Kann der Einfluss der Kirche den westlichen Individualismus erklären?

Kommentar zu “The Church, Intensive Kinship, and Global Psychological Variation,” von Jonathan F. Schulz et al.

Von Kevin MacDonald, ursprünglich erschienen am 24. November 2019 auf „The Occidental Observer“, demütig übersetzt von B-Mashina.

MacDonald zerpflückt hier, der Ansicht des Erzählers nach nicht gänzlich ohne Widersprüche, aber insgesamt recht überzeugend, die Theorie von Schulz et al., denen zu Folge die individualistisch geprägten Kulturen Westeuropas auf den Einfluss der katholischen Kirche zurückgehen würden, welche mit ihren Verboten bezüglich Inzest und Verwandtenehe die vormals herrschenden Klanstrukturen aufgelöst habe, was ein gelindes Rascheln im Blätterwald von taz bis FAZ nach sich zog. MacDonald stellt dabei den Kernaussagen der Arbeit von Schulz et al. seine eigenen Ansätze aus seiner jüngst erschienen Abhandlung zur Frage der Genese des für europäisch geprägte Gesellschaften charakteristischen Individualismus gegenüber.

Germanische Ratsversammlung. Relief an der Mark-Aurel-Säule zu Rom.
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Aufgrund seiner Einzigartigkeit stellt der westliche Individualismus eine einschüchternde Fragestellung für Gelehrte und insbesondere für eine Theorie, die auf Evolutionspsychologie basiert, dar. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, innerhalb einer evolutionäre Perspektive zu versuchen, Einzigartigkeit zu verstehen. Eine ist es, davon auszugehen, dass eine einzigartige evolutionäre Umwelt zu genetisch basierter Einzigartigkeit führt; die andere gründet sich auf der Annahme, dass universale psychologische Mechanismen mit speziellen kulturellen Kontexten interagieren. “The Church, Intensive Kinship, and Global Psychological Variation” von Jonathan Schulz et al. ist ein Beispiel für Letzteres. Es präsentiert eine Theorie des westlichen Individualismus in welcher der kulturelle Kontext, der von der mittelalterlichen katholischen Kirche geschaffen wurde, insbesondere die Verbote bezüglich der Verwandtenheirat, eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der individualistischen Psychologie des Westens spielt. Genaugenommen versucht die Arbeit „einen wesentlichen Anteil“ der Variation psychologischer Eigenschaften, die im allgemeinen als charakteristisch für Individualismus gelten („Individuell, unabhängig, analytisch denkend, auf unpersönliche Weise prosozial [beispielsweise Vertrauen gegenüber Fremden] während gleichzeitig geringe Konformität, Gehorsam, In-Group-Loyalität und Nepotismus gezeigt werden“) mit der Exposition gegenüber der mittelalterlichen westlichen Kirche zu erklären.[1] Innerhalb dieses kulturellen Rahmens gibt es keinen Versuch, die Beweggründe der Kirche für das Schaffen dieses kulturellen Kontextes in den Begrifflichkeiten spezieller psychologischer Mechanismen darzulegen.

Diese Fragestellungen überschneiden sich mit einem Großteil der Erörterung in meinem kürzlich veröffentlichtem Individualism and the Western Liberal Tradition: Evolutionary Origins, History, and Prospects for the Future. Meine Theorie basiert jedoch auf dem Ansatz, dass die westliche Einzigartigkeit letztlich von den einzigartigen angestammten Lebensräumen in Nordwesteuropa herrührt, mit Betonung auf einer nord-südlichen genetischen Kline [[Link vom Übers.]] im relativen genetischen Beitrag von nördlichen Jägern und Sammlern, Indo-Europäern und frühen Ackerbauern aus dem Mittleren Osten. Während Schulz et al. ein weites Spektrum von Variablen prüfen, untersuchen sie weder die regionalen genetischen Differenzen innerhalb Westeuropas, die von der aktuellen Genforschung enthüllt wurden (besprochen in meinem Kapitel 1), noch begutachten sie die Forschung von Familienhistorikern, die auf eine bedeutende regionale Variation innerhalb Westeuropas hinweisen, die nicht mit der Exposition zur westlichen Kirche übereinstimmt (besprochen in meinem Kapitel 4).

Ich erörtere durchaus den Einfluss der Westlichen Kirche, folgernd, dass der kirchliche

Einfluss darauf abzielte, die westliche Kultur dahingehend zu verändern, dass sie sich von ausgedehnten Verwandtschafts-Netzwerken und anderen kollektiven Institutionen entfernte, dabei letztendlich motiviert von dem Verlangen, die eigene Macht auszuweiten [analysiert als eine sich entfaltende „Humane Universale“]. Aber obwohl die Kirche den Individualismus gefördert und zweifellos die westliche Kultur in diese Richtung beeinflusst hat, baute dieser Individualismus auf individualistischen Tendenzen auf, die dem Christentum lange vorausgingen und deshalb auf ethnische Tendenzen in Richtung eines Individualismus, wie er spezifisch für europäische Völker ist, zurückzuführen waren. (Kapitel 1–4). [Aus Kapitel 5, 170]

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Meine Herangehensweise kombiniert also prähistorische natürliche Auslese bezüglich individualistischer Psychologie mit speziellen kulturellen Kontexten. Einer davon ist der Einfluss der Katholischen Kirche, letzterer als auf vorausgehenden Tendenzen aufbauend interpretiert. Mein Kapitel 5 über die mittelalterliche Kirche erörtert auf der Grundlage von Daten, vergleichbar mit denen, die von Schulz et al. zitiert werden, dass die Kirche Individualismus förderte – und womöglich die Etablierung von Individualismus beschleunigt haben könnte, ihn aber nicht verursacht hat. Unter Berücksichtigung, dass Schulz et al. in Anspruch nehmen, nur eine Teilerklärung erreicht zu haben, gibt es da also keine grundlegende Meinungsverschiedenheit. Jedoch versuche ich hier, basierend auf meinem Verfahren, aufzuzeigen, warum Exposition zur mittelalterlichen Kirche eine unzureichende Erklärung für psychologischen Individualismus im Westen ist.

Es gibt vieles, das unsere Denkansätze gemeinsam haben. Insbesondere heben sie hervor, dass Verwandtschaftsbeziehungen zentral für das Verstehen menschlicher Gesellschaften sind und dass der allgemeine Trend sich von ausgedehnten Verwandtschaftsbeziehungen, typisch für Jäger und Sammler weltweit, (i.e. relativ schwache Bindungen zu vielen Individuen von variierender genetischer Distanz – erörtert in meinem Kapitel 3) zu intensiven Verwandtschaftsbeziehungen (i.e. Verwandtschaft tief verwurzelt zwischen nah verwandten Gruppen, im allgemeinen Klane und persönliche Verwandtschafts-Netzwerke mit einer ausgeprägten Hierarchie basierend auf dem Grad der genetischen Verwandtschaft) verlagert hat, wie man sie gewöhnlich in Ackerbaugesellschaften vorfindet.

Allerdings präsentiere ich außerdem Belege dafür, dass der westliche Individualismus von genetischen Unterschieden beeinflußt wurde, die typisch für die Völker Westeuropas sind. Ich zeige auf der Grundlage von historischen und gegenwärtigen populationsgenetischen Daten, dass eine genetische Kline vom Norden zum Süden in Westeuropa besteht, in welcher die Gene von Jägern und Sammlern (und indo-europäisch-stämmige Gene; siehe unten) im Norden Europas stärker verbreitet sind. Bedeutend ist, dass die nordeuropäischen Jäger und Sammler ihre relativ extensiven Verwandschaftsstrukturen beibehielten während sie dessen ungeachtet komplexe Gesellschaften mit enormen Populationen schufen, die in der Lage waren, den Ackerbau für 2000-3000 Jahre fernzuhalten, wider die Bauernkultur, die ihren Ursprung bei den relativ kollektivistischen frühen Ackerbauen hatte, welche, aus dem Mittleren Osten kommend, vor etwa 8500 Jahren in Südeuropa eintrafen.[2] Gebiete in Westeuropa mit einer größeren Repräsentation von Genen früher Ackerbauern (e.g. 90 Prozent in Sardinien und im Süden von Frankreich höher als im Norden) weisen relativ kollektivistische Familienstrukturen auf, was sich in die Gegenwart hinein fortsetzt.

Das Hauptargument ist, dass traditionelle agrikulturelle Gesellschaften die auf intensiver Verwandtschaft basieren um zu verteidigende Ressourcen herum zentriert waren, etwa große Flusstäler wie denen des Yangtse, Nil und Euphrat, dazu geeignet, ganzjährig von einer Verwandten-Gruppe verteidigt zu werden. Dies war im im Norden Europas nicht möglich. Gruppen scharten sich für einen Teil des Jahres an einer hochproduktiven Ressource zusammen – der Meeresküste und ihrem Angebot an Schalentieren und anderem Meeresleben – waren aber für einenTeil des Jahres dazu gezwungen, sich in kleine familienbasierte Gruppen zu zerstreuen.[3][4]   Und wegen des relativ unwirtlichen nördlichen Lebensraumes kam es zur Selektion einer Reihe von psychologischen Merkmalen, die der väterlichen Versorgung der Nachkommen förderlich waren: bilaterale Verwandtschaftsbeziehungen und Monogmie (Paarbindung), wohingegen Polygynie (von Schulz et al. als Marker für klanbasierte Kulturen anerkannt) von wohlhabenden, mächtigen Männern, fähig Haushalte zu begründen, bestehend aus multiplen, nah verwandten Familien, ökologisch unmöglich gewesen wären. Während die Position eines Individuums in Gesellschaften, die auf intensiver Verwandtschaft basieren, vom Status innerhalb eines stark hierarchischen Verwandtschafts-Netzwerkes bestimmt wird, sind Jäger-Sammler-Kulturen viel egalitärer, mit starken Schranken gegen despotische Führung. Darüber hinaus, wie Michael Burton et al. bemerkten, umfasst das zirkumpolare kulturelle Areal neben Nordeuropa auch eine diverse Gruppe aus nördlichen Kulturen (e.g. Japan, Korea, die Inuit, Lappen), die zu bilateralen Verwandtschaftsbeziehungen tendiert, was eine Reihe von extensiven Verwandtschaftsbeziehungen zur Folge hat.[5] Schulz et al. betrachten bilaterale Verwandtschaftsbeziehungen korrekt als einen Aspekt von extensiven Verwandtschaftsbeziehungen, aber ich interpretiere die Daten dahingehend, dass sie eine naturwüchsige, genetisch beeinflusste, klimabasierte Theorie der Verwandtschafts-Intensität eher stützen als dass sie auf einen Einfluss der Kirche zurückzuführen sind, wenn man es als gegeben nimmt, dass bilaterale Verwandtschaftsbeziehungen auch in nördlichen nicht-westlichen Gesellschaften auftreten.

Schulz et al. nehmen auch nicht zur Kenntnis, dass präexistente Tendenzen in Richtung extensiver Verwandschaftsnetzwerke unter nördlichen Jägern und Sammlern sich bis in die Gegenwart hinein fortsetzen. Sie nehmen ebenfalls bestimmte Eigenschaften indoeuropäischer Kultur, so wie sie sich in Europa entwickelte, nicht zur Kenntnis, die gegen eine starke Rolle intensiver Verwandtschaftsbeziehungen sprechen (erörtert in meinem Kapitel 2). Die indoeuropäisch begründeten Kulturen, die Europa bis zur protestantischen Reformation und dem Niedergang der Aristokratie dominierten, waren ein Gemisch von „armenoiden“ nahöstlichen Völkern (48-58 Prozent)[6] mit drei nördlichen Jäger-und-Sammler-Gruppen: Jägern und Sammlern aus dem Kaukasus, urtümlichen Nord-Eurasiern (einschließlich Sibiriens) und östlichen Jägern und Sammlern (Kapitel 1). Indoeuropäisch-stämmige Kulturen basierten nie auf dem Klan-Typ intensiv verwandtschaftsorientierter Kulturen, wie sie etwa im nahen Osten üblich sind:

In der Dschāhilīya [[Link durch den Übersetzer]] und der frühen islamischen Dichtkunst finden wir Männer, Frauen und Kinder, die sich selbst nicht als Individuen sondern als Verwandte bezeichnen. Kurz gesagt war jemand entweder ein Oasen-Bewohner oder in den Hochländern des Jemen ansässig, ein Hirtennomade oder jemand, dessen Lebensweise irgendwo zwischen seßhaft und nomadisch fiel, es war Verwandtschaft – jemandes Familie, jemandes Klan, jemandes Stamm – die definierte, wer jemand war. Das Thema Verwandtschaft bleibt selbst in den kosmopolitischen urbanen Welten des mittelalterlichen Damaskus, Bagdad, Kairo und anderswo wichtig. Dies setzt sich in vielen islamischen Gesellschaften heutzutage fort.

Die indoeuropäische Kultur beinhaltete vielmehr wichtige Elemente des freien Marktes mit einer starken Gewichtung der Gegenseitigkeit innerhalb der Gruppe und Instanzen oberhalb der Ebene von verwandtschaftsbasierten Gruppierungen. Aufwärtsmobilität hing von militärischem Talent ab, insbesondere von der Fähigkeit, Gefolgsleute anzuwerben, die in der Lage waren, effektiv Territorien zu erobern und zu halten, nicht von Verwandtschaftsbeziehungen. Individualistischer Wettbewerb um dauerhaften Ruhm und Ehre war ein definierendes Merkmal. Wie Ricardo Duchesne bemerkt, waren indo-europäische Helden im alten Griechenland oder anderswo an erster Stelle Individuen – Männer, die sich von anderen durch ihre Leistungen im individuellen Streben nach Ansehen abgrenzten, wie diese Zeilen aus Beowulf zeigen:

Da wir alle damit rechnen müssen, unser Leben auf dieser Erde zu verlassen, müssen wir uns einen gewissen Ruf verdienen, / wenn wir können, bevor wir sterben; Wagemut ist das Ding / für einen kämpfenden Mann, an das man sich erinnert. /… Ein Mann muss so handeln / wenn er in einem Kampf darum kämpft, sich einen dauerhaften Ruhm zu verschaffen; Es ist nicht das Leben, an das er denkt.[7] [Aus Kapitel 2, 46–47]

Demnanch war, innerhalb der Männerbünde, „die Bruderschaft der Krieger, durch einen Eid miteinander und mit ihren Ahnen verbunden, während eines feierlich angeordneten Kriegszugs,“[8] Status bestimmt durch militärisches Talent, nicht durch Verwandtschaftsbeziehungen. In so einer Kultur spielte intensive Verwandtschaft bestenfalls eine sekundäre Rolle – diese Kulturen entwickelten sich nie zu den klanbasierten Kulturen wie sie so typisch für einen Großteil des Rests der Welt sind. Obwohl Verwandtschaft eine gewisse Wichtigkeit beibehielt, existierten die Männerbünde auf einer höheren Ebene als verwandtschaftsbasierte Gruppen und wirkten teilweise dahingehend, Streitigkeiten unter diesen beizulegen.

Der aristokratische Individualismus der PI-E [Proto-Indo-Europäer] gründete sich auf Gegenseitigkeit, nicht Despotismus oder Verwandtschaftsbindungen. Zum Beispiel stand im Zentrum der PI-E Kultur die Praxis des Beschenkens als eine Belohnung für militärische Leistungen. Von erfolgreichen Anführern wurde erwartet, ihre Gefolgsleute ansehnlich zu belohnen. [9] Eidgebundene Abkommen über wechselseitige Beziehungen waren für PI-E charakteristisch und diese Praxis wurde von den verschiedenartigen I-E Gruppen, die in Europa einfielen, fortgesetzt. Diese Abkommen formten die Grundlage für Patron-Klient-Beziehungen, die auf Ansehen basierten – Anführer konnten loyalen Dienst ihrer Gefolgsleute und Gefolgsleute angemessene Belohnung für ihren Dienst für den Anführer erwarten. Dies ist entscheidend, weil diese Beziehungen auf Talent und Leistung aufbauen, nicht auf Ethnizität (i.e. Leute auf der Grundlage des Verwandtschaftsgrades zu belohnen) oder despotischer Unerwürfigkeit (wo Gefolgsleute im Wesentlichen unfrei sind). [Aus Kapitel 2, 35]

Eidgebundene Abkommen, Gegenseitigkeit und Ansehen – alles Marker für Individualismus – sind also entscheidend. Darüber hinaus wurden eroberte Völker nicht ausgelöscht, und, nach variierenden Zeiträumen, war üblicherweise Aufwärtsmobilität für Angehörige eroberter Völker möglich, falls diese über militärisches Talent verfügten. Die Mauern, die Eroberer von den Eroberten trennten was die Bestimmungen zu Heirat, Bürgerschaft und sozialen Status betraf, wurden letztlich durchbrochen – ein Marker für Individualismus weil, nochmals, individuelles Talent ausschlaggebend war, nicht Verwandtschaftsverbindungen. Zumindest innerhalb Europas errichteten indoeuropäische Eroberer keine Barrieren permanenter Separation gegenüber jenen, die sie erobert hatten; sie schufen kein soziales Gefüge, das auf intensiven Verwandtschaftsbeziehungen basierte und danach trachtete, sich selbst dauerhaft von denen, die sie erobert hatten, abzugrenzen, wie es beispielsweise im Alten Testament[10] dargestellt ist und im heutigen Israel gegenüber den Palästinensern fortdauert.[11] Beispielsweise absorbierte das alte Rom, eine prototypische Variante indoeuropäischer militarisierter Kultur, die Völker, die es besiegte, und rekrutierte sie für militärische Dienste, was Rom erlaubte, enorm zu expandieren. Allerdings gewannen die Angehörigen unterworfener Völker üblicherweise letztlich die Staatsbürgerschaft und viele errangen sogar hohen Status innerhalb der römischen Gesellschaft, übernahmen hier politische und militärische Ämter.

Aus der frühesten Periode der Republik gibt es Beispiele für die soziale Fluidität der römischen Aristokratie. Appius Claudius kam aus dem Land der Sabiner im Jahr 509 vor Christus nach Rom und wurde ein Mitglied des Patriziats. L. Fulvius Curvus aus Tusculum wurde 60 Jahre, nachdem Rom 381 v. Chr. Tusculum erobert hatte, Konsul. …

Offenheit gegenüber Fremden kommt auch darin zum Ausdruck, dass Latium, die nahegelegenen Ortschaften mit ähnlicher Sprache und Kultur einschließend, Rechte auf commercium (Besitz von Eigentum in anderen Städten), connubium (Heirat) und migrandi (Migration) besaß. Dies setzte eine Präzedenz für spätere Zeiten, wenn andere, nicht lateinische Völker mittels teilweiser Staatsbürgerschaft (civitas sine suffragio) in die römische Gesellschaft inkorporiert werden sollten. Diese konnten später zu voller Staatsangehörigkeit hochgestuft werden: e.g. wurden die Sabiner 268 v. Chr. von civitas sine suffragio zu voller Staatsangehörigkeit hochgestuft. Diese Offenheit gegenüber anderen Völkern war „ein Schlüsselelement in Roms späterem imperialen Erfolg.“ [internes Zitat aus Gary Forsythes „A Critical History of Early Rome; [12] aus dem Appendix zu Kapitel 2, 79, 80]

Demzufolge war die Durchlässigkeit von Gruppen ein definierendes Merkmal für indoeuropäisch-stämmige Kulturen, da Individuen die Freiheit besaßen, zu anderen Gruppen überzulaufen, bei denen sich eine größere Aussicht auf Erfolg bot. Ürsprünglich lag individualistischer Wettbewerb in militärischen Unternehmungen, aber später zeigten sich andere Formen von Wettbewerb, in welchen Gruppen durchlässig waren und Übertritt möglich war, einschließlich intellektueller Wettstreit, charakterisiert durch Gruppendurchlässigkeit, eine Grundvoraussetzung für Wissenschaft.

Ricardo Duchesne hebt Disputation als wesentlichen Bestandteil des wstlichen intellektuellen Diskurses hervor, analysiert in Termini des indoeuropäischen kulturellen Vermächtnissen von persönlichem Streben nach Ruhm. [13] Von den Anfängen im alten Griechenland war die intellektuelle Debatte intensiv wettbewerbsorientiert und die Individuen waren frei darin, sich von einem Gelehrten loszusagen wenn sie einen anderen ansprechender fanden. Intellektuelle suchten Anhänger nicht abhängig von bereits bestehenden Verwandtschaftsverhältnissen oder ethnischen Verbindungen, sondern vielmehr mittels ihrer Fähigkeit, Anhänger auf einem freien Markt der Ideen zu gewinnen, in welchem die Leute frei darin waren, zu anderen Standpunkten zu wechseln. So wie es Zugehörigen eines Männerbundes freistand, zu anderen Gruppen mit objektiv besseren Aussichten auf Erfolg überzulaufen, würde sich auch ein freier Markt der Ideen in eine Richtung von Argumenten und Ideen standardisieren, die anziehend für Andere sind, denen es frei steht, sich von ihrer Gruppe zu lösen während Gruppen hochgradig durchlässig sind. In einem sozialen Kontext bestehend aus Anderen, die auf ähnliche Weise frei darin sind, ihren Standpunkt zu wechseln, treten logische Argumente und vorausschauende Theorien über die Natur in den Vordergrund. (Aus Kapitel 9, 482-483)

Auf ähnliche Weise setzt Kapitalismus individualistischen ökonomischen Wettbewerb und die Fähigkeit von Individuen voraus, beim Einkauf bestimmter Produkte oder der Investition in geschäftliche Unterfangen zu wechseln, wenn sie eine bessere Gelegenheit finden.

Quellen und Ziele kirchlicher Macht

Schulz et al. sehen die Exposition gegenüber der westlichen Kirche als entscheidende Variable bei der Entwicklung des westlichen Individualismus und betonen die kirchlichen Regelungen bezüglich der Verwandtenheirat. Meine Erörterung des kirchlichen Einflusses ist viel breiter angelegt. Ich erörtere andere kirchliche Stategien die Individualismus begünstigten, als Allerwichtigstes die Vorstellung eines reproduktiven Altruismus kreiierten, indem sie das klerikale Zölibat durchsetzten und in Folge der Päpstlichen Revolution, beginnend im zehnten Jahrhundert und abgeschlossen durch das Hochmittelalter, die Korruption beseitigten. Diese Vorstellung war notwendig um die intensive religiöse Leidenschaft und Volksloyalität dieser Zeitspanne hervorzubringen, es infolgedessen der Kirche zu ermöglichen, erhebliche Macht über säkulare Eliten auszuüben, die sich davor fürchteten exkommuniziert zu werden und dadurch ihre Legitimität in den Augen ihrer Völker zu verlieren.

Einhergehend mit der Akzeptanz von Zölibat und Asketizismus bestand ein Anliegen, die Macht der Kirche auszuweiten – „eine mächtige Bewegung um die Herrschaft über alles gesellschaftliche Leben zu gewinnen und es geistlichen Ansichten entsprechend zu organisieren.“[14] Es ist dieser Drang, die eigene Macht auf Kosten anderer Quellen der Macht – Könige und die Aristokratie, ausgedehnte Verwandtengruppen – auszuweiten, der am besten das Verhalten der mittelalterlichen Kirche erklärt. Dieses Verlangen nach Macht ist eine „Humane Universale“, zur Gänze übereinstimmend mit evolutionärem Denken, ausgenommen, dass es in diesem Fall nicht von dem üblichen Beiwerk von Macht begleitet wird [wie es typischerweise in klan-basierten Kulturen anzutreffen ist]: Fortpflanzungserfolg und Kontrolle über Frauen. [Aus Kapitel 5, 186]

Kirchliche Strategien, gerichtet gegen die Macht säkularer Eliten, ausgerichtet auf Heirat als wesentliches Schlachtfeld, umfassten, neben Regeln bezüglich Verwandtenheirat, das Entwickeln von Ideologien und erzwingender sozialer Kontrolle, welche die Monogamie, das Verhindern von Ehescheidungen, das Verhindern der Erbfähigkeit von Bastarden unterstützen. Von besonderer Wichtigkeit war die Durchsetzung von Zustimmung als Grundlage für eine Heirat (nicht berücksichtigt von Schultz et al.). Zustimmung zur Heirat fördert eher eine individualistische Partnerwahl, basierend auf den Eigenschaften des Ehepartners, als ein familiäres Entwickeln von Strategien in welchem der Partner von den Eltern bestimmt wird, mit dem Resultat, dass „die Familie, der Stamm, der Klan dem Individuum untergeordnet werden. Wenn jemand tatsächlich zur Heirat entschlossen war, konnte er sich selbst seinen Partner wählen und die Kirche konnte die eigene Wahl rechtfertigen.“[15]

Die Kirche entwickelte ebenso Ideologien von moralischem Individualismus und moralischem Universalismus, die das Weltbild von natürlicher Hierarchie, wie es typisch für die antike Welt war, unterminierten und oft die aufstrebenden Städte als unabhängige Machtzentren, den Interessen von Feudalherren entgegengesetzt, ermutigten. Bezogen auf die Ideologie des moralischen Egalitarismus:

Kanonisches Recht … hatte einen ausgeprägten egalitären Tenor – Status, welcher in antikem Recht zentral war – war irrelevant. Ekklesiastische Ideologie förderte also die westliche liberale Tradition. Aristokraten und Gemeine unterlagen der selben Moral. Darüber hinaus wurde kanonisches Recht dazu eingesetzt, die Macht von Verwandten-Gruppen durch das Verwerfen des privilegierten Status von Zeugnissen, die von der Familie oder Freunden abgelegt wurden (was dazu geführt hatte, dass mehr mächtige Familien vorteilhafte Gerichtsurteile bekamen). [Aus Kapitel 5, 188; Hervorhebung im Original]

Es ist jedoch nicht der Fall, dass die Kirche die Monogamie als Norm für die westliche Ehe erfunden hat:

Während alle anderen wirtschaftlich fortgeschrittenen Kulturen der Welt durch Vielweiberei erfolgreicher Männer versinnbildlicht wurden, besaßen westliche Gesellschaften, beginnend mit den antiken Griechen und Römern und bis in die Gegenwart hinein, eine starke Tendenz zur Monogamie.[16] Somit kann man nicht sagen, dass die Katholische Kirche die Monogamie hervorgebracht hat, aber, wie in Folge beschrieben, nahm sie, zumindest während des Mittelalters, eine zentrale Rolle dabei ein, die Monogamie aufrechtzuerhalten.

Die Katholische Kirche war die Erbin der römischen Zivilisation, wo Monogamie tief in Gesetz und Sitten eingebettet war, und während des Mittelalters nahm sie es auf sich, die Monogamie der aufstrebenden europäischen Aristokratie aufzuerlegen.[17] Polygynie auf verhältnismäßig niederer Ebene (im Vergleich zu anderen auf intensiver Agrikultur basierenden Gesellschaften wie China, Indien, der Mittlere Osten und Mittelamerika), hat in Europa existiert und während des Mittelalters wurde dies zum Gegenstand von Konflikten zwischen der Kirche und der Aristokratie. Die Kirche war die „einflussreichste und wichtigste Regierungsinstitution [Europas] während des Mittelalters,“ und ein wesentlicher Aspekt dieser Macht über die säkulare Aristokratie bestand in der Regulation von Sexualität und Fortpflanzung.[18] [Aus Kapitel 5, 176-177]

Wie verbreitet war die Gefügigkeit gegenüber den Gesetzen der Kirche zur Verwandtenehe?

In Anbetracht der Bedeutung der den Inzest betreffenden Regelungen in der Darstellung von Schulz et al. ist es wichtig für sie zu zeigen, dass die Strategie der Kirche tatsächliche Effekte zeitigte – dass die Anzahl inzestuöser Ehen nach dem Aufstieg der Kirche von einem vorher bestehenden Niveau aus zurückging. Schulz et al. messen die Rate von Cousin/Cousinen-Ehen nur im zwanzigsten Jahrhundert, nicht während des Mittelalters.[19] Das Resultat davon ist, dass sie keine Daten zur Effektivität der kirchlichen Politik präsentieren, eine gravierende Lakune [[Link vom Übersetzer]] in ihrer Darstellung. Wenn nämlich Cousin/Cousinen-Heirat tatsächlich im Westen nie üblich war, besteht wenig Grund dazu, anzunehmen, dass den ausgeklügelten Regeln, die Verwandtenheirat ummantelten, eine entscheidende Rolle zukam. Wenn es sich so verhält, erscheint eine Darstellung, die naturwüchsige ethnische Tendenzen in Betracht zieht, als plausibler. Hier zitiere ich einige bedeutende wissenschaftliche Quellen, die darauf hinweisen, dass Exogamie im Westen die Norm war, mindestens seit den Römern und wahrscheinlich schon lange zuvor.

Vorausgesetzt, dass die indoeuropäischen Eroberergruppen auf räuberische, aus Männern bestehenden Trupps basierten (die Männerbünde), waren Ehen wahrscheinlich exogam. Diese Annahme wird gestützt durch die verhältnismäßig hohe Präsenz von indoeuropäischen (yamnaya-stämmigen) Y-Chromosomen in alter DNA aus der Schnurkeramiker-Kultur aus weiten Teilen Nordeuropas vor etwa 5000 Jahren[20] (Kapitel 1 und 2). Für Europa einzigartige Mutationen von Augen- und Haarfarbe sind wahrscheinlich eher auf sexuelle Selektion für die Ehe in Folge individueller Wahl der Eigenschaften des Partners zurückzuführen als auf Heirat mit Verwandten und strategische Planung der Familien,[21],[22] und ich argumentiere auf vergleichbare Weise für die größere Rolle von Liebe als Grundlage für Heirat im Westen verglichen mit Gesellschaften, die auf intensiven Verwandtschaftsbeziehungen basieren (Kapitel 3).

Das Weströmische Reich betreffend zitiere ich Brent D. Shaw and Richard P. Saller:

Es gibt starke Belege für eine Kontinuität der allgemeinen Praxis der Exogamie im Weströmischen Reich, von der vorchristlichen Periode (die ersten drei Jahrhunderte nach Christus) bis zur Ära der Etablierung des Christentums als Staatsreligion; endogamische Heirat war selten, wenn sie überhaupt in Erscheinung trat. Obwohl die Gesetze während der heidnischen Ära die Heirat unter Cousins/Cousinen erlaubten, waren Parallel- und Kreuz-Cousin-/Cousinenehen so selten unter Aristokraten wie es Parallel-Cousin-Ehen unter gewöhnlichen Bewohnern des westlichen Reiches waren. Folglich hatte der christliche Bann von Ehen innerhalb des sechsten Verwandtschaftsgrades geringe Auswirkungen. Die verstreute Struktur ihrer Besitztümer bot heidnischen Aristokraten keinen Anreiz, innerhalb der Familie zu heiraten um gefestigte Vermögen zu verteidigen; ihre finanziellen Interessen wurden durch das Heiraten innerhalb der selben Klasse gewahrt. Der Bann der Endogamie durch die Kirche sollte nicht als Teil eines Bestrebens interpretiert werden, die Übertragung von Eigentum innerhalb der Familie zu unterbrechen: Eine derartige Anstrengung war überhaupt nicht notwendig, weil heidnische Aristokraten seit Jahrhunderten das Testament dazu nutzten, ihren Reichtum breit zu verteilen. Die Kirche brauchte nur den Kaiser als wesentlichen institutionellen Begünstigten dieser Erbschaften zu ersetzen, um sich selbst zu bereichern.[23]

Wir fassen zusammen: Als sich die Kirche im vierten Jahrhundert daran machte, ein umfassendes Inzestverbot zu formalisieren, agierte sie nicht dahingehend, eine verbreitete Praxis von Endogamie unter nahen Verwandten im Weströmischen Reich zum Erliegen zu bringen. Tatsächlich verweist Augustinus in seiner Erörterung „Der Gottesstaat“ bezüglich der Ausweitung der den Inzest betreffenden Gesetze zu seiner Zeit klar auf das Gegenteil. Er sagt kategorisch, dass die Heirat zwischen Cousins/Cousinen schon immer raro per mores (`selten in der herkömmlichen Praxis´) gewesen sei, und das vor der Einführung der neuen Verbote.[24] [Zitiert in Kapitel 4, 128-129]

Des Weiteren merke ich an:

Welche Ratio man auch diesen Verboten durch die Kirche zugrunde legt, es gibt Belege dafür, dass die Aristokratie die geistlichen Gesetze befolgte [während des zehnten und elften Jahrhunderts]. Es gab im französischen Adel des zehnten und elften Jahrhunderts ziemlich wenig Eheschließungen unter Cousins/Cousinen, die näher als vier- oder fünfgradig miteinander verwandt waren.[25] Solche Praktiken schwächten die erweiterte Verwandten-Gruppe da der ausdehnte Raum für Verwandtenheirat die Solidarität in den erweiterten Verwandten-Gruppen durch die ausgrenzende „Stärkung des Blutes durch Heirat.“[26] unterband. Das Resultat war, dass sich biologische Verwandtschaft eher diffus im Adel verbreitete als dass sie sich in der Spitze konzentrierte. Die direkten Nachkommen einer Familie profitierten eher als die weitere Verwandtschaftsgruppe: „Männer in hohen säkularen Positionen … strebten danach, ihr Vermögen und ihre Familien zu konsolidieren, um sich, zum Nachteil der erweiterten Verwandtschaft, so viel wie möglich für ihre direkten Nachkommen zu sichern.“[27] [Aus Kapitel 5, 210-211]

Der bedeutende Punkt im obigen Abschnitt ist, dass die Aristokratie die Inzestgesetze im zehnten und elften Jahrhundert befolgte – nicht überraschend, wenn man zugrunde legt, dass die Kirche mit ihrer Kampagne zum Zwecke des Machtgewinns auf die Machtzentren der Elite zielte und nicht auf das gemeine Volk. Schließlich konnten Männer mit wenig Vermögen oder Macht kaum erwarten, polygyn zu sein oder Konkubinen zu besitzen, was beides gegen die geistliche Auffassung von Ehe verstoßen würde. Ich kenne keine Belege dafür, dass jene, die nur über bescheidenere Mittel verfügten, Eheschließungen innerhalb der sechs Verwandtschaftsgrade vermieden. Alle von C.B. Bouchard aufgeführten Fälle, in welchen die Kirche gegen Verwandtenehen vorging, waren innerhalb des Adels angesiedelt.[28] Zum Beispiel wurden die Könige der Capetien-Dynastie in Frankreich dazu gezwungen, russische Frauen zu akzeptieren und schließlich ihre Standards zu senken, um auch Töchter von Grafen und anderem niederem Adel zu billigen.

In den verhältnismäßig kleinen, isolierten Gemeinschaften des traditionellen Westeuropa – wo hochgradig begrenzte regionale Dialekte üblich waren und die Menschen über geringe Mobilität verfügten – heirateten die Leute in der Tat gezwungenermaßen innerhalb der lokalen Gemeinschaft und konnten deshalb kaum vermeiden, jemanden zu ehelichen, mit dem man einen Groß-Groß-Groß-Groß-Großvater gemeinsam hatte.

Elizabeth Archibalds Incest in the Medieval Imagination kontextualisiert diese Erkenntnisse weitergehend. In einem Kommentar, der eher auf die allgemeine Bevölkerung als auf den Adel zutrifft, merkt sie an, dass „In der Praxis der siebte Grad, der Umfang des Gedächtnisses und alle bekannten Verwandten wahrscheinlich für viele Menschen im Mittelalter fast dasselbe bedeuteten.“[29] Legt man zugrunde, dass die meisten Menschen zwangsläufig ihre Partner im lokalen Bereich suchten, wäre es unmöglich gewesen, die Gesetze der Kirche zu befolgen, da „… die Liste möglicher Partner, mit denen Sex verboten war, in vielen kleinen Gemeinschaften jeden potentiellen Partner umfasst haben dürfte…“[30] Zudem zeigt die Erörterung aktueller Fälle nur geringe Bedenken bezüglich der sieben Verwandtschaftsgrade aber große Betroffenheit was nahe Blutsverwandte (e.g. Onkel, Nichte) oder soziale Verwandtschaft [[ i.e. Stiefeltern – d. Ü.]] betrifft. Grundsätzlich:

Wie die Kirche auch versuchte, ihre Position zu rationalisieren und danach strebte, sie zu stärken, so ist doch aus der geistlichen Korrespondenz, Gerichtsaufzeichnungen und wohlbekannten Skandalen jener Zeit bekannt, dass die Gesetze von vielen Christen während des Mittelalters ignoriert oder eher ignoriert als beachtet oder um des persönliche Vorteils manipuliert wurden um das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe zu hintergehen. … Trotz der Bestimmtheit, mit der die Kirche auf ihren komplexen Regeln, wer wen heiraten darf, bestand, waren die geistlichen Autoritäten doch bemerkenswert nachsichtig bei der Interpretation vieler Teile der den Inzest betreffenden Gesetzgebung, insbesondere was eher entfernte Verwandte und soziale Verwandtschaften betraf. Es ist auch eindeutig, dass viele Menschen im Mittelalter kein besonderes Problem mit dem Bruch der Inzestgesetze, wie etwa der Heirat von Cousinen zweiten Grades hatten.[31]

Es ist bemerkenswert, dass nach dem zehnten und elften Jahrhundert die französische Aristokratie weithin dafür bekannt war, die Inzestgesetze zu missachten. Sich vollkommen bewusst, dass sie in den Augen der Kirche inzestuös heirateten, beriefen sie sich im Fall einer erwünschten Scheidung auf diese Gesetze. Das Befolgen der Gesetze im zehnten und elften Jahrhundert änderte ihre Psychologie nicht grundsätzlich. Darüber hinaus war dieser „bequeme Notausgang“ ein bedeutender Faktor für die Herabsetzung der erlaubten Verwandtschaftsgrade auf vier durch das Laterankonzil im Jahr 1215.[32]

Die Geographie des kirchlichen Einflusses

Bezüglich der zentralen Behauptung, dass die Zeitdauer des Einflusses der Kirche im Westen entscheidend für den Aufstieg des Individualismus war, merke ich in Kapitel 5 folgendes an:

Es gibt andere Gründe dafür, eine grundlegende ethnische Komponente des westlichen Individualismus und Egalitarismus hervorzuheben. Es gab beispielsweise bedeutende Unterschiede zwischen dem westlichen und dem östlichen Christentum und im westlichen Christentum selbst. Was das Letztere betrifft so war spätestens seit dem frühen Mittelalter die westliche Familienstruktur auf Nordwesteuropa beschränkt, insbesondere auf das vom Frankenreich, Britannien und Skandinavien umfasste Gebiet, aber nicht, so wie in Kapitel 4 hervorgehoben wird, auf die Region südlich der Loire im heutigen Frankreich, und schloss große Teile Europas außerhalb der Hajnal-Linie [[Link vom Übersetzer]] aus, obwohl diese dem westlichen Christentum zugehörig sind (e.g. Süditalien [obwohl ich das Argument von Schulz et al. akzeptiere, wonach Süditalien erst verhältnismäßig spät dem kirchlichen Einfluss unterworfen wurde – im elften Jahrhundert (S2.2,9) – dies ist viel früher als Schweden welches, zusammen mit anderen skandinavischen Ländern, die individualistischste Familienstruktur in Europa hat], Irland, die südliche iberische Halbinsel, Kroatien und Teile Osteuropas).[33] Der individualistischen Familienstruktur, die viele Gelehrte als wesentlich für das Verständnis des Aufstiegs des Westens ausgemacht haben, ist es also entgangen, bedeutende Teile des westlichen Christentums zu vereinnahmen.

Man könnte damit argumentieren, dass Unterschiede in der Familienstruktur durch die spätere Einführung des Christentums in Osteuropa erklärbar sind. Polen wurde zum Beispiel verhältnismäßig spät christianisiert (beginnend im zehnten Jahrhundert) verglichen mit Frankenreich (beginnend mit der Konversion von Clovis I im Jahr 496). Allerdings konvertierten skandinavische Gesellschaften, die die individualistischste Familienstruktur Europas aufweisen (siehe Kapitel 4), ebenfalls ziemlich spät. Zum Beispiel wurde Dänemark, das erste christliche skandinavische Land, erst nach der Konversion von Harald Blauzahn im Jahr 972 christianisiert.[34] Schweden folgte viel später, etablierte erst im Jahr 1264 eine Erzdiozöse und selbst dann erforderte die Auslöschung von heidnischen Praktiken und Glaubensvorstellungen noch weitere 150-200 Jahre.[35] Ethnische Unterschiede bieten eine weit unkompliziertere Erklärung.[36] [Aus Kapitel 5, 222]

Einige der Punkte in meiner Zusammenfassung des Materials zur Familienstruktur in Kapitel 4 mit zweckmäßigen Änderungen (in Klammern) können auch auf die Frage nach der Wichtigkeit des kirchlichen Einflusses bezogen werden.

Das zentrale Argument ist hier, dass die Ursprünge der einzigartigen europäischen Familienstruktur in biologischen Einflüssen liegen, die einer Kombination von indoeuropäischen Völkern, entstanden in den Steppen von Südosteuropa, und Jäger-und-Sammler-Völkern, deren evolutionäre Vergangenheit in Nordwesteuropa selbst liegt, entstammen.

1.

Die weitverbreite Praxis, Gehilfen in Haushalte von Nichtverwandten zu vermitteln, kann nicht in rein ökonomischen Begriffen als eine Reaktion auf mittelalterliche Grundherrschaft [oder den Einfluss der Kirche] gesehen werden. Es ist jedoch kompatibel mit komplexen Systemen nicht-verwandtschaftsbasierter Gegenseitigkeit wie sie bei Jäger-Sammler-Kulturen in unwirtlichen Lebensräumen beschrieben wurden (Kapitel 3) und auch charakteristisch für proto-indoeuropäische Kulturen und ihre Abkömmlinge (Kapitel 2) sind, was tausende von Jahren zurückreicht.

2.

Ebenso kompatibel mit naturwüchsigen Erklärungen, … Historiker sind nicht der Lage die Anfänge der individualistischen Familie genau zu datieren. Die Tatsache, dass Bräuche wie Monogamie, späte Heirat und individualistische Vererbungsmuster dem frühen Mittelalter [und damit dem Einfluss der Kirche] lange vorausgingen, legt nahe, dass die individualistische Familienstruktur in der evolutionären Geschichte der nordwesteuropäischen Völker verwurzelt ist. [Dies kontrastiert mit der Behauptung von Schulz et al. dass die Struktur der Kernfamilie, wie wir sie in Westeuropa vorfinden, ein direktes Resultat kirchlicher Regelungen ist.] …

3.

Die sehr unterschiedlichen Familienformen in Norwest- gegenüber einem Großteil von Südeuropa (Südfrankreich eingeschlossen) bestanden weiter trotz der selben Religion (bis zur Reformation) und trotz Grundherrschaft [und dem Einfluss der Kirche] in beiden Regionen als Resultat der Eroberungen durch die Franken.

[Dies steht im Widerspruch zu Schultz et al, die ganz Frankreich wegen seiner Inkorporation in das Großreich der Franken (siehe ihre Darstellung 1A) in die selbe Kategorie von kirchlichem Einfluss stecken – trotz der sehr deutlichen Unterschiede zwischen relativ individualistischen (Nordfrankreich) und relativ kollektivistischen (Südfrankreich) Strukturen. Des Weiteren verwenden Schulz et al. die Dichte von Bischofssitzen, gemessen in 50-Jahr-Intervallen von 550 AD bis 1500, als Maß für den Einfluss der Kirche. Allerdings zeigt ihre Darstellung S2.1 dass das ziemlich kollektivistische Südfrankreich in den Jahren 1000 und 1500 mindestens so viele Bistümer besaß wie das relativ individualistische Nordfrankreich und mehr als Skandinavien, welches die individualistischste Familienstruktur in Europa aufweist (siehe mein Kapitel 4). Zum Abschluss: Während Schulz et al. anmerken, dass Süditalien verhältnismäßig spät in die westliche Kirche inkorporiert wurde, also behaupten, so die dortigen relativ intensiven Verwandtschaftsbeziehungen erklären zu können, hebt meine Vorgehensweise die ethnische Differenz zwischen dem nördlichen und südlichen Italien hervor, mit im Norden vorherrschenden germanischen Völkern.] . …

6.

Es besteht dergestalt eine Kline innerhalb Nordwesteuropas, dass die individualistischsten Familienstrukturen in Skandinavien auftreten, insbesondere Schweden, welches sich nie der Grundherrschaft unterzog [und, wie angemerkt von Schulz et al. (siehe ihre Darstellungen 1A und S2.1), verhältnismäßig spät dem Einfluss der Kirche ausgesetzt war.] [Aus Kapitel 4, 165-167]

Schlussfolgerung

Ich schlussfolgere, dass das Ausmaß des Einflusses der Kirche als Erklärung für den westlichen Individualismus unzureichend ist und eine angemessene Erklärung eine Berücksichtigung der einzigartigen Evolutionsgeschichte der Völker Westeuropas erfordert.


[1] Jonathan F. Schulz, Duman Bahrami-Rad, Jonathan P. Beauchamp, and Joseph Henrich, “The Church, Intensive Kinship, and Global Psychological Variation,” Science 366, no. 707 (November 8, 2019): 1–12, 1.

[2] T. Douglas Price, “The Mesolithic of Northern Europe,” Annual Review of Anthropology 20 (1991): 211–233, 229.

[3] Marek Zvelebil and Paul Dolukhanov, “The Transition to Farming in Eastern and Northern Europe. Journal of World Prehistory 5 (1991): 233–278, 262–263.

[4] Sveinung Bang-Andersen, “Coast/Inland Relations in the Mesolithic of Southern Norway,” World Archaeology 27 (1996): 427–443, 436, 437.

[5] Michael L. Burton, Carmella C. Moore, John W. M. Whiting, and A. Kimball Romney, “Regions Based on Social Structure,” Current Anthropology 37 (1996): 87–123.

[6] Iain Mathieson et al., “Genome-Wide Patterns of Selection in 230 Ancient Europeans,” Nature 528 (2015): 499–503; see also Morton E. Allentoft et al., “Population Genomics of Bronze Age Eurasia,” Nature 522 (June 11, 2015): 167–172.

[6a] James E. Lindsay, Everyday Life in the Medieval Islamic World (Westport, CT: Greenwood, 2005), 45–46.

[7] Ricardo Duchesne, The Uniqueness of Western Civilization (Leiden: Brill, 2011), 438.

[8] David Anthony, The Horse, the Wheel, and Language: How Bronze-Age Riders from the Eurasian Steppes Shaped the Modern World (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2007; paperback edition, 2010), 364.

[9] Ibid., 238.

[10] Kevin MacDonald, A People That Shall Dwell Alone: Judaism as a Group Evolutionary Strategy (Westport, CT: Praeger, 1994).

[11] “Israel Imposes Apartheid Regime on Palestinians: UN Report,” Reuters (March 152, 2017).

https://www.reuters.com/article/us-israel-palestinians-report-idUSKBN16M2IN

[12] Gary Forsythe, A Critical History of Early Rome: From Prehistory to the First Punic War by Prof. Gary Forsythe (Berkeley: University of California Press, 2005), 185.

[13] Ricardo Duchesne, The Uniqueness of Western Civilization (Leiden, the Netherlands: Brill, 2011).

[14] G. Miccoli, “Monks,” in Jacques LeGoff (ed.), Medieval Callings, trans. L. G. Cochrane (Chicago: University of Chicago Press, 1990): 37–74, 57.

[15] John T. Noonan, “Power to Choose,” Viator 4 (1973): 419–434, 430.

[16] See Kevin MacDonald, “Mechanisms of Sexual Egalitarianism in Western Europe,” Ethology and Sociobiology 11 (1990):195–238.

[17] Kevin MacDonald, “The Establishment and Maintenance of Socially Imposed Monogamy in Western Europe,” Politics and the Life Sciences 14 (1995): 3–23; Kevin MacDonald, “Focusing on the Group: Further Issues Related to Western Monogamy,” Politics and the Life Sciences 14 (1995): 38–46.

[18] Walter Ullman, The Growth of Papal Government in the Middle Ages: A Study in the Ideological Relation of Clerical to Lay Power, 3rd ed. (London: Methuen, 1970), 1.

[19] Schulz et al., “Prevalence of Cousin Marriage,” Supplementary material S1.2, 6–7.

[20] Amy Goldberg et al., “Ancient X chromosomes Reveal Contrasting Sex Bias in Neolithic and Bronze Age Eurasian migrations,” Proceedings of the National Academy of Science 114, no. 10 (March 7, 2017): 2657–62.

[21] Peter Frost, “European Hair and Eye Color: A Case of Frequency-Dependent Sexual Selection?,Evolution and Human Behavior 27 (2006): 85–103.

[22] Frank Salter, “Carrier Females and Sender Males: An Evolutionary Hypothesis Linking Female Attractiveness, Family Resemblance, and Paternity Confidence,” Ethology and Sociobiology 17, no. 4 (1996): 211–220.

[23] Brent D. Shaw and Richard P. Saller, “Close-Kin Marriage in Roman Society?,” Man (New Series) 19, no. 3 (September, 1984): 432–444, 432.

[24] Ibid., 438–439.

[25] C. B. Bouchard, “Consanguinity and Noble Marriages in the Tenth and Eleventh Century,” Speculum 56 (1981): 268–287.

[26] John Goody, The Development of the Family and Marriage in Europe (Cambridge, U.K.: Cambridge University Press, 1983), 145; one effect of this policy, emphasized by Goody, was that families were often left without direct heirs and left their property to the Church.

[27] Karl E. Leyser, Rule and Conflict in Early Medieval Society (London: Edward Arnold, Ltd., 1979), 50.

[28] Bouchard, “Consanguinity and Noble Marriages in the Tenth and Eleventh Century.”

[29] Elizabeth Archibald, Incest in the Medieval Imagination (New York: Oxford University Press, 2001), 37.

[30] Ibid., 38.

[31] Ibid., 41.

[32] Bouchard, “Consanguinity and Noble Marriages in the Tenth and Eleventh Century,” 269.

[33] See Ch. 4; see also Michael Mitterauer, Why Europe? The Medieval Origins of Its Special Path, trans. Gerald Chapple (Chicago: University of Chicago Press, 2010; orig. German edition, 2003), 62.

[34] “Harold Bluetooth,” Catholic Encyclopedia.

http://www.newadvent.org/cathen/07141b.htm

[35] “Christianization of Scandinavia,” Wikipedia.https://en.wikipedia.org/wiki/Christianization_of_Scandinavia

[36] See Ch. 4; see also Mary S. Hartman, The Household and Making of History: A Subversive View of the Western Past (Cambridge, U.K.: Cambridge University Press, 2004); Michael Mitterauer, Why Europe? The Medieval Origins of Its Special Path, trans. Gerald Chapple (Chicago: University of Chicago Press, 2010; orig. German edition, 2003), 62.

4 Gedanken zu “Kann der Einfluss der Kirche den westlichen Individualismus erklären?

  1. Q.E.D.:

    Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ hat den gentechnischen Nachweis der weltweit ältesten Familie in den Steinzeitgräbern von Eulau (Sachsen-Anhalt) zu den zehn wichtigsten Entdeckungen des Jahres 2008 gekürt. „Wir haben eine Familie gefunden, die vor tausenden von Jahren bereits so lebte, wie das heutige Familien auch tun“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Prähistorische Anthropologie und Molekulare Archäologie an der Universität Mainz, Kurt W. Alt.

    „Das Besondere ist, dass wir die originale Grabszene perfekt erhalten haben, so dass sie sich jeder Besucher im Landesmuseum in Halle anschauen kann“, sagte Landesarchäologe Harald Meller.

    Ein deutsch-britisches Forscherteam hatte bei der Untersuchung mehrerer Steinzeit-Gräber den bislang ältesten Hinweis auf eine Kleinfamilie gefunden. Mit Hilfe der DNA-Erbgutanalyse wurde erstmals naturwissenschaftlich nachgewiesen, dass Menschen bereits vor 4600 Jahren in Kern-Familien mit Vater, Mutter und zwei Kindern zusammenlebten. Die Entdeckung wurde im November in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

    Soziale Zusammenhänge ergab auch ein anderes Grab. Dort lag ein Junge mit zwei weiteren Kindern, einer Frau und einem Mann zusammen. Die soziale Stellung des Jungen wurde durch eine Steinaxt hervorgehoben: Er galt offenbar als Erwachsener.

    Insgesamt waren im Sommer 2005 in Eulau vier Familiengräber mit 14 Skeletten von Männern, Frauen und Kindern entdeckt worden. Die Menschen aus der bäuerlichen „Schnurkeramikkultur“ waren mit angezogenen Beinen, ausgerichtet nach der Himmelsrichtung und mit Grabbeigaben bestattet worden. Außerdem wurden sie so beerdigt, dass sich jeweils zwei Gesichter zuwandten. Benannt wurde die Kultur nach der Verwendung von schnurartigen Verzierungen an Keramikgefäßen.

    Auch Fragen der Herkunft klärten die Forscher, indem sie Mineralien im Zahnschmelz untersuchten: Demnach wuchsen Männer und Kinder in derselben Region auf, die Frauen stammten aus anderen Gegenden und zogen später um.

    Zugleich wurde mit den Gräbern von Eulau ein seltener kompletter steinzeitlicher Familienfriedhof in Form eines Grabgarten-Systems entdeckt. Bislang kannten die Archäologen aus dieser Epoche nur Einzelbestattungen.

    https://www.welt.de/wissenschaft/article2916451/Steinzeitgrab-zur-Top-Entdeckung-gekuert.html

    „Schnurkeramiker“:

    Ursprung und indogermanische Ethnizität

    Andrew Sherratt (1977), stellvertretend für viele andere Forscher seiner Zeit, sah den Ursprung der SK eher als autochthone Entwicklung durch gesellschaftliche Veränderungen wie die Ausbildung eines neuen Prestigegütersystems. Heute wird, anschließend an die Interpretationen von Marija Gimbutas, eher von starken Einflüssen oder gar Zuwanderungen aus dem Raum der osteuropäischen Steppen (siehe Kurgankultur) ausgegangen.[1] Die frühesten Datierungen schnurkeramischer Gräber in Mitteleuropa liegen mit dem 29. Jh. aus Kleinpolen vor.[1] Ergebnisse aus Osteuropa sind derzeit noch unzureichend ausgewertet.
    Wolfgang Haak u. a. (2015) fanden heraus, dass die DNA von Angehörigen der Schnurkeramik-Kultur im Gegensatz zu den Vorgängern zu 75 Prozent mit der von Angehörigen der Jamnaja-Kultur übereinstimmt. Sie schlossen daraus, dass es im 3. Jahrtausend v. Chr. eine massive Einwanderung von den südrussischen Steppengebieten nach Zentraleuropa gegeben habe.

    (Wiki)

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  2. Ja, der Kevin halt. Besieht man sich die Brutaldenker aus der EL-lite-Sphäre weiß man ihn dann doch wieder – ein Stück weit – zu schätzen.

    packistaner sagt:

    15. MÄRZ 2021 UM 20:37

    Mal was anderes … ich habe mal über Danischs These das der Sozialismus die Idiologie der Faulen und Dummen, nichts weiter als Tribalismus und eine Fehlfunktion der Amygdala im Gehirn ist usw. nachgedacht. Das halte ich zwar durchaus für richtig, galaube aber, daß er nicht weit genug denkt.
    Evolutionsbiologisch ist der „Kommunismus“ (jedem nach seinen Bedürfnissen) nämlich wohl unser Urprogramm, welches sich sehr tief ins Unterbewußtsein eingegraben hat. Seit 2 – 300.000 Jahren, also seit Anbeginn der Menschheit, hat sie genau so gehandelt und funktioniert. Der Ur-Mensch lebte in und von der Geborgenheit einer quasi-sozialistischen Kleingruppe. Bis vor etwa 10.000 Jahren in lebten die Menschen Kleingruppen als Wildbeuter, die durch ihre unstete Lebensweise kaum Privateigentum akkumulieren konnten. Für diese Lebensbedingungen, die unser genetisches Erbe darstellen und HEUTE NOCH das ursprüngliche Verhalten jedes Menschen prägen, sind wir entwicklungsbiologisch optimiert. Als Nomaden wurde stets nur „geerntet“ (jagen und sammeln) – nie investiert.
    Die fundamentale Voraussetzung für die kapitalistische – besser marktwirtschaftliche – Produktionsweise ist aber die Möglichkeit der Akkumulation von Privateigentum (an Produktionsmitteln), die erst durch die Seßhaftwerdung möglich wurde. Erst da wurde investiert in Form von Arbeit, Mühe und Zeit. Erst durch diese Investionen entstand die Begrifflichkeit des Eigentums. Privateigentum ist also genau so wie ausgeprägtes Individualverhalten ein kulturelles(!) Produkt, das sich erst relativ spät in der Menschheitsgeschichte herausbildete. Das heißt, dass die „Natur des Menschen“ das Leben in Kleingruppen ohne ausgeprägten Besitz mit hohem Konformitätsdruck (für das Überleben der Gruppe) ist und bleibt, solange Sie nicht in der Genetik herummanipulieren. Das läßt sich übrigens bei jedem Spiel von Kleinkindern beobachten. Deshalb ist „der Sozialismus“ nicht ausrottbar, weil er genetisch verankert und nur durch kulturelle(!) Anstrengung überwindbar ist. Kommunisten sind ergo schlicht Barbaren im wörtlichen Sinne. Was sie auch stets aufs Neue beweisen.
    Mal abgesehen davon, daß sich das Lebensmodel dieser Kleingruppen nicht auf eine große Gesellschaft übertragen läßt, da die Selbstkontrolle der Gruppe und die Auslese fehlt.
    Auch das Frauenwahlrecht läßt sich aus diesem Blickwinckel betrachten. Einst waren Frauen die Hüter des Feuers, des Heims, des Nachwuchses, Heilerinnen und trugen als Sammlerinnen zum Wohl der Gruppe bei. Hatten also eine sehr wichtige Funktion für das überleben der Gruppe.
    Das gegen den Versuch sich auch als Jäger zu beweisen, einzutauschen ist völlig absurd.

    https://vitzlisneuer.wordpress.com/2021/03/15/mal-was-anderes/#comment-30646

    So einfach ist also die Welt erklärt, wenn SchlauPACKi über „DANISCHs These“ (LOL) „nachdenkt“ und das Ergebnis ins größte Selbstnachdenkerblog aller Zeiten kippt. Der „Sozialismus“ entspricht hier also dem natürlichen Urzustand und kann nur durch „kulturelle Anstrengungen“ überwunden werden. Ja, so wie auch in den laut SchlauPACKi überaus empfehlenswerten Schriften der düsteren NS-Starpädagogin Johanna Haarer vermerkt ist, daß man da nicht früh genug mit anfangen kann, in dem man die natürliche Mutter-Kind-Bindung als „Affenliebe“ brandmarkt und das Kleine soweit wie möglich isoliert, ohne unnötige Zärtlichkeiten mit dem Notwendigsten versorgt und im Dunklen ruhig vor sich hin schreien läßt! Mutter und Kind befinden sich hier nämlich in einem stetigen Kampf, in dem die Mutter sich letztlich für Volk, Vaterland und Föhrer OPFERT, und im Krieg gibt’s bekanntermaßen keine Gnade. Andererseits ist nach SchlauPACKi und Artverwandten der NS die natürliche Organisationsform der „Weißdeutschen“ – nach dieser Logik wäre das sogar rund, denn SchlauPACKi trumpft ja gern damit auf, daß der National SOZIALISMUS LINKS zu verorten sei. Aber obwohl „die Linken“ ja alle, anders als SchlauPACKi (oder DANISCH), total bescheuert seien, ist der NS dann wieder voll i.O., hmmm. Ach, PACKi, unser Hüter der Funzel…

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  3. vitzli sagt:
    16. MÄRZ 2021 UM 3:59
    vielleicht geht es um ein dreieck mit den widerstreitenden punkten: naturzustand, zivilisation (kulturtechnik) und ideologie.

    größere sozialeinheiten erfordern andere kulturtechniken (die dem genzustand eigentlich widersprechen). das ist wohl unvermeidbar und der entwicklung (größere sozialeinheit und technischem fortschritt mit viel höherer produktivität) geschuldet. ein zwangsläufiger und unlösbarer widerspruch. trotzdem zum überleben in kauf genommen. insofern eigentlich kein problem. muß halt. störfaktor ist die (((ideologie))), die hier zerstörend eingreift. sowohl regression zu – nicht mehr passendem – sozialismus, als auch förderung nichtpassender frauenrollen (verteidigungsministerinnen, polizistinnen, u.ä.).

    auch hier erscheint (((ihre))) ideologie wieder als störfaktor einer natürlichen entwicklung zum schaden des ganzen. (((sie))) fördern im obigen zusammenhang sozialismus als unpassend (wegen der gesellschaftlichen größe) ebenso wie feminismus als unpassend (wegen der gene – habe gerade vor ein paar tagen ein paar bundeswehrfilme zur ausbildung der weiblichen soldaten (einzelkämpferausbildung) gesehen. polizistinnen legen in echt keine russischen serienkiller auf das kreuz wie im film, lol).

    https://vitzlisneuer.wordpress.com/2021/03/15/mal-was-anderes/#comment-30647

    Naturzustand, Zivilisation, (((Ideologie))) -ganz, ganz große Titanenbauklötzchen. (((Ihre))) unnatürliche Ideologie ist also der „Störfaktor“ der natürlichen aber unnatürlichen Entwicklung? Sicher ist: Mit euch gäbe es keine kulturelle Evolution sondern maximal ewigen Stillstand. Meine Fresse, da lernt man ja selbst noch die aktuelle Gender-Arscheologie zu schätzen.

    Von wegen Männersache: Bei frühen Jägern und Sammlern gingen keineswegs nur Männer auf die Jagd, sondern zu fast gleichen Teilen auch Frauen. Grabbeigaben im nacheiszeitlichen Nord- und Südamerika legen nahe, dass 30 bis 50 Prozent der Großwildjäger damals weiblich waren. Die Beschaffung von Fleisch und anderer Nahrung könnte demnach bei unseren Vorfahren weit weniger geschlechtsspezifisch aufgeteilt gewesen sein als bislang angenommen.

    https://www.scinexx.de/news/geowissen/jagten-maenner-und-frauen-einst-gemeinsam/

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  4. Tante Lisa sagt:
    17. MÄRZ 2021 UM 1:59
    Seitdem uns vitzli den obigen Bericht respektive Alarmruf des Pflegers hie eingestellt hat, schnellte das Video ‚mal eben‘ von und bei 30.000 Aufrufe auf über 50.000 Aufrufe hoch – werter vitzli, Du solltest den Klickzähler dieses unseres Forums auf Funktionstüchtigkeit überprüfen, denn das mit den 100 Besuchern scheint umstimmig, müszte doch rein theoretisch eine beachtliche Zahl von hiern kommen. 😊

    Jedenfalls gut, dasz sich unsere Landsleute kundig machen, indem sie sich dpch endlich in alternativen Foren informieren.

    https://vitzlisneuer.wordpress.com/2021/03/12/die-zeiten-werden-harter/#comment-30656

    Liebe Antifa, das mit dem „behindert schlagen“ könnt ihr euch hier echt sparen. Gern geschehen.

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