Was uns berühren soll. Heute: Katrin Bauerfeind

Schranzentum in sexy, lecker, geil: Katrin Bauerfeind 2014 bei einer Lesung in Magdeburg
Bild: Wikimedia

Im Kulturteil des Qualitätsblattes Mannheimer Morgen vom 31. Oktober des laufenden Jahres würdigte man in einem kleineren Beitrag den Auftritt von Katrin Bauerfeind im Mannheimer „Capitol“, jenem Etablissement, in dem auch der antiquarische, dazu noch von einem Juden designete, Sarottimohr über der Bar durch seine bloße Existenz für mehr oder minder hitzige Alltagsrassismusdiskurse sorgte. Davon hat der Mannheimer Morgen diesmal nichts zu vermelden, hitziges sei ohnehin nicht so sehr die Sache jener „Journalistin, Moderatorin und Buchautorin“ die „den Schritt auf die Kleinkunstbühne gewagt“ habe. Die Katrin, das sei eher eine, die es langsam kommen lasse, zumindest bei ihrem aktuellen Programm „Liebe: Die Tour zum Gefühl“ wären „Schnellschussgags“ nicht angesagt, was natürlich mit sich bringe, dass es seine Zeit brauche „um die Stimmung im Saal auf Betriebstemperatur zu bringen.“ Was allerdings für die „37 Jährige“ die „mit der blonden Mähne, der Modelfigur und dem sympathischen Lachen super aussieht“ letzlich kein Problem dargestellt habe, denn obwohl ihr Äußeres, wie sie selbst sage, ihr einen Vorteil verschaffe, beeindrucke ihr Talent, „Alltagsphänomene als Lust und Last launig näherzubringen“, doch weit mehr:

Warum wir beispielsweise die erste binomische Formel vergessen, aber nicht unsere erste Liebe. Warum von der schwäbischen Oma handgeschabte Spätzle Liebe bedeuten können, aber „Bockwurstigsein“ Liebe zerstört.

Oui Cherie, „die Liiiiebe, die Liiiiebe ist das einzig Wahre, aha aha, der Schatz des Herzens“ (Nina Hagen „Frühling in Paris“):

Katrin Bauerfeind dekliniert sie durch – die Facetten jenes Gefühls, das aus dem Herzen kommt und das Hirn beflügelt: Von der Eigenliebe („nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben“) über die Liebe mit dem Haltbarkeitsdatum von eingedosten Ravioli („so lange hält im statistischen Mittel eine Beziehung“) bis zur Heimatliebe („Wo wir uns heimisch fühlen“).

Es ist wirklich was dran: Schöne Frauen sind selten witzig, im Gegensatz zu (nur so als Beispiel) Benny Hill, und die Katrin ist da keine Ausnahme, aber nach dem ganzen Sinnieren haben wir hinten raus, wo es „wichtig“ wird, echten Tiefgang erreicht. Ihr ahnt es schon? Richtig, nachdem so viel von der LIEBE die Rede war, geht es nun um, bzw. NATÜRLICH gegen ihren Counterpart, den HASS! Und wer gegen den HASS ein Zeichen setzt, der ist heutzutage auf jeden Fall mutig, so irgendwie:

Weil die Hochdeutsch sprechende Schwäbin keine Angst davor hat, als Gegenpol zu Hass – „jetzt werden schon Turnschuhe mit dem Slogan „there will be haters“ beworben – ein vermeintliches Kitsch-Thema zu setzen, kommt ihr Programm so wunderbar autenthisch rüber.

Ja, irre mutig, sich nicht nur als „Journalistin, Moderatorin und Buchautorin“ auf die Kleinkunstbühne zu wagen, sondern dabei auch keine Furcht vor Kitsch zu haben! Nur Böstiere könnten hier noch folgern, dass eine „Journalistin, Moderatorin und Buchautorin“ vom Schlage Katrins NATÜRLICH auch auf der Kleinkunstbühne weiß, was das gegenwärtige Tugenddiktat von Journalistinnen, Moderatorinnen, Buchautorinnen ebenso wie von Klein- und Großkünstlerinnen aller Art an Kitsch erwartet, der das Volksvieh im Sinne moralerpresserischer Befummelung „berühren“ soll:

Und manche ihrer Nummern berühren – wie ihr Brief als Bundeskanzlerin an ein Volk der verdrossenen Motzer. Vielleicht denken auf dem Heimweg einige darüber nach, die die mitgegebene Herzensbotschaft, schon morgen jemandem „Ich hab dich lieb“ zu sagen, umzusetzen. Aber bitte schön nicht als Eintagsfliege.

Ja, diese tatsächlich ausgesprochen attraktive Schranze (das obige gemeinfreie Bild bringt das nicht recht zum Ausdruck, dem Artikel war ein anderes beigefügt, auf dem sie mit dem schönen, ebenmäßig-herzförmigen Gesicht samt Zähnen, Strahle-Lächeln, Haaren, mit alles und scharf, wirklich umwerfend aussah) weiß, was sie der Obrigkeit schuldig ist, was sie vom dumpf-dünstend murrenden Viehzeug zu halten hat und wie man diesem auf die sanfte Liebes-Tour die Leviten liest – ist also als Schranze tatsächlich zu 150% authentisch! Ja, ihr UNDANKBAREN schäbigen kleinen Motzer, unsere gedunsene QUASI-MONARCHIN und gute Hirtin hat sich, wie auch ihre Vorgänger, dem Wohle des Deutschen Volkes gewidmet, SEINEN NUTZEN GEMEHRT, Schaden von ihm gewendet, das Grundgesetz und die GESETZE DES BUNDES gewahrt und verteidigt, ihre PFLICHTEN gewissenhaft ERFÜLLT (wovon zahlreiche Ehrungen künden) und Gerechtigkeit gegen jedermann geübt, so wie sich der Gerechte seines Viehs erbarmt, aber alles hat ein Ende nur die Bockwurst hat zwei. Irgendwann gehts zum Schlachter und da kommen halt die Kälbchen unters Messer oder schreien am Spieß! Und das ist dann nichts, was uns großartig zu berühren hätte, denn das untersteht ebensowenig der Macht der Gedunsenen wie der irgendeines anderen Menschen in Deutschland. Sie hat es zumindest selbst so gesagt.

10 Gedanken zu “Was uns berühren soll. Heute: Katrin Bauerfeind

  1. Natürlich musste ich mit meiner Elite-Bildung in der Hinterhand gleich den „Listen-Check“ machen, das Ergebnis ist allerdigs nicht gerade ein „Volltreffer“:

    „Bauer • Bäuerle • Bauernfreund •“

    Aber der „Bauernfreund “ ist schon ziemlich nah dran. „Bauern“ vs. „Bauer“, Liebe vs. Hass…so oder so, Kleinkunstvieh macht auch Mist… :-/

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    1. SchneeHase

      Zum „Stoff-Kropf-Schal“ kann ich nur sagen: er ist sowas wie das „Kopftuch der Westfrau“: verhüllen soll er (Hals; Bauch, Falten) damit Frau sich nicht so nackt fühlt und gleichzeitig aufmerksam machen (bunt; selbst-gestrickt, hauchdünn oder speckig). Hinzu kommt noch die „Lätzchen“ Funktion beim Essen – eigentlich das „AllerAllerWiderlichste“.

      Da schaue ich hier mal lieber den Nonnengänsen bei der Flugshow zu und hole mir nasse Füsse auf der Salzwiese am Jadebusen

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  2. Das hast du schön gesagt und trefflich analysiert! So wird es sich wohl verhalten. Überhaupt Schals. Schon der selige Kinderarzt Behrmann bezeichnete in seinem Kidmed-Forum Schals, insbesondere die mal modischen überlangen Teile, völlig zu recht als „debil“! Wobei er latürnich die TrägerInnen meinte. Und zwar wegen der Unfall- bzw. Strangulationsgefahr, wenn man etwa auf dem Fahrrad damit an was hängen bliebe. Heutzutage käme noch hinzu, dass einen so der Import-Sexualscherge leicht am Wickel hat, also a) einen gut zu fassen und b) mittels „Atemkontrolle“ schnell unter die Fuchtel bekommt. Apropos „Busen“, das „AllerAllerWiderlichste“ soll ja auch ein Frauenproblem bei „Big Naturals“ sein, zumindest bei entsprechendem Dekollete, alles Sachen, die Mann nicht so auf dem Schirm hat…^^

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