Dornröschen und der ewige Schlaf des Feminismus

Down we go…

MORGENWACHT

Von Jef Costello, übersetzt von Lucifex. Das Original Sleeping Beauty — & the Eternal Sleep of Feminism erschien am 28. November 2017.

Eine Mutter im Vereinigten Königreich (Sarah Hall aus Newcastle) erlangte kürzlich einige traurige Berühmtheit, als mehrere Nachrichtenportale meldeten, sie habe verlangt, daß die Geschichte von Dornröschen aus Schulen verbannt wird. Dornröschen hat, wie ihr euch erinnern werdet, dem Märchenprinzen nicht erlaubt, sie zu küssen. Sie schläft ja schließlich. Mrs. Hall erklärt: „Solange wir immer noch solche Erzählungen in der Schule sehen, werden wir die tief verwurzelten Einstellungen zum Sexualverhalten nie ändern. In der heutigen Gesellschaft ist das nicht angemessen.“

Das offensichtliche Problem hier ist, daß Dornröschen sich unter einem Zauberbann befindet, und falls sie nicht geküßt wird (ohne ihre Einwilligung), wird sie ewig schlafen (oder 100 Jahre, abhängig davon, welche Version der Geschichte man heranzieht). Anscheinend findet Mrs. Hall ewigen Schlaf den unerwünschten Avancen eines gutaussehenden Fremden…

Ursprünglichen Post anzeigen 3.587 weitere Wörter

2 Gedanken zu “Dornröschen und der ewige Schlaf des Feminismus

  1. B-Mashina

    Ein wirklich ganz ausgezeichneter Artikel. Die archetypische Symbolik der „Eroberung“ der Frau in den Märchen und Sagen und der Bezug zur weiblichen Psyche und deren Verfasstheit ist sehr einleuchtend dargestellt.

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  2. FICKT EUCH!

    ELLE

    Dornröschen-Phänomen: Wenn du dabei schläfst, ist es sexuelle Gewalt!

    Judith Fischer vor 7 Std.

    Wachgeküsst werden – das klingt erst mal romantisch. Tatsächlich ist es aber eine Form sexueller Gewalt. Vor allem wenn die Schlafenden mehr als „nur“ geküsst werden, sondern durch Sex geweckt werden. Das sogenannte „Dornröschen-Phänomen“ wird oft falsch eingeschätzt. Viele Opfer halten diese Handlung für normal, viele Täter fühlen sich missverstanden. Wir erklären, warum dieses Phänomen so problematisch ist.

    Trigger-Warnung: Im folgenden Beitrag werden sexualisierte Gewalthandlungen und deren Folgen für die Betroffene geschildert, die belastend und retraumatisierend sein können.

    Nicht so märchenhaft: Das Dornröschen-Syndrom ist sexuelle Gewalt
    Mit einem sanften Kuss auf die Lippen weckt der Prinz Dornröschen aus dem verwunschenen Schlaf. Dieses Happy End wird seit über 200 Jahren Kindern vorgelesen – aber nicht meinem Kind, beschloss die Britin Sarah Hall. Auf Twitter forderte sie, dass Dornröschen aus dem Lehrplan der Schule ihres Sohnes genommen werden sollte, weil die Geschichte eine „sexuell unangemessene Botschaft“ vermittle. Die Message hinter Dornröschen sei: Es ist in Ordnung, eine Frau zu küssen, die nicht bei Bewusstsein ist. Es gehe um „sexuelle Handlungen und Einverständnis“, sagte sie der BBC. Und weiter: „Diese Märchen sind bezeichnend dafür, wie tief verwurzelt dieses Verhalten in unserer Gesellschaft ist.“

    Dieser Meinung ist auch die japanische Professorin für Soziologie Kazue Muta. Solche Szenen würden „semi-zwanghafte, obszöne sexuelle Akte mit einem bewusstlosen Partner“ darstellen. Auf Twitter teilte sie einen Medienbericht über einen Mann in Osaka, der eine schlafende Frau in einem Zug küsste. Der Mann wurde festgenommen. Märchen wie Dornröschen und Schneewittchen – auch sie wird zumindest in der Diney-Fassung mit einem Kuss zum Leben erweckt – würden sexuelle Gewalt fördern und man solle „sich dessen bewusst sein“, schreibt sie dazu.

    Sexueller Missbrauch: Jede zweite Frau wurde durch Sex geweckt
    Aber ist es in unserer Gesellschaft wirklich so, dass sexuelle Handlungen an Schlafenden einfach hingenommen werden? Eine neue Studie zeigt: Leider ja. Und zwar vor allem in Beziehungen. Die Psychologin Jessica Taylor und ihre Kollegin Jaimi Shrive haben anhand der Erfahrungen von über 22.000 Frauen untersucht, welche Dimensionen von sexualisierter Gewalt in Großbritannien existieren. Die Studie trägt den traurigen Titel: “Ich dachte, das wäre einfach ein Teil des Lebens”. Laut der Studie sind über die Hälfte der befragten Frauen schon einmal aufgewacht, weil ihr Partner an ihnen sexuelle Handlungen vorgenommen hat.

    Ist Sex im Schlaf in Beziehungen normal?
    Die Forscherinnen haben auf ihre Erkenntnisse jede Menge Feedback bekommen: Die Opfer versichern ihnen, wie „normal“ sich solche Übergriffe für sie anfühlen und dass sie diese als selbstverständlich hinnehmen. Die Täter wollen nicht als Vergewaltiger bezeichnet werden und fühlen sich missverstanden. Sie sind der Meinung, dass sie schon im Voraus eine Einvernehmlichkeit über solche Handlungen mit der Partnerin hergestellt hätten. Außerdem würden sie einfach “davon ausgehen”, dass sowas in ihrer Beziehung in Ordnung sei.

    Einvernehmlicher Sex: Die Sache mit dem Konsens
    Es gibt also nicht nur Männer, die ihre Partnerin mit voller Absicht vergewaltigen. Offenbar gibt es auch solche, die es gar nicht merken beziehungsweise nicht verstehen, warum es Gewalt ist. Entweder denken die Täter, dass der Körper ihrer Partnerin ihnen zu jeder Tages- und Nachtzeit zur freien Verfügung steht. Oder sie haben (wie so viele) das Prinzip der Konsensualität nicht verstanden.

    Denn eigentlich ist es ganz einfach: Damit zwei Menschen miteinander einvernehmlich Sex haben können, müssen beide damit einverstanden sein. Aber woher soll ich wissen, ob die andere Person gerade Lust auf Sex hat, wenn sie schläft? Es gibt dazu ein sehr berühmtes Beispiel, bei dem Sex mit einer Tasse Tee verglichen wird. Denn: Tee sollte keiner Person gegen ihren Willen eingeflößt werden – und auch nicht, wenn die Person bewusstlos ist oder eben schläft.

    Womöglich freut die Partnerin sich, wenn sie nach dem Aufstehen eine leckere Tasse Tee angeboten bekommt – vielleicht auch nicht. Um das herauszubekommen, fragt man sie einfach. Aber auf keinen Fall sperrt man der schlafenden Frau den Mund auf und flößt ihr den Tee ein, nur weil man denkt, das könnte ihr gefallen. Denn das ist Gewalt. Das alles wirkt vielleicht überkorrekt. Aber es ist nun mal ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft, dass Frauen teilweise zum Sex gezwungen werden. Deshalb müssen wir mehr auf Konsens achten und das fängt in der eigenen Beziehung an.

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