„Zeig mal!“ oder: Die Entsexualisierung Europas und der Welt

Die auch heute noch herrschende Sexualfeindschaft und eine mit Kinderschutzforderungen sich tarnende Kinderfeindlichkeit mögen noch eine Zeitlang als Denkhemmung, erst recht als Widerstand gegen die Realisierung solcher Überlegungen wirken. Es genügt aber, die Reformen des Sexualstrafrechts bei uns und in anderen westeuropäischen Ländern zu beobachten, und man wird erkennen: Entscheidende Weichenstellungen, die zu einer sexualfreundlichen Kultur und freundlicheren Einstellungen gegenüber der »Kindersexualität« führen könnten, sind bereits vollzogen.

-Helmut Kentler, 1974-

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Ab dem 01. Julei 2021 wird’s HAARIG, werte Freunde des Schönen, Guten, Wahren! Werden sich da auch Peter Bischoff und die Gettys für derart monströse „Verbrechen“ ((Katja Bienert, Homestory, sexy, nackt, (Photo by Peter Bischoff/Getty Images)) verantworten müssen? Ach, sie war da bestimmt schon 18++! Wir lassen uns jedenfalls als aufrechte Deutsche nöcht einschöchtern! Bild: HOTlink

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Während räächtser, rechter und allgemein patriidiotisch-köterdeutscher Dumpf-Mob und -Pöbel immer noch darob lamentiert, daß Die Grünen das „Deutsche Volk“ mit dem Kommunismus ausrotten wollten, als hätte es die „Rautenratte“, als einstige Inkarnation aller dunklen Mächte, nie gegeben, dabei allen Ernstes glaubt, AUSGERECHNET US-Schoß- und Schleckhündchen ANNALENA würde die Pädophilie im Auftrag irgendeiner weltschröpfenden Pädo-Kabale nicht nur legalisieren, sondern als endgültig zum guten Ton und geilen Alltag in dieser neuen Räte-BRD gehörig erklären, zieht tatsächlich Uncle Sam an seinem längst auch in Deutschland und Europa installierten, weltweit expandierenden repressiv-sexualhöllischen Terrorsystem die letzten Schrauben nach.

Wie es Leonard Forneus in seinen „Ketzerschriften“ als unermüdlicher Chronist dankenswerter Weise dokumentiert hat, bewirkten die seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts und insbesondere in den Nuller-Jahren des Laufenden verschärften Sexualstrafrechtsreformen, daß von einem leidlich humanisierten und liberalisierten Sexualstrafrecht der 60er und 70er Jahre nur noch eine trügerische Tünche übrig geblieben ist. Während unter wehenden Regenbogenfahnen sexuelle Freiheit und Toleranz bis ins absolut Groteske abgefeiert wird, erwarten Kinder (etwa in der Schweiz ab zehn Jahren strafmündig) und Jugendliche, die das ernst nehmen und, als sexuelle Wesen, die sie nun einmal sind, ihre sexuellen Aktivitäten etwa in die sozialen Medien ausdehnen, Hexenjagd, Willkürjustiz, soziale Ächtung und eine verbaute Zukunft nach US-Vorbild, während generationenübergreifende einvernehmliche Sexualität, und sei es nur in fiktionaler Form oder künstlerischer Darstellung, völlig geächtet ist.

Nicht zuletzt jahrzehntelang währender Desinformation und irrationalen Hysteriekampagnen ist es zu verdanken, daß ein Großteil der schlecht und irreführend informierten Bevölkerung kein Problem damit hat, sofern sie überhaupt etwas davon mitbekommt, denn die Einführung der US-Sexualhölle erfolgte schrittweise, schleichend und hinterrücks und steht nun kurz vor einem weiteren -vorläufigen- Höhepunkt.

Ab dem ersten Juli 2021 tritt die jüngste Gesetzesreform in Kraft, in welcher jegliche Herstellung und Verbreitung von Kinder- und Jugendpornographie bzw. dem, was der Inquisitor nach Willkürrecht dafür hält, worunter nicht nur der Selfie-Akt einer Sechzehnjährigen an ihren Freund fällt, sondern auch Bilder völlig bekleideter Minderjähriger, bei denen die Inquisitoren*innen erotisches „Posieren“ oder offenherzige Einblicke zu erkennen meinen, genauso vom „Vergehen“ zum „Verbrechen“ hochgestuft wird wie jede fiktionale, künstlerische Darstellung oder gar einvernehmliche generationenüberschreitende sexuelle Kontakte. Hier wird dann auch gegen einen Vierzehnjährigen, der einer Dreizehnjährigen einen Zungenkuß gibt, als Verbrecher ermittelt, wobei es dem Richter überlassen bleibt, das Verfahren einzustellen. Grundsätzlich gibt es dann keine minderschweren Fälle mehr, Mindeststrafe ist ein Jahr Knast, ein Bild einer nackt posierenden Vierzehnjährigen wird gleich eingestuft wie eines, das eine offensichtliche brutale Gruppenvergewaltigung zeigt.

Der Bevölkerung wird weiterhin vorgegaukelt, es gehe bei den Gesetzesreformen um mächtige pädophile Netzwerke, die mit massenhafter Kindervergewaltigung im Internet Millionen scheffelten oder es wird verbreitet, daß die sexuelle Kinderfolter als Freizeitspaß ein Massenphänomen darstelle, auf jeden Fall seien den Behörden ohne weitreichendere Gesetze die Hände gebunden und sie müßten tatenlos zusehen, weshalb sich auch jeder Widerstand gegen die Vorratsdatenspeicherung mit den Tätern gemein mache.

Tatsächlich gibt es für Kinderpornographie keinen „Markt“. Alles was im Netz zu finden ist, sind Materialschnipsel, die teilweise aus Zeiten stammen, als so etwas noch nicht im selben Maße geächtet war wie heute, ist also „Vintage“, oder es wurde von Kindern und Jugendlichen freiwillig im Rahmen von „Sexting“ im Netz hochgeladen und dann weiterverbreitet. Mitunter handelt es sich tatsächlich um „geleaktes“ Material der Sorte, die von gewissen Kreisen in geschlossenen Gruppen ohne finanzielle Interessen in jenen eher seltenen Fällen geteilt wird, die man zum Anlaß für die drakonischen Strafrechtsverschärfungen nimmt, obwohl man gegenüber solchen Tätern längst über hinreichende Mittel verfügt, während mit eben jenen Verschärfungen vornehmlich die getroffen werden, die man zu schützen vorgibt: Kinder und Jugendliche selbst. Wenn also die Behörden im Verbund mit der Lügenpresse wieder einmal kund tun, wie horrend doch die Fallzahlen in Sachen „Kinderpornographie“ in die Höhe schnellten – um 50, 100, 150 Prozent AND COUNTING, dann sollte man sich vor Augen halten, daß das nicht irgendwelche Fritzl-Folterkeller betrifft, in denen man Säuglinge durch den Fleischwolf dreht, sondern überwiegend Fälle, in denen Kinder und Jugendliche aus eigenem Antrieb und einvernehmlich das Netz im Rahmen ihres eigentlich im Grundgesetz verbürgten Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung nutzen, wie es Herr Forneus stets betont. Wobei allerdings Mitmensch „Nicht Verfügbar“ von „Post-Collapse“ ziemlich treffend auf den Punkt gebracht hat, mit was für einem, äääh, naja, flexiblen und dehnbaren Ding man es dabei doch zu tun hat: Post Collapse: Der GG Kult (post-collapse.blogspot.com)

Ein kurzer Blick in die „Ketzerschriften“ zeigt, welche Dimensionen die sexuell repressive Hexenjagd mittlerweile angenommen hat und welche Rolle US-„Nichtregierungsinstitutionen“ wie dem National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) dabei zukommt, die hier das Netz durchstöbern und Jagd auf sexuell aktive Kinder und Jugendliche machen, die weder vermißt gemeldet sind noch ausgebeutet werden, während das Rechtsprekariat irgendwas von einer Pädo-Machtergreifung deliriert:

Wegen des Verdachts auf Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt die Freiburger Polizei gegen 53 Personen. Die Verdächtigen seien zwischen 14 und 84 Jahre alt. Wie die Polizei (…) mitteilte, hat die Kriminalpolizei-Direktion Freiburg in enger Abstimmung mit den Staatsanwaltschaften Freiburg, Lörrach und Waldshut-Tiengen in einem groß angelegten Einsatz insgesamt 48 Objekte durchsucht. Die Ermittlungsverfahren seien nach Hinweisen US-amerikanischer Sicherheitsbehörden ins Rollen gekommen.(…) Bei den sichergestellten Beweismitteln handle es sich überwiegend um Smartphones, Tablets und Computer, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Die Datenträger würden jetzt von Spezialisten der Kriminalpolizei bewertet. “Wir werden auch in den kommenden Tagen und Monaten den Ermittlungsdruck aufrechterhalten”, erklärte Arno Englen, Leiter der Kriminalpolizei Freiburg. “Jeder, der solches Material besitzt oder verbreitet, muss damit rechnen, entdeckt zu werden.”

(…)

Nacktbilder(…) Aktuell ermittelt die Polizei in „einer Vielzahl“ von Fällen aus Dortmund und Lünen wegen Straftaten in Online-Chats. Eine Schule ist besonders betroffen. (…) Bestätigt sich ein Verdacht, beschlagnahmt die Polizei die Smartphones oder andere Datenträger. Nicht nur das Versenden zum Beispiel von kinderpornografischen Inhalten kann strafbar sein – auch der Besitz etwa in einer Chat-App steht unter Strafandrohung. Im Jahr 2020 waren an einer Dortmunder Schule 140 Jungen und Mädchen von Ermittlungen betroffen. In einem aktuellen Fall sind es sogar 400, wie Bandermann berichtet. Bei der Auswertung der Datenträger von Jugendlichen entdeckt die Polizei immer wieder weitere strafbare Inhalte, darunter auch heruntergeladene Videos mit schwersten sexuellen Missbrauchshandlungen an Kindern. Die Opfer und Tatverdächtigen seien in der Regel zwischen 12 und 16 Jahre alt, berichten die Jugendkontaktbeamten (…)Sogar aus Grundschulen gebe es aber auch schon Hinweise zu strafbaren Inhalten. Katja Wittmann-Jodscheit sagt: „Es liegt in der Verantwortung von uns Eltern, mit Kindern und Jugendlichen auch über die Gefahren im Internet zu sprechen.“ Und Mark Poltrock ergänzt: „Kinder müssen heute schon früh lernen, wann das Versenden eines Fotos oder eines Videos eine Straftat ist. (…)

(…)

In ganz Deutschland sind am Donnerstag Wohnungen durchsucht worden. Der Verdacht: Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte. In einer bundesweiten Razzia hat die Polizei am Donnerstag die Wohnungen von 14 Männern im Alter von 30 bis 74 Jahren durchsucht. Sie sollen über eine geschlossene Chatgruppe kinderpornografisches Material ausgetauscht haben. (…) Vielerorts seien Spezialeinheiten etwa zum Öffnen von Türen im Einsatz gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft Köln mit. “Es konnten bislang über 250 Datenträger sichergestellt werden”, hieß es. Eine erste Sichtung sei bereits angelaufen. Einige Beschuldigte hätten bereits gestanden. Hinweise auf einen tatsächlichen Kindesmissbrauch durch die Tatverdächtigen lägen nach derzeitigem Stand nicht vor. (…)

(…)

Die Verdächtigen sind zwischen 17 und 84 Jahre alt: Mehr als 200 Beamte stellten bei einer Razzia gegen mutmaßliche Pädokriminelle Dutzende von Geräten sicher (…)Die Aktion war lange geplant und geheim gehalten: In mehr als 40 Wohnungen in Berlin haben Ermittler seit dem frühen Mittwochmorgen Durchsuchungen durchgeführt. Grund war in allen Fällen der Verdacht auf Besitz von Bild- und Videodateien, die schweren sexuellen Missbrauch an Kindern zeigen. Die Großrazzia lief seit sechs Uhr und dauerte den ganzen Morgen an. (…) Einige der insgesamt 42 Tatverdächtigen – ausschließlich Männer – sollen Missbrauchsbilder über Whatsapp geteilt, andere Bilder auf Instagram und Facebook hochgeladen haben. (…)Mehr als 200 Beamte waren im Einsatz.(…) Die Beamten verfügten stadtweit über 43 Durchsuchungsbeschlüsse – für 42 Wohnungen und eine Gartenlaube. Der Einsatz erstreckte sich auf nahezu alle Berliner Bezirke. Sechs Wohnungen mussten die Einsatzkräfte gewaltsam öffnen, wie die Polizei am Mittag in einer Pressekonferenz mitteilte. (…) Zur Sicherung von Beweisen stellten die Ermittler 25 Computer, 28 Laptops und 64 Mobiltelefone sicher, die nun ausgewertet werden sollen. (…) zum Teil stammen die Hinweise aus den USA. Die Berliner Beamten haben nicht selbst im Internet ermittelt. (…)300 ähnliche Durchsuchungen habe es im vergangenen Jahr in Berlin gegeben. „Die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, wird für die Täter beim Thema Kinderpornografie immer höher“, sagte Schürmann. In den USA würden die Netzbetreiber mit Algorithmen den Datenverkehr durchforsten und Verdachtsfälle und deren IP-Adressen dem National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) melden. Die IP-Adressen werden dann in andere Staaten weitergeleitet. „Das Gros der Verdachtsfälle in Deutschland wird von NCMEC gemeldet. Es gibt inzwischen wahnsinnig viel Verfahren“, sagte Schürmann. (…)

Hexenjagd auf Groß und Klein | Ketzerschriften

Dies alles als Niederschlag der vorangegangenen Reformen, noch ohne die aktuelle Verschärfung, die im Juli in Kraft tritt wohlgemerkt. Wie perfide, vor so einem Hintergrund noch eine Verschärfung mit Hochstufung zum Verbrechen durchzudrücken, und das mittlerweile ohne irgendeine Gegenstimme von den angeblich „pädoversifften“ Grünen, Linken oder der FDP, was einiges aussagt, während es den Rechten aus der Union wie auch der Kleinspießer und Deutschköter-AfD nicht weit genug ging und schon die Verschärfung der Verschärfung geplant ist, nämlich jegliches Thematisieren von Kinder- und Jugendsexualität als Verbrechen unter Strafe zu stellen, was dann auch jeden wissenschaftlichen Diskurs, wie er etwa in diesen heiligen Hallen des DE gepflegt wird, verbietet! Nun, wir üben uns hier weiter tapfer im Widerstand und fügen diesem Abriß des aktuell induzierten Irrsinns mit „Zeig mal!“ einen Grundsatztext der Sexualforschung aus insgesamt doch glücklicheren Tagen hinzu, eine Einleitung des heute sehr in Verruf geratenen Sexualforschers Helmut KENTLER zu einem Aufklärungsbuch aus dem Jahr 1974. Zwar sieht der DE KENTLER durchaus kritisch, jedoch abgesehen davon, daß die Schrift ihrerseits als Zeitdokument interessant ist, vermag dieser hier vor dem Leser ein, wenn auch marxistisch gefärbtes, historisches Sittengemälde zu entfalten, das verdeutlicht, wie sehr doch die Sexualhöllenarchitekten wie auch das Gros der rechten Klosterschüler und hysterisierenden Moralapostel, das deren Hysteriepropaganda begierig frißt und in sich aufsaugt, mit ihrem Bild von keuschen unschuldigen Kindern wie dem einer nach ihren kastrierten Eunuchenphantasien reinen und sittsamen Vergangenheit danebenliegen und wie sehr gerade Europa in der Moderne eher ent- als übersexualisiert wurde. Auch hier danken wie Leonard Forneus/Ketzerschriften für die Archivierung!

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Zeig Mal!

Zeig Mal, mit Bildern fotografiert von Will McBride und Text von Helga Fleichhauer-Hardt.

Helmut Kentler KINDERSEXUALITÄT

Vorwort aus dem Aufklärungsbuch Zeig Mal! (Wuppertal 1974, nicht mehr erhältlich)
Die Vorstellung, Sexualität sei nichts weiter als ein Trieb, der die Fortpflanzung sichert, ist auch heute noch weit verbreitet, obwohl doch jeder, der sich selbst und andere unvoreingenommen beobachtet, einsehen müßte, daß Menschen jeden Lebensalters sexuell reagieren und daß nur ein verschwindend kleiner Bruchteil aller sexuellen Handlungen auf Fortpflanzung gerichtet ist.
Aber wer nur die Augen aufmacht und hinsieht, erkennt noch nicht, was wirklich ist; er bekommt seine eigenen Vorurteile bestätigt. Jeder findet nur, was er sucht, und sucht, was er schon kennt. Der Frage, was Sexualität eigentlich sei, muß die Aufklärung darüber vorausgehen, warum wir eigentlich so sehr daran interessiert sind, Sexualität mit Fortpflanzung gleichzusetzen, Kindern und alten Menschen das Bedürfnis nach sexueller Befriedigung abzusprechen.

ENTSEXUALISIERUNG – ANPASSUNG ANS KAPITALISTISCHE SYSTEM

Die wissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Quellen wiederentdeckt und ausgewertet, aus denen hervorgeht, daß in Mitteleuropa bis zum 17. Jahrhundert eine sexualbejahende Einstellung vorherrschte, die uns heute – trotz liberalisierender Sexwelle – so fremd und gefährlich vorkommt, daß ihr Wiederaufleben mit allen Mitteln verhindert würde. J. van Ussel, einer der besten Kenner der prosexuellen Sitten und Bräuche jener Zeit, gibt folgende Skizze:

»Allgemein wurde anerkannt, daß jeder seinen Sexualtrieb äußern dürfe, damit seine Gesundheit nicht gefährdet werde. In einigen Städten wurden von der Obrigkeit Bordelle eingerichtet. Die Körperlichkeit wurde in einer Weise praktiziert, die wir heute verlernt haben. Man berührt sich, streichelt und umarmt sich, küßt sich; Ammen und Eltern masturbieren kleine Kinder, um sie ruhig zu halten. Ältere Menschen haben Kontakte zu Jugendlichen, die wir heute als sexuell bezeichnen würden. Die Selbstbefriedigung wird erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Medizinern und viel später von Geistlichen bekämpft. Die vorehelichen geschlechtlichen Beziehungen sind institutionalisiert, desgleichen in einigen sozialen Schichten auch der außereheliche Geschlechtsverkehr. Mangelhafte Antikonzeption [Empfängnisverhütung] wird von den Kirchen verurteilt. Die Fürsten und der Adel huldigen der Promiskuität, die kaum jemals kritisiert wird. Studenten und Soldaten tun, was ihnen gefällt. Die Geistlichkeit nimmt es nicht so genau mit dem Zölibat. Daheim schläft man nackt, die ganze Familie und die Bediensteten gemeinsam in einem Raum. Auch im Badehaus ist man nackt. Bei feierlichen Anlässen stellt man die hübschesten Mädchen der Stadt nackt zur Schau. Ein reichhaltiger Wortschatz für das Sexuelle steht zur Verfügung. Die jungen Menschen brauchen keine sexuelle Aufklärung, da sie aus der Welt der Erwachsenen sehen, fühlen und lernen können, was sie wissen müssen.« [ref]J. van Ussel: Sexualunterdrückung – Die Geschichte der Sexualfeindschaft, rororo sexologie, Reinbek b. Hamburg 1970, S. 25.[/ref]
Wie selbstverständlich schon kleinen Kindern sexuelle Sachverhalte waren, geht am deutlichsten aus einer Sammlung lateinisch geschriebener Dialoge hervor, die Erasmus von Rotterdam 1522 veröffentlichte und seinem damals sechsjährigen Patenkind widmete. Der Titel kennzeichnet die Absicht des Buches: »Zwiegespräche, zusammengestellt nicht nur zur Verfeinerung des Lateins der Kinder, sondern vor allem zum Zweck der Erziehung für das Leben.«

Von den 64 Dialogen behandeln 8 sexuelle Probleme, mit denen wir heute kaum Jugendliche zu konfrontieren fragen: Sinn des Koitus (er dient der Fortpflanzung, aber auch dem Genuß); Wert und Unwert der Jungfräulichkeit (ein für die Vereinigung mit dem Mann reifes Mädchen, das zu lange Jungfrau bleiben muß, wird unglücklich und bekommt die Züge einer alten Jungfer); außereheliche Sexualität und wie sich der Partner dazu verhalten soll; Diskussion der Frage, ob die Heirat zwischen einem alten syphilitischen Ritter und einer sechzehnjährigen »Blume der Jugend« gültig sei (dabei wird die Syphilis und ihre Prophylaxe bis in Einzelheiten besprochen); Folgen übertrieben häufigen Geschlechtsverkehrs; Erziehung des Säuglings (»Das Kind wird nicht nur mit Milch ernährt, sondern auch mit dem Geruch des mütterlichen Körpers«); Warnung, junge Mädchen ins Kloster zu schicken (dort ist es schwerer als in der Welt, keusch zu sein, denn was findet man? Schlemmer, Zechbrüder, sexuelle Freibeuter, lesbische Frauen); Problematik der Ehescheidung (»Ich möchte, daß Gott die Menschen bestrafe, die uns das Recht zu scheiden abgenommen haben«); Beschreibung der Bräuche in den Gasthöfen Frankreichs (Freizügigkeit der Mädchen, An- und Auskleiden, Schlafgewohnheiten, Benehmen in den Badestuben). Erasmus gebraucht keine vorsichtig umschreibende Terminologie, er nennt die Dinge beim Namen (eine Dirne begrüßt ihren jungen Freund mit den Worten »mea mentula«, meine Rute). Er braucht nicht »aufzuklären« (seine Leser, die Kinder, kennen die Sachverhalte). Es geht ihm um die richtige Einstellung, das richtige Verhalten, um die Bewertung – aber er oktroyiert keine Moralvorstellungen, sondern diskutiert Argumente. [ref]Eine ausführliche Inhaltsangabe dieser Dialoge gibt van Ussel, a. a. O., S. 25 ff.[/ref]

1857 entrüstet sich der Pädagoge Karl Georg von Raumer in seiner »Geschichte der Pädagogik« über Erasmus und die Wahl seiner Themen: »Er malt die Wollust aufs gemeinste« – »Was sollten Knaben mit jenen Satyren? . . . Was sollen sie mit Gesprächen über so viele Gegenstände, von denen sie nichts verstehen.« [ref]Zitiert nach N. Elias: Über den Prozeß der Zivilisation – Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen, Francke Verlag, Bern u. München, 2 Bde., 1. Bd. S. 232[/ref]

Daß die Kinder des 15., 16., auch noch des 17. Jahrhunderts sehr wohl verstanden, wovon die Dialoge handelten, und wie sie zu diesem Verstehen kamen, geht aus einer anderen Quelle hervor. In den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts führte der fürstliche Leibarzt Heroard ein ausführliches Tagebuch-Protokoll über die Entwicklung Ludwigs XIII; ihm ist zu entnehmen, wie unbefangen die Kinder damals sexuellen Phänomenen begegneten und wie stark die Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen sexualisiert waren.

Ludwig XIII, geboren 1601, ist noch nicht ein Jahr alt, als er schon aus voller Kehle lacht, »wenn man mit seinem Penis spielt«. Jeder spielt damit und drückt Küsse darauf. Oft liegt er beim König oder bei der Königin im Bett, und alle sind nackt. Als er ein Jahr ist, wird er der Infantin von Spanien anverlobt, und man spielt mit ihm »Wo ist der Allerliebste der Infantin?«, worauf das Kind seine Hand auf seinen Penis legt. Mit drei Jahren ruft er einer Dame zu, sein Penis mache eine »Zugbrücke«. Sagt man ihm: »Mein Herr, Sie haben keinen Penis mehr«, antwortet er: »Ha, segelt er nicht?« und hebt ihn lustig mit dem Finger. Seine Mutter legt ihm ihre Hand auf den Penis und sagt: »Mein Sohn, ich habe ihren Schnabel zu fassen.« Er kennt die Koituspositionen und spricht darüber mit seiner Kammerzofe. Zwischen seinem fünften und sechsten Jahr läßt er Mademoiselle Mercier, die in seinem Zimmer schläft, solche Stellungen einnehmen, daß er ihre Genitalien sehen kann; etwas später befühlt er sie. [ref]Ausführlichere Zitate sind zu finden bei van Ussel, a. a. O., S. 1 f., und bei C. van Emde Boas: Der Beitrag der Psychoanalyse zur Entwicklung der Liebesfähigkeit des Menschen, in: A. Schelkopf (Hg.): Sexualität – Formen und Fehlentwicklungen, Verlag für Medizinische Psychologie im Verlag Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1968, S. 86 f.[/ref] Anmerkungen, nicht von H. K [ref]Anmerkungen, nicht von H. K.: Man kann wohl davon ausgehen, daß eine solche Erziehung ein Privileg der Aristokratie war, während für die Bevölkerungsmehrheit andere moralische Maßstäbe gegolten haben dürften. Auch die Berichte über die damalige Zeit betreffen in erster Linie die Oberschicht.[/ref]

1787 stellt der Pädagoge Villaume die Frage, wie man Kindern die Lust, ihre Genitalien zu berühren, nehmen könne. Ein anderer Pädagoge, K. G. Bauer, antwortet darauf: indem man bei ihnen Ekel erregt. Den Heranwachsenden werden Leichen gezeigt, angeblich, um sie aufzuklären, tatsächlich, um Abscheu zu wecken. [ref]Daten und Zitate nach van Ussel, a. a. O., S. 67.[/ref]

Zwischen den Erziehungsauffassungen eines Erasmus oder der Erziehungspraxis am Königshof in Frankreich und den Erziehungsgrundsätzen und -zielen, die von den Pädagogen des 18. und 19. Jahrhunderts vertreten werden, liegen Welten. In der geschichtlichen Entwicklung von vier Jahrhunderten ist aus Sexualität, die Lust bereitet und anregt zu spaßmachenden Spielen, etwas Scham- und Ekelerregendes geworden, vor dem Kinder und Jugendliche mit allen Mitteln geschützt werden müssen. Was das ausgehende Mittelalter von der Moderne trennt, ist ein Prozeß, den man als »Entsexualisierung« bezeichnen könnte: Sexualität wird auf Fortpflanzung reduziert; jedes Sexualverhalten, das nicht Fortpflanzung bezweckt, wird mißbilligt, verpönt, schließlich unterdrückt und in die Heimlichkeit verbannt; die »Reinheit« des Kindes wird entdeckt, fortan gelten Kinder als asexuelle Wesen; Jugendlichen wird die Leistung totaler Askese abverlangt, sexuelle Bedürfnisse im Jugendalter werden als Symptome sittlicher Verwahrlosung und schwerer Persönlichkeitsschäden aufgefaßt; sexuelle Gebräuche werden ausgerottet, die sexuelle Sprache verkümmert, immer mehr setzt sich eine Moral der Prüderie durch; die sexuelle Sensibilität der Körperoberfläche wird auf die Genitalien eingeschränkt, der Leib wird zum Arbeitswerkzeug. Mit dieser Entsexualisierung ist eng verknüpft die Einschränkung und Unterdrückung auch der übrigen vitalen Bedürfnisse und die Vertreibung des Todes aus den alltäglichen Lebenszusammenhängen.

Rülpsen und Furzen, für Luther noch Beweise dafür, daß das Essen geschmeckt hat, gelten als unfein, sogar als Beleidigung. Ausspucken wird verboten. Fürs Schneuzen muß man ein (sauberes) Taschentuch bei sich tragen. Gähnen muß mit der Hand verdeckt werden. Die Verrichtung der »kleinen« und »großen« Bedürfnisse wird zu einem verborgenen Akt in der Intimsphäre. Ein immer größerer hygienischer Aufwand wird gegen Schmutz und Schweiß getrieben. Auch unmittelbare körperliche Beziehungen zum Mitmenschen werden unterbunden: Tischgenossen essen nicht mehr mit den Händen aus demselben Topf, der Becher macht nicht mehr die Runde, man schläft nicht mehr zusammen auf einem Lager, schon gar nicht nackt. Affektausbrüche – Schreien, Toben, Weinen, Ausgelassenheit – dürfen gar nicht erst entstehen, Affekte, Gefühle, Stimmungen müssen durch »Höflichkeit« des Umgangs gedämpft und nivelliert werden. Denselben Verdrängungen verfallen Sterben, Tod, Totes: Kam einst auf den Eßtisch der ganze Tierkörper, den der Hausherr vor den Augen aller zerlegte, so werden jetzt Fleischschnitten serviert – nichts mehr soll daran erinnern, daß man einen Kadaver verzehrt; das Sterben der Menschen wird zum einsamen Verenden in der Abgeschiedenheit eines Krankenhauszimmers – Leichen bekommt man allenfalls noch als Unfallfolge zu sehen. [ref]N. Elias, a. a. O., hat diese Prozesse anhand zeitgenössischer Texte eindrücklich beschrieben. Welche Auswirkungen sie auf die Kindererziehung hatten, ist nachzulesen bei J. H. van den Berg: Metabletica, Über die Wandlungen des Menschen – Grundlagen einer historischen Psychologie, Verlag Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1960.[/ref]

Wozu diese Unterdrückungen, Einschränkungen, Entsagungen? Warum werden sie noch heute in der Sozialisierung jedes einzelnen Kindes durchgesetzt?

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen, die zwischen 1500 und 1900 vor sich gingen (Umbau der Feudalwirtschaft zu einer kapitalistischen Wirtschaft, Umstrukturierung der Ständegesellschaft in eine Klassengesellschaft), verlangten die Modellierung eines Menschentyps, der den Anforderungen der neuen Lebensbedingungen entsprach. Entsexualisierung des Lebens und des eigenen Körpers, Beherrschung der Affekte und Stimmungen durch einengende verinnerlichte Normen, Distanz zum Mitmenschen und zur eigenen Körperlichkeit waren nötig, um das Leben rational zu planen, um die Menschen so leistungsfähig und konsumenthaltsam zu machen, wie es die Aufbauphase des Kapitalismus, die Verstädterung, die Industrialisierung forderte, und um gleichzeitig gegenüber der Entfremdung vom Mitmenschen, der zunehmenden Selbstentfremdung zu desensibilisieren. [ref]Zur genauen Analyse dieser Umwandlungen siehe neben N. Elias und van Ussel, a. a. O., auch E. Michel: Sozialgeschichte der industriellen Arbeitswelt, ihrer Krisenformen und Gestaltungsversuche, Verlag Josef Knecht, Frankfurt a. M. 1953, und M. Horkheimer: Autorität und Familia, in: ders.: Kritische Theorie, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1968, Bd. 1, S. 277-360.[/ref]

Man hat diese Umformung des Menschen als »Zivilisationsprozeß« (N. Elias), als »Verbürgerlichung« (van Ussel) beschrieben, je nachdem, ob mehr auf die Veränderung der Gesellschaftsverhältnisse oder mehr auf die von den Individuen zu erbringenden Anpassungsleistungen abgehoben wurde. Als Ergebnis dieser Analysen ist festzustellen, daß die Feindlichkeit gegen sexuelle Äußerungen, die nicht dem Fortpflanzungszweck unterworfen sind, daß die Verleugnung sexueller Bedürfnisse beim Kind und beim alten Menschen letztlich darauf hinauslaufen, den Menschen durch Erziehung so zu formieren, daß die bürgerliche industriell-kapitalistische Gesellschaftsordnung gleichsam durch Verankerung in ihr entsprechenden Charakteren auf Dauer gesichert bleibt. So verwunderlich ist es da nicht, wenn manche die Moral und mit ihr das Gesellschaftssystem schon wanken sehen, wenn kleine Kinder Doktor spielen und Jugendliche ohne schlechtes Gewissen onanieren.

DIE WIEDERENTDECKUNG DER KINDLICHEN SEXUALITÄT

Sigmund Freud ist die Wiederentdeckung der kindlichen Sexualität zu verdanken. In mühsamen Analysen der Lebensgeschichte seiner Patienten stellte er fest, daß zur Sexualität von Geburt an zahlreiche Erregungen und Aktivitäten gehören, die vom Funktionieren des Genitalapparates und damit von der Fortpflanzungsfähigkeit unabhängig sind. Die Sexualität ist kein Instinkt: Ihr Objekt ist biologisch nicht determiniert, ihre Befriedigungsformen und ihre Ziele sind veränderlich. Das Neugeborene ist ein »polymorph perverses Trieb- und Reflexwesen«: Sein ganzer Körper kann Quelle sexueller Reize sein. Unter dem Einfluß von Pflege und Erziehung werden dann aber im Laufe der psychosexuellen Entwicklung bestimmte »erogene Zonen« akzentuiert (z. B. in der Säuglingsphase der Mund, in der Phase der Reinlichkeitsdressur der After). Sie sind die Quellen der »Partialtriebe«, die erst in der Pubertät dem Primat der Genitalzone untergeordnet werden. Damit ist die autoerotische infantile Sexualität, die sich über die Stufen der Oralität, der Analität und der phallischen Sexualität entwickelt, endgültig überwunden. Gestaltprägend wirkt während der gesamten Entwicklung der Dauerkonflikt zwischen Triebbedürfnissen und Einschränkung der Befriedigungsmöglichkeiten durch die gesellschaftlichen Normen; die Lösungen, die jeweils gefunden werden, auch die gescheiterten Lösungsversuche, haben entscheidenden Einfluß auf die Persönlichkeitsbildung: Das Triebschicksal formt den Charakter. [ref]Vgl. S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, 1905, Gesammelte Werke, Bd. 5, S. 27-145.[/ref]

Die Forschungsergebnisse Freuds und seiner Schule wurden in Deutschland nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus gewaltsam unterdrückt. Auch nach 1945 drangen sie kaum über den engsten Kreis einiger Fachgelehrten hinaus. Erst die »antiautoritäre Bewegung« der Studenten und Schüler verhalfen den Erkenntnissen der Psychoanalyse zu einer größeren Verbreitung, allerdings in einer Fassung, die dem Denkansatz Freuds in entscheidenden Punkten widersprach.

Die marxistisch geschulten Antiautoritären argwöhnten, die Psychoanalyse sei lediglich eine Methode zur besseren Anpassung der Individuen an die bestehende Gesellschaft und damit ein Mittel, die Herrschaftsverhältnisse vor Veränderungen zu bewahren. Näher stand ihnen die Lehre Wilhelm Reichs, der mit Bernfeld, Fromm, Fernichel zu den Begründern der »Freudschen Linken« gehörte. Reich hatte in seinen Veröffentlichungen gezeigt, daß das kapitalistische Herrschaftssystem notwendigerweise sexuelle Triebunterdrückung verlangen muß, um ihm angepaßte autoritätsabhängige, ich-schwache Individuen zu erziehen. Während Freud die Auffassung vertrat, jede Kultur sei letztlich eine Sublimierungsleistung der Menschen und setze darum Triebunterdrückung voraus, glaubte Reich, der Widerspruch von Triebansprüchen und kulturellen Anforderungen sei dann aufhebbar, wenn durch die Revolutionierung der Gesellschaftsverhältnisse Herrschaft von Menschen über Menschen abgeschafft und durch eine Revolutionierung der Individuen, nämlich eine sexualfreundliche Erziehung, ein befriedigendes Genitalleben ermöglicht werde. [ref]Vgl. W. Reich: Die sexuelle Revolution – Zur charakterlichen Selbststeuerung des Menschen, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt a. M. 1966.[/ref]

Die »antiautoritäre Bewegung« setzte sich mit Reich nicht nur theoretisch auseinander, sie versuchte, seine Lehre zu praktizieren. In Kommunen wurde experimentiert mit Formen einer »allgemeinen Zärtlichkeit«, die das Eingeengtsein auf Geschlechterrollen und Zweierbeziehungen aufsprengen sollten. In Kinder- und Schülerläden bemühte man sich, unautoritäre, den Bedürfnissen und Interessen der Kinder besser gerecht werdende Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern und unter den Kindern selbst herzustellen. Den ersten Erfahrungsberichten ist die Unsicherheit der Erwachsenen noch deutlich anzumerken: Die Sexualität der Kinder, die sie in ihrer Arbeit kennenlernten, war für sie eine fremde Welt – sich ihr zu nähern, hieß, den eigenen sexuellen Schwierigkeiten konfrontiert zu werden.
So berichtet der 24jährige Eberhard, Mitglied der »Kommune 2« in Berlin, über das Verhalten der 3jährigen Grischa.

Nach dem Ausziehen am Abend kommt Grische zu Eberhard und will bei ihm schlafen. Nach einigem Hin und Her legt sie sich in sein Bett und verlangt, er solle sich in Unterhose und Unterhemd zu ihr legen. Dann spielt sich die folgende Szene ab: »Grischa sagt, sie braucht keine Decke zum Einschlafen. Außerdem soll ich nicht die Augen zumachen. Dann will sie mich streicheln, Hände und Gesicht. Ich darf sie erst streicheln, wenn sie gestreichelt hat, dann auch nur kurz. Zum Bauchstreicheln muß ich mein Hemd hochziehen. Ich liege auf dem Rücken. Grischa streichelt meinen Bauch, wobei sie meine rausstehenden Rippen als Brüste versteht. Ich erkläre ihr, daß das Rippen sind, ich nur eine flache Brust und Brustwarzen habe. Sie streichelt meine und zeigt mir ihre Brustwarzen. Wir unterhalten uns über die Brust von Mädchen, wenn sie älter sind. Dann will sie meinen ?Popo? streicheln. Ich muß mich umdrehen. Sie zieht mir die Unterhose runter und streichelt meinen Popo. Als ich mich wieder umdrehe, um den ihren wie gewünscht zu streicheln, konzentriert sich ihr Interesse sofort auf ?Penis?. Sie streichelt ihn und will ihn ?zumachen? (Vorhaut über die Eichel ziehen), bis ich ganz erregt bin und mein Pimmel steif wird. Sie strahlt und streichelt ein paar Minuten lang mit Kommentaren wie ?Streicheln! Guck ma Penis! Groß! Ma ssumachen!

Mach ma klein!? Dabei kniet sie neben mir, lacht und bewegt vom ganzen Körper nur die Hände. Ich versuche ein paarmal, sie zaghaft auf ihre Vagina anzusprechen, sage, daß ich sie auch gern streicheln würde, wodurch sie sich aber nicht unterbrechen läßt. Dann kommt doch eine ?Reaktion?: Sie packt meinen Pimmel mit der ganzen linken Hand, will sich die Strumpfhose runterziehen und sagt: ?Ma reinstecken.? Ich hatte zwar sowas erwartet (Marion hatte von Badewannenspielen erzählt, wo Nasser (4jähriger Junge; H. K.) seinen Pimmel vor Grischas Bauch hielt und sie sich so zurückbeugte, daß man ?Penis in Vagina reinstecken? konnte, was aber mangels Erektion nicht gelang), war aber dann doch so gehemmt, daß ich schnell sagte, er sei wohl zu groß. Darauf gibt Grischa sofort ihre Idee auf, läßt sich aber die Vagina sehr zurückhaltend streicheln. Dann holt sie einen Spiegel, in dem sie sich meinen Pimmel und ihre Vagina immer wieder besieht. Nach erneutem Streicheln und Zumach-Versuchen kommt wieder der Wunsch ?Reinstecken?, diesmal energischer als vorher. Ich: ?Versuch’s mal!? Sie hält meinen Pimmel an ihre Vagina und stellt dann resigniert fest: ?Zu groß?.«[ref]Kommune 2: Versuch der Revolutionierung des bürgerlichen Individuums, Oberbaumverlag, Berlin 1969, S. 92.[/ref]

Gewiß ist für beide die Situation ungewohnt – während das kleine Mädchen aber immer sicherer und damit entdeckungsfreudiger wird, fühlt sich der junge Mann immer gehemmter, und noch in seinem Bericht versucht er, wenn er statt »Penis« »Pimmel« schreibt, die sexuelle Attacke, der er ausgesetzt war, vor sich selbst zu verharmlosen. In einigen Fällen versuchten Studenten, mit Kindern aus Arbeiterfamilien Kontakt zu bekommen. Waren die Kinder älter, begegnete ihnen eine ausgebildete sexuelle Subkultur, geprägt von der Lebenssituation dieser Kinder. So berichtet eine Mitarbeiterin aus dem Schülerladen »Rote Freiheit« in Berlin-Kreuzberg über ein Gespräch mit der 11jährigen Rita:
»In der 4. Klasse hätten einige Jungens Hefte mit nackten Frauen und Männern mitgebracht, die auch miteinander fickten . . . Nach dem Betrachten der Pornos warf ein Junge ein Papierkügelchen neben ihren Platz, auf dem stand: ?Willst du mit mir ficken??. Sie warf zurück, ?nein?. Ein erneuter Versuch der Annäherung mit Hilfe der Papierkügelchen brachte sie zu einem ?Ja?. In der Wohnung des Jungen ließ sie sich ausziehen und ?seinen Pimmel in ihr Loch hängen?. Sie hätte nicht mit ihm gefickt, weil es ihr zu weh getan hätte. Außerdem schreckte sie vor einem Kind zurück, ihre Mutter würde sie in ein Heim einliefern. Noch einmal hätten sie in einem Gebüsch gefickt, aber dort seien sie erwischt worden, so daß es der Direktor der Schule und ihre Mutter erfuhren. Sie sei nicht geschlagen worden, aber ihr wurde wieder mit dem Heim gedroht, wenn noch einmal so etwas vorkäme. Ihrem kleinen Bruder hätte sie eine heruntergehauen, als er am Oranienplatz gesehen hätte, wie welche miteinander ficken. ?So etwas sollte er noch nicht mitbekommen, weil er es noch nicht versteht.? [ref]Anmerkungen, nicht von H. K.: Hier wird die unmittelbar rückgekoppelte Wirkung negativer sexueller Erziehung deutlich. Wenn Rita schon ihren Bruder so behandelt, wird sie die Moralvorstellungen ihrer Eltern und der Schule höchstwahrscheinlich auch auf ihre Kinder projizieren.[/ref]

Das Heim erschiene ihr sogar besser als ihre Familie. Ihr Vater sei ständig betrunken und dann gewalttätig zu sich und anderen . . . Sie hielt das gar nicht mehr aus, weil sie vor ihm Angst hätte.«[ref]Autorenkollektiv am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin: Sozialistische Projektarbeit im Berliner Schülerladen Rote Freiheit, Fischer Bücherei, Bd. 1147, S. 183 f.[/ref]

Die Öffentlichkeit, immer noch orientiert am Ideal eines gehorsamen, an Ordnung und Sauberkeit gewöhnten Kindes und durch solche Berichte zum erstenmal dem Faktum der »Kindersexualität« konfrontiert, reagierte mit massiven Abwehrreaktionen: Die beschriebenen Phänomene wurden den Berichterstattern angelastet, man warf ihnen Verführung zu sexueller Libertinage, sogar KZ-ähnliche Menschenversuche vor.[ref]Belege bringt H.-W. Saß: Links von sich selbst – Probleme der Emanzipation, in: ders. (Hg.): Antiautoritäre Erziehung oder die Erziehung der Erzieher, J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1972, S. 1 f. Ausführlich analysiert eine solche regelrechte Hetzkampagne W. F. Haug: Der sexuell-politische Skandal als Instrument antidemokratischer Kampagnen, in: Schülerladen Rote Freiheit (siehe Anm. 11), S. 389-464.[/ref]

Aber nicht so sehr wegen dieser Diffamierungen revidierten die Initiatoren der »antiautoritären Erziehung« schließlich selbst ihre Theorie und Praxis, sondern weil ihnen ihre Erfahrungen zwei nicht vorausgesehene Einsichten aufzwangen: Es zeigte sich einmal, daß Freiräume, die wie Inseln in einer sonst autoritären, kinder- und jugendfeindlichen Umwelt bestehen, zum Ausagieren der Frustrationsfolgen und aufgespeicherten Aggressionen verführen, so daß zärtlich-lustvolle Beziehungen immer wieder schon im Ansatz verdorben werden durch sadistische und masochistische Bedürfnisse; und es zeigte sich zum andern, daß eine nur sexuelle Befreiung nicht revolutionierend wirkt, sondern lediglich der Anpassung an die ohnehin fortschreitende Liberalisierung im Freizeit- und Konsumsektor dient.

Unter den Bedingungen des Spätkapitalismus mißraten Sparsamkeit und Enthaltsamkeit zu »disfunktionalen Tugenden«, denn die »Überflußwirtschaft« ist auf wachsende Konsumfreude angewiesen, und außerdem fordert der zunehmende Streß im Produktions- und Verwaltungssektor »Druckventile«, »Kompensations-« und »Rekreationsräume«, die in der gesellschaftlich belanglosen Intimsphähre am ehesten so angelegt werden können, daß sie die Gesellschaftsverhältnisse nicht tangieren. Es ist heute abzusehen, daß sexuelle Phänomene im Kindes- und Jugendalter bald niemand mehr erregen und betroffen machen, weil die Erkenntnis Reichs Allgemeingut geworden ist: Es sei nun einmal nicht einzusehen, schrieb er 1934, »warum denn die Onanie der Kleinkinder und der Geschlechtsverkehr der Puberilen die Errichtung von Tankstellen und die Erzeugung von Flugzeugen stören sollte«[ref]W. Reich: Massenpsychologie des Faschismus – Zur Sexualökonomie der politischen Reaktion und zur proletarischen Sexualpolitik, Verlag für Sexualpolitik, Kopenhagen-Prag-Zürich 1934, S. 48.[/ref], das heißt, der etablierte Kapitalismus kann es sich leisten, die Kontrolle über das Sexualleben aufzuheben.[ref]Den ausführlichen Nachweis für diese These führen D. u. Th. von Freyberg: Zur Kritik der Sexualerziehung, edition suhrkamp, Bd. 467.[/ref]

ENTWICKLUNG UND ERSCHEINUNGSFORMEN KINDLICHER SEXUALITÄT

Wie groß das Interesse an Erziehungsfragen heute ist, beweist ein Gang in jeden beliebigen Buchladen. Dieses Interesse angeregt zu haben, ist nicht das einzige Verdienst der »antiautoritären Bewegung«. Zahlreiche Dokumente aus der psychoanalytischen und marxistischen Pädagogik aus der Zeit vor 1933, fast schon vergessen und verschollen, wurden – zum Teil in Raubdrucken – neu veröffentlicht. Unser Tatsachenwissen über die Sexualität der Kinder ist heute größer denn je, zumal nun auch die Forschungsergebnisse des Auslands mit weniger Widerstand aufgenommen werden. Wer bereit ist, sich informieren zu lassen, findet genug Material.[ref]Eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse zur Kindersexualität bringt C. B. Broderick: Kinder- und Jugendsexualität – Sexuelle Sozialisierung, rororo sexologie, Reinbek b. Hamburg 1970.[/ref]

Besonders aufschlußreich sind immer noch die Beobachtungsprotokolle über die sexuelle Entwicklung eines Jungen, die Wera Schmidt, Leiterin des Kinderheims beim psychoanalytischen Institut in Moskau, in den zwanziger Jahren veröffentlichte[ref]W. Schmidt: Die Bedeutung des Brustsaugens und Fingerlutschens für die psychologische Entwicklung des Kindes, in: Anleitung für eine revolutionäre Erziehung Nr. 1, hg. vom Zentralrat der sozialistischen Kinderläden West-Berlin.[/ref]:

Bereits in der 3. Lebenswoche sind bei dem ausschließlich mit der Brust ernährten Jungen neben dem »Hungersaugen« Ansätze zu einem ganz anderen »lustvollen«, mit einem besonderen Grunzen begleiteten Saugen zu beobachten, so wenn er am Finger lutscht, oder wenn er bei der Stuhlentleerung hartnäckig und gierig an seiner Faust saugt. Bald ist auch beim Saugen an der Brust zwischen »Hunger-« und »Wonnesaugen« zu differenzieren. Ganz deutlich werden die Unterschiede ab der  6. Woche: Vor den Mahlzeiten werden die Finger unruhig und mit ungewöhnlicher Gier gelutscht – nach dem Essen wird zwar eifrig am Finger gesaugt, aber der Junge liegt jetzt fast unbeweglich, die Augen weit offen, und er läßt das charakteristische »Vergnügungsgrunzen« hören. Im 4. Monat wird das Fingerlutschen immer mehr nur noch als Einschlafmittel benutzt, im Wachzustand wird es durch »Muskelerotik« ersetzt: Das Kind ist ganz von lebhaften Bewegungen und Körperentdeckungen in Anspruch genommen. Als im 6. Monat Grütze zugefüttert wird, bekommt der Mund eine neue Bedeutung: Er wird zum Spielen, Greifen, zu Geschmacksproben und zum Küssen benutzt. »Plötzlich warf er sich auf mich und saugte an meiner Wange.« Im 9. Monat sind erste Spiele mit den Geschlechtsorganen zu beobachten: »Er liegt auf dem Rücken, während er mit der Hand umhertastet, bis er danach greift . . . Er lacht und spricht laut dabei.«

R. A. Spitz ist bei seinen gründlichen Untersuchungen der psychosexuellen Entwicklung in den ersten Lebensjahren zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen[ref]Eine Zusammenfassung bringt R. A. Spitz: Vom Säugling zum Kleinkind – Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr, Ernst Klett Verlag, Stuttgart 1967.[/ref]. Vor allem konnte er zeigen, daß Herumspielen an den Genitalien schon im ersten Lebensjahr die Regel ist, allerdings nur dann, wenn die Mutter-Kind-Beziehung zufriedenstellend und die Allgemeinentwicklung gut fortgeschritten ist.[ref]R. A. Spitz: Ein Nachtrag zum Problem des Autoerotismus – Frühe sexuelle Verhaltensweisen und ihre Bedeutung für die Persönlichkeitsbildung, in: Psyche, 16. Jg. (1964), S. 241-272.[/ref] Anmerkungen, nicht von H. K.:[ref]Anmerkungen, nicht von H. K.: A3: Die sexuelle Entwicklung des Kindes ist also stark mit der Entwicklung insgesamt gekoppelt, ein Kind, das an seinen Genitalien spielt, ist nicht krank, sondern kerngesund, tut es dies hingegen nicht, sollte nach Ursachen geforscht werden.[/ref]

Das bestätigen auch Kinsey und seine Mitarbeiter, denen wir bisher die genauesten Angaben über sexuelle Fähigkeiten und Aktivitäten von Kleinkindern verdanken[ref]A. C. Kinsey u. a.: Das sexuelle Verhalten des Mannes, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1966. – dies.: Das sexuelle Verhalten der Frau, ebenda 1966. Siehe im Buch über den Mann das Stichwort »Kinder« (Index, S. 671), Im Buch über die Frau das Stichwort »Kindheit bis zur Pubertät« (Index, S. 703).[/ref]. Nach ihren Untersuchungen sind sowohl Jungen wie Mädchen ab einem Alter von etwa  5 Monaten fähig, einen Orgasmus zu erleben, der sich vom Orgasmus Erwachsener in keinem wesentlichen Punkt unterscheidet. Im Alter von 3 Jahren onanieren mehr Mädchen als Jungen bis zum Orgasmus, weil es ihnen leichter gelingt, die notwendigen rhythmischen Handbewegungen durchzuführen. Jungen zwischen 10 und 20 Jahren zeichnen sich dadurch aus, daß sie in begrenzten Zeitperioden wiederholten Orgasmus erreichen (sie sind in dieser Hinsicht viel fähiger als irgendein älterer Mann). »Das Nichtvorhandensein der Ejakulation bedeutet nicht, daß der Knabe keinen Orgasmus erlebt, ebenso wenig wie das Nichtzustandekommen einer Ejakulation bei der erwachsenen Frau bedeutet, daß sie keinen Orgasmus erlebte.«[ref]20 A. C. Kinsey: Das sexuelle Verhalten der Frau, S. 105.[/ref] Wie deutlich die orgastischen Reaktionen zu erkennen sind, zeigt der folgende Bericht über ein 3jähriges Mädchen:

»Sie lag bäuchlings mit hochgezogenen Knien auf dem Bett und begann, im Abstand von einer Sekunde und weniger rhythmische Beckenbewegungen zu machen. Sie bewegte hauptsächlich nur das Becken, während sie die Beine in angespannter Haltung still hielt. Es war eine weiche, vollkommen rhythmische Bewegung von hinten nach vorn, nur von kurzen Pausen unterbrochen, in welchen sie die Genitalien wieder gegen die Puppe drückte, auf der sie lag. Die Rückbewegung war stoßweise wie konvulsiv. Es erfolgten 44 Stöße in ununterbrochenem Rhythmus, eine Pause von einem Moment, dann 87 Stöße, eine Pause, 10 Stöße und Ruhe. Die Atmung war konzentriert und intensiv und ging stoßweise, als sie sich dem Orgasmus näherte. In den Endstadien war sie völlig ohne Bewußtsein ihrer Umgebung; die Augen waren glasig und starrten ins Leere. Nach dem Orgasmus zeigte sich merkliche Erleichterung und Entspannung. Zwei Minuten später setzte eine zweite Welle mit 48, 18 und 57 Stößen ein, dazwischen kurze Pausen. Mit steigender Spannung begann sie hörbar zu stöhnen; unmittelbar nach Aufhören der Beckenstöße trat völlige Entspannung ein und danach gab es nur noch kaum wahrnehmbare Bewegungen.«[ref]21 ebenda, S. 106.[/ref]

Die sexuelle Potenz der Kinder läßt im späteren Alter nicht nach, auch in jener Zeitspanne nicht, die Freud als »Latenzperiode« bezeichnete. Beobachtungen in Kindergärten und Schulen haben gezeigt, daß in diesem Alter besonders lebhafte und tiefe Beziehungen zu Gleichaltrigen entstehen können, regelrechte »Romeo-und-Julia-Verhältnisse«, Kinderlieben, deren Intensität dem Liebesvermögen der Erwachsenen gleichkommt.

Notwendige Voraussetzung ist allerdings ein Erziehungsklima, das solche oft stark sexuell getönten Freundschaften zuläßt. In einem sexualfeindlichen Erziehungsmilieu werden die sexuellen Bedürfnisse in den Sichtschatten der Erwachsenen abgedrängt und suchen sich Befriedigung in der Tarnung von Rollenspielen (»Doktor-«, »Vater-und-Mutter-Spiele«). Beispielhaft für die Variabilität der sexuellen Erscheinungsformen sind die 1927 veröffentlichten Aufzeichnungen von Nelly Wolffheim aus ihrem psychoanalytisch orientierten Kindergarten in Berlin[ref]N. Wolffheim: Psychoanalyse und Kindergarten und andere Arbeiten zur Kinderpsychologie, Ernst Reinhardt Verlag, München-Basel 1966, S. 124 ff.[/ref]:

Erich wird von Erna (beide 6 Jahre) stark umworben und schließlich auch gewonnen. Sie sitzen von da an häufig zusammen, verabreden spätere Heirat und sprechen von der Hochzeit. – Mit 5 Jahren verliebt sich Horst in die gleichaltrige Hanni. Seine Liebesbeweise sind zart und innerlich: verstohlenes Streicheln oder ein Handkuß. Abends im Bett onaniert er und spricht dabei laut vor sich hin. Inhalt der Selbstgespräche sind der Kindergarten und Hanni. – Rolf (5 Jahre) und Gerhard (4 Jahre) haben so heftige Zärtlichkeitsbedürfnisse, daß sie einander plötzlich in die Arme fallen, sich mit aller Kraft aneinander pressen und abküssen. Neben Doktorspielen, zu denen auch andere Kinder herangezogen werden, entwickeln die beiden, allein für sich und stets heimlich geübt, das »Strawinzchenspiel«. Es besteht in Aufknöpfen der Hose und Onanieren.

Es fehlen bisher Forschungsergebnisse, die eine Aussage darüber zulassen, wie sich die unterschiedlichen Formen und Inhalte dieser Kinderlieben auf die weitere Entwicklung auswirken. Zu fragen wäre beispielsweise, ob sich in der Freundschaft von Rolf und Gerhard eine homosexuelle Entwicklung anbahnt, oder ob hier lediglich ein Beweis für die Annahme vorliegt, daß das Ziel des Sexualtriebs in diesem Alter noch nicht festliegt.

Die Folgen sexueller Beziehungen im Kindesalter lassen sich allenfalls abschätzen aus Untersuchungen, die in Holland durchgeführt wurden. So befragte F. Bernard[ref]F. Bernard: Pädophilie – eine Krankheit? – Folgen für die Entwicklung der kindlichen Psyche, in: Sexualmedizin, Dezember 1972, Heft 9, S. 438-440.[/ref] 30 holländische Erwachsene, die als Kinder sexuelle Beziehungen zu Erwachsenen hatten, um zu erfahren, wie sie im Rückblick diese Beziehungen einschätzen. Eine charakterologische Untersuchung schloß sich an. Die Probanden beurteilten ihre sexuellen Beziehungen fast stets positiv. »Die Häufigkeit psycho- und funktionell-neurotischer Beschwerden und das soziale Verhalten weichen nicht vom Durchschnitt der niederländischen Bevölkerung ab. Hingegen zeigt der Test, daß die ?Opfer? sich nicht so oft bedroht fühlen und weniger verkrampft sind als der der ?durchschnittliche Niederländer?

Es scheint so, als ob sie sich besser kennen, selbstkritischer und weniger defensiv sind.« Zu ähnlichen Ergebnissen kommt E. Brongersma[ref]E. Brongersma: Das verfemte Geschlecht – Dokumentation über Knabenliebe (Reihe Sexualwissenschaft), Lichtenberg Verlag, München 1970.[/ref] aufgrund einer Analyse des vorliegenden Materials zum Problem der Pädophilie. Werden solche Beziehungen von der Umwelt nicht diskriminiert, dann sind um so eher positive Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung zu erwarten, je mehr sich der Ältere für den Jüngeren verantwortlich fühlt. Es gibt keine Gründe anzunehmen, daß diese Ergebnisse nicht auch für die Liebe unter gleichaltrigen Kindern zutreffen. Ihre Bedeutung müßte demnach entscheidend davon abhängen, wie sie von den erwachsenen Bezugspersonen bewertet wird.

KONSEQUENZEN – ZUM BEISPIEL »PRIMITIVE« KULTUREN

Hat man erst einmal akzeptiert, daß die Sexualität neben ihrer Fortpflanzungsfunktion eine weitaus wichtigere Bedeutung für die Individuen durch ihre Lust- und Entspannugnsfunktion hat, und berücksichtigt man weiter, daß in allen Sozialbeziehungen die sexuellen Bedürfnisse mitwirken, daß vom »Triebschicksal« nicht nur die Charakterentwicklung, sondern auch Inhalte und Gestaltungsmöglichkeiten der sozialen Beziehungen abhängen, dann kann man sich nicht mehr damit begnügen, lediglich anzuerkennen, daß Kinder Sexualwesen sind, und im übrigen zu hoffen, daß mit ihnen schon alles in Ordnung kommen wird, wenn man sie sich selbst überläßt. Die »Kindersexualität« zu bejahen heißt, ihr einen Wert zu geben und sie in die Gesamtkultur zu integrieren, denn erst dann können die Kinder ihre sexuellen Bedürfnisse und Befriedigungsformen kultivieren, und erst unter dieser Voraussetzung kann neu entstehen, was durch Prüderie und Puritanismus zerstört wurde: eine Sexualkultur. Man wird zugeben müssen, daß diese Aufgabe bisher noch kaum erkannt ist. Es fehlen uns Beispiele, wie diese Aufgabe zu lösen wäre. Lediglich jene uns fernstehenden Kulturen, die wir wegen ihres Zivilisationsniveaus abschätzig als primitiv zu bezeichnen pflegen, die aber eine hochstehende Sexualkultur entwickelt haben, könnten uns Anregungen vermitteln, wie eine sexualbejahende Kindererziehung und eine Integration der »Kindersexualität« in die Gesamtkultur zu praktizieren wäre.
Besonders interessant für unsere Fragestellung sind die Muria, eine Stammesbevölkerung in Vorderindien. Sie haben eine hochstehende Festkultur entwickelt, kennen zahlreiche Tänze und Gemeinschaftsspiele, Männer und Frauen lieben es, sich reich zu schmücken. Die Kinder und Jugendlichen treten bei den Festen geschlossen auf, übernehmen besondere Funktionen oder sogar die Veranstalterrolle. Als bestes der Muria-Spiele gilt die Sexualität.

Die größte Rolle im sozialen Leben der jungen, noch unverheirateten Leute spielt das Gemeinschaftshaus, das »Ghotul«. Dorthin ziehen die Jungen und Mädchen zum Schlafen, sobald sie sechs, sieben Jahre alt sind. Erwachsene haben im Ghotul nichts zu suchen. Die sehr verständnisvolle und freundliche Eltern-Kind-Beziehung wird nun durch eine Ghotul-Kind-Beziehung abgelöst. Die älteren Kinder sind für die jüngeren verantwortlich: Sie bringen die Sitten und Bräuche, Tänze und Lieder bei, klären über Empfängnisverhütung auf und leiten zum Geschlechtsverkehr an. Die einzige Sünde, die man kennt, besteht darin, daß ein Junge mit einem Mädchen zu schlafen versucht, ehe es dazu emotional bereit ist. Man glaubt aber, daß die Mädchen sexuell unersättlich sind und daß es die Pflicht der Jungen ist, sie zu befriedigen – als kleine Kompensation dafür, daß sie mit Menstruation und Kinderkriegen belastet sind[ref]Ausführlicher habe ich die Muria-Kultur beschrieben in H. Kentler: Sexualerziehung, rororo sexologie, Reinbek b. Hamburg, 5. Aufl. 1972, S. 97 ff. Dort stehen auch Quellenangaben.[/ref].

Die von B. Malinowski untersuchten Trobriander in Nordwest-Melanesien weisen erstaunliche Parallelen auf. Zwar gibt es hier Gemeinschaftshäuser (Bukumatula genannt) nur für kleinere Gruppen und nur für die über 12jährigen Jungen (die Freundinnen werden zur Nacht in die gemütlich eingerichteten »Kosewinkel« eingeladen). Aber auch die Kinder dürfen ein freizügiges, von den Erwachsenen wohlwollend geduldetes Sexualleben führen – sie suchen oder errichten sich dazu abgeschlossene Winkel in Busch und Hain. Wie bei den Muria werden Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Kinder geachtet: Man kennt überhaupt keine Bestrafungen, und die Kinder bilden eigene »Republiken«, gegen ihre Beschlüsse kann nicht einmal der Häuptling etwas unternehmen. Die Erwachsenen verbergen ihr Sexualleben vor den Kindern nicht. In ihren Spielen und Zeitvertreiben befriedigen die Kinder ungehemmt ihre sexuellen Bedürfnisse[ref]B. Malinowski: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien, Verlag Grethlein u. Co., Leipzig u. Zürich o. J., S. 36-52.[/ref].

Die Institutionen und Verhaltensmuster dieser beiden Kulturen sind auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse selbstverständlich nicht zu übertragen. Gleichwohl ist aus solchen Beispielen zu lernen, welche Mindestvoraussetzungen geschaffen werden müssen, um die Problematik der »Kindersexualität« zu lösen:

1. Eine Gesellschaft, deren höchster Wert das Leistungsprinzip ist, kann Kinder immer nur als schwächliche, unterlegene Außenseiter behandeln, weil sie die verlangten Leistungen nun einmal noch nicht erbringen können. Auch eine Sexualkultur kann sich in einer solchen Gesellschaft nicht entwickeln. »Lustfreundliche« Werte und Werte, an deren Realisierung Kinder mitwirken können, sind die Vorbedingung dafür, daß eine sexualfreundliche Kultur entstehen kann, in die auch Kinder integriert sind.

2. Kinder müssen, soweit das entsprechend ihrem Alter nur immer möglich ist, von den Erwachsenen als gleichberechtigte Partner ernstgenommen werden, und sie brauchen einen Raum zunehmender Unabhängigkeit und Selbständigkeit, in dem sie in gegenseitiger Rücksicht und Achtung ihre sexuellen Bedürfnisse selbst regeln können[ref]Siehe hierzu ausführlich H. Kentler, a. a. O.[/ref].

Die auch heute noch herrschende Sexualfeindschaft und eine mit Kinderschutzforderungen sich tarnende Kinderfeindlichkeit mögen noch eine Zeitlang als Denkhemmung, erst recht als Widerstand gegen die Realisierung solcher Überlegungen wirken. Es genügt aber, die Reformen des Sexualstrafrechts bei uns und in anderen westeuropäischen Ländern zu beobachten, und man wird erkennen: Entscheidende Weichenstellungen, die zu einer sexualfreundlichen Kultur und freundlicheren Einstellungen gegenüber der »Kindersexualität« führen könnten, sind bereits vollzogen.

Zeig Mal! | Ketzerschriften

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Nachtrag: Bei Getty steht zu lesen, daß das Bild von Katja Bienert 1997 „erstellt“ wurde. Damit kann aber auf keinen Fall der Zeitpunkt der Aufnahme gemeint sein, da dann ja die Frau Bienert auf dem Bild schon ü30 gewesen wäre. Dabei ist offensichtlich, daß das Bild keine Frau über Dreißig zeigt, zumal ja Frau Bienert in dem Alter deutlich anders, gereifter eben, aussah. Nein, das Bild zeigt Katja Bienert eindeutig zu ihrer großen Zeit als deutsches Lolita-Wunder in den frühen 80ern, worauf auch die Stoffpüppchen verweisen. Interessanterweise ist die Pinwand im Hintergrund mit Zeitungsmeldungen über Katjas Mutter, die tollkühne Stuntfrau Evelyn Gutkind-Bienert, förmlich tapeziert.

Denke, das Erstellungsdatum bezieht sich auf den Erwerb der Bildrechte durch Getty.

Aber gut, nehmen wir 97, damit sind wir VERBRECHER dann auf jeden Fall NOCH auf der sicheren Seite!

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7 Gedanken zu “„Zeig mal!“ oder: Die Entsexualisierung Europas und der Welt

  1. SO wird verhetzt, gelogen, hysterisiert:

    Kriminalstatistik: „Sehr besorgniserregend“

    In Deutschland ist die Herstellung und Verbreitung von Bildern und Filmen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder stark gestiegen.

    „Sehr besorgniserregend“

    „Wir dürfen den Missbrauchstätern im Netz keine rechtsfreien Räume bieten“, sagte Johannes-Wilhelm Rörig – es war einer von vielen Appellen des Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs bei der Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 mit BKA-Präsident Holger Münch in Berlin.

    Sexualisierte Gewalt gegen Kinder nimmt deutlich zu, zeigte die jährliche Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik. Am stärksten war der Anstieg mit 53 Prozent bei der sogenannten Kinderpornografie, also der Herstellung und Verbreitung von Bildern und Filmen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder. 2020 wurde laut Kriminalstatistik in 18 761 Fällen ermittelt – nach 12 262 Fällen im Vorjahr. Hinweise auf solche Missbrauchsdarstellungen im Internet erhält das Bundeskriminalamt (BKA) überwiegend von den zuständigen Behörden in den USA. Dieser Flut von Inhalten können Behörden schon gar nicht mehr nachkommen, sagt Rörig. Er betonte, dass Deutschland die Strafverfolgung im Netz verstärken müsse damit das Internet nicht weiterhin ein „Paradies für Pedo-Kriminelle“ bleibe. Das Entdeckungsrisiko für Täter und Täterinnen scheine noch nicht groß genug zu sein, sagte Rörig.

    Die Zahl angezeigter Missbrauchsfälle ist 2020 gegenüber 2019 ebenfalls gestiegen um rund 1000 auf insgesamt 16 921 Fälle. Damit setzt sich der Trend aus den Vorjahren fort. In der Kriminalstatistik werden nur die angezeigten Fälle erfasst, das Dunkelfeld sei weit größer, erläuterte BKA-Präsident Holger Münch.

    Misshandlungen von Kindern nahmen 2020 um zehn Prozent zu

    Zu möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sagte Münch, man könne keinen direkten Zusammenhang zwischen den gestiegenen Fallzahlen und der Pandemie herstellen. Die meisten Taten geschähen aber im privaten Umfeld. Die Einschränkungen infolge der Pandemie könnten Täter begünstigen und erschwerten es Opfern, sich Hilfe zu holen. Die Zahl der Tötungen von Kindern ist im vergangenen Jahr gegenüber 2019 ebenfalls deutlich gestiegen um 40 auf 152 Fälle. 115 Opfer waren jünger als sechs Jahre. Die Misshandlungen von Kindern, also körperliche und psychische Gewalt ohne sexuelles Motiv, nahmen 2020 laut Statistik um zehn Prozent auf knapp 5000 Fälle zu.

    Solange Politik und Gesellschaft in Deutschland nicht gewillt seien, in der analogen und digitalen Welt den Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Netz zu führen, warnte Rörig, so lange werde es geschehen, dass Kinder tausendfach sexuell missbraucht und ausgebeutet würden.

    Datenschutz darf Kinderschutz nicht im Wege stehen

    Des Weiteren müsse der Markt für Kinderpornografie trockengelegt, Internetplattformen beschlagnahmt und Verbindungsdaten zu Missbrauchstätern gesichert werden.

    Oft liefen Ermittlungen ins Leere, weil auf entsprechende Daten nicht zugegriffen werden könne. Um das zu verhindern, brauche es eine massive Personalaufstockung bei Behörden und Polizei. Rörig appellierte, in polizeiliche Online-Wachen zu investieren, um die Abschreckung zu erhöhen. Dabei dürfe der Datenschutz dem Kinderschutz nicht im Wege stehen. „Selbst im Jahr 2021 wissen wir noch zu wenig über das Tatgeschehen“, meinte der Bundesbeauftragte.

    ______________________________________________

    (Süddeutsche/MSN)

    Nahezu komplett zusammengelogen und so von der Lügenpresse sekundiert. Die exorbitanten Zuwächse an „Kinderpornographie“ sind einzig und allein auf die Gesetzesverschärfungen im Sexualstrafrecht nach US-Vorbild zurückzuführen, wo jetzt haufenweise Jugendliche nach Hinweisen von US-Schnüffeldiensten bei einvernehmlichen „Sexting“ abgegriffen werden und Täter und Opfer in Personalunion darstellen!

    Dies wird bewußt verschleiert und stattdessen suggeriert, man habe es mit Banden von Pädogangstern zu tun, die einen „Markt“ bedienten und dazu Kinder sexuell ausbeuteten – glatte Lüge! Daneben vermengt man es perfide mit dem Thema „häusliche Gewalt“ und „Kindesmißhandlung“ um dann die unlauteren Absichten moralerpresserisch zu verbrämen: „Kinderschutz vor Datenschutz!“

    Ja, wer will denn auch gegen Kinderschutz und für Ginderborno sein! Und der Durchschnittsrääächtsspießbürger meint, obwohl ja sonst immer gleich mit „Faschismus!“- und „N(J)WO!“-Geplärr zur Hand:

    „Also ich denke ja, daß man da lieber zu viel als zu wenig tun sollte!“

    AUSROTTEN! MIT ALLEN ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN MITTELN!

    HEIL NOEL IGNATIEV!!!

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  2. Kleiner Nachtrag zu einer Detailfrage:

    Bei Getty steht zu lesen, daß das Bild von Katja Bienert 1997 „erstellt“ wurde. Damit kann aber auf keinen Fall der Zeitpunkt der Aufnahme gemeint sein, da dann ja die Frau Bienert auf dem Bild schon ü30 gewesen wäre. Dabei ist offensichtlich, daß das Bild keine Frau über Dreißig zeigt, zumal ja Frau Bienert in dem Alter deutlich anders, gereifter eben, aussah. Nein, das Bild zeigt Katja Bienert eindeutig zu ihrer großen Zeit als deutsches Lolita-Wunder in den frühen 80ern, worauf auch die Stoffpüppchen verweisen. Interessanterweise ist die Pinwand im Hintergrund mit Zeitungsmeldungen über Katjas Mutter, die tollkühne Stuntfrau Evelyn Gutkind-Bienert, förmlich tapeziert.

    Denke, das Erstellungsdatum bezieht sich auf den Erwerb der Bildrechte durch Getty.

    Aber gut, nehmen wir 97, damit sind wir VERBRECHER dann auf jeden Fall NOCH auf der sicheren Seite!

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  3. Der „Hyperboräer“ steht wohl zum NS ofensichtlich anders als der DE, verfaßt aber zu den sich überschneidenden Themenbereichen ausführliche und lesenswerte Artikel wie diesen hier:

    https://jenseitsdesnordens.wordpress.com/2021/03/23/der-transgendervirus-wenn-tauschung-zur-realitat-wird/

    Irgendwie bleibt einem dabei regelmäßig die Spucke weg, wenn man sich näher betrachtet, was sanktioniert und was massiv gefördert und protegieret wird. Und warum.

    »Beim Liebesspiel verbraucht man Energie, und hinterher fühlt man sich glücklich und pfeift auf alles andere. Das können sie nicht ertragen. Sie wollen, daß man ständig zum Platzen mit Energie geladen ist. Dies ganze Auf- und Abmarschieren, Hurra-Brüllen und Fahnenschwenken ist weiter nichts als sauer gewordene Sinnlichkeit. Wenn man innerlich glücklich ist, kann man weder über den Großen Bruder noch den Drei-Jahres-Plan, die Zwei-Minuten-Hass-Sendung und den ganzen übrigen Schwindel in Begeisterung geraten!«

    Das war sehr richtig, dachte Winston. Es bestand ein unmittelbarer, enger Zusammenhang zwischen Enthaltsamkeit und politischer Strenggläubigkeit.

    Hätte man sonst Furcht, Hass und fanatischen Glauben, wie sie die Partei bei ihren Mitgliedern voraussetzte, in der richtigen Weißglut erhalten können, wenn man nicht einen mächtigen Urtrieb auf Flaschen zog, um ihn als Treibstoff zu benutzen? Der Sexualtrieb war für die Partei gefährlich, und sie hatte gelernt, ihn in ihren Dienst zu spannen.

    Ähnlich war man mit dem Familiensinn verfahren. Die Familie konnte zwar nicht völlig abgeschafft werden, ja, man ermutigte die Leute sogar, in einer fast altmodischen Weise an ihren Kindern zu hängen. Die Kinder dagegen wurden systematisch gegen ihre Eltern aufgehetzt; man brachte ihnen bei, sie zu bespitzeln und jeden ihrer Verstöße gegen die Disziplin zu melden. Das Familienleben war in Wirklichkeit zu einer Erweiterung der Gedankenpolizei geworden, zu einem Mittel, um jedermann Tag und Nacht von intim vertrauten Angebern bespitzeln zu lassen. (George Orwell, 1984)

    Der erste Absatz des Orwell-Zitats gilt allerdings für jedes sexuell repressive Regime und ließe sich auch mit Bild- und Filmmaterial aus der NS-Zeit sicher trefflich illustrieren, nicht wahr? Wobei man sagen muß, daß die Sexualgesetzgebung im Kaiserreich, wo ja auch gerne marschiert und mit Fahnen geschwenkt wurde, zwar von der Tendenz her natürlich repressiv war, aber darin weit hinter der heutigen Sexualgesetzgebung in Deutschland oder gar dem US-Original zurückstand. Erstens wurde eine klare Ansage gemacht, was legal ist und was nicht, während hier und heute eine Willkür-Grauzone implementiert wird, zweitens herrschte in der Praxis in weiten Bereichen ein ziemliches Laissez-Faire, da das Gesetz überwiegend in den oberen Schichten durchgesetzt wurde, und auch da nicht durchgängig. Das zeitigte nicht immer schöne Konsequenzen, wenn etwa der Dienstherr das minderjährige Dienstmädchen nach Belieben rannehmen und schwängern und dann auf die Straße kicken durfte, wo sich das Asyl für „gefallene Mädchen“ weiter drum kümmerte, aber man kann davon ausgehen, daß sich jung und alt vielerorts auf ungehemmt-erbaulichere Weise der Triebabfuhr hingeben durften, als in de real existierenden heutigen Sexualhölle nach US-Prägung.

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      1. Vielleicht ist „Kasper“ etwas verharmlosend, wenn man bedenkt, wie er so mir nix dir nix den Nama und Hetero oder wie der Krempel heißt den Weg an die Fleischtöpfe frei gemacht hat, so von wegen von 1.1 Mrd zum annähernd 445fachen.

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