Von Wölfen und Menschen I

Von der Wolfsdebatte und ihren Blüten zu Drachentötern und deren Rehabilitation

Ein Bild von einer Bestie

Die Wiederkehr des Wolfes ist eine für den Erzähler überaus faszinierende und interessante Thematik, weshalb er das Geschehen und insbesondere die Diskussion darüber recht aufmerksam mitverfolgt. Dies liegt zum einen an der Faszination, die von dem Großraubtier selbst ausgeht, vor allem aber daran, wie sich hier gesellschaftliche Befindlichkeiten, Projektionen , Ängste und Wunschvorstellungen abbilden, die mehr über die involvierten Menschen aussagen, als über das im Zentrum der Kontroversen stehende Tier. Ganz zu schweigen von den sich geradezu aufdrängenden Parallelen zu anderen hier bereits abgesprochenen Themen, wie zum Beispiel dem der ökologischen Naivität bei Dodo und Mensch.

Um es vorweg zu nehmen: der demütige Erzähler stand lange der Wiederkehr des Wolfes überwiegend positiv gegenüber, neigt seit längerem jedoch mehr und mehr der Ansicht zu, dass der Wolf schlichtweg nicht mehr oder nur unter bestimmten Bedingungen in dicht besiedelte Kulturlandschaften passt, insbesondere, wenn dort in irgendeiner Form Weidewirtschaft eine größere Rolle spielt. Wie er zu dieser Ansicht gekommen ist, soll hier in einer Wiedergabe der Wolfsdiskussion in ihren Grundzügen erschlossen werden, vor allem auch im Hinblick auf gewisse Punkte, die über den Umgang mit Canis lupus hinweg auf andere Zusammenhänge verweisen.

Der demütige Erzähler ist mit dem Bild vom Wolf als missverstandener, verleumdeter und zu Unrecht verfolgter und ausgerotteter Kreatur aufgewachsen, das auch etablierte Wolfsexperten, wie etwa Erik Ziemen, verbreiteten. Der Schaden, den die Wölfe unter den Weidetieren angerichtet hätten, wären stark übertrieben dargestellt worden, auch wenn durchaus eingeräumt wurde, dass Wolfsangriffe arme Bauern in ihrer Existenz bedrohen konnten. Im Grunde sei aber mit Herdenschutzhunden und entsprechenden Umzäunungen durchaus Abhilfe und somit Koexistenz möglich, zumal dem Wolf, verfüge er nur über ausreichend Wild als Beute, Weidevieh eigentlich auch gar nicht recht schmecke und Angriffe auf Menschen ohnehin dem Reich des Märchens und der Fabel zuzurechnen seien, sowas brächten allenfalls tollwütige Tiere fertig, gesunde Wölfe verfügten über eine „natürliche Scheu“ vor dem Menschen, allenfalls seien mal Zugpferde von völlig ausgehungerten Wölfen angefallen worden und die Kutscher und Fahrgäste dachten, der Angriff habe ihnen selbst gegolten usw. usf.

Als die ersten Wölfe sich, aus Polen kommend, mehr als 150 Jahre nach ihrer Ausrottung wieder im vergleichsweise dünnbesiedelten Osten der BRD, auf Brachland und Truppenübungsplätzen, ansiedelten, gründete man für die Kommunikation mit der Bevölkerung und das „Wolfsmanagement“ sogenannte „Wolfsbüros“, besetzt mit jungen Wildbiologinnen, die sich neckisch „Lupinen“ nannten, und ihr bestes gaben, eventuellen überzogenen Ängsten in der Bevölkerung mit rationalen Argumenten zu begegnen. Der Wolf sei von Natur aus scheu, meide den Menschen, Weidetiere schmeckten ihm nicht recht und wenn doch, lasse er sich schon durch Krötenzäune entmutigen. Mit dem Anwachsen und der Ausweitung der Wolfspopulation musste dann allerdings so manche Empfehlung korrigiert werden: der Zaum sollte nun zwei Meter Höhe aufweisen, einen Meter tief in die Erde reichen und zudem am besten elektrisch geladen sein, weshalb nach und nach die dortigen Wanderschäfer resigniert das Handtuch warfen, da derartige Schutzmaßnahmen ihre Möglichkeiten überstiegen – nun denn, sie waren dort eh kein Wirtschaftsfaktor sondern subventionierte Landschaftspfleger, und der Wolf ist halt schon sexier als eine museal gepflegte Kulturlandschaft.

Die „natürliche Scheu“ vor dem Menschen legte sich beim total geschützten Isegrimm ebenso, wie man es bei Löwen in den afrikanischen Nationalparks oder den Füchsen in der Großstadt beobachten kann – warum sollte auch ein Tier angesichts von etwas, von dem keine Gefahr ausgeht, das eventuell sogar eine neue Nahrungsquelle darstellt, Energie in Flucht- und Meideverhalten investieren? So wurde dann schon mal ein Rekrut der Bundeswehr beim einsamen Nachtmarsch von einem Rudel auf Schritt und Tritt begleitete, was ihn letztlich durchaus ängstigte, so dass er auf einem Hochstand Zuflucht suchte. Auch folgten Wölfe Schulkindern zur Bushaltestelle oder beäugten die dort wartenden Kinder interessiert – „harmlose Neugier von Jungtieren“ oder schon die erste Stufe einer bedrohlichen „Habituierung„? Kritiker mahnten, diese „Neugier“ wäre nun mal das ganz normale Verhalten von Raubtieren, die sich vorsichtig neue Futterquellen erschlössen, andere wiederum meinten, der Wolf sei auch so etwas wie ein hochintelligentes, soziales, kontaktfreudiges Wesen, ein Delfin der Wälder sozusagen, der einfach auch mal Anschluss an Artfremde suche – Rotkäppchen lüge also und Flipper nicht? Nunja, die Domestikation des Hundes als ältestem Haustier und Begleiter des Menschen hatte ja zunächst mal einen Bund mit dem Wolf zur Voraussetzung gehabt. Zudem fehlen hierzulande bislang bestätigte Angriffe auf Menschen und als der nette und zutrauliche sächsische Wolf „Kurti“ abgeschossen, bzw., wie man heute sagt, „letal der Wildbahn entnommen“ wurde, nachdem er die Hunde von Spaziergängern attackiert hatte, war das Geheul der Wolfsfreunde ein entsprechend großes.

In anderen Weltgegenden sind hingegen Wolfsattacken durchaus gängig, und das keineswegs nur von Seiten tollwütiger Exemplare. Aus Indien etwa drang immer wieder Kunde über ganze Populationen menschenfressender Wölfe, die sich mit Vorliebe Kinder aus den Dörfern holten. Wobei die Umstände hier nicht mit Deutschland und Europa vergleichbar waren – die Wolfsrudel lebten teilweise auf Müllhalden in unmittelbarer Nähe der Dörfer oder waren zumindest durch Abfall und Tierkadaver angelockt und habituiert worden. In durchaus entlegenen Teilen Kanadas und der USA gab es zwei mutmaßliche Fälle in der jüngeren Vergangenheit, in denen Menschen von Wölfen angegriffen und gefressen worden waren, wobei in einem davon, dem Fall eines jungen Mannes in Kanada, eine Täterschaft von Schwarzbären nicht völlig ausgeschlossen werden konnte. Beim Fall der Ultra-Läuferin Candice Berner, die bei einem Trainingslauf in Alaska, nahe ihres Wohnortes, von einem Wolfsrudel attackiert und zerrissen worden war, war der Fall klar und kann in allen Einzelheiten nachgelesen werden.

Bei Betrachtung der beiden Fälle auf dem amerikanischen Kontinent fällt ins Auge, dass der Wolf mittlerweile über eine starke und wortmächtige Lobby verfügt, die sich mit allen verfügbaren Mitteln für das Tier einsetzt, das in auch den USA mit Ausnahme von Alaska nahezu vollständig ausgerottet worden war. So war man sehr bemüht, die beiden Todesfälle, flapsig ausgedrückt, anderen Tieren, wie etwa Bären, streunenden Hunden oder dem Vielfraß anzuhängen, auch betrieb man kräftig „Victim Blaming“, so habe die frisch zugezogene Läuferin eventuell Ohrhörer drin gehabt, sei in der Nähe einer Müllhalde unterwegs gewesen, die alteingesessene Bewohner der Gegend eher meiden würden, weil sie Raubtiere anzöge, habe durch Wegrennen den Jagdreflex des Rudels ausgelöst, wozu auch ihre kleine, zierliche Statur beigetragen haben mag, uswusf. Das mag ja alles nicht ganz verkehrt sein, aber Vehemenz und Bemühtheit sind auffällig und lassen ahnen, das hier mehr als nur Sachaspekte zum tragen kommen.

Auch hierzulande, wo der Wolf laufend Boden gut macht, zieht man sich mittels grotesker Zöpfe aus der Erklärungsnot. Bei Cuxhaven reißt das „Küstenrudel“ die wolligen Rasenmäher von den Deichen und gefährdet dadurch die Hochwassersicherheit, da die Bodenverdichtung und Beweidung durch die Schafe elementar zur Deichpflege dazugehören. Auch die hinter den Deichen stehenden schwarzbunten Rinder werden auf- oder zumindest angefressen, was sich ebenfalls nicht gehört, da aus den „Wolfsbüros“ verlautbart wurde, dass Schafe dem Wolf nicht sonderlich schmeckten und Rinder, ebenso wie Pferde, schon zu groß und zu gut bewehrt seien um ihm zum Opfer zu fallen (hierzu fällt dem Erzähler die grauenhafte Disney-Doku „Never Cry Wolf“, dt.: „Wo die Wölfe heulen“ aus dem Jahr 1983 ein, in der, öhm, „nachgewiesen“ wurde, dass die arktischen Wölfe – tatsächlich Großwildjäger – sich fast ausschließlich von Lemmingen ernähren würden, also nichts mit dem Rückgang der Karibu-Populationen zu tun hätten). Also erklärte man sich das unbotmäßige Wolfsverhalten damit, dass hier die Mutterwölfin zu früh verschieden wäre um ihren Welpen den lupinengerechten Wolfskodex nahe zu bringen, während Kritiker und Miesmacher darauf verwiesen, dass die Welpen beim Tod des Muttertieres schon mindestens im jungen Erwachsenenalter gewesen waren und Raubtiere im allgemeinen durchaus opportunistisch wären, das fräßen, was sie überwältigen könnten und da gehörte bei einem Wolfsrudel durchaus so großes und bewehrtes Wild wie ausgewachsene Bisons oder Elche dazu. Gerade letztere werden von Wölfen durchaus auch mal im Alleingang überwältigt, oder es wird zumindest versucht, so wie hier in diesem Drohnenvideo festgehalten – der Huftritt eines Elchs kann einen Wolf auf der Stelle schwer verletzen oder töten:

In Thüringen dagegen verursacht eine mit Haushunden verpaarte Wölfin einige Aufregung, da man sich zum einen um den Genpool des Wildtieres Wolf sorge, da hier noch gilt, was man bei Homo sapiens in strikte Abrede stellt, zum anderen wären die Hybriden im Gegensatz zur Wildform des Wolfes mit seiner angeblichen „natürlichen Scheu“ tatsächlich eine Gefahr für den Menschen, da sich bei ihnen die fehlende Scheu vor dem Menschen des Haushundes mit der Aggressivität des Wolfes verbinde. Dies ist für manche ein schlagendes Argument gegen die Duldung von Wölfen in Kulturlandschaften, da hier überall mit Bastardisierung durch Haushunde zu rechnen sei, was somit den Wolf als Art wie auch die Sicherheit der Menschen bedrohe.

Dabei ist das Objekt auf allen Ebenen ein tückisches: So war man zunächst davon ausgegangen, dass die Hybriden, trotz ihrer auffälligen weil schwarzen Fellfarbe, gar keine wären, da man in der DNA keine Spuren von Haushunden gefunden habe. Leider musste man dann einräumen, dass bei der Kombination von Mutter Wolf, Vater Hund, wie im gegebenen Fall, selbige überhaupt nicht nachweisbar seien, da man bei den gängigen Verfahren nur die Mitochondrien-DNA und damit die mütterliche Linie analysiere. Aha. Nachdem man sich dann doch Gewissheit verschafft hatte und einig war, die hybriden Schwärzlinge der Natur zu entnehmen, traten neue Hemmnisse auf. Zum einen waren die Hybridchen zu schlau um sich lebendig fangen zu lassen, zum anderen ist der Wolf ein streng geschütztes Tier mit totalem Schutzstatus, weshalb eine Tötung empfindlich und mit mehrjährigen Haftstrafen geahndet werden kann.

Letzteres führt dann schon mal dazu, dass sich im Falle eines angefahrenen Wolfes von den herbeigerufenen Polizisten keiner traut, das sich in Qualen windende Tier mit einem Fangschuss zu erlösen. Letztlich beschied man, die Hybriden zu erschießen, da sie den Bestand des Genpools der wildlebenden Wölfe gefährdeten, aha. Welch Rassismus, wo doch angeblich Genanalysen von Wölfen auf dem amerikanischen Kontinent bestätigt hätten, dass die bei diesen recht häufige Schwarzfärbung auf eine Vermischung mit den Hunden der Ureinwohner zurückgehe. Und während sich der Wolf als lauf- und wanderfreudige Art weiter in der BRD ausbreitet, dabei mitunter wenig von einer „natürlichen Scheu“ zeigt wohingegen sich der Blutzoll unter den Nutztieren mehrt, schießen sowohl in Fragen des praktischen Umgangs wie auch in Grundsatzdikussionen darüber die skurrilen Blüten wie die Emotionen in Kraut, verlassen schon einmal Politikerinnen angesichts der schlichten Überlegung einer Aufnahme des Wolfs ins Jagdgesetz weinend Plenarsäle, wobei in punkto Narrheiten in einem Land, in dem der Mann, der den „Problembären“ Bruno mit einiger Berechtigung erlegte, mit noch mehr Berechtigung anonym bleiben musste, noch reichlich Luft nach oben besteht.

Der Zwischenstand, sowohl der Reconquista Mitteleuropas durch den Wolf  als auch der diese begleitenden und sich zunehmend erhitzenden Debatte, ist für euren demütigen Erzähler nun derart gelagert, dass sich im Verlauf mehr und mehr herauskristallisiert hat, dass die Ausrottung des Wolfes nicht den Impulsen einer irrationalen Hexenjagd folgte, sondern, im Gegenteil, sich aus rationalen Überlegungen und der Dynamik in einem überaus realen Konflikt zwischen Mensch und Großraubtier heraus  geradezu zwangsläufig ergeben hat.

Weitgehend konfliktfrei oder gar symbiontisch mit dem Wolf zu leben, dazu waren am ehesten noch steinzeitliche Jägernomaden im Stande, zwischen solchen und einer mittlerweile ausgestorbenen wölfischen Abstammungslinie war es ja wohl auch nach derzeitiger Annahme vor ca. 15 000 Jahren zu dem Pakt gekommen, aus dem der Hund als Begleiter des Menschen hervorgegangen ist. Allerdings war es schon Lewis und Clark während  ihrer berühmten Transamerika-Expedition zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts, aufgefallen, dass die Wölfe dort immer mindestens eine respektvolle Pfeilschußweite Abstand zu den Ureinwohnern einhielten. Bei allen Hirtenvölkern war der Wolf von jeher ein Todfeind, Vernichter der Herden und damit der Existenz der Menschen und deshalb gnadenlos verfolgt und getötet bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Bei den sesshaften Viehzucht und Ackerbau treibenden Völkern Europas war es nicht viel anders, auch wenn der Wolf stets ein mit Magie und symbolhafter Bedeutung aufgeladenes Tier war, verkörperte er dabei doch die destruktiven Gewalten, wie etwa der gewaltige Fenriswolf der nordischen Götterwelt, der gebunden und in Schach gehalten werden muss, weil er ansonsten die Sonne verschlingt und das Ende der bestehenden Ordnung einleitet.

Warum sollten auch die alten Chroniken durchgehend gelogen haben, in denen der immense Schaden durch Wölfe an Weidevieh und Zugtieren protokolliert wurde? Man bedenke auch die zentrale Bedeutung letzterer für Transport und Logistik in den damaligen Zeiten vor dem Aufkommen des Verbrennungsmotors und der Zugmaschinen.

Der Bedrohungsgrad für den Menschen war von verschiedenen Faktoren abhängig. In den marginal-ländlichen Regionen Frankreichs etwa, wo die Herden häufig von Kindern gehütet wurden, waren Wolfsangriffe auf diese durchaus üblich. Richard H. Thompson, ein erklärter „Skeptiker“, hat in „Wolf-Hunting In France in the Reign of Louis XV – The Beast of the Gévaudan“ nach detaillierter Recherche recht überzeugend darlegen können, dass es sich bei der berühmten Bestie, die das Vieh verschmähte und Männer, Frauen und Kinder zu Dutzenden fraß, worüber sich unzählige Mythen und Spekulationen ranken, höchstwahrscheinlich nichts anderes gewesen sei als ein Pärchen menschenfressender Wölfe.

Nachdem der zweite davon von dem als verschrobener Sonderling geltenden Jean Chastel (in der Welt herumgekommen und allein schon deshalb der isoliert-inzestuösen Dorfgemeinschaft nicht geheuer) abgeschossen wurde, hatte es mit den Angriffen, die 1664-1667 insgesamt etwa hundert Menschen das Leben gekostet hatten, ein Ende, was den Herrn Chastel nicht vor dem üblen Leumund bewahrte, er habe das Biest selbst gezüchtet und auf die Dörfler losgelassen – zu seiner perversen Erbauung, und um sich nach der Erlegung als Held gerieren zu können. In diese verschwörungstheoretische Kerbe haut auch das einigermaßen bekannte französische Trash-Spektakel „Pakt der Wölfe“ (2001), nur ist hier ein Jean-François de Morangias der „Herr der Bestie“ und diese ein in eine Metallrüstung gekleideter Löwe, den er als Jungtier aus Afrika mitgebracht hatte. Aus der neuen Welt importierte edle Wilde hatten dagegen längst erkannt, dass die Wölfe selbst, auf die Treibjagden veranstaltet werden, nur Sündenböcke und Unschuldslämmer sind – ganz im Sinne des populären ökokitschigen Narrativs, weshalb die Lämmer im Wolfspelz auf ihrer Flucht vor Häschern und Hunden auch mit melancholischem Indianergeflöte begleitet werden und dabei besonders flauschig anzusehen sind.

Richard H. Tompson hingegen lieferte mit „Wolf Hunting In France“ eine solide Rehabilitierung des mutmaßlichen Erlegers der Bestie ab, weshalb er es sich, nach all der nüchternen Analyse der soziologischen und historischen Gegebenheiten auch leisten kann, die Imagination spielen zu lassen, sich mit bewegenden Worten zu epischer Hymnik aufzuschwingen und Jean Chastel in das Gewand des ewigen, archetypischen Drachentöters zu kleiden, den dieser, sollte es sich alles so zugetragen haben, in diesem Moment auch tatsächlich verkörperte. Und er zeigt damit nicht nur eine mögliche Erklärung für die Entstehung der uralten Mythen auf, sondern lässt auch erahnen, warum die Wolfsdebatte so emotional aufgeladen ist und tief ins kollektive Bewusstsein rührt.

Old Jean Chastel – he was then at least sixty-five years of age – was quietly reading the litanies of the Holy Virgin when, above the din made by d‘ Apcher’s men and dogs, he heard a large animal crashing through the heavy undergrowth of the Tenazeyre woods. The formidable patriarch, the man whose grey head was the seat of so many mysteries and secrets, was still engaged in the uncharacteristic act of reading a devotional book, when he glanced up from his page and saw the Beast itself, in all its terrible splendor, at a distance of only twenty yards. The creature stopped, as if surprised by the sudden apparition of the human, the ancestral enemy, the only being in his world more dangerous than the Beast himself. The Beast glared at his nemesis with his deep yellow eyes, his tongue lolled from his great red mouth, his fangs reflected the morning light. Chastel closed his prayer book, folded his steel-rimmed spectacles and put them into his jacket pocket, and raised his musket to his shoulder. The beast remained immobile, with only his great, bushy tail trashing from side to side, as if transfixed by the overpowering realization that his career of slaughtering the weak, the unpepared, and the isolated was at least drawing to its close.

Chastel fired and the Beast fell, wounded to death. The animal twitched convulsively a few times and perished miserably when the dogs of M. le Marquis d’Apcher came up. Jean Chastel put down his musket and walked forward, silent amidst the rustling of the dark green leaves of the treees, the barking of the dogs, and the breathless congratulations of the beaters. He looked at the torn carcass at his feet for a time and then said softly, as if talking to someone or something very far away, „Beast, thou wilt kill no more.“

In one glorious instant, Jean recapitulated a hundred thousand or more years of the human struggle against evil in its most palpaple form. He became Har slaying Sutekh in the marshes of the Delta, unnumbered years ago. He was Perseus killing the dragon on those same shores to rescue Andromeda. He was akin to the weirdly transformed Horus of the last days of the old religion, falcon-headed Roman centurion on horseback, driving his lance into the lumpish crocodile Set-Typhon. He was Saint George, the Farmer and Roman commander, piercing the flank of the Dragon. He was a reincarnation of Bishop Hilaire, who comes to the aid of that pious lady, Saint Enimie, and caused the mountain to fall on the fearsome Coulobre, who was devastating the countryside and annoying the saint. He was every hero of the Old World and the New who has confronted the Evil that threatened to destroy the fields, flocks, and families, those frail but enduring bearers of our civilization. He was ourselves as we struggle against the trials that are sent by an insensitive nature and the evil that is willed by man.


Richard H. Thompson,
„Wolf-Hunting In France in the Reign of Louis XV – The Beast of the Gévaudan „
New York, 1991

2 Gedanken zu “Von Wölfen und Menschen I

  1. altrghtcrsdr

    Die „Integration“ des „Wulff“ ist eben der Lackmustest, wie sehr sich ein völlig durchgegendertes, verschwultes, von vorne bis hinten bereichertes, deeskalationsbesoffenes Volk, aähhh, Bevölkerung, ähhh Weltenmenschen sich von hoch-sozialisierten und hart, schnell und brutal zuschlagenden Clan-Hundeartigen zerbeißen lassen wollen.

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