Die patente Alice, ihr He-Man-Sepp und andere Perversionen

Auch wenn beide für Skeletor arbeiten, ist Evil-Lyn immer noch schärfer als die patente Alice! Bild: Hotlink Pinterest

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Das FAZ-Magazin vom März 2021 gab dem alten Reptil Alice Schwarzer reichlich Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Dieser Person wird ja schon seit längerem eine allgemeine Hochachtung zu Teil, und das vor allem auch aus dem rechten Lager. Sie habe viel erreicht für die Frauen, dieses Verdienst könne ihr keiner nehmen, das müsse man einfach anerkennen. Und sie habe schon als eine der Ersten wider alle politische Korrektheit offen ausgesprochen, daß die meisten Vergewaltiger eh Türken seien oder so. Habe ihr zumindest ein Taxifahrer mal gesteckt – oder halt, ein Polizist war es wohl. Auf jeden Fall krass Reschpeckt für Alice, die unbequeme Unbeugsame und unbeugsame Unbequeme, die sich Sachen zu sagen traut, die sich sonst keiner zu sagen traut!

Und die Alice ist auch immer so geerdet, so bodenständig, ein Pfundskerl halt. Als ein solcher gerierte sie sich nun wieder mal im FAZ-Magazin, wo es im Interview mit Timo Frasch um

die Waffen einer Frau, die Schwächen der Männer, die Freuden der Populärkultur, den Machtmißbrauch durch Prostitution und Pornografie als Vergewaltigung

ging. Dem Erzähler hat allerdings der Einstieg gereicht, wo die Alice wie gehabt in beinahe schon obszön-pornographischer, dabei allerdings mitnichten erotischer Penetranz breitbeinig auf die patente Kumpeline mit dem Herz auf dem rechten Fleck machte, die dem Volk aufs Maul schaut und dessen Spreche spricht. Über ihr Verhältnis zu den „neuen Feministinnen“ und zum Intellektualismus sagt sie:

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Was heißt hier „neu“? Es gibt junge Feministinnen, die denken wie ich. Und auch in meiner Generation gab es genug Feministinnen, die ganz immanent geblieben sind in ihrer Welt, an der Uni, in ihren Akademikerkreisen. Nichts dagegen. Ich bin selbst eine Intellektuelle. Aber ich habe mich nie auf die Szene beschränkt. Ich setze mich lieber in die Eckkneipe, wo dann so ein Kölscher sagt: Na Alice, machste wieder alle Frauen verrückt?! Bring dem Alice mal nen Doppelten!

Kummer hätte es auch manchen Freundinnen und der Emma-Redaktion bereitet, daß sie im Rateteam von Blacky Fuchsbergers Sendung „ja oder nein“ vertreten gewesen wäre, aber BASED Alice habe das nur

riesen Spaß gemacht, vor allem wegen Sepp Maier an meiner Seite. Das war Liebe auf den ersten Blick.

Mit einem Fußballtorwart! – Der FAZke faßt es nicht, Alice erklärt:

Schwierig sind Männer, die die Superfeministen mimen, aber keine sind. Diese Problem hatte He-Man-Sepp nicht. Der war mit mir total gelassen und ich mit ihm. Wir hatten auch denselben Humor, einen tiefschwarzen. Im Übrigen verdanke ich dem Sepp einen sehr gediegenen Ruf. Ich erinnere mich, wie ich mir in einer Münchner Metzgerei eine Leberwurstsemmel geholt hab‘, da sagte die Metzgersfrau mit erhobenem Zeigefinger zu mir: Gehn’s her, Frau Schwarzer, Sie und der Sepp…

Woah, die Alice – da kann der FAZke nur noch hinterherhecheln:

Sie dachte, da läuft was zwischen Ihnen? Und?

Ich habe nicht dementiert.

Ja, hatte sie früher nicht verbreitet, sie wäre lesbisch? Erstmal egal, gleich noch mehr dazu. Ein bißchen bi schadet bekanntermaßen nie, wie ein altes Bienensprichwort sagt, und wir halten fest, daß augenscheinlich von verkniffener Lustfeindlichkeit bei der patenten Alice nicht die Rede sein kann, stand sie doch stets, wie die Anekdote mitsamt der richtungsweisenden Andeutung des suggestiven Nicht-Dementis zeigt, zwischen beiden Beinen mitten im Leben!

Auch der FAZke ist befriedigt und spielt Seksi-Echsi einen weiteren Ball zu, indem er bemerkt, daß diese ihre Neigung zu gut gemachter Unterhaltung mit ihren Weggefährten Jean-Paul-Sartre und Simone de Beauvoir teile. Das Reptil fängt diesen dankbar und komplettiert diese Bemerkung damit, daß auch die Freude am Klatsch zu den großen Gemeinsamkeiten gehörte:

Mir den beiden konnte man sich sich wunderbar über gemeinsame Bekannte das Maul zerreißen. Wenig verbindet mehr als gemeinsame Haßobjekte oder Lieblinge…

Also auch in den Intellektuellenzirkeln so dermaßen BASED und bodenständig und im wesentlichen nicht anders als beim Hausfrauen-Eierlikörzirkel, daß der Erzähler sich beinahe übergeben hätte und gerade noch rechtzeitig die unerquickliche Lektüre abbrechen konnte, wenngleich kein Beispiel über das gemeinsame Maulzerreißen der Schwarzers, Sartres und de Beauvoirs folgte, sondern sich die Schwarzer nur das ihrige über die schrulligen Marotten des schon alten und vertrottelten Paares unnützer Esser zerriß. Wobei natürlich unerwähnt blieb, daß die eitle Intellektuelle Beauvoir ihrem Satyr gerne ganz junge (oder sogar „kleine“) Mädchen zuführte, die der dann, entsprechend mit Alkohol oder anderweitig „präpariert“, nach Lust und Laune vernaschen konnte, die alte Sau! Wobei hier natürlich nichts gegen generationenübergreifende Sexualität an sich gesagt sein soll, nur gegen Doppelmoral und moralintriefenden Geistesadel der ekligen Art, mit dem eigentlich Massengräber gefüttert werden sollten.

Womit wir auch wieder bei der patenten Alice wären, die dergleichen Eskapaden ihrer Freunde schön ausklammert aber Pornographie als Vergewaltigung prangert.

Und mehr als das.

Wie gesagt, der Erzähler beendete an dieser Stelle die Lektüre, verzichtete auf die weitere Ausführungen, von denen ohnehin nichts grundlegend neues zu erwarten war, so wie ja auch die Selbststilisierung Schwarzers als bodenständige Kumpeline eine alte Masche ist, die hier nur wieder auf impertinente Weise neu aufgekocht wurde. Dieses „Bodenständig-Ehrliche“ können wir mit wenigen Strichen ad absurdum führen. Man kann zwar der verlogenen Heuchlerin nicht nur abnehmen, daß ihr so ein „rechtes Mannsbild“ lieber ist als ein unechter „Superfeminist“, nein, man kann sogar davon ausgehen, daß sie mit „echten“ Superfeministen genausowenig anfangen kann. Man sollte dabei aber nicht vergessen, was diese impertinente Person, die sich hier so zu ihrer Nähe zum einfachen Volk und kerniger Männlichkeit bekennt und dies mit Andeutungen hinsichtlich einer Liaison mit He-Man-Sepp unterstreicht, für Thesen vertreten hat.

Ihr Klassiker, mit dem sie Furore machte und die erste Welle des Feminismus hierzulande einleitete, war „Der kleine Unterschied“ (1975). Darin stellte sie die steile These auf, für die „pseudowissenschaftlich“ noch geschmeichelt wäre, daß heterosexueller Geschlechtsverkehr unnatürlich sei. Frauen wären von Natur her lesbisch und nicht zur Penetration durch den Mann vorgesehen, was schon allein daraus ersichtlich würde, daß sich beim weiblichen Geschlechtsteil die sexuell stimulierbaren Zonen ziemlich an der Oberfläche befänden, der Vaginalkanal dagegen arm an Nervenenden und unempfänglich für sexuelle Stimulation sei. Fortpflanzung sei ebenfalls ursprünglich reine Frauensache gewesen, und zwar ungeschlechtlich, in Gestalt von Parthenogenese oder „Jungfernzeugung“, wie man sie etwa bei Blattläusen oder bestimmten Reptilien, wie den giftig speichelnden Komodowaranen, zeitweise beobachten kann.

Wir ersparen uns jetzt, diese Grundannahme wissenschaftlich auseinanderzunehmen, sondern lassen sie einfach für sich selbst sprechen, braucht sie sich doch keineswegs hinter Geschichten von Reptiloiden und sonstigem Garn, das man allgemein irgendwelchen abgedrehten Verschwörungsheinis zuschreibt, zu verstecken, kann damit vielmehr locker mithalten.

Kritiker bezeichneten die von solchen Grundannahmen ausgehende Ideologie als „männerfeindlich“. Tatsächlich geht sie aber weit darüber hinaus und ist schlicht sexualfeindlich. Wobei natürlich nicht in Abrede gestellt wird, daß damit versucht wurde, die Geschlechter maximal gegeneinander zu hetzen. Aber das Primat ist die Sexualfeindlichkeit, so wie ja auch die Familie letztlich nicht durch den Feminismus angegriffen, sondern bestärkt wurde unter Implementation einer immer rigideren islamoiden Sexualgesetzgebung, die mit dem Durchmarsch des Feminismus einherging. Ausdruck davon ist auch der Schulterschluß des Schwarzer-Feminismus mit tradierten Machtinstanzen und Illusionserzeugern wie den Kirchen und dem bürgerlich-konservativ-christlichen Politikblock. Und so wie „männerfeindlich“ den Punkt nicht trifft, ist es auch mit „frauenfreundlich“. Dies kam schon in der ersten großangelegten Emma-Kampagne Ende der 70er gegen die Illustrierte „Stern“ zum Ausdruck, die damals auf ihrer Titelseite gerne ästhetische Aufnahmen von nackten, Kraft und Selbstbewußtsein ausstrahlenden Frauen brachte, also keinesfalls irgendwelche pornös-devoten Sexpüppchen, und die genau deshalb von Schwarzer/Emma erfolgreich juristisch angegangen worden war. Angeblich weil man die Aktbilder kontextlos als Anreiz gesetzt habe und damit die Frauen zum bloßen Konsumprodukt erniedrige, tatsächlich dürfte es aber genau die ästhetische, selbstbewußte Darstellung von Körperlichkeit gewesen sein, die den Stein des Anstoßes für die sexual- wie körperfeindlichen Frauenfreundinnen darstellte, was erklärt, warum es ausgerechnet der Stern war, den man sich herausgepickt hatte und nicht eines jener unzähligen Sex-Blättchen mit nackten Frauen auf dem Titel, so wie etwa das Prostitutionswerbeblatt St.Pauli-Nachrichten, von dessen Anwältin sich Schwarzer/Emma bei diesem Kreuzzug ins Glück vertreten ließen. Ja, von „Kreuzzug“ kann man getrost sprechen, hatte doch die patente Alice keinerlei Berührungsängste sowohl schmierigsten Repräsentantinnen der Unionsparteien als auch Kirchenpotentaten, wie etwa dem einst kernigen aber längst verfaulten Militärpfaffen und Bischof Dyba gegenüber, selbst heute wird sie ja noch von den Hinterladersektierern als Kronzeugin dafür bemüht, daß der Mißbrauch allüberall weitaus fröhlichere Urstände feiere als unter den Soutanen der heiligen Herren.

Und es wundert so auch nicht, daß die patente Alice anläßlich der Hexenjagd im Münsteraner Montessori-Prozeß 1993 (dem Startschuß für den reaktionären „Backlash“ in der Sexualgesetzgebung und -politik in der BRD, eine Dekade nach der Initialzündung in den USA mit dem MacMartin-Prescool-Trial), bei dem einem Erzieher in einer Kita auf Grundlage der Aussagen von nach US-Vorbild suggestiv befragten Kleinkindern die absurdesten Perversionen unterstellt wurden, auch dann noch in ihrer „Emma“ verbreiten ließ, daß an den Kotorgien und schwarzen Messen doch was dran gewesen sein müsse, als das Verfahren längst an seiner Absurdität kollabiert und die Existenz des Erziehers ruiniert, der Mann psychisch gebrochen war.

Das selbe in lilablassblau beim Kachelmann-Prozeß, wo die gänzlich unerotische Schwarzechse als Prozeßbeobachterin zugegen war um den Fall gewohnt tendenziös zu kommentieren, also im Zweifel stets gegen den Angeklagten und sogenannte „einvernehmliche“ SM-Spielchen machen so eine Erstwellen-Femanze ja erst so richtig scharf.

Ja, dieser keusche, rigid-antisexuelle Tatsch, damit konnte die patente Alice punkten, und das sogar bei der einen oder anderen verkniffen-veganen WeißnationalistIN – mennöh, daß die „JWO“ immer perverser würde, das sehe man doch schon daran, wie ungerecht die neuen Porno-Emanzen gegenüber ihrer Gründerväterin wären, der patenten Alice! Die war hingegen immer ganz auf Wellenlänge mit ihrer nicht minder düsteren US-Freundin, dem Pfundsstück (((Andrea Dworkin))), für die schon eine Erektion einen repressiven Akt darstellte und die der Ansicht war, daß wer einer Jüdin Schönheit attestiere, zwangsläufig davon träume, sie wie ein marodierender Kosak an den Haaren durch ihr brennendes Dorf zu schleifen, was aber in der Tat sogar Post-Collapse-NV ansprechen dürfte, der neulich erst der MeeToo-Bewegung sowohl eine „bessere Ästhetik“ als auch „ein realistischeres Verständnis von Sex und Gewalt“ bescheinigte als ihren Kritikern oder denen, die von ihr zerlegt würden. Da ist also noch Potential nach oben, was unheilige Allianzen anbelangt, den Erzähler gruselt es jetzt schon.

Dabei hatte er doch gedacht, schlimmer als die patente Alice gehe es kaum mehr. Die patente Alice, die da verlautbarte, ficken wäre unnatürlich aber zwischen den Beinen dann doch einen He-Man braucht. Oder zumindest den entsprechenden „gediegenen Ruf“.

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