Soziale Zyklen und spenglersche Jahreszeiten, Teil 2.

Lange spenglersche Schatten über der Populärkultur?

In diesem zweiten Folgeartikel zur Betrachtung von Eward Duttons/Michael Woodley of Meenies „At Our Wits End – Why We Become Less Intelligent And What It Means For The Future“ gibt es nun noch die Übersetzung eines Kapitels, in dem die Autoren darzulegen versuchen, inwieweit die Geschichte der „Westlichen Zivilisation“ aus ihrer Sicht die spenglerschen Zyklen abbildet. Es fällt auf, daß im Gegensatz zu ihrer Interpretation von Spengler (Teil 1.) hier nicht der „Sommer“, sondern der „Herbst“ den Scheitelpunkt des Zyklus darstellt, was ja auch folgerichtig ist, da im Herbst die Ernte eingefahren wird. Mit dem Begriff „westlich“ hält es der Erzähler übrigens ähnlich wie der Historiker Wolfgang Reinhard am 25. Juni des laufenden Seuchenjahres in der FAZ: „Er ist nicht besonders gut, aber man weiß einigermaßen, was gemeint ist: eine politisch-historische Einheit, die im wesentlichen aus Westeuropa, Zentraleuropa und Amerika besteht“, aber das nur am Rande. Der Text ist zur Gänze besagtem Werk entnommen, Bilder und Bildtexte wurden vom Erzähler eingefügt.

Ist die Westliche Zivilisation dem Zyklus gefolgt?

Wir sind der Ansicht, daß die Westliche Zivilisation zusammenbricht und daß sie als Folge Eines Schwunds von g [„General Intelligence“; „Allgemeine Intelligenz“] zusammenbricht. Wir haben bereits die Belege dafür präsentiert, daß im Westen bis zur Industriellen Revolution eine Positivselektion von g stattgefunden hat und daß sich die Zivilisation als Konsequenz daraus weiterentwickelte. Mit der Industriellen Revolution kehrte sich diese Selektion von g um und wir haben gezeigt, daß g zurückgegangen ist und daß sich der wissenschaftliche Fortschritt verlangsamt hat und weiter verlangsamt. Wenn es sich so verhält, dann sollten wir in der Lage sein, den Aufstieg und Fall des Westens, so wie wir es bei Rom, und, wenn auch mit weniger Gewißheit, islamischen und chinesischen Zivilisationen, getan haben, historisch zurückzuverfolgen. Und dies sollte einem relativ ähnlichen Weg folgen.

Es ist unsere Behauptung, daß es möglich ist, das zu tun. Es könnte eingewandt werden, so zu verfahren wäre eine Sache von Mutmaßungen und subjektiv, aber dies trifft zu einem bestimmten Grad auf jede Argumentation zu, die keine Statistik mit einbezieht. Die meisten Schlußfolgerungen von Historikern sind qualitativ, aber das bedeutet nicht, daß man sie von vornherein ablehnen müßte. In den folgenden Abschnitten wollen wir einfach nur zeigen, daß hier ein begründeter Fall – wenn nicht mehr als das – vorliegt, um dahingehend zu argumentieren, daß die Geschichte der Westlichen Zivilisation in die Stufen paßt, die Spengler skizziert hat, und daß ein fundierter Fall vorliegt, um dahingehend zu argumentieren, daß wir jetzt im Stadium des Winters sind, basierend auf dem, was momentan in Erscheinung tritt. Während wir dies demonstrieren, werden wir zeigen, daß die Evidenz dafür, daß wir uns, begründet auf Spenglers Modell, im Winter der Zivilisation befinden, bereits breit von Experten diskutiert wird.

Die Saat der westlichen Zivilisation

Die Aasvögel warten schon: Lebendige Darstellung eines Kriegshaufens aus dem post-römischen, „arthurianischen“ England als Coverillustration eines Regelwerks für historische Kriegsspiele (Dux Bellorum). Bildquelle: Pinterest

Es ist vielleicht am einfachsten, diese Entwicklung zu verstehen, indem man Spenglers Metapher vom Vorbeistreichen der Jahreszeiten folgt. Die Römische Zivilisation kollabiert in ein Dunkles Zeitalter. Europas Dunkles Zeitalter ist demzufolge der Winter der Zivilisation. Es ist charakterisiert durch Massenmigration – etwa die der Sachsen und Wikinger, die in England einfielen, Krieg und Gewalt. Das wissenschaftliche Denken ist nur sehr gering ausgeprägt und die Religion ist kombiniert mit dem Glauben an vielfältige folkloristische Erklärungen. Selbst das Rechtssystem ist um die Interaktion von Gott mit der Welt herum konstruiert, wo sich angeklagte Kriminelle allerlei Prüfungen durch Marter zum Nachweis ihrer Schuld unterziehen müssen. Die Nutztiere sind kleiner als in römischen Zeiten, da das Wissen über Tierhaltung und -zucht verlorengegangen ist. Die meisten Menschen, selbst die Könige und der Adel, sind schriftunkundig, die Schriftkunde wird von einer Minderheit des Klerus bewahrt. Die Städte sind geschrumpft und der Verwahrlosung anheimgefallen. Die römischen Bauwerke sind zu Ruinen verfallen und niemand versteht mehr, wie dergleichen jemals gebaut werden konnte.

Die Gesellschaft ist extrem religiös. Die relativ geringe Allgemeine Intelligenz einer solchen Gesellschaft wird reflektiert durch ihre einfache Architektur und ihre kindlichen, cartoon-artigen künstlerischen Darstellungen. Politisch ist diese Gesellschaft eine Autokratie, geführt von einem Krieger-König. Angelsächsische Könige kamen regelmäßig auf dem Schlachtfeld um, ein Nachweis der instabilen Natur der gesellschaftlichen Hierarchie. Dies ist der niedrigste Stand der vorangegangenen Zivilisation, liefert aber auch die Saat für die nachfolgende Zivilisation. Deshalb könnte man diese Periode auch als die Geburt der Zivilisation charakterisieren.

Der Frühling der Zivilisation

Aus der Asche himmelwärts: Durham Kathedrale (ab 1024), Bild: Wikimedia

Dies ist im wesentlichen der Zeitabschnitt des Mittelalters, ungefähr von von 1000 bis 1500. Die Gesellschaft ist immer noch extrem religiös, hat aber eine etwas wissenschaftlichere Form der Religiosität entwickelt. Dies spiegelt sich in der scholastischen Bewegung wieder, wo Gelehrte wie der Italiener Thomas von Aquin (1225-1274) eine Form des Christentums zu schaffen versuchen, das auf logischen Prinzipien beruht. Gegen Ende dieser Periode kann man die Proto-Reformation erkennen, die versucht, die Religion von folkloristischen Elementen zu reinigen und rationaler zu gestalten. Die Regierungsform ist eine feudale Monarchie, letztendlich gestützt auf Militarismus, aber wir sehen die Anfänge der Demokratie in England, wo sich ein Parlament bildet. Wir sehen auch den Beginn der Exploration, so wie etwa die Kreuzzüge und Marco Polos Entdeckung von China. Die Städte wachsen, allerdings ist die Gesellschaft noch sehr ländlich. Die Gesellschaft entwickelt Konzepte wie die ritterlichen Tugenden, die Selbstkontrolle, Selbstaufopferung und Altruismus umfassen.

In der Architektur sehen wir die Konstruktion komplexer Schlösser und Kathedralen, was beachtliche Planungen und Fertigkeiten erfordert. Wir finden realistische Skulpturen, hauptsächlich in Gestalt von Grabdenkmälern. Eine Anzahl von literarischen Werken, die hochgradig maßgebend bleiben, wie Chaucers Canterbury Tales, wurden gegen Ende dieser Periode geschaffen. Der Feudalismus bricht zusammen und wird schrittweise von Seiten des Adels durch ein semi-demokratisches Regierungssystem ersetzt. All diese Veränderungen legen den Schluß nahe, daß die Gesellschaft schrittweise an g gewinnt. Wie wir erörtert haben, hat der Schwarze Tod einen sehr signifikanten Schub bezüglich des gesellschaftlichen Levels von g bewirkt, was die Fahrt in den Sommer der Zivilisation beschleunigt. Die Periode kann als die Kindheit der Zivilisation charakterisiert werden.

Der Sommer der Zivilisation

„youthful vigour“: Isaak Newton portraitiert von Godfrey Kneller (1689), Bildquelle: Wikimedia

Dieser umfaßt ungefähr die Zeitspanne von 1500 bis in die Achtzehnhunderter hinein, wobei es vernünftige Gründe dafür gibt, dahingehend zu argumentieren, den Ersten Weltkrieg als Abreißpunkt zu nehmen. Im modernen Großbritannien sind die Menschen hauptsächlich von der Tudor-Ära fasziniert. Es scheint, als bestünde ein beständiger Strom von Dokumentationen und beliebten Büchern darüber. Der Roman Wolf Hall, ein fiktionalisiertes Porträt des Ministerpräsidenten von Henry VIII, Thomas Cromwell, war ein Bestseller und die Grundlage für eine beliebte Fernseh-Miniserie. Warum begeistert uns diese Periode so viel mehr als das 15. oder 17. Jahrhundert? Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen, aber eine davon ist, daß dies der Beginn des Sommers der Zivilisation ist, was bedeutet, daß in dieser Periode viele phantastische Durchbrüche erfolgten. Wir haben endlich wieder realistische Portraits und Skulpturen, was bedeutet, daß wir wirklich wissen, wie die Menschen dieser Zeit aussahen. Da die Gesellschaft städtischer wird, haben wir weit mehr überdauernde Aufzeichnungen, da eine gewaltige Bürokratie in Bewegung versetzt wurde.

Die Gesellschaft wurde merklich rationaler in dieser Periode. Die Renaissance stellte viele traditionelle religiöse Überzeugungen in Frage und Personen wie wie Galileo und später Newton revolutionieren mit phantastischen Durchbrüchen im wissenschaftlichen Verständnis unseren Blick auf die Welt. Mit der Reformation wird eine Religion, die sich auf Mystizismus und Gehorsam gründete von einer in mancherlei Hinsicht rationaleren Religionsform verdrängt, welche darauf abzielt, zu den ersten Prinzipien des Christentums zurückzukehren um daraus auf logische Weise eine Theologie und eine Lebensweise zu entwickeln. Wir sehen einen Aufstieg des Puritanismus, welcher eine strenge Sexualmoral in einem Ausmaß predigt, wie sie vordem nicht allgemein praktiziert worden war. Wie wir bereits anmerkten, gab es weitverbreitete uneheliche Verhältnisse unter dem Adel. Dieser wachsende Rationalismus spiegelt sich in manchen Menschen, wie etwa Galileo, wieder, die ein essentiell philosophisches Weltbild einnehmen, welches insgesamt kaum noch Raum für mystische Elemente jeder Art läßt.

Die Gesellschaft ist zuversichtlich in ihrem Sendungsbewußtsein und wir haben Erforschungen in der neuen Welt und die Anfänge des Kolonialismus. In Europa entwickeln sich relativ starke Nationalstaaten, gestützt von wachsender Bürokratie und wahrscheinlich einem Anwachsen des Vertrauenslevels. Die absolute Monarchie wird, zuerst in Britannien, durch eine konstitutionelle Monarchie mit einer begrenzten Demokratie ersetzt. Am Ende dieser Periode sehen wir die Aufklärung. Offenkundig hochgradig rational, stellt sie eindringlich gesellschaftliche Traditionen in Frage, inklusive religiöse Überzeugungen und den Bedarf einer Monarchie. Mit der Französischen Revolution wird die Monarchie gewaltsam gestürzt und, für einen Zeitraum, eine säkularistische Republik in Frankreich proklamiert.

Diese Periode ist charakterisiert durch eine Art von jugendlichem Elan. Die Gesellschaft ist – aufgrund des Umstands, dass die Menschen jung sterben-im Wortsinne „jung“ nach modernen Standards. Im modernen Großbritannien sind 20% der Bevölkerung über 60 und 20% sind unter 16. Im elisabethanischen England sind 36% der Bevölkerung unter 16 und 7% über 60. Aus unserer Diskussion der Altersdifferenzen im Verbund mit Persönlichkeitsstruktur und g allein können wir ermessen, wie dies die Verhaltensmuster in Richtung einer Gesellschaft verlagert, die risikobereiter, abenteuerlustiger, kreativer und selbstsicherer ist. Denk mal an all die Kreativität, in die du als Student einbezogen warst, bevor du zur Ruhe gekommen bist um den ganzen Tag vor einem Computer zu sitzen, wie es fast alle von uns tun. Denke ebenso an all die leichtsinnigen und blamablen Experimente mit Sex, Rausch und politischem und religiösem Extremismus.

Herbst

Prometheus entfesselt:Coalbrookdale at night. Ölgemälde von Philipp Jakob Loutherbourg d. J. aus dem Jahr 1801. Coalbrookdale gilt als eine der Geburtsstätten der industriellen Revolution, da hier der erste mit Koks gefeuerte Hochofen betrieben wurde.Bild: Wikimedia

Diese Periode kann als das mittlere Lebensalter bezeichnet werden. Im mittleren Lebensalter neigen Menschen dazu, die Höhe ihrer beruflichen Leistung zu erreichen und viele Genies vollbrachten ihre wichtigsten Arbeiten im frühen mittleren Lebensalter. Der „Herbst“ funktioniert sehr gut als Metapher, weil der Herbst die Erntezeit ist, die Zeit des Überflusses, der Höhepunkt des Jahres.

Dieser Zeitabschnitt erblickt die Höhen der westlichen intellektuellen Fähigkeiten und folglich den Durchbruch der Industriellen Revolution und den Gipfel des Innovationslevels pro Kopf. Er ist charakterisiert durch einen tiefen Rationalismus in Philosophie und wissenschaftlicher Arbeit, die sehr stark traditionelle religiöse Vorstellungen in Frage stellt. Dementsprechend erleben wir den Aufstieg des Atheismus und die Entwicklung atheistischer Ideologien wie Marxismus und bestimmte Formen des Nationalismus. Die Romantische Bewegung mit ihrem Fokus auf dem Vermächtnis der gewöhnlichen Leute und deren Romantisierung kann als eine Art von Religion betrachtet werden, ein Standpunkt, der von der rumänischen Anthropologin Mircea Eliade (1907-1986) vertreten wurde. Zum Beispiel beginnt Herders romantischer Nationalismus mit dem Dogma, daß es die natürlichste Staatsform für die Völker darstellt, in getrennten Nationen zu leben, die innerlich verbunden sind durch gemeinsames Blut, gemeinsame Erde, Sprache und Geschichte. Der Bauer ist die reinste und am wenigsten verunreinigte Verkörperung dieser „Volkskultur“ und deshalb müssen wir, um diese wieder aufzubauen, den Bauern imitieren, der als fleißig, aufrichtig und die beste Manifestation des Menschen gesehen wird. Daneben gibt es ein ausgeprägtes Gefühl für das Schicksal – für eine Art von Kraft hinter den Szenen – im romantischen Nationalismus, da seine Entstehung als unausweichlich betrachtet wird. Diese ist, wenn wir Hegels Dialektik folgen, in welcher die Welt lediglich eine Reflektion des graduellen aber fortlaufenden Selbst-Erkennens des gottartigen Absoluten darstellt, der „Zeitgeist“. Andererseits aber ist der Romantizismus weitaus mehr rationalisiert als das Christentum, weit weniger mystisch. Es gibt da keine Götter oder Lebensgeister und keine nicht-physische Existenz. Somit ist er artverwandt mit den philosophischen Bewegungen der klassischen Zeiten.

Möglicherweise nicht ohne Bezug dazu könnte dahingehend argumentiert werden, daß sich eine Art von Wissenschaftsanbetung zu entwickeln beginnt, die den Glauben beinhaltet, daß die Wissenschaft unausweichlich für immer voranschreiten wird; faktisch erneut einen Glauben an das Schicksal einführend. Dies kann in den Stufentheorien verschiedener Anthropologen des 19. Jahrhunderts gesehen werden, wo man glaubte, es sei unvermeidlich, daß alle Gesellschaften letztendlich die Religion hinter sich lassen und ein gänzlich wissenschaftliches Weltbild annehmen würden. Zum Beispiel argumentierte der britische Anthropologe Sir James Frazer (1854-1941) in Der goldene Zweig, daß alle Gesellschaften durch Phasen von Magie, Religion und Wissenschaft gehen. Sie würden sich nicht zurückentwickeln, sondern eher damit fortfahren, um immer wissenschaftlicher zu werden.

Industrialisierung führt zu Massenmigration vom Land in die Städte, einem Zusammenbruch des Einflusses der Kirche, einer Zunahme des Einflusses einer neuen industriellen Elite und einem Absinken des Einflusses des Adels, dessen Einfluß aus Landbesitz resultierte. Mit dem Rückgang der religiösen Überzeugungen und der Macht des Adels, die durch Religion gestützt wurde, beginnt die Gesellschaft sehr viel materialistischer zu werden. Der Fall der Religion und des Adels bereitet der Idee den Weg, daß alle Menschen gleich sind, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es für 60% der Männer das Wahlrecht, 1928 dann allgemeines Wahlrecht, nicht nur für Männer sondern auch für Frauen. Diese Überzeugung von der Gleichheit findet man auch in den zentralen atheistischen Ideologien der Romantischen Bewegung. Durch die Verdrängung der Religion können gewöhnliche Leute davon überzeugt werden daß für sie kein Grund besteht, eine untergeordnete Position zu akzeptieren. Der Marxismus preist den Arbeiter als die reinste Manifestation der Menschheit, ist allerdings nicht übermäßig an den Rechten von Frauen und kulturellen Minderheiten interessiert. Der Nationalismus preist den Bauern, allerdings ist dieses Konzept in jedem Fall auf die Angehörigen der eigenen Nation begrenzt. Diese Ideologien wurden weitergeführt durch den Feminismus, welcher die Gleichheit für Frauen fordert und diese sogar idealisiert; den Multikulturalismus, welcher das Selbe in Bezug auf Nichteuropäer tut; Kulturmarxismus, welcher das auf sexuelle Minderheiten und jede Minderheit, die seine Fürsprecher als entmachtet ansehen, ausweitet; und die Tierrechts- und Umweltschutzbewegungen.

Der Lebensstandard schnellt empor, wie auch die Bevölkerungszahl, zumindest am Anfang. Doch dann, mit der Entwicklung der Schwangerschaftsverhütung, beginnen die Menschen, ihrer Fruchtbarkeit Grenzen zu setzen und in einigen europäischen Ländern verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum, die Bevölkerung wächst lediglich durch nichteuropäische Immigration und hohe migrantische Geburtenraten. Die Betonung der Gleichheit und die Infragestellung aller traditionellen Vorstellungen dauert an und wir sehen den Aufstieg von Feminismus, Relativismus und der alles durchdringende Sichtweise, daß das Leben keinen Sinn hat. Verschiedene Ideologien, die der Romantischen Bewegung entstammen, so wie Marxismus und Nationalismus, versuchen das Leben wieder mit Bedeutung zu erfüllen, aber sie degenerieren in schrecklichen Kriegen und ihre Macht ist flüchtig. Gegen Ende dieses Zeitabschnitts beginnt die Kreativität zu schwinden. Wir bringen immer weniger Makroinnovationen hervor.

Winter

„Things are going to slide, slide in all directions..“: Zeitungstitel während der London-Riots 2011. Bild: Screenshot

Der Winter ist das hohe Alter der Zivilisation und, wenn Spengler richtig liegt, sind wir schon dort angelangt. Er sagte voraus, dass wir eine hochgradig globalisierte Welt herausbilden würden, die von einer Art internationaler Finanzelite regiert werden würde, die sehr entfernt von den gewöhnlichen Leuten ist. Dies ist bezeugt durch die Untersuchungen von Piketty, die wir schon erörtert haben, bezüglich der sich stetig öffnenden Schere zwischen Arm und Reich in postindustriellen Nationen.

Die Konsequenz davon ist, daß Nationalstaaten massiv in ihrer Handlungsfähigkeit beschnitten sind und die Demokratie im Wert gemindert ist. Politikwissenschaftler haben vermerkt, daß dies in der zurückgehenden Wahlbeteiligung in westlichen Ländern zum Ausdruck kommt. Die Menschen verzweifeln und fühlen, daß ihre Stimmen nicht mehr länger die Ereignisse beeinflussen und so verlieren sie ihr Vertrauen in die Demokratie und die Demokratie schwindet. Technologie floriert, angetrieben von Mikro-Innovationen. Wir haben schon erörtert, inwieweit der Level von Mikro-Innovation viel später seinen Scheitelpunkt erreicht als der von Makro-Innovation. Aber weil g im Rückgang begriffen ist und die Makro-Innovation ebenso zurückgeht, besteht eine umfassende ökonomische Stagnation. Diese Stagnation wird gerade von Ökonomen diskutiert. Im Gefühl völliger Hilflosigkeit und der Parteipolitik nicht mehr vertrauend, beginnen die Menschen einfach damit, charismatische Individuen zu wählen, bei denen sie das Gefühl haben, daß diese die Krise in den Griff bekommen und ihren Klagen Gehör schenken werden.

Wir sehen hier möglicherweise Parallelen zum Aufstieg von Julius Cäsar. Es könnte sogar dahingehend argumentiert werden, daß der Aufstieg des Populismus in der westlichen Welt eine Reflektion davon darstellt. Die Elite hat für die einfachen Leute und deren „traditionelle“ Werte und Lebensstile nur Verachtung übrig. Die Eliten wetteifern um moralischen und intellektuellen Status, indem sie mehr und mehr extreme Kritik von Tradition und Hierarchie verfechten.

Die Kunst war vordem auf Religion fokussiert. Sie beginnt nun, sich darauf zu konzentrieren, einfach das gewöhnliche Leben abzubilden und dann, Gefühle darzustellen, subjektive Wahrnehmung und ein Gefühl der Verwirrtheit und, möglicherweise, Hoffnungslosigkeit, ein Punkt, den der britische konservative Philosoph Sir Roger Scruton anführte. Tradition wird fortlaufend verachtet zugunsten von allem, was vordergründig modern und neu erscheint. Scruton argumentiert, daß die nihilistische Philosophie des Postmodernismus ein durchdringendes Gefühl der Verzweiflung widerspiegelt; daß es keine Bedeutung und keine Wahrheit gibt und alles nur Macht ist, die hinterfragt werden sollte. Architektur und Kunst beginnen einfach die Stilrichtungen der Vergangenheit zu reproduzieren – Schein-Tudor, Schein-Gregorianik – oder sie werden zu einem Spiel des bedeutungslosen „Die-Nase-Voraushabens“ wie man es in halbierten Kühen, leeren Räumen, die nur eine einzelne Glühbirne enthalten und ungemachten Betten sehen kann, alles als wegbereitende Kunst präsentiert. Die Menschen nehmen eine extrem humanitäre Ideologie an – in Gestalt des Multikulturalismus und kulturellen Marxismus, zumindest bis zum Beginn einer zweiten Religion. Diese sind, wie Postmodernismus und populistischer Nationalismus, anti-rationale Ideologien und ihre Annahme sollte uns deshalb zeigen, wie weit g gefallen ist. Beide beinhalten klar unbezweifelbare Dogmen: Gleichheit ist das ultimative Ziel; diese Nation ist gegenüber anderen höherwertig. Politische Korrektheit zerschlägt nicht nur die Traditionen sogar noch weiter, sondern fördert die Verdrängung der ursprünglichen Population durch Außenstehende, die sich auf ebenjene Ideologie berufen, damit ihnen Einlaß gewährt wird. Die autochthone Bevölkerung schwindet. Wachsende Gebiete der betreffenden Nation werden nicht mehr länger von den Nachkommen jener bevölkert, die diese Zivilisation in ihren vorherigen Jahreszeiten errichtet hatten. Dies wurde im Vereinten Königreich durch den Demographen David Coleman von der Universität von Oxford hervorgehoben.

In seinem „kontroversen“ Buch The Strange Death Of Europe bezeichnet der britische Journalist Douglas Murray diesen Zustand als eine Art von „Burnout“. Nachdem wir unseren religiösen Glauben verloren hatten, experimentierten wir mit verschiedenen ideologischen Platzhaltern aber diese brachen am Ende alle zusammen. Kunst reflektiert diese Mutlosigkeit: „Sie hat es aufgegeben, sich mit etwas wie dem Geist der Religion zu verbinden…“ Populärliteratur, bemerkt Murray, scheint sich auf hedonistische Verzagtheit zu konzentrieren. Eine der Kapitelüberschriften in Murray’s Buch scheint einzufangen, was es bedeutet, dergleichen zu durchleben. Sie nennt sich schlicht: „Das Gefühl, als ob die Geschichte abgelaufen ist.“

Wir können eventuell Parallelen zwischen dem Kulturmarxismus und der Stellung der säkularen Philosophie im Fall von Rom erkennen. Das Resultat davon ist ein anhaltender Zustand ethnischen Konflikts in zunehmend diversen westlichen Nationen und massiver Immigration in diese, was die Finanzelite als eine gute Sache betrachtet, weil es die Arbeitskosten niedrig und die Bevölkerung gespalten hält, was der Elite erlaubt, ihre Macht zu sichern. Erneut haben Forscher aus den betreffenden Bereichen einen Anstieg ethnischer Konflikte in westlichen Ländern betont, der hauptsächlich durch zunehmende ethnische Diversität zu erklären ist, und daß die Einwanderung die Löhne unten hält, besonders die der gering Qualifizierten.

Die Fürsprache der Elite für diese Ideologie, und den Multikulturalismus im weiteren Sinne, ist Teil der Basis für ihren moralischen Status, deshalb fürchten sie diejenigen, die die breite Masse davon überzeugen würden, dass Multikulturalismus nicht akzeptiert werden sollte.

Allerdings sind da auch diejenigen, die das gemeine Volk wieder mit einem Sinn für Bedeutung erfüllen wollen und es als ein Mittel zum Machtgewinn für sich selbst nutzen. Das gemeine Volk hat sein Vertrauen in die Demokratie verloren und nutzt Wahlen als Mittel, ebenjener Elite seine Verachtung zu demonstrieren. Es könnte sogar dahingehend argumentiert werden, daß die Abstimmung für den Brexit ein Ausdruck dieses Prozesses ist. In der Tat ist es unter den politischen Kommentatoren weithin akzeptiert, daß dies eine Kerndimension beim Brexit darstellt. Es ist durchaus unklar, was die „Zweite Religiosität“ begründet, obgleich wir dieses Stadium, wenn Spengler richtig liegt, nun erreicht haben sollten. Eine Möglichkeit ist, daß eine Form des Traditionalismus sein wird, in dem das Christentum ein zugehöriger Teil ist. Aus philosophischer Sicht ist Traditionalismus die Überzeugung, daß endgültige Wahrheit göttlicher Offenbarung entspringt. Ist das der Fall, wäre die Tatsache, daß etwas eine Tradition in einer religiösen Gesellschaft ist, eine Bestätigung davon. Das ist eindeutig sehr verschieden vom Romantischen Nationalismus, in welchem es keinen innewohnenden Glauben an eine metaphysische Wirklichkeit gibt. Möglicherweise könnte man argumentieren, daß der europäische populistische Nationalismus diesem Traditionalismus entspricht. Die Essenz dieser Bewegungen ist, daß Tradition (letztlich religiös sanktioniert), etwas positives ist weil sie die Grundlage der Gesellschaft darstellt, Tradition ist bedroht, Tradition muß geschützt werden und wenn wir das tun, werden wir ein besseres Leben führen. Wir können das im wesentlichen tun, indem wir uns mit der religiösen Tradition, auf welcher sich die Gesellschaft begründet, wieder verbinden. Tatsächlich müßten wir, dieser Philosophie entsprechend, uns dazu zwingen, religiös zu sein.

Eine andere, nicht unverwandte, Möglichkeit ist, daß es sich als eine Art umfassende Wiederbelebung konservativem Christentums manifestiert. Die britische Religionshistorikerin Karen Armstrong argumentierte, daß es das ist, was sich in den USA, von den 70ern aufwärts, in Erscheinung trat. Eine andere Möglichkeit wäre sogar eine Annahme des verbreiteten, im Christentum innewohnenden Glaubens, daß „Weisheit im Osten zu finden ist“. Also könnte es sich in der verbreiteten aber authentischen Umarmung einer Form von östlicher Religiosität manifestieren. Beides könnte gewissermaßen als Manifestation von Traditionalismus betrachtet werden. Spengler bemerkt, daß die Mysterienkulte, welche selbst oft östliche Ursprünge hatten, als vage Hobbies der Leute begannen, bevor sie voll angenommen wurden. Viele Westler gehen heute beispielsweise mit dem Buddhismus auf vergleichbare Weise um. Die Zivilisation fährt jedoch damit fort, jenseits dieses „Silver Age“ zu schwinden. Schließlich ist die Gesellschaft so geschwächt und verzagt, daß sie ohne Weiteres von einer Gesellschaft eingenommen werden kann, die über jugendlichen Elan verfügt, vielleicht die islamische Welt, Rußland oder China. Dies sind natürlich Gesellschaften, die sich später industrialisierten als der Westen, und in denen sich die Selektion von g erst in jüngerer Zeit umkehrte. Nochmal, dies ist nicht lediglich unsere Vermutung. Andere, die diesen Sachverhalt detailliert untersucht hatten, haben dasselbe prognostiziert.

Sicher, dieses Kapitel setzt sich aus möglichen Parallelen und Mutmaßungen zusammen. Auf zugänglichen Belegen gegründet, erscheinen diese jedoch nicht unangemessen oder gar an den Haaren herbeigezogen und viele werden ernsthaft von akademischen Experten in den zugehörigen Fachgebieten debattiert. Es besteht eine solide Grundlage um dahingehend zu argumentieren, daß die Westliche Zivilisation den Phasen gefolgt ist, die von Spengler abgesteckt wurden, und daß sie jetzt in ihren Winter eintritt. Das ist mehr als Spekulation. Es bestehen zumindest Gründe zur Annahme. Und die sind nicht von der unüberzeugenden Art.

Nachtrag: Über die Autoren

Edward Dutton ist ein freischaffender Wissenschaftler und Autor. 1980 in London geboren, lebt er in Oulu in Nordfinnland. Dutton wurde an der Universität von Durham, wo er 2002 in Theologie graduierte, und der Universität von Aberdeen, wo er im Jahr 2006 seinen Doktor in Religionswissenschaft erhielt, ausgebildet. Seine Doktorarbeit bestand aus einer Studie von evangelikal-christlichen Studenten auf Grundlage von Teilnehmender Beobachtung. Dutton war Gastwissenschaftler an der Universität von Leiden in den Niederlanden, Gastwissenschaftler an der Universität von Umeå in Schweden und ist wissenschaftlicher Berater der König Saud Universität in Saudi Arabien. Duttons weitere Bücher umfassen: Meeting Jesus at University; Rites of Passage and Student Evangelicals (Ashgate, 2008; Routledge, 2016), The Finnuit: Finnish Culture and the Religion of Uniqueness (Akademiai Kiado, 2009), Religion and Intelligence. An Evolutionary Analysis (Ulster Institute for Social Research, 2014) und The Genius Famine: Why we need Geniuses, Why They’re Dying Out and Why We Must Rescue Them (University of Buckinham Press; 2015; gemeinsam mit Bruce Charlton). Über Duttons Forschung wurde weltweit in der Presse berichtet und er wurde interviewt von BBC Radio, dem französischen Kanal Arte und in Zeitungen einschließlich The Guardian, The Telegraph, The Times und Le Monde. Er hat für Zeitungen wie The Guardian, The Telegraph und The Times Higher Education geschrieben. In seiner Freizeit erfreut sich Dutton an Genealogie und hat über diesen Gegenstand breit veröffentlicht, so etwa sein Buch The Ruler of Chesire: Sir Pieres Dutton, Tudor Gangland and the Violent Politics of the Palatine (Leonie Press, 2015). Er ist mit einer finnischen lutherischen Priesterin verheiratet und hat zwei Kinder.

Michael A. Woodley of Menie, Yr. wurde 1984 in Guildford im Süden Englands geboren. Er erlangte seinen Bachelor-Abschluß an der Columbia Universität, New York, mit Vertiefungsrichtung Evolution, Ökologie und Umweltbiologie. Seine Doktorarbeit befaßte sich mit der molekularen Charakterisierung von Aspekten der Ökologie des Lebenszyklus der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana und wurde an der Universität von London (Royal Holloway) unternommen. Kurz nachdem er seine Arbeit fertiggestellt hatte, wechselte Woodley of Menie seinen Schwerpunkt von der pflanzlichen zur menschlichen evolutionären und verhaltensbezogenen Ökologie. Seine Interessengebiete umfassen die Theorie von Lebenszyklen und Persönlichkeit, Primatologie und die Evolution der allgemeinen Intelligenz. In Bezug auf das Letztere ist er vielleicht am bekanntesten, da er viele der Forschungsarbeiten, die zeigen, daß die durchschnittliche allgemeine Intelligenz im Rückgang begriffen ist, in einem Ausmaß selbst geleitet hat, daß in akademischen Kreisen sogar der Begriff „Woodley Effekt“ dafür vorgeschlagen worden ist, solche Trends zu beschreiben. Woodley of Menie ist Angehöriger des Leo Apostel Zentrums für interdisziplinäre Studien an der Vrije Universität Brüssel in Belgien. Er war Co-Autor der akademischen Monographie Historical Variability in Heritable General Intelligence (University of Buckingham Press, 2013), und deren Fortsetzung The Rythm of the West: A Biohistory of the Modern Era AD 1600 to the Present (Journal of Social, Political and Economic Studies, occasional monograph series, no. 37). Woodley of Menie hat seine Forschung öffentlich in verschiedenen Medien erörtert, einschließlich nationaler und internationaler Zeitungen wie The Times und The Telegraph und ebenso in verschiedenen Radio-, Fernseh- und Internet-Formaten wie BBC Radio, Al-Jazeera und The Stefan Molyneux Show.

(Ebenfalls entnommen aus dem vorgestellten Werk)

7 Gedanken zu “Soziale Zyklen und spenglersche Jahreszeiten, Teil 2.

  1. Monk

    Meine Hochachtung, ob deiner Erkundungen jener Möntschheitstragödie, sei dir jedenfalls gewiss. Hat er mal wieder eine extraordinäre Arbeit abgeliefert, der Herr Laibacher.

    Im Schwäbischen heißt es ja landläufigerweise: „wer net motzt-dr hat scho globt.“
    Als Grobschlosser, der ich nunmal gelegentlicherweise einer bin, muß ich hiermit auch mal loben tun!

    Nochmal:

    Ich erachte die Betrachtung jener Thematik für den ganz großen Wurf, weil sie aufzeigen kann was in Ordnung zu bringen wäre und weil genau dieses Thema den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, sich selbst zu hinterfragen ob ich überhaupt in Brüchen zu rechnen gewillt bin.

    „…Jahrhundert der Geschwindigkeit!, tönen sie. Wo denn? Große Umwälzungen!, erzählen sie. Wie denn? In Wahrheit bleibt alles beim Alten. Sie bewundern sich selber die ganze Zeit, fertig.“

    Ja, genau – und somit interpretierte dies halt einjeder nach seiner Fasson.

    Verstosch, Kerle?

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    1. Übrigens könnte man dem Herrn Celine sein eigenes Zitat um die Ohren hauen, z.B. wenn man sich seine „verrufenen“ und zensierten „exterminatorisch-antisemitischen“ Pamphlete wie „Bagatelles pour un massacre (Trifles for a Massacre)“ anschaut. Dazu muß man aber schon sehr talibanmäßig verallgemeinern und es vor allen schwer nötig haben…^^

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  2. „…Jahrhundert der Geschwindigkeit!, tönen sie. Wo denn? Große Umwälzungen!, erzählen sie. Wie denn? In Wahrheit bleibt alles beim Alten. Sie bewundern sich selber die ganze Zeit, fertig.“

    *
    Klar, nur auf unterschiedlichem g-Level…^^

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    1. Monk

      Aber sicher doch, Laibacher.

      Schutzbehauptungen sind auch immer ein Indiz an dem sich eine fortgeschrittene Dekadenz festmachen lässt.
      Um die ewiglich verherrlichte Selbstbeobachtung strampelte man sich, im Rahmen eines rangdünkelnden Marathonlaufes, schon immer gern die Gehirnzellen ab. Das ist mir doch völlig klar.

      Die Frage die sich diesbezüglich aufwirft, ist doch Folgende:

      Was erwartet mich am Ziel?

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      1. „Was erwartet mich am Ziel?“

        Die „Wiederkehr des Immergleichen“?

        Überhaupt: was von „ewiglich verherrlichte Selbstbeobachtung“ schwadronieren und dann ich, ich, ich, ich: „Was hab ich davon?“ „Alle Scheiß-Homosapiens außer MICH latürnich!“ Nicht in der Lage, sich mal einigermaßen wertfrei auf Gedanken und Theorien einzulassen, die eventuell am eigenen Weltbild kratzen, diese meta-mäßig zu betrachten, nein, sofort muß rumgekrittelt und gewertet, der als „überbewertet“ abgekanzelten Intelligenz eine friedliche Dorfdeppenidylle entgegengesetzt werden, obwohl die Realität offensichtlich eine dem entgegengesetzte ist, je dümmer desto stressiger und gewalttätiger. Auch fehlt die Einsicht, daß hier eventuell transformatorische Kräfte am Werk sind, die sich der Bewußtseinsebene des Individuums entziehen, wie etwa die Umkehr der g-Selektion als deren Folge, wonach ab einem bestimmten Level Individuuen das Leben und die Vermehrung ermöglicht wird, die vorher unter den Rädern der darwinistischen Auslese zermalmt worden wären! Ebenso sind die Maßnahmen der g-Selektion meist wohl nicht bewußter Natur gewesen, um die Intelligenz hochzuzüchten, sondern dienten konkret dazu, Elend für sich, die Angehörigen und Nachkommen und die Gemeinschaft abzuwenden. Es hatte schon seinen Sinn, daß etwa im Mittelalter das Recht auf Vermehrung an Landbesitz geknüpft war, man hatte wohl die Erfahrung gemacht, daß die unreglementierte Vermehrung schnell zu Massenelend oder zumindest „hässlichen Bildern“ führen kann (noch im 18. Jahrhundert konnte der Flaneur in London Babies im Rinnstein sehen, die von ihren Müttern dort entsorgt wurden, im alten Rom häuften sich zeitweise solche Kadaver in den Müllgruben). So ist es auch völlig einleuchtend, daß schon ein Hirtennomade seine Tochter, in deren Aufzucht er investierte, nur an jemanden verheiraten möchte, der erstmal mittels des entsprechenden Brautpreises nachweisen kann, daß er in der Lage ist, nicht nur sich selbst, sondern auch Frau(en) und Kinder zu ernähren! Es ist eine Grundlage der STUDIERFÄHIGKEIT, solche Mechanismen und ihre Auswirkungen erstmal wertungsfrei zu betrachten und zu verstehen, anstatt aus der Hüfte ballernd wertend rumzuposaunen! Aber was schrubbe ich da, „g“ is obviously in decline!

        Btw.: Celine hatte latürnich coole Quotes drauf, aber wir sind hier keine Taliban, nicht wahr?

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  3. Übrigens empfand ich „Queensryche“ schon immer als ungenießbaren Schwulst, von „Frida Gold“ ganz zu schweigen, „was sollen wir träumen so wie wir sind, uhuhuu…“ – auch so ein Zeichen für g- …

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  4. Monk

    Die sogenannte Wiederkehr des Immergleichen ist zunächst einmal eine Wertung, welche sich aus einem studierten Weltbild ergibt und scheint mir dein treuer Wegbegleiter zu sein. Nichts dagegen. Deine Angelegenheit.
    Das eigene Weltbild ist daher immer im Kontext mit anderen Weltbildern zu begreifen, auch und gerade, wenn es der momentanen eigenen Bewusstseinsebene nicht auf den ersten Blick plausibel erscheinen mag.

    Ennio Morricone über lautlose Musik:

    “Ich glaube, Schach ist das beste Spiel, weil es eben nicht nur ein Spiel ist. Alles steht auf dem Spiel: die Regeln der Moral, des Lebens, es geht um Vorsicht und die Entschlossenheit, ohne Blutvergießen zu kämpfen, den Willen zu gewinnen und zwar korrekt – mit Talent anstelle von reinem Glück. Ja, wenn man diese kleinen hölzernen Figuren in den Händen hält, dann werden sie mächtig, denn sie absorbieren die Energie, die man bereit ist, auf sie zu übertragen. Schach ist lebendig und voller Kampf. Es ist der gewalttätigste Sport, den man sich vorstellen kann, man kann es mit Boxen vergleichen, allerdings ist es sehr viel ritterlicher und raffinierter.“

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