Von Wölfen und Menschen II

Das hochtrainierte Intelligenzmonster

Zeitgenössische Darstellung eines Wolfsangriffs auf ein Kind in Nordspanien im Jahr 1911 in „Le Petit Journal“

Während im Zuge der gegenwärtigen Reconquista des Wolfes in Deutschland und Mitteleuropa die Fraktion der mehr oder weniger bedingungslosen Wolfsfans das Banner vom lügenden Rotkäppchen und dem Apex-Predator als mißverstandenem Sündenbock hochhält kristallisiert sich zunehmend heraus, dass der Wolf im großen und ganzen für den Menschen spätestens seit Beginn der Viehzucht ziemlich genau das war, als das er in den alten Märchen und Erzählungen dargestellt wurde: Eine existentielle Bedrohung. Dies zum einen dadurch, dass er die Existenzgrundlage der Menschen, also Weidevieh und Zugtiere, vernichten konnte, zum anderen auch als Gefahr für Leib und Leben der Menschen selbst, welche nicht nur durch die Angriffe tollwütiger Exemplare gefährdet waren, sondern sich unversehens in der Nahrungskette herabgestuft sehen konnten. Dass bevorzugt Kinder angegriffen wurden, ist einer der wahren Kerne in der Geschichte vom Rotkäppchen.

Um es noch einmal zu wiederholen: Der demütige Erzähler neigt zwar zu einer pointierten und polemischen Darstellung, ihm ist aber dennoch nicht an an einer Dämonisierung des Wolfes und der plumpen Hetze gegen ihn gelegen, sondern, im Gegenteil, an einer Annäherung an Realitäten, die von gewisser Seite aus gerne ausgeblendet werden. Der Wolf, der IM KONTEXT mit dem Ackerbau und Viehzucht treibenden Menschen tatsächlich AUCH dem Bild der reißenden, alles vernichtenden Bestie entspricht, ist eben näher an der Realität und durchaus faszinierender als der mit der ominösen „Scheu vor dem Menschen“ grundausgestattete, ewig mißverstandene Sündenbock, der seine Schüchternheit auch bei totalem Schutz nicht verliert, Kinder gutherzig zur Schule begleitet und sich von Mäh-Schäfchen ins Bockshorn jagen lässt, letztlich aber doch nur einTrug- und Wunschbild im postfaktischen Zeitalter unter dem Zeichen des rosa Einhorns darstellt. Es ist wie mit den Indianern: Was sind die ewigen Opfer-Öko-Indianer, die Winnetounten ohne Arsch in der Hose und Skalp am Gürtel und ähnliche Pappfiguren, gegen die realen Comanche, die, als randständiger Stamm von im Dreck wühlenden Wurzelfressern, kaum im Besitz des Pferdes (dass die Weißen auf den Kontinent gebracht hatten!) die anderen Stämme vor sich her jagten, die Apachen aus den Büffelgründen der südlichen Prärien in die kargen Wüsten und Gebirge des Südwestens trieben, die Expansion der Spanier (die die bronzezeitlichen Königreiche der Inka und Azteken ausgelöscht hatten!) nach Norden ebenso stoppten wie die der Franzosen nach Westen, die ein Binnemperium, die sogenannte „Comancheria“ schufen, um von dort aus bis weit in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein Nordmexiko auf ihren Raubzügen, die sie mitunter fast bis nach Mexico-City führten, mehrfach nahezu komplett zu verwüsten und zu entvölkern, während die geraubten Güter auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent, also auch unter den Weißen, gehandelt wurden? Ist nicht allein das phantastischer und erstaunlicher als der leblose Winnetou und die Öko-Pamphlete weiser Häuptlinge, die diesen von irgendwelchen Pfaffen untergeschoben wurden? Und so ist der Wolf in der Gestalt der Bestie von Gévaudan durchaus eine Realität, und selbst noch Rotkäppchen näher an einer solchen als der schüchterne Softie aus dem Setzkasten der Lupinen-Wolfsmanagement-Büros. Der Realität eines Apex-Predators, der mit Bären und Großkatzen in einer Liga spielt und die Verkörperung einer ungebändigten und durchaus feindlichen Natur darstellt, der gegenüber sich der Mensch als Hirte und Bauer behaupten musste, was letztlich unvermeidlich zu der Frage führt, ob und unter welchen Umständen der Wolf überhaupt in dicht besiedelte oder durch Weideviehaltung geprägte Landschaften passt, da er praktisch die Verkörperung des Gegenteils, einer ungezügelten und wilden Natur darstellt.

Die Dokumentation mit dem etwas sperrigen Titel „Die schwerwiegenden Folgen der Wiederkehr des Wolfes in Frankreich“ zeigt ein umfassendes Bild der „Kollateralschäden“, die der Wolf für die Weidewirtschaft und die Alpkultur mit sich bringt, zeigt in aller Deutlichkeit das Ausmaß der Desinformation bezüglich der Thematik, dass die Ausrottung keine Hexenjagd war, sondern rationalen Motiven folgte, ob man sie nun gut heißt oder nicht:

Die französische Dokumentation, auf Youtube im Jahr 2016 veröffentlicht, ist schweizerdeutsch synchronisiert, was für manche vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Dennoch würde ich sie als ein Muss für jeden an dem Thema Interessierten ansehen, da sie meines Erachtens nach ein authentisches und aufrichtiges Bild der Lage aus Sicht der Betroffenen zeigt und zudem die richtigen Fragen stellt. Es wird dargelegt, wie der Wolf unter totalem Schutzstatus seine „natürliche Scheu“ verliert, durch besiedeltes Gebiet, auch in der Nähe von Kindergärten u.ä. streift. Ein Historiker zeigt am Beispiel alter Chroniken und Register, welche Schäden die Wölfe durch Angriffe auf Weidevieh und Zugtiere der Volkswirtschaft zufügten und verweist auf die zahlreichen dokumentierten Angriffe auf Menschen. Der Schwerpunkt liegt auf den verheerenden Auswirkungen auf die Weide- und Alpwirtschaft durch die neu zugewanderten Wölfe, die in kürzester Zeit die Verhältnisse zum Kippen und die Hirten an den Rand der Existenz und darüber hinaus gedrängt hätten. Wanderschäferei und Alpwirtschaft mit Schafen wäre in den Wolfsregionen massiv erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Nachts müssten die Herden etwa in spezielle Gatter, alte Militärbunker oder ähnliches gepfercht werden, wo sie dann dichtgedrängt in ihren Ausscheidungen stehen würden, was zu Huf- und sonstigen Krankheiten führe. Die Schutzgatter würden von den Wölfen umkreist, was bei Panik zu den Schafen führe, die sich gegenseitig niedertrampelten oder schon mal die Umzäunung durchbrächen und blind in die Nacht hinausstürmten – den Wölfen ins Maul, auf Straßen und über Geländeabbrüche hinweg in den Tod, während die Hirten die traumatisierten Überlebenden zusammensammeln könnten. Das Hauptproblem bestünde jedoch am lichten Tage, frei weidende Herden würden ständig angegriffen. Das Gelände erlaube zudem oft nicht den Aufbau von mobilen Zäunen, deren Schutzwirkung sowieso meist nicht hinreichend sei, vor allem, wenn nicht elektrisch geladen. Zwei Meter hohe Zäune überwinde der Wolf fast mühelos, eine Schäferin muss im Naturschutzgebiet(!) regelmäßig entlang ihrer Umzäunung Herbizide spritzen, damit der elektrische Draht nicht durch hochwachsende Wildkräuter geerdet wird. Die anempfohlenen Herdenschutzhunde hätten keine durchschlagende Abhilfe gebracht, wären selbst verletzt, teilweise gefressen worden. Ähnlich sehe es bei den als vermeintlicher aggressiver Canidenschreck zur Herdenbegleitung empfohlenen Lamas und Eseln aus. Was die Herdenschutzhunde beträfe, so hätten sich diese in der Vergangenheit bewährt, als kleine Herden üblich waren, bei den großen Herden, die es heute brauche, um Alpwirtschaft und Schäferei rentabel zu machen, kämen Schutzhunde schnell an ihre Grenzen. Zudem machte man auch hier die Erfahrung, dass der Wolf sich mitnichten auf die wollig-wehrlosen Schafe beschränkte, sondern auch Rinder und Pferde angreife, töte oder zumindest schwer verletze, was Hirten, die wolfsbedingt vom Schaf auf Großvieh umstiegen, resignieren ließ. Überhaupt hinterlassen alle Beteiligten einen psychisch angeschlagenen Eindruck, machen auch keinen Hehl daraus, dass die Situation ihre psychische Belastungsgrenze sprenge, weshalb viele schon aufgegeben hätten.

Die Betroffenen betonen, dass sie ursprünglich nicht unbedingt begeistert von der Wiederkehr des Wolfes waren, aber durchaus bereit, sich darauf einzustellen. Nur hätten sich sämtliche Empfehlungen und Hilfen der zuständigen Stellen nicht bewährt. Unzweifelhaft, so meinen sie, sei der Wolf überaus intelligent. Und sämtliche letztlich defensiven Schutzmaßnahmen für das Weidevieh machten ihn nur noch intelligenter und quasi zu einem Monster. Die Wölfe würden durch die Schutzmaßnahmen trainiert wie die Ratte im Labyrinth und schafften es letztlich doch, irgendwie an die Beute zu gelangen, etwa zu lernen, wie sie elektrische Drähte überwinden können, wie sie die Herde in Panik versetzen und dazu bringen können, dass sie ausbricht. Man will Wölfe dabei beobachtet haben, wie sie hundertköpfige Schafherden methodisch über Klippen trieben, was keinesfalls aus der Luft gegriffen erscheint. Aus Sicht der Betroffenen gäbe es nur zwei Lösungen:

  1. Die Alp- und Weidewirtschaft in den Wolfsgebieten würde verunmöglicht, da das herdenschutztechnische Wettrüsten zwischen Hirten und Wolf letztlich sämtliche Möglichkeiten der ersteren übersteigen würde. Die Zukunft gehöre somit der Intensivtierhaltung mit ihren „Tierfabriken“, hier gäbe es keine Probleme mit dem Wolf, damit müssten sich die Liebhaber von naturnaher Weidewirtschaft und deren Produkten dann abfinden.
  2. Der totale Schutzstatus für den Wolf müsse gelockert werden. Insbesondere sollte es den Hirten gestattet sein, ihre Herden mit der Waffe zu verteidigen und angreifende Wölfe zu töten. Dadurch würden die Wolfspopulationen ihre Scheu vor dem Menschen wiedererlangen und auch den Herden eher aus dem Weg gehen. Dies sei die einzige Möglichkeit einer Koexistenz.

Der demütige Erzähler stimmt damit überein und hat wenig hinzuzufügen. Ja, wird sich manch einer denken, in Rumänien klappt es doch auch und in Italien schon lange? Nun ist aber das Ganze im Detail durchaus diffiziler, die Verhältnisse nicht einfach so zu übertragen. Was etwa Italien und seine Abbruzzen- und Appenninen-Wölfe betrifft, die schon Erik Ziemen gerne bemühte, ist anzumerken, dass diese bei dem auch dort geltenden totalen Schutzstatus und der wölfischen Populationsdynamik längst viel zahlreicher sein und sich dabei weiter ausgebreitet haben müssten, als es der Fall ist. Und obwohl der selige Erik Ziemen und viele andere Wolfsfreunde stets hervorkehrten, dass etwa in Italien diejenigen, die überhaupt keine Berührungspunkte mit den Wölfen hätten, die meisten Vorbehalte hegen würden, während die, die es tatsächlich mit ihnen zu tun bekämen, etwa Schäfer, am wenigsten ein Problem mit Canis lupus hätten, lässt sich die Stagnation der italienischen Wolfspopulation letztlich nur damit erklären, dass das die Italiener in ihrer anarchisch-widerborstigen Natur selbst in die Hand nehmen getreu dem Motto:

Obwohl, so sehr verschwiegen ist man dann doch wieder nicht, zumindest verscharrt man die Kadaver nicht immer gleich, sondern setzt auch mal ein unmissverständliches Zeichen:

Wölfe an Ortsschild aufgehängt, Kopf auf Verkehrsinsel

Die gegenwärtige Situation dürfte sich wohl in Italien wie in Deutschland dem von Ziemen und Konsorten gezeichneten Bild diametral entgegengesetzt verhalten: Diejenigen, die in und mit der Natur wirtschaften, allen voran Schäfer und Halter von Weidevieh, irgendwelche dickleibig-bärtigen, VEGANEN Gemüseschamanen zählen nicht, dürften mehrheitlich der Wiederkehr des Wolfes unter einem totalen Schutzstatus skeptisch gegenüberstehen, wenn sie sich nicht schon mit dem Rücken zur Wand gedrängt wähnen und entsprechende Maßnahmen ergreifen, während die eher wolfsferne, grünurbane Klientel dem Wolf grenzenlos offen gegenübersteht, weil sich im rosa Einhornland Bio-Lamm und Apex-Predator friedlich unterm Regenbogen vereinen. Dazu passend werden wir uns im dritten und abschließenden Teil dieser kleinen Reihe die Natur und den „Impact“ der Wolfsattacke an sich anschauen, inklusive einiger ins Auge springenden Parallelen und Analogien zur Migrationswaffe.

Nachtrag zum Gemüseschamanen:

Er hat nicht Unrecht im Bezug auf den mythologisch-psychologischen Aspekt der Wolfsthematik, das angelesene Wortgeklingel nimmt dem interspeziellen Konflikt jedoch nichts von seiner Schärfe:

Wölfe verkörpern die Urkraft von Freiheit und Abenteuer – sagt der Schweizer Künstler Peter Schneider. Es ist die Freiheit, vor der sich viele Schafsnaturen, die einen Hirten brauchen, fürchten. Eine Begegnung mit dem Wolf steht für Wandlung, für seelische Metamorphose. Psychoanalytiker finden in der Wolfssymbolik die finstere Seite des Unbewussten, den Ort unserer Urängste, den uns ständig folgenden »Schatten« (Zerling/Bauer2003:324).Diesen zu konfrontieren, anstatt ihn zu fliehen, bringt Heilung. Die grimmige Initiation der echten Schamanen besteht darin, den inneren Wolf, den Verwandler, die angsterregende Seite des Seins kennenzulernen, sodass sich die göttliche Ganzheit manifestieren kann. Der Wolf steht auch für sichere Instinkte. Auch die braucht ein Heiler,nicht nur angelesenes Kopfwissen.

-https://www.storl.de/neuigkeiten/was-bedeutet-wolfsmedizin/

9 Gedanken zu “Von Wölfen und Menschen II

  1. Schildbürger

    Für die beiden Wolfsartikel, Daumen nach oben.
    Das entspricht so ziemlich genau dem was ich mittlerweile darüber denke.

    Zugegebenermaßen stehe ich als eingefleischter Naturliebhaber einer Wiederansiedlung der Wölfe nicht grundsätzlich feindselig gegenüber (und bin früher auch durchaus auf solche Märchen wie Herdenschutzesel reingefallen…), aber das ist alles Andere als der Selbstläufer in Richtung „die machen doch nix, die haben Angst“ wie das aus zahlreichen Kreisen gerne behauptet wird.

    Raubtiere sind nicht edel und suchen einen gleichwertigen Kampf, die schnappen sich das was für den Moment am leichtesten zu erlegen ist.
    Die Vorliebe bei zweibeiniger Beute ohne Federkleid für Kinder, ausgezeichnetes Beispiel.
    Wenn man sich die Erfolgsquote tierischer Jagden in freier Wildbahn so anschaut (nicht sehr hoch), wenig verwunderlich dass das Viehzeug da nicht lange fackelt wenn sich eine Gelegenheit ergibt.
    Wenn das auf irgendeine Art und Weise funktionieren soll ist deine zweite Lösung absolut unumgänglich. So wird das mehr oder in allen Gegenden gehandhabt in denen es noch (oder wieder) Wölfe gibt, mittlerweile einschließlich bei den so gerne als noch doofer als die Deutschen verschrieenen Schweden.

    Die erste ist vermutlich eher unpraktikabel, die Beweidung von Grünflächen hat nicht nur romantische und kulinarische Hintergründe, sondern auch handfesten Nutzen wie an Deichen oder die gerne genannte Landschaftspflege die auch etwas mehr ist als reine Ästhetik.

    Ob das hierzulande überhaupt möglich ist, fraglich. Besiedlungsdichte und die heutzutage fehlende Erfahrung mit großen Raubtieren in freier Wildbahn kommen mir da in den Kopf.
    Mir hat sich da immer die Frage gestellt inwiefern es damals (wenngleich irgendwo nachvollziehbar) auf lange Sicht hin sinnvoll war die Wölfe überhaupt auszurotten, und ob da nicht noch andere Interessen, wie Jagdkonkurrenz mithineingespielt haben.
    Das geschah immerhin in Zeiten mit wesentlich geringerer Bevölkerungsdichte als heute, und Bauern und Hirten dürften damals auch noch wesentlich wehrhafter (bewaffnet) gewesen sein
    Da ist im Wikipediaartikel über den sog. Tiger von Sabrodt das Zitat aus „Wild und Hund“ von 1904 möglicherweise etwas entlarvend, das davon spricht dass sich nun hoffentlich bald der Wildbestand wieder erhole.
    Aber sei es drum, es ist wie es ist.

    Was ich als sehr interessant sehen würde etwas eingehender zu beleuchten ist die wirklich auffällige Gemeinsamkeit mit den „edlen Wilden“.

    Irgendetwas Anders zu mythifizieren ist allgegenwärtig, und vermutlich auch ziemlich alt. Es wird ja gelegentlich auch gemunkelt dass Tacitus‘ Germanica trotz gewissem Wahrheitsgehalt doch etwas schöngefärbt wurde um den Römern ein Vorbild gegenüberzustellen.
    Und heilige Tiere (die den Altvorderen wohl noch mehr zugesetzt haben dürften als den Leuten in der Neuzeit) gibt es in praktisch jedem Kulturkreis.
    Auf das Thema bezogen, „Lobo, der König von Currumpaw“ ist da auch ein eher neuzeitlicher Tiermythos über einen edlen, wilden Wolf, vom Autor doch stark verklärend aus eigenen Erfahrungen zusammengestrickt.
    Die Befürworter von Multikulti die keine Hintergedanken dabei haben weisen da ausgesprochen ähnliche Züge wie ein Karl May auf, die Zuwanderer sind selbstverständlich alle arm, verfolgt und im Grunde viel besser („hungriger“ hört man da im Zusammenhang gerne, Deutsche sind ja alle fürchterlich faul, und die Zuwanderer machen das „was Deutsche nicht machen wollen“).
    Und in gewisser Weise haben auch zahlreiche selbsternannte Konservative ihre eigenen „edlen Wilden“ im übertragenen Sinne, auch so Leute die absolut sakrosant und viel, viel besser sind als wir, und jede Abneigung gegenüber denen war und ist völlig irrational und einzig und alleine auf Neid und Horrorgeschichten aufgebaut. ^^

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  2. altrghtcrsdr

    Mir ist das zu billig.
    Genauso, wie es zero-tolerance für ursurpierende Fremdlinge, Vergewaltiger, Kulturdegeneratoren, gibt, geben sollte, geben müsste

    gäbe es zero-tolerance für solche Wolfsangriffe auf Schutzrudel.

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  3. Danke, Schildi und Häsle!

    Ja, der Wolfsstoff ist so spannend und vielschichtig, da könnte man dicke Wälzer drüber schreiben, wozu mir die Muße fehlt, weshalb ich die damit verbundenen Themen nur pointiert zu streifen vermag.

    Raubtiere sind nicht edel und suchen einen gleichwertigen Kampf, die schnappen sich das was für den Moment am leichtesten zu erlegen ist.
    Die Vorliebe bei zweibeiniger Beute ohne Federkleid für Kinder, ausgezeichnetes Beispiel.

    Ja, sie versuchen halt, jede Verletzung zu vermeiden, da eine solche die Fähigkeit zu jagen einschränken und dadurch letztlich zum Tod führen könnte. Dennoch ist es gerade beim Wolf, von dem immer noch das Bild verbreitet ist, dass er sowas wie ein Schwächling und nur im Rudel stark ist, erstaunlich, an was für Brocken sich auch einzelne Wölfe wagen, wie das von mir hier reingestellte Drohnenvideo aus Kanada zeigt. Der Wolf greift den Elch, der ein vielfaches so schwer ist wie er selbst und über tödliche Waffen verfügt, zielstrebig und sehr gewandt und geschickt im Alleingang an. Der Elch hat sich in einen Fluss geflüchtet, wo er aufgrund seiner langen Beine noch Boden unter den Hufen hat, während der Wolf zum Schwimmen gezwungen ist. Dennoch gelingt es dem Wolf mehrfach, sich in der Flanke des Elchs zu verbeißen. Der Elch kann ihn letztlich nur mit ziemlicher Mühe abschütteln, es bleibt der Eindruck, dass nicht allzuviel gefehlt hätte, und dem Wolf wäre es gelungen, die Flanke des Elchs aufzureißen. Man sieht auch nicht genau, wie schwer das davonziehende Tier verletzt ist. Den Wolf sieht man aus dem Fluss steigen und, sich das Wasser aus dem Pelz schüttelnd, zu seinen Rudelgefährten gesellen, die auf einem Eisenbahngleis unweit des Ufers dösen und sich die Jagd sonstwo vorbeigehen ließen. Vielleicht allesamt nicht hungrig genug, sonst hätte es für den Elch anders geendet. Ich habe auch lange Wölfe für feige Schwächlinge gehalten, die man leicht verjagen oder mit einem Knüppel oder dergleichen abwehren könne, die deshalb im Gegensatz zu Bären nicht so für voll zu nehmen sind. Eine genauere Recherche und Material wie dieses haben mich eines besseren belehrt.

    Mir hat sich da immer die Frage gestellt inwiefern es damals (wenngleich irgendwo nachvollziehbar) auf lange Sicht hin sinnvoll war die Wölfe überhaupt auszurotten, und ob da nicht noch andere Interessen, wie Jagdkonkurrenz mithineingespielt haben.

    Wie ich bereits schrieb, ergab sich die Ausrottung aus rationalen Überlegungen und der Dynamik des Mensch-Tier-Konflikts heraus geradezu zwangsläufig. Man sieht ja besonders dort, wo Schäferei, Weideviehhaltung und Alpwirtschaft tatsächlich ein Wirtschaftsfaktor sind, wie die Rückkehr des Wolfes einschlägt. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Neubesiedlung Deutschlands mit Wölfen hauptsächlich über den dünn besiedelten Osten erfolgte und nicht z.B. über das intensiv weidewirtschaftlich genutzte Allgäu. Genau genommen wurde der europäische Wolf auch nicht ausgerottet, seine Populationsgrenze wurde nur infolge der angesprochenen Dynamik weit nach Osten verschoben. Die Population selbst ist riesig, nicht gefährdet und ihr Verbreitungsgebiet reicht von Sachsen und Polen bis Wladiwostok! Was wir hier haben ist sozusagen der Westrand dieser Population. Das mit der Jagdkonkurrenz spielt sicher auch hinein, so wie bei allen Raubtieren. Die Jäger verstanden sich lange als Heger des Wilds und wollten keine Konkurrenz neben sich dulden. Lange war hier auch die Jagd ein Privileg des Adels und somit ein Ausweis von Herrschaft – die Hirsche gehörten dem König oder den jeweiligen Landesherrn und niemandem sonst! Diese Herrschaften waren schließlich die wildesten Raubtiere und die Herren über Leben und Tod, die keine Konkurrenz neben sich duldeten.Ich konnte das auf jeden Fall lange nicht nachvollziehen, denn ein Revier mit Raubtieren erschien mir immer interessanter als eines ohne, vorausgesetzt, der Jäger dürfe auch diese jagdlich nutzen und Material für nen Wolfsfellmantel sammeln. Allerdings ist Jagdkonkurrenz unter den Raubtieren selbst stark verbreitet, Hyänen und Löwen führen da regelrecht Krieg. Löwen töten Hyänen wann immer sie sie erwischen, meistens ohne sie zu fressen. Zwischen den Wölfen und den Steinzeitjägern muss sich da allerdings eine symbiontische Beziehung entwickelt haben. Wenn ich kann, werde ich das noch näher ausführen.

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    1. Schildbürger

      Völlig richtig.

      Wölfe sind wie zahlreich dokumentiert ausgesprochen fähige Jäger, aber wenn sie eine Beute mit weniger Aufwand erlegen können dann tun sie das auch. Völlig nachvollziehbar, selbes Ergebnis mit weniger Aufwand.
      Anderes Beispiel, Filmaufnahmen in welchen dokumentiert ist wenn Wölfe Elchkühe mit Kälbern angreifen. Da wird das Muttertier mehr oder weniger außen vorgelassen.

      Und das wäre der Knackpunkt für ein mögliches Nebeneinanderleben, den Wölfen die Weidetiere so gründlich und nachdrücklich vergällen dass sie sich z.B. lieber den mittlerweile ausgesprochen zahlreichen Wildschweiden widmen.
      Kein Samthandschuh, kein Artenschutz, da wäre tatsächlich null Toleranz gefragt.
      Und, entgegen von dem was Wolfsgegner gerne anführen, Wölfe werden durchaus mit Wildschweinen fertig. Ebenfalls zur Genüge filmisch belegt.

      Aber deswegen mein Gedanke ob die hiesige Ausrottung auf lange Sicht sinnvoll war.
      Dadurch ist uralte Expertise im Umgang mit Raubtieren verlorengegangen.

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      1. Schildbürger

        Wie der Wolf zum Hund wurde, sehr interessantes Thema.
        Die Vermutung liegt nahe dass Wölfe den steinzeitlichen Jägern gefolgt sind um ihnen entweder die Beute streitig zu machen oder die Überreste zu fressen.
        Das ist ebenfalls weit verbreitet im Tierreich, einen Anderen die Drecksarbeit machen lassen und ihn dann vom Lohn seiner Mühen verjagen bzw. warten bis der Andere satt ist.
        Da ist der angeblich so edle Löwe auch kein Kind von Traurigkeit, die jagen entgegen diverser Verklärungen auch sehr gerne Hyänen die Beute ab, nicht nur andersherum.

        Dann rechne man dazu dass Hundeartige ausgesprochen clevere Tiere sind und womöglich irgendwann auf den Trichter gekommen sind dass wenn sie die zweibeinigen Jäger zur Beute führen und die diese dann erlegen sie irgendwie davon profitieren.

        Zu guter Letzt noch die Forschungen von z.B. Beljayev dazu, und grob verkürzt wäre das so ein Gedankenansatz wie der Mensch auf den Hund gekommen ist.

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  4. Und in gewisser Weise haben auch zahlreiche selbsternannte Konservative ihre eigenen „edlen Wilden“ im übertragenen Sinne, auch so Leute die absolut sakrosant und viel, viel besser sind als wir, und jede Abneigung gegenüber denen war und ist völlig irrational und einzig und alleine auf Neid und Horrorgeschichten aufgebaut. ^^

    Genau! Auch diesbezüglich kann man aus der Wolfsdebatte seine Schlüsse ziehen.

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  5. altrghtcrsdr

    Ich habe das schon verstanden, darling!

    Zum Schadprädatoren Wulff werde ich auch noch was pinseln.
    Hier gibt es eine Manifestation, die -so ähnlich- angewandt werden sollte:

    später mehr

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