Abrahamitischer Threesome in Bärlin: Ruined Orgasm vorprogrammiert?

In der FAZ vom 02. November des laufenden Jahres stellten Reinhard Bingener und Daniel Deckers ein ambitioniertes interreligiöses Projekt aus der Hauptstadt in einem seitenfüllenden Artikel vor. Unter der Headline „Religion der Mitte“ posaunte es volltönend:

„Das gab es noch nirgends: eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge in einem Gebäude. In Gottesfragen geht Berlin auch anderswo neue Wege.“

Bei näherer Betrachtung sind, vor allem was den Islam anbelangt, die Details dann aber doch schon im Vorfeld reichlich ernüchternd:

im Herbst 2023 soll das „House of One“ stehen und sollen Besucher von der 44 Meter hohen „Stadtloggia“ aus auf die Umgebung blicken können. Bund, Land und private Mäzene fördern den Bau, der 44 Millionen Euro kosten soll. Noch fehlen rund 15 Millionen. Im März warf der Rückzug der Unternehmerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann aus dem Stiftungsrat ein Schlaglicht darauf, wie konfliktträchtig „House of One“ ist. Die Unternehmerin ärgerte sich darüber, dass von muslimischer Seite nur das „Forum für interkulturellen Dialog“ beteiligt ist, das der Gülen-Bewegung nahesteht. Die Zerstrittenheit der islamischen Welt und die türkische Innenpolitik schlugen damit voll auf das Projekt durch. „Egal wer unser Partner wäre, immer fühlte sich jemand ausgeschlossen“, sagt Pfarrer Gregor Hohberg, der dem Stiftungsrat vorsitzt. Gespräche mit der islamischen Welt gestalteten sich derzeit schwierig, ist zu hören.

So so, an der „Zerstrittenheit der islamischen Welt“ hapert es also beim lessingschen Ring-el-piez der Religioten und nicht etwa daran, dass sich diese in ein paar entscheidenden Punkten über alle Lager hinweg einig ist? Dass sich wirklich niemand außer dem Gülle-Wischi-Waschi-Forum hergibt, klingt dem Erzähler stark nach Letzterem.

Eingebettet in die historische Einleitung des Artikels ist ein Zitat des „Alten Fritz“, das so manch kackservativem Deutschtümler, der sich nach den guten alten Zeiten zurücksehnt, zu denken geben sollte:

Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie bekennen, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.

Na, hört sich das nicht beklemmend aktuell an? Nur das mit der Angst, die noch nie ein guter Ratgeber gewesen wäre, das hat er wohl vergessen.

8 Gedanken zu “Abrahamitischer Threesome in Bärlin: Ruined Orgasm vorprogrammiert?

  1. Schildbürger

    Baue ihnen ein gemeinsames Gotteshaus und alle haben sich lieb. In anderer Variante, verbiete alle Religionen, und dann haben sich auch alle lieb. Oder halt der „freie Markt“. Die „One World“ ist leider ziemlich allgegenwärtig, so utopisch sie nunmal ist.
    Sie ignoriert völlig die tribalistische Natur aller Hominiden, in welchen Formen sie sich ausprägen mag.

    Das Zitat vom Preußenkönig zeigt eine sehr zivilnationalistische bzw. -imperialistische oder vielleicht auch „gutmenschliche“ Denkweise.
    Man sollte aber in die Rechnung einbeziehen dass die Preußen nicht die selben Erfahrungen mit türkischen Vorhuten wie den Acinci gemacht haben wie etwa die Österreicher.
    Abgesehen davon, falls es damals zu einer Massenansiedlung gekommen wäre und sich ähnliche Zustände eingestellt hätten wie heutzutage, ich hab da so meine Zweifel dass dem so tatenlos zugesehen worden bzw. es sogar noch befördert worden wäre wie heute.

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  2. „Abgesehen davon, falls es damals zu einer Massenansiedlung gekommen wäre und sich ähnliche Zustände eingestellt hätten wie heutzutage, ich hab da so meine Zweifel dass dem so tatenlos zugesehen worden bzw. es sogar noch befördert worden wäre wie heute.“

    Die Alphapaviane hatten über weite Strecken der Historie kein Problem damit, die Untertanen wie Vieh zu behandeln, z.B. die Söhne des Landes untereinander als Kanonenfutter zu verschachern, und trotz entsprechender „Erfahrungen“ die etwas raffinierteren Cousins der Mohammedaner anzusiedeln, mit Privilegien zu versehen und ihnen das Volk quasi willkürlich auszuliefern, so auch im zaristischen Russland. Wie die Rechnung ausgefallen ist, kennen wir.

    Und was die hominide „tribalistische Natur“ betrifft: Wiederholt gelesen, das letzte mal, glaube ich, auf MORGENWACHT, dass im verhaltensbiologischen und -psychologsichen Sinne auch der weiße Europäer letzlich noch ein Wesen ist, das darauf ausgerichtet ist, in Clanstrukturen und Sippenverbänden zu leben, die maximal ca. 200 Mitglieder umfassen. Diese 200 Personen würden auch das Umfeld des durchschnittlichen zeitgenössischen Mitteleuropäers, auch des Großstädters, ausmachen, alles eingerechnet, von nahen Verwandten und Lebenspartnern über Freunde, Bekannte, entfernte Bekannte, Arbeitskollegen, bis zur Frau am Kiosk – alles halt, mit dem man regelmäßig in Kontakt tritt. Größere Einheiten wie „Volk“ wären demnach irgendwie künstlich, abstrakt, etwas was der Mensch nicht unbedingt in den Genen hat. Zwar mag es eher der Natur der Europäer entsprechen, solche Ordnungen zu schaffen und sich in diesselben einzufügen, während Orientalen und erst recht Afrikaner kaum über nackten Tribalismus rauskommen, dennoch erscheint mit dieses „200“-Ding etwas zu ein, wo die Brechstange angesetzt werden kann bzw. etwas, das auch deutlich macht, wieweit die gesellschaftliche Fragmentierung getrieben werden kann, welche Möglichkeiten bestehen udn warum es vielleicht illusorisch bzw. verkehrt herum gedacht ist, von einer „Volksseele“ zu sprechen oder darauf zu hoffen, dass „das Volk“ eines Tages „erwacht“ und „zusammensteht“ etc. … … …

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    1. Schildbürger

      Bezüglich der Alphapaviane, das ist allerdings auch wieder richtig.
      Und dass da auch wieder die üblichen Verdächtigen herumscharwenzelt sind (wie z.B. der Namensgeber einer von mir ja doch gerne verwendeten Bezeichnung für ebenjene, Daniel Itzig) ist ebenfalls klar.

      Da passt das mit dem „preußischen“ Drill (in Anführungszeichen, da das um die Zeit weit verbreitet Gang und Gebe war) rein. Also dass der Erbadel dem „gemeinen Volk“ praktisch alles einprügeln müsse. Dass das völliger Quatsch und Standesdünkel war beweisen spätere Zeiten in welchen die Prügelstrafen lange abgeschafft waren.
      Verkrustete Strukturen, das hatte ich meine ich auch schonmal erwähnt.

      Das mit der begrenzten Bezugsfähigkeit einzelner Hominider ist mir bekannt.
      Ob das 200 sind oder, wie mir mal untergekommen ist, um die 30 zu denen man einen persönlichen Bezug herstellen kann, ich weiß es nicht.

      Das große Aber: Das konterkariert die Grundidee von Nationalismus nicht zwangsläufig.
      Denn das heißt ja mehr oder weniger dass sich diese ganzen kleineren Organisationsstrukturen wenn man es so will verbünden bzw. zum gemeinsamen Vorteil zusammenarbeiten.
      Größere Stammesverbände sind seit der Antike gut dokumentiert, und höchstwahrscheinlich noch wesentlich älter.
      Aber dass das funktioniert hat seine Voraussetzungen. Eine zumindest mal großteils gleiche Sprache, eine ähnliche Kultur, und so weiter. Und, ganz besonders, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und jedem seine Eigenheiten eben lässt.

      Den Punkt da anzusetzen sehe ich genauso. Stichwort Subsidaritätsprinzip, also dass auf den kleineren Organisationsformen innerhalb des Größeren der politische Hauptanteil fußt, und die größeren Verwaltungen sich wirklich nur um allgemeinere Dinge wie größere Infrastruktur, Landesverteidigung und so weiter kümmern sollten.

      Das ist eine Sache die man sich bei den Amis nicht unbedingt 100% abgucken, aber wenigstens mal zu Gemüte führen kann. Da läuft das nicht ganz unähnlich.
      Oder in der Schweiz, bemerkenswerte Ausnahme für die gemeinsame Sprache übrigens, oder im zweiten Reich damals.

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      1. „Den Punkt da anzusetzen sehe ich genauso. Stichwort Subsidaritätsprinzip, also dass auf den kleineren Organisationsformen innerhalb des Größeren der politische Hauptanteil fußt, und die größeren Verwaltungen sich wirklich nur um allgemeinere Dinge wie größere Infrastruktur, Landesverteidigung und so weiter kümmern sollten.“

        Ja, nur wollte ich eher im nihilistisch-pessimistischen Sinne auf die Ansatzpunkte zur Zersetzung raus, also welche Möglichkeiten diese evolutionsbiologische Prägung zur Spaltung und Fragmentierung bietet, wie weit man das treiben kann, während du das konstruktiv angehst und die Chancen siehst…^^.

        Mit dem „preußischen Drill“ meinte ich explizit das Militärische. Also wenn unter aplhapavianistsich-elitär gepolten Internethelden die preußischen Tugenden von wegen Mannhaftigkeit, Mut, Courage gegenüber dem Feinde gepriesen und der linksgrünrotversifften Dekadenz der Gegenwart gegenübergestellt wird, dann sollte man vielleicht auch Bedenken, wie diese Disziplin erreicht wurde, vor allem, wenn gleichzeitig die Praxis der roten Armee beklagt wird, bei der damals im Vormarsch auf das Reich jeder, der vor dem Feinde floh, auf der Stelle erschossen worden sein soll. Und ob es wirklich mannhaft und erstrebenswert war, für einen großen Friedrich in einer Ackerfurche zu verenden, Lazarette und irgendeine medizinische Versorgung der Soldaten gab es da schlichtweg nicht, habe ich mal wo gehört.

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      2. Schildbürger

        „Ja, nur wollte ich eher im nihilistisch-pessimistischen Sinne auf die Ansatzpunkte zur Zersetzung raus, also welche Möglichkeiten diese evolutionsbiologische Prägung zur Spaltung und Fragmentierung bietet, wie weit man das treiben kann, während du das konstruktiv angehst und die Chancen siehst…^^.“

        In die Rechnung gehört selbstverständlich beides hinein.
        Wobei das Spaltungspotential nicht verschwindet wenn man politisch ignoriert dass es diese Kleingruppen nunmal gibt. Eine gerissen vorgehende Zentralregierung und ihre Wasserträger (oder andersherum) kann das sogar ausnutzen, wie es aktuell der Fall ist.
        Ein gesundes Nationalgefühl (ich weiß, ich weiß :), aber mir fällt grade kein besserer Begriff ein mit dem ich ausdrücken könnte was ich meine) wäre eine Sache die Spaltungen entgegenwirken könnte.
        Wie gesagt, die Schwachstellen hast immer, das ergibt sich nunmal aus der Natur der Dinge.
        Und ebenso gab und gibt es gute Beispiele dass man das mit etwas Vernunft ausbügeln kann.

        Ich maße mir nicht an die ultimative Antwort auf alle politischen Fragen zu haben, aber das Subsidaritätsprinzip ist an sich eine solide und bewährte Sache.
        Wenn man vergangene Zeiten zu Rate zieht war das sicher Gang und Gebe. Dass da irgendwo ein König in seinem Schloss gesessen und den Dirigierstock geschwungen hat halte ich jetzt schon alleine angesichts der damaligen Kommunikationsmöglichkeiten für etwas abwegig.
        Heißt jetzt nicht dass die nicht ihre Möglichkeiten hatten und auch genutzt haben wie Steuereintreiber oder „Werber“ fürs Militär.
        Aber die Verwaltung selber lag üblicherweise im Kleinen.

        Da hatte ich Deinen Punkt übrigens genau so verstanden wie es gemeint war, das Militär.
        Das ist halt so eine Sache, ohne einen gewissen Drill klappt das Ganze nicht.
        Die feudalistische Herangehensweise dass man den „Niederen“ alles erstmal einprügeln muss ist halt Unsinn, gar keine Frage. Das zeigen spätere Zeiten recht deutlich.
        Da gibt es ein etwas geflügeltes Zitat dass da denke ich ganz gut passt, von wem hab ich allerdings vergessen, den genauen Wortlaut ebenso.
        Sinngemäß ging es so, „jeder sollte nicht nur etwas haben für was es sich zu leben, sondern auch dafür zu sterben lohnt“.

        „Und dass die Haltung der „Eliten“ und der politischen Klasse immer offenere neofeudalistische Züge trägt…“
        So und nicht anders. Volle Zustimmung diesbezüglich.
        Die Neopfaffen von der Presse darf man da getrost mit dazuzählen.
        Ist wie ein roter Faden dass die Machtposition genau solches Klientel anzieht.
        Genau die Sorte die gerne nach oben buckelt und nach unten tritt.

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    2. Schildbürger

      PS: Beim alten Fritz hatte ich allerdings immer so den Eindruck dass der als völliger Schnösel angefangen hat, allerdings im Laufe seines Lebens seine Landsleute immer mehr zu schätzen wusste. Mag aber auch sein dass ich das etwas verklärt sehe.

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      1. Laut dem FAZ-Artikel stammt auch das Zitat von wegen Türkenansiedlung vom jüngeren Fritz, also bevor er zu „der Große“ oder gar „der Alte“ wurde. Fairerweise sollte man auch im Blick behalten, dass über den Adel vieles im Sinne von Greuelpropaganda verzerrt wurde, etwa im Verlauf der französischen oder der Oktoberrevolution. Allerdings ist es auch sehr verbreitet, den Alphapavianismus einer vermeintlich goldenen Vergangenheit zu glorifizieren, ja damals, „als wir Weißen die Erde beherrschten“ während Weiße und „Weiße“ Weiße als Kanonenfutter verscherbelten oder noch um einiges elender und grausamer versklavten als die Schwarzen. Man besehe sich auch nurmal die grausamen Strafen für Widlerei oder Holzfrevel, die i.d.R. ärmste Schlucker betrafen!

        Und dass die Haltung der „Eliten“ und der politischen Klasse immer offenere neofeudalistische Züge trägt, kommt in Sprüchen wie beim Gaucker „Nicht die Eliten sind das Problem, die Bevölkerung ist das Problem“ ebenso zum Ausdruck wie im Schranzentum pseudo-aufmüpfiger Groß- und KleinküstlerINNNEN, siehe die Bauerfeind bzw. die lobhudelnde Rezension eines Auftrittes von ihr in der Provinzpresse, wonach ihr „Brief der Kanzlerin an ihr Volk der verdrossenen Motzer“ uns berühren und nachdenklich machen sollte. Alles irgendwie nach dem Motto:

        „Es ziemt dem Untertanen, seinem Könige und Landesherrn schuldigen Gehorsam zu leisten und sich bei Befolgung der an ihn ergehenden Befehle mit der Verantwortlichkeit zu beruhigen, welche die von Gott eingesetzte Obrigkeit dafür übernimmt; aber es ziemt ihm nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Maßstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil über die Rechtmäßigkeit derselben anzumaßen.“ – Antwort vom 15. Januar 1838 auf eine Zustimmungsadresse von John Prince-Smith an Wilhelm Eduard Albrecht. Albrecht gehört zu den Göttinger Sieben, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung im Königreich Hannover protestierten. Zitiert nach Eberhard Urban et. al. (Hrsg.): Der neue Büchmann. Geflügelte Worte. Bassermann : München 2007, Seite 485. s.a. Georg Büchmann, Der Zitatenschatz des deutschen Volkes. 23. Auflage, Berlin 1907. S. 540.

        https://de.wikiquote.org/wiki/Gustav_von_Rochow

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  3. Vielleicht könnte sich der eine oder andere Wertkonservative oder whatever auch mal überlegen, wie denn der „Drill“ in der preußischen Armee so zustande kam, anstatt sich auf sowas einen runter zu holen.

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