herausforderungen da. Allerdings liefen die „Abkömmlinge“ der ersten Generation von „Gastarbeitern“ nach gewissen Definitionen überhaupt nicht mehr unter Migrationshintergrund.

Wie dem auch sei: Obwohl sich das Plenum fast ausschließlich aus „Weißdeutschen“ unterschiedlichen Alters (von „Millennials“ über „GenX“ bis „Boomer“) in einigermaßen ausgeglichenen Geschlechterverhältnis zusammensetzte, war sich der erzählende Freund des Erzählers sicher, daß keinem davon auch nur entfernt solche Dinge wie „großer Austausch“, „Umvolkung“ oder gar „White Genocide“ in den Sinn kamen. Alles mal eine Herausforderung, die bewältigt werden muß. Schließlich sind wir alles Menschen und an Menschen besteht weltweit kein Mangel. Und im Fall „Kalergi City“ sei jeder „Austausch“ eine Verbesserung (allein der Dialekt!), das stünde auf dem Spiel und das wüßten alle Beteiligten!

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