Von Wölfen und Menschen VI

„Lex Wolf“ vs. grüne „Artgerechtigkeit“

Der Erzähler merkte vor kurzem im Kommentarbereich dieser Reihe an, dass er es für durchaus möglich halte, dass die Sache mit dem Wolf recht schnell kippen könnte, vom Status der totalgeschützten heiligen Kuh hin zu einer Nulltoleranzpolitik wie in Schweden, wo man Wölfe, die sich Vieh, Menschen oder Siedlungen auch nur nähern, ohne Sentimentalitäten niederstreckt. Und das bei einer Wolfspopulation, die, mit ca. 300 Exemplaren, nicht mal ein Drittel der deutschen ausmacht, während der Bestand von Zweibeinern ohne Federkleid mit 10 Millionen gerade mal einem Achtel des bundesdeutschen entspricht!

Hier im Schon-Länger-Hier-Lebenden-Land hingegen tummeln sich bei 80 Millionen Einwohnern ca. 1000 Exemplare von Canis lupus. Schwerpunktmäßig konzentriert sich die Population zwar immer noch auf die eher dünn besiedelten Regionen im Osten, die Populationsdynamik im Verein mit der raumgreifenden Wanderungstendenz der Jungtiere

– es gibt außer einem trainierten Menschen kaum ein Landtier, das von den Fähigkeiten als Ausdauerläufer überhaupt in die Nähe eines Wolfes kommt, auch so eine Gemeinsamkeit! Die ganzen Huftiere, die als Synonym für Schnelligkeit und Ausdauer gelten, wie Pferd, Hirsch, Antilope, sind, was die reine Ausdauer betrifft, Wolf wie Mensch unterlegen, das gilt insbesondere für die zwei letztgenannten, da Wiederkäuer! –

sorgt jedoch dafür, dass sich der Apex-Predator und größte der Caniden zügig über das Land ausbreitet, nicht ohne eine blutige Schneise unter dem Weidevieh zu hinterlassen, genauso wie es die alten Legenden und Vorurteile künden. Dass diese also eher auf Tatsachen denn auf einer infamen Verleumdungskampagne der Gebrüder Grimm beruhen, hat sich allerdings mittlerweile bis auf die Regierungsebene herumgesprochen. Nunja, da wir hier ein Elite- und Influenzerblog sind, ist eh davon auszugehen, dass die Chargen bei uns mitlesen, aber sei´s drum, Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) forderte nun unter dem Eindruck der permanenten Beißer- und Reißerei der gar nicht mehr so schüchternen Grauen eine „Lex Wolf“: Isegrimm solle ihr zu Folge artenschutzrechtlich herabgestuft werden, so dass die „letale Entnahme“ schon bei „ernsten“ und nicht erst „erheblichen“ Schäden möglich wäre. „Ernst“ wäre demnach das Reißen von Schafen an sich und nicht erst wenn dieses, wie bei aktueller Rechtslage, „erhebliche“ im Sinne „existenzbedrohender“ Ausmaße angenommen habe. Der Wolf hat also bislang noch, frei nach dem deutschen Dichter und Denker „Bushido“, mehr als „einen Mord frei“ und das solle sich ändern.

Natürlich ließ der profilneurotische grüne Konter nicht lange auf sich warten. Die Vorschläge von Svenja Schulze, so wurde verlautbart, brächten kaum etwas. „Wir sind eigentlich schon viel weiter“, vermeldete Parteichef Robert Habeck laut dpa vom 5. März des laufenden Jahres. Bund und Länder seien sich bereits einig, dass Wölfe geschossen werden dürften, die sich nicht artgerecht verhalten und zweimal(!) einen Herdenzaun überwunden haben.

Der Erzähler erspart es sich in seiner Demut, weiter auszuführen, wie unsäglich diese grüne Schiene ist und was sie weit über die Wolfsdebatte hinaus aussagt, da dies ohnehin nur allzu offensichtlich ist. Er merkt nur an, dass nach dieser Logik eben gerade die genannten Beispielswölfe NICHT geschossen werden dürften, denn eben diese verhalten sich völlig „artgerecht“! Aus der Art geschlagen wäre ein Wolf, der sich tatsächlich auf Dauer von Krötenzäunen und Flatterband davon abhalten ließe, unter der wehrlosen Beute auf dem Silbertablett ein Blutbad zu veranstalten. Vor allem, wenn er schon einmal Blut geleckt und dabei gemerkt hat, wie einfach es ist. Ganz davon abgesehen, dass schon ein einmaliger Einbruch von Wölfen in eine Schafherde leicht ein verheerendes Aftermath zeitigen kann, das den Rahmen der staatlichen Entschädigungen bei weitem übersteigt, soweit es sich überhaupt finanziell erfassen und beziffern lässt.

Der WOLF ist nun mal der WOLF, nicht mehr und nicht weniger. Nicht gut. Nicht böse. Der WOLF eben, ihr Narren!

http://extraordinarybeasts.blogspot.com/2015/08/marie-jeanne-valet-maid-of-gevaudan.html

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