Hebepädoparaphilie

Hebe, Göttin der Jugend, in der Inkarnation von Katja Bienert als Jess Francos „Lilian“ (1984)

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Wie der Erzähler so nebenbei während seiner unermüdlichen Recherchen erfahren hat, ist zu Anfang des vergangen Jahres mit Gabriel Matzneff ein weiterer Liebling des Establishments in Ungnade gefallen und in den zähnestarrenden Schlund der Sexualhölle geraten.

Das schweizer „Tagblatt“ titelte am 18. 01. 2020:

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Er schrieb erfolgreich pädophile Bücher – jetzt wird Gabriel Matzneff wegen Kindsmissbrauch angeklagt

Jahrzehntelang schrieb der französische Schriftsteller Gabriel Matzneff pädophile Bücher. Jahrzehntelang feierte ihn die Pariser Literaturszene dafür. Jetzt klagt ihn ein Opfer an.

Daß es sich um ein tatsächliches und kein mutmaßliches Opfer handelt, steht natürlich außer Frage. Wie könnte es auch anders sein:

Auf Amazon ist das Buch als Occasionsexemplar für 350 Euro erhältlich. Es muss etwas für Liebhaber sein. Liebhaber von Minderjährigen, um genau zu sein. «Les moins de 16 ans», «Unter 16», ist nur eines von mehreren Büchern, in dem Gabriel Matzneff seine sexuellen Vorlieben offen schildert. «Wenn Sie einen Jungen von 13 Jahren oder ein Mädchen von 15 Jahren in den Armen gehalten, geküsst, liebkost, besessen haben, kommt ihnen alles andere fad, schwer, langweilig vor», liest man und wünscht sich, es nie gelesen zu haben.

Klar, da kriescht man voll die Krise, iiiiiiihhhhhhhhh! Man kann die Schwefelschwaden förmlich riechen und den Pferdehuf scharren hören.

Vanessa Springora war 14, als sie in Matzneffs Fänge kam, seine «Geliebte» wurde. Die Depressionen und Alpträume kamen später. Jetzt hat die Leiterin des Verlages Jul­liard zur Feder gegriffen und einen Bericht über die psychischen Folgeschäden pädophilen Missbrauchs verfasst. «Matzneff war kein guter Mensch», schreibt Springora in der Vergangenheitsform, obwohl der Autor in einer – von einem Politikerfreund zur Verfügung gestellten – Pariser Sozialwohnung lebt.

Na, immerhin ist die Madame ja trotzdem was geworden, wen auch von den „Fängen“ der Bestie zernarbt. Denn es steht fest, daß wie es hier nicht mit einem Menschen zu tun haben, und so kreischt es einem auch aus dem „Tagblatt“ gefettet entgegen:

«Er war das, wovor wir Kinder uns ­fürchten sollten: ein Oger, ein Menschen­fresser.»

Bleibt die rhetorische Frage:

«Warum hat man über all die Jahre nichts gesagt?»

Deren Antwort doch längst bekannt und zigmal widergekäut ist:

Springoras «Warum?» hallt wie ein Schrei durch Paris. Die Erklärung für die «kollektive Blindheit», wie sie die Verlegerin nennt, ist wohl doppelt. Sie beruht auf einer sonderbaren, paradoxalen und sehr französischen Mixtur aus uralten höfischen Sitten und dem Geist vom Mai 68. Wie einst am Königshof von Versailles durften die Pariser Eliten bis zu den #MeToo-Zeiten so ziemlich alles, was Gott dem einfachen Bürger verboten hat. In den Achtzigerjahren galt das etwa für Seitenspringer wie François Mitterrand, dessen Hof um seine uneheliche Tochter Mazarine wusste, ohne dass ein Wort in die Pariser Medien gedrungen wäre.

Ja, wir wissen auch daß die Beauvoir ihrem Sartyr das Frischfleich zuführte und überhaupt:

Ideologisch bestätigt sah sich die selbstgefällige sexuelle Aristokratie 1968 durch das philosophische Gebot, es sei «verboten zu verbieten». Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir oder Roland Bar­thes unterzeichneten eine Petition für drei angeklagte Pädophile; Daniel Cohn-Bendit erklärte, er lasse sich von Kindern den Hosenlatz öffnen. In der Zeitung «Libération» erschienen Kleinanzeigen zum «Kinderschmusen»; und das Renommierblatt «Le Monde» offerierte Matzneff, gedeckt von der Literaturpäpstin Josyane Savigneau, sogar eine monatliche Chronik von 1977 bis 1982.

Eine Watschn? Ja warum denn auch nicht?

«Le Monde»-Kritiker lobten den «ungezogenen Herrn» Matzneff als «mutig». Als der pädophile Autor 1990 in die TV-Literatursendung «Apostrophes» eingeladen wurde, amüsierten sich die anwesenden Autoren wie auch Sendeleiter Bernard Pivot über die beschriebenen Szenen mit «Schulmädchen». Nur die kanadische Schriftstellerin Denise Bombardier, die nicht mit den freien Sitten des Pariser Literaturbetriebs aufgewachsen war, hielt sich darüber auf. Regisseur Claude Lanzmann fand darauf, Matzneff hätte sie während der Sendung ohrfeigen sollen.

Dann der Backlash und das Blatt und die Hälse wenden sich:

Der russischstämmige Autor erhielt noch 2013 den Literaturpreis Renaudot. Dann änderten sich die Dinge auch in Paris. «Libé»-Chefredaktor Laurent Joffrin räumt heute mit einer gewissen Beschönigung ein, sein Blatt habe «eine gewisse Zeit gebraucht», um pädophile Schriften zu verurteilen. Ex-Minister Bernard Kouchner sagt, die von ihm mitunterzeichnete Pro-Pädophilen-Petition von 1977 sei rückblickend «schwer zu erklären»: «Die Ideologien überschwemmten uns.»

Pöse Ideologien, die einen da einfach so „überschwemmen“, willenlos machen, rapen und mindfukkken! Sieht man ja auch immer schön am „Islam“, wenn der Koran aus dem Regal springt und ein Blutbad anrichtet. Aber wenn schon die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist jede Ausrede recht um Distanz zu den markierten Sündenböckchen zu schaffen!

Der Verlag Gallimard, einer der angesehensten im französischen Sprachraumaum, hat den Verkauf des Matzneff-Œuvres eingestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, nachdem sie Springoras Werk «analysiert» habe. Matzneffs Tagebücher – deren Inhalt vom französischen Strafrecht schon vor dreissig Jahren verboten war – hatte sie offenbar nie gelesen.

Was lange währt wird also endlich gut und Wut. Allerdings gibt es auch Aufrechte. So zwitschert Savigneau, die heute nicht mehr für „Le Monde“ tätig ist:

«Ich ändere meine Meinung zu Matzneff nicht, nur weil die Hexenjagd begonnen hat.»

Hexenjagd? Ich muß doch schwer bitten!

Damit meinte sie wohl den den Paradigmenwechsel der #MeToo-Debatte. Am Dienstag wurde in Paris auch der Filmregisseur Christophe Ruggia (55) verhaftet, nachdem ihn die Schauspielerin Adèle Haenel sexueller Übergriffe gegen sie bezichtigt hatte – als sie zwischen 12 und 15 Jahre alt war.

Und last but NOT least natürlich mal wieder Popolanski:

Unbehelligt und weiter verteidigt bleibt in Frankreich der Regisseur Roman Polanski (86). Die frühere Schauspielerin Valentine Monnier behauptete im November detailliert, sie sei von ihm mit 18 vergewaltigt worden. Frankreich hatte erst vor zwei Jahren ein Schutzalter von 15 Jahren eingeführt. Voraussetzung ist, dass der Täter «moralischen Druck oder Überraschung» anwendet.

Grundgütiger! Vergewolltigt! Mit ACHTZEHN! Noch ein KIND! Herrejehmineh. Und besser spät als nie zerinnert, was wären wir denn überhaupt ohne die Gnade der späten Zerinnerung! Und das gerade auch im Fall der im Fall Matzneff wortführenden Madame Verlagsleiterin Springora. Der Erzähler verläßt hier mal den für ihn sonst bezeichnenden Weg maximaler Objektivität und mutmaßt, daß sie dem Herrn überhaupt nichts konkretes vorwerfen kann, noch nicht einmal „Vergewaltigung“. Statt dessen sieht das ganz so aus, als habe er sie schon ordentlich aufgegeilt um dann das gute alte Rein-Raus-Spiel mit ihr zu treiben, bei dem ihr sicher auch „Gutes“ widerfuhr; aber wie wir wissen, läuft das bei den Weibern ja dergestalt, daß ihnen oft tatsächlich gar nicht so klar ist, was sie wirklich wollen und dabei sehr anfällig sind, was das Urteil Dritter und die vorherrschende gesellschaftliche Stimmung anbelangt. Wenn Weiber nun als junges Mädchen entsprechende Erlebnisse hatten, die ihnen ihnen zu der Zeit durchaus Wohlgefallen bereitet haben, und ihnen dann im weiteren Lebensverlauf beständig durch Umfeld und Medienpropaganda eingetrichtert wird, daß dementsprechende Dinge etwas ganz Perverses sind, daß sie immer und überall Mißbrauch „kindlicher Unschuld“ darstellten und damit schon als Vergewaltigung anzusehen wären, dann formen sich auch die Erinnerungen dementsprechend um. Insbesondere, wenn unangenehme Dinge damit verbunden sind, wie etwa daß der Liebhaber ihnen zugunsten eines anderen Objekts der Begierde den Laufpaß gab oder ähnliches. Bei entsprechendem „Geschwätzverkehr“ (FRANKSTEIN) kann dann die gesamte Affäre zu einem Kapitalverbrechen zerinnert werden. Das sind genau die Trigger, auf die #mähtoo und ähnliche Moralpaniken drücken, wo dann ein angeblicher Griff ans Knie vor Jahrzehnten Zeter und Mordio auslöst.

Vor allem aber ist hier noch ein weiterer Umstand interessant, der zeigt, auf welchem definitorischen Sumpf wir uns hier bewegen. So handelt es sich bei allen genannten Opfern um Personen, die zum Zeitpunkt der „Tat“ zwölf bis achtzehn Jahre alt waren, während die Tat selbst als „Kindesmißbrauch“ der mutmaßliche Täter als „Pädophiler“ bezeichnet wird. Der Täter habe „pädophile Bücher“ veröffentlicht, weil er in diesen Werken dem Sex mit 13-16 jährigen Mädels und Jungs huldigte. Allerdings ist dies bei genauerer Betrachtung der Begriffe keineswegs so Eindeutig. So existieren, die Pädophilie betreffend, mehrere unterschiedlich gefaßte Definitionen, bei denen einige noch das sexuelle Ansprechen auf sich in einem frühen Stadium der Pubertät befindliche Personen einschließen, während es im allgemeinen Tenor aber auf eine Neigung zu Kindern vor der Pubertät hinausläuft, und zwar im Sinne einer Fixierung auf diese als Sexualpartner.

In jedem Fall ist die Pädophilie als abnorm und Störung der Sexualpräferenz klassifiziert. Allerdings erkennt man schon beim flüchtigen Überfliegen des Wikipedia-Artikels, daß hier eine ziemliche Wirrnis herrscht. Denn letztlich ist eben die Gruppe, die allein auf vorpubertäre Kinder fixiert ist, eine durchaus rare. Der weitaus überwiegende Teil all jener, die Kinder als Sexualpartner zumindest in Betracht ziehen, ist keineswegs auf diese festgelegt. Und so kann man sich an diesem wirren Kreiseziehen erfreuen, das einen beredten Eindruck davon vermittelt, wie es aussieht, wenn auf Biegen und Brechen versucht wird, „die Natur, dieses Tier“ (de Sade) klinisch zu klassifizieren und zu „medikalisieren“ (Ivan Illich). Gut, was jetzt die Kernpädophilie mit der Fixierung auf vorpubertäre Kinder betrifft, so könnte man dies mit einiger Berechtigung als Abnormität, mithin Störung bezeichnen, da es evolutionär keinen Sinn ergibt weil Nachwuchs, wie bei allen Perversionen, ausgeschlossen ist. Allerdings träfe das ebenso auf die Homosexualität zu und diese ist ja auch erst seit Kürzerem aus der International Classifikation of Diseases (ICD) gestrichen worden. Gestört ist es sicherlich Kinder, insbesondere die Eigenen, im Verlauf sexueller Handlungen zu verletzen oder gar zu töten aber was ist, „wenn keine Gewalt im Spiel ist“ (Kynast)? Ach so, es ist par definitionem IMMER Gewalt, weil nicht sein kann was nicht sein darf, etwa daß Homo sapiens zumindest ein Stück weit ähnlich tickt wie Pan paniscus. Aber kommen wir zum vorliegenden Fall des „pädophilen“ Autors zurück, dessen „Opfer“ ziemlich eindeutig mehr oder minder sexuell reife Personen in der Pubertät waren. Dies wiederum fiele eigentlich unter eine andere Kategorie:

Hebephilie (von Hebe, griechische Göttin der Jugend, und griechisch φιλία philia „Freundschaft“) ist die erotische und sexuelle Präferenz eines Erwachsenen für pubertierende Jungen und/oder Mädchen etwa im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Eine genaue Eingrenzung des Alters ist aufgrund des von Fall zu Fall unterschiedlichen körperlichen und psychischen Einsetzens der Pubertät schwierig. Sie grenzt sich immer zur Pädophilie, der Zuneigung für präpubertäre Kinder, ab. Im Falle einer Attraktion zu männlichen Jugendlichen spricht man meist von Ephebophilie, bei jugendlichen Mädchen von Parthenophilie. Manchmal wird der Begriff Hebephilie aber auch bezüglich der frühen Pubertät und die anderen beiden Begriffe bezüglich der mittleren und späten Pubertät verwendet. Der Name Hebephilie wurde erstmals in den 1950er-Jahren in Nordamerika verwendet, wobei eine intensivere Erforschung dieser Präferenz insbesondere seit den frühen 2000er-Jahren stattfindet.[1][2]

In den Sexualwissenschaften wird mehrheitlich die Auffassung vertreten, dass es sich bei der Hebephilie um eine eigenständige und klar von anderen Neigungen abgrenzbare Chronophilie handelt. Gegenstand intensiver Debatten ist hingegen die Frage, ob sie als Paraphilie oder als nicht-pathologische Sexualpräferenz eingeordnet werden muss.[3][4][5] Sie ist derzeit weder im DSM-5 noch in der ICD-11 als psychische Störung erfasst,[6][7] jedoch wird seit 2008 regelmäßig über eine Aufnahme in zukünftige Auflagen der beiden Klassifikationssysteme diskutiert.[8]

Hebephilie – Wikipedia

„Sie grenzt sich immer zur Pädophilie, der Zuneigung für präpubertäre Kinder, ab“ – folglich wäre also der Herr Matzneff ein Hebephiler, KEIN Pädophiler. Aber alles mit „Pädo“ hört sich einfach so schön gruselig an und bei den gegenwärtigen sexualhöllischen Hetz- und Hexenjagden kommen sechs oder sechzehn Jahre letztlich auf das Gleiche raus – verbrennt die Hexe! Tötet die Bestie! Am Ende ist es immer „Pädo“, so wie in den USA als Mutterland der aktuellen Sexualhölle, wo im Regelfall jedes Gesexel, in das unter Achtzehnjährige involviert sind „Pädo“ ist und gleichaltrigen Teenagern als sich gegenseitig vergewaltigenden Pädophilen („Statutory Rape“) der Prozeß gemacht wird.

Von Alters her haben Dichter und Sänger Eros, Schönheit und Anmut der Jugend besungen, heute versucht man, dem Krankheitswert beizumessen. Allein daß der Begriff aus den USA stammt (wenn auch zunächst in anderen Zusammenhängen verwendet), diese „Präferenz“ seit „den frühen 2000er-Jahren „intensiver erforscht“ wird und seit 2008 über eine Aufnahme als „Paraphilie“ in die internationalen Klassifikationssysteme „diskutiert“ wird, spricht Bände und deckt sich vollkommen mit den gegenwärtigen Entwicklungen bezüglich der globalen Ausdehnung der US-Sexualhölle. Man sieht hier sehr schön, wie mit der „Hebephilie“ ein Konstrukt geschaffen wurde, das als Werkzeug dazu verwandt wird, normales Sexualverhalten, hier die Jugendsexualität, zu pathologisieren und zu kriminalisieren und einen inquisitorischen Zugriff staatlicher Gängelungsorgane in die intimsten Lebensbereiche hinein zu ermöglichen, wie man es noch vor wenigen Jahrzehnten für undenkbar gehalten hätte. Aber so lief schon immer der Hase: Drück dem Volksvieh Gebote auf, die es nicht einhalten kann und schick dann die Inquisition.

Btw.: Ja, sicher, ein russischstämmiger „Matzneff“ als Satyr, dazu Lanzmänner, die unvermeidlichen Cohn-Bendit und Polanski – da findet man wieder reichlich ((())). Und natürlich könnte man zu dem Schluß kommen, daß dieser ganze lüstern-vollgefressene bourgeois-avantgardistische Klüngel, gerade in seiner französischen Ausformung so oder so doch ziemlich eckelhaft und widderlich ist – dem DE ist das gerade ziemlich schnurrz. Im Großen und ganzen waren das bessere als die „#MeToo-Zeiten“, und selbst auf der Odenwaldschule war nicht alles schlecht. Da habt ihrs.

Ein Gedanke zu “Hebepädoparaphilie

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