Kein Verlust

Bildquelle: Youtube-University

Eine Heroin des zeitgeistigen betroffenheitskulturellen „Fishing For Compliments“ ist überraschender Weise verendet. Ein Verdacht auf Suizid hat sich bis auf weiteres noch nicht bestätigt, verwundern würde es allerdings nicht, wenn man in Betracht zieht, wie die Betreffende durch Bedienen sämtlicher momentan gewertschätzter Tugend-Register abgesahnt und ihr Ego gefüttert hat. Auch darf ruhig darüber gemutmaßt werden, inwieweit dies alles ins Pathologische ging und sie selbst ihre Münchhausiaden glaubte. Auf jeden Fall kann die Existenz wie ein Kartenhaus zusammenkrachen, wenn das alles aufgedeckt wird und einem dann noch AUSGERECHNET der Relotius-Spiegel den Boden unter den Füßen wegzieht. Leider ist der Schoß, aus dem solche Dinge kriechen, ein überaus furchtbar fruchtbarer und so bleibt eine biologische Lösung dann doch eher die Ausnahme.

Exemplarisch für diese Zeit und ihre Ungeister ist der Fall allemal und sicherlich auch aus der Perspektive der Memetik heraus nicht uninteressant, was wir hier aber angesichts der etwas, äh, „heiklen“ Zusammenhänge nicht weiter ausführen wollen.

Von „Deutsche Welle“ über MSN am 27. Juli des laufenden Jahres:

Bloggerin Marie Sophie Hingst ist tot

Die Historikerin und Bloggerin, die eine jüdische Familiengeschichte samt Holocaust-Opfern erfand, wurde tot in ihrer Wohnung gefunden, wie die „Irish Times“ erst jetzt berichtet. Die Umstände ihres Todes sind unklar.

Nach Angaben der irischen Tageszeitung wurde die 31-jährige Deutsche, die lange zu den erfolgreichsten deutschen Internet-Autorinnen gehörte und in Dublin lebte, am 17. Juli tot in ihrem Bett entdeckt. Laut Polizei gab es keine Fremdeinwirkung; eine Autopsie soll Klarheit darüber bringen, ob die junge Frau Selbstmord begangen hat. Hingsts Mutter Cornelia bestätigte dem Magazin „Der Spiegel“, dass ihre Tochter gestorben sei.

Im Juni dieses Jahres war Marie Sophie Hingt international in die Schlagzeilen geraten, weil sie eine jüdische Familiengeschichte erfunden hatte und bei der Gedenkstätte Yad Vashem in Tel Aviv mit dem Einreichen von sogenannten Gedenk- oder Opferbögen zu 22 angeblichen Verwandten den Eindruck erweckt, große Teile ihrer Familie seien im Holocaust umgekommen.

Preise für die Bloggerin

Sophie Hingst wurde mit ihrem Blog „Read on, my dear“ bekannt. Für ihre Arbeit, das Erzählen der Leiden ihrer vermeintlichen jüdischen Vorfahren, erntete Hingst viel Anerkennung. 2017 wurde sie zur „Bloggerin des Jahres“ gekürt. Im Jahr darauf verlieh ihr die „Financial Times“ bei einem Essaywettbewerb den „Future of Europe“-Preis. Auch da sprach Hingst von ihrer angeblichen jüdischen Familie und verglich deren Schicksal mit dem der Flüchtlinge, die heute an Europas Küsten stranden. Es gab viel Beifall.

Doch dann wurde bekannt, dass die Bloggerin die Geschichte über ihre Familienabstammung frei erfunden hatte. Tatsächlich stammt sie aus einer evangelischen Familie, wie der „Spiegel“ herausgefunden hatte. Ihr Großvater soll nicht – wie von ihr behauptet – Häftling im Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein, sondern evangelischer Pfarrer. Auch von weiteren angeblich jüdischen Familienmitgliedern fanden sich keine Spuren.

„Eine verwirrte Seele“

Der Historiker und Holocaust-Forscher Micha Brumlik sagte im DW-Gespräch, dass die junge Frau ihm leid tue. „Ich habe mich freilich gefragt, ob so etwas vorkommen kann im Rahmen des Umstandes, dass ja die Frage des Holocaust, seiner Opfer und seiner Täter, ein wesentliches Thema in Deutschland ist. Und so kann ich mir vorstellen, dass die eine oder andere verwirrte Seele – Frau Hingst ist ja nicht der erste Fall – das in die falsche Kehle bekommt und für sich selbst falsch aktualisiert.“

Ähnlich sieht es der Journalist Derek Scally, der Marie Sophie Hingst vor einiger Zeit in Dublin interviewt hat – und dem sie trotz der „Spiegel“-Veröffentlichung erneut von ihrer jüdischen Verwandtschaft und ihrer vermeintlichen Mutter Rachel erzählte, ihm sogar einen gelben Judenstern zeigte, der angeblich ihrer Großmutter gehört habe. Auch Scally hatte Mitleid mit der Deutschen.

Cornelia Hingst über ihre Tochter

Der Reporter führte später ein paar Telefonate nach Deutschland und stieß auf Cornelia Hingst. Sie sei die echte Mutter, offenbarte sie, eine Rachel gebe es nicht – und dass ihre Tochter in mehreren Welten lebe, sie aber nur Zugang zu einer habe. Sie berichtete Scally auch davon, dass Marie Sophie mehrmals wegen psychischer Probleme in Therapie gewesen sei und sich in Irland endlich eine neue stabile Existenz aufgebaut hatte.

All das brach nach der Enthüllung ihrer Lügengeschichten zusammen. Als Cornelia Hingst den Irish-Times Reporter jetzt wieder kontaktierte, teile sie ihm mit, ihre Tochter sei tot aufgefunden worden.

suc/jj (Irish Times, Spiegel, dpa)

Ein Gedanke zu “Kein Verlust

  1. B-Mashina

    Die FAZ von heute widmete dieser Figur auch einen kleinen Artikel, dem man entnehmen konnte, dass sie auch die „Marie Roznblatt“ war, die bei zeit.de die Info-Elite über ihren Sexualnachilfeunterricht mit „Flüchtlingen“ und deren „Problem mit dem Penis“ aufklärte:

    Sexuelle Aufklärung
    :
    Das Problem mit dem Penis
    Viele Geflüchtete haben in ihrer Heimat nie über Sex gesprochen. Das führt nicht nur im Bett zu Problemen. Nun lernen sie es bei dem „Fräulein, das immer über Sex redet“.
    13. Februar 2017, 14:03 Uhr

    https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-02/sexuelle-aufklaerung-fluechtlinge-deutschland

    Natürlich kann DIE ZEIT das alles erklären:

    Unsere Redaktion wurde am 27. Mai 2019 durch eine Anfrage des „Spiegel“ darauf hingewiesen, dass der an dieser Stelle erschienene Gastbeitrag „Das Problem mit dem Penis“ über eine Aufklärungssprechstunde für Geflüchtete weitgehend erfunden sein könnte. Wir haben den Beitrag eingehend überprüft und mussten feststellen, dass wir von der Autorin tatsächlich getäuscht wurden. Wir haben den Beitrag nach unserer Überprüfung aus Transparenzgründen noch einige Tage frei zugänglich belassen, ihn am 26. Juni 2019 jedoch von unserer Website entfernt. Wie es zur Veröffentlichung des weitgehend erfundenen Textes kommen konnte, lesen
    Sie in unserem Glashaus-Blog

    .

    Ja, „Glashaus“ soll wohl für „Transparenz“ stehen und verlorenes Vertrauen wiedergewinnen, so wie die „gläserne Produktion“ in der Wurstfabrik usw., ist aber in anderer Hinsicht noch viel treffender und quasi selbst entlarvend für die Wackersteinschmeißer von der Lügenpresse in ihrem längst zerdepperten Glashaus, wo alles eh schon transparent ist, für den, der sehen will, und die dennoch weiter arrogant und unverfroren manipulieren und durch Weglassen lügen dass sich die Balken biegen, und das auch noch im vorauseilenden Gehorsam. Und dass so was wie die Tante in den Himmel gelobt und mit Preisen überhäuft wird., während fundiert-kritische Stimmen, und sei es nur der Finis-Germaniae-Sieferle, ins Reich der Unzurechnungsfähigkeit runtergeschrieben werden! Ekelhaft!

    Und dann noch die Frage der Rücksichtnahme gegen solcherartige Existenzen wie die Jahrhundertbloggerin mit dem Holo-Mem:

    Der Reporter Derek Scaly von der „Irish Times“, der mit seinem von Empathie getragenen Artikel den Tod von Marie Sophie Hingst publik gemacht hat, schreibt indes, dass er sie vor einigen Wochen in Berlin getroffen habe., nachdem der Spiegel seine Recherche veröffentlicht hatte. Anders als dieser habe er sich entschlossen, nicht zu schreiben, weil er den Eindruck gewonnen habe, einer psychisch gestörten, gefährdeten Person begegnet zu sein. Auch Scally gegenüber rückte Hingst von ihrer als falsch erwiesenen Geschichte nicht ab, zeigte dem Reporter einen angeblich aus Familienbesitz stammenden Judenstern und beklagte. sie sei Opfer der Medien und „lebendig gehäutet“.(a.a.O)

    Tja, dazu hat die werte CARO, so ab 15:00, schon alles wesentliche gesagt:

    …aber statt sich vielleicht mal mehr damit auseinanderzusetzen, dass die Dame über Monate, teilweise über Jahre hinweg die ganze Öffentlichkeit getäuscht hat, teilweise mit politischem Hintergrund, also versucht hat, politisch zu instrumentalisieren, sie hat sich beispielsweise auch als Flüchtlingshelferin ausgegeben, die Sexualtherapien für Flüchtlinge angeboten hat, wie auch immer das aussehen soll, will ich gar nicht mehr drauf eingehen, aber auch das ist wohl erfunden, alles gelogen, alles gemacht um sich irgendwie als Opfer zu inszenieren. Sie hatte ja, also zumindest nach Tagesspiegel-Bericht, ja, also durchaus das Bedürfnis, in diese Opferrolle zu kriechen, sie hat das wohl irgendwie gebraucht, diese Aufmerksamkeit, da ihre Verwandten im Holocaust gestorben sind was eigentlich ziemlich pervers ist, dass man sich sowas ausdenkt, ich meine es gibt tatsächlich Betroffene davon, viele Betroffene und die kriegen dann so ne Tussi, tut mir leid, also so ne Tussi vorgesetzt, die sich die ganze Story ausdenkt um Aufmerksamkeit zu generieren! Ist es, ja, das ist einfach krank, ich glaube, das kann man so sagen. Und er Tagesspiegelartikel war bis dahin auch ziemlich gut muss ich sagen, das ist echt selten, wenn ich so was zugebe, aber der Artikel war bis dahin gut, das hat sich am Ende allerdings stark gedreht, denn der Autor des Artikels hat beispielsweise auch unseren lieben Herrn Relotius mit einbezogen, der nicht nur dem Spiegel sondern auch dem Journalismus insgesamt nen schweren Schaden zugefügt hat, richtig so, wer sich Geschichten ausdenkt, der muss dafür entsprechend sanktioniert und kritisiert werden, aber anschließend ist es leider umgebrochen, denn dann ging es darum, inwieweit man diese Personen denn überhaupt kritisieren darf, erst recht wenn sie psychisch krank sind. Muss man da nicht Rücksicht haben, hat man da nicht eine Sorgfaltspflicht gegenüber diesen Leuten, eben diese Leute nicht öffentlich zu zerreißen, nachdem sie die ganze Öffentlichkeit getäuscht haben und hier muss ich, ist es meiner Meinung nach eher so, dass jemand, der sich wissentlich in die Lage begibt, wissentlich in die Öffentlichkeit drängt, wissentlich lügt, wissentlich Geschichten erfindet um teilweise politisches Kapital draus zu schlagen, der gehört absolut nicht in Schutz genommen denn die Öffentlichkeit täuschen, das konnte er ja auch, ob er nun krank ist oder nicht sei mal dahingestellt. Anschließend aber so zu tun als wäre nichts gewesen von wegen ja, war ja krank, dürfen wir nicht so hart ins Gerecht, äh, ins Gericht gehen, kann ja nichts dafür und so weiter, das zieht nicht, denn was ist den die Alternative? Totschweigen, weil das einfach als ist ja halb so wild hinstellen? Also Bitte, diese Geschichten haben teilweise echten Schaden angerichtet, die Geschichten haben dafür Sorge getragen, dass Leute gegeneinander aufgehetzt wurden, kann man, denke ich, so sagen. Mit erfundenen Geschichten wurden Opferfälle inszeniert die es nie gab, die Menschheit wurde, also alle dies‘ gelesen haben, wurde massiv belogen und hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. Und wenn die Leute aus Krankheit gelogen haben, ist das zwar sehr traurig, hätte man aber vielleicht vorher drauf kommen können, auch von Seiten der Verlage, von Seiten der Kontaktpersonen dieser Menschen, dass da vielleicht irgendwas im Busch ist, dass da vielleicht professionelle Hilfe ran muss, aber deren Geschichten ausschlachten, teilweise Preise dafür verleihen, das ging doch auch, warum dann jetzt nicht kritisieren? Also da hättet ihr ebenfalls die Verantwortung gehabt, dass diese Geschichten vielleicht gar nicht so publik gemacht werden, dass diese Leute professionelle Hilfe erhalten. Aber sich dann hinstellen und die Kritiker, also die Leute die sich ganz bewusst darüber empören dass da über Monate und Jahre hinweg gelogen wurde anzugreifen wie sie es sich wagen können kranke Personen zu kritisieren, da müsse man ja Fürsorgepflichten wasweißich einhalten, also nee, tut mir leid, das sehe ich vollkommen anders, wie gesagt, wer lügt muss mit den Konsequenzen rechnen, wer lügt muss m it der Antwort leben, wer lügt muss damit rechnen, dass er öffentlich zerrissen wird, so einfach ist es! Man hätte hier einfach nicht öffentlich lügen müssen! Wenn man in seiner Parallelwelt leben will, bitte, mach das bei dir zuhause, fühl dich glücklich damit und hol dir drauf einen runter oder…keine Ahnung. Aber sobald du deine Lügengeschichten in die Öffentlichkeit schiebst um andere damit zu manipulieren, ne tut mir Leid, dann isses vorbei mit Sorgfalt Playoff Fürsorgepflicht, dann hast du dir das selber zuzuschreiben, ihr könnt das gerne anders sehen aber ich finde das doch sehr sehr einfach: Erst Kapital aus diesen Lügengeschichten zu schlagen, auch von Seiten der Verlage und Presseagenturen und wasweißich, und anschließend, als die Lüge dann offensichtlich wird, offenbart wird, auf den Standpunkt stellen, wir wollen eigentlich nicht darüber berichten dass alles gelogen ist, denn wir haben ja eine Sorgfaltspflicht gegenüber dieser Person und wir wollen nicht, dass diese Person öffentlich zerrissen wird, aber wir haben das Kapital natürlich mitgenommen, wir haben die Geschichten liebend gern abgedruckt, wir haben liebend gern Preise verliehen, aber jetzt, als rauskam, dass es unecht ist, naja, wir würden uns ja selber in die Nesseln setzen! Nee, wir berichten da nicht drüber weil wir müssen ja unsere Fürsorgepflicht gegenüber der kranken Person erfüllen! Was für eine wunderbar ekelhafte Ausrede!

    Genau, Caro! Übrigens steht dir Rot unheimlich gut, viel besser als Blau! Ahhh, ein schwarzweißroter Traum, du Himmlische!

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